Hintergründe

Grüne Erneuerung findet mit dem Panzer statt

Was hat dieses Flecktarn-Selfie mit dem Treuhand-Untersuchungsausschuss gemeinsam? Ein Kommentar des Soziologen Oskar Fischer über grünen Kapitalismus und Militarismus.

Grüne Erneuerung findet mit dem Panzer statt

Der Stolz ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Cem Özdemir und Tobias Lind­ner posieren in Inspek­tions-Uni­form für die Bun­deswehr. Es ist kein zufäl­liges Bild für die sozialen Medi­en, das am „Tag der Bun­deswehr“ entste­ht, son­dern die Grü­nen-Bun­destagsab­ge­ord­neten veröf­fentlichen gle­ich noch in der Frank­furter All­ge­meinen unter dem Titel „Warum grüne Außen­poli­tik die Bun­deswehr braucht“ eine Stre­itschrift für den deutschen Mil­i­taris­mus. Die „BILD“ freute sich über die grü­nen „Prak­tikan­ten bei der Truppe“.

Das ganze war ein Art Mil­itär-Spiel: Die „Dien­stliche Ver­anstal­tung zur Infor­ma­tion in der Stre­itkräfte­ba­sis“ (InfoD­Vag), an der neben Wirtschaft­sleuten und Appa­ratschiks auch Mit­glieder des Bun­destags (MdB) teil­nehmen dür­fen, bein­hal­tet unter anderem „eine Einweisung/Ausbildung an den Hand­waf­fen Pis­tole P8 und Gewehr G36 ein­schließlich schar­fem Schuss“ sowie „eine erleb­nisori­en­tierte Aus­bil­dung mit Inhal­ten der All­ge­meinen Grun­daus­bil­dung (zum Beispiel ‚Leben im Felde‘)“. Scherzhaft vere­in­barte man nach diesem kleinen Aben­teuer auf Twit­ter mit Alexan­der Lamb­s­dorff (FDP, auch MdB), näch­stes Mal gemein­sam ins Felde zu ziehen.

Die Fortsetzung des grünen Kapitalismus mit anderen Mitteln

Soviel zur Farce mit dem Self­ie. Was ste­ht also im zuge­höri­gen Artikel, der in der FAZ hin­ter ein­er Pay­wall liegt? Ex-Parteivor­sitzen­der Özdemir und sicher­heit­spoli­tis­ch­er Sprech­er Lind­ner schreiben:

Vor zwanzig Jahren ging der Koso­vo-Krieg zu Ende. Die Entschei­dung, diesen Nato-Ein­satz als Teil der rot-grü­nen Bun­desregierung mitzu­tra­gen, war eine der größten Zer­reißproben für unsere Partei. Unter dem Strich hat sie uns als Friedenspartei jedoch gefes­tigt, denn heute sagen wir klar: Es braucht als äußer­stes Mit­tel auch den Ein­satz des Mil­itärs, damit Deutsch­land und Europa ihrer human­itären Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den kön­nen.

Wenn die bei­den Autoren hier von ein­er „Friedenspartei“ sprechen, ist das erst ein­mal Zynis­mus. Sehen wir aber genauer hin, bedeutet die grüne „Ulti­ma Ratio“ des Krieges doch nur eine Bestä­ti­gung, dass Krieg nach Clause­witz die Fort­set­zung der Poli­tik mit anderen Mit­teln ist. Eine Fort­set­zung, die die Grü­nen seit den 1990ern immer aggres­siv­er suchen. Denn nicht nur den ersten deutschen Krieg­sein­satz seit Hitler haben die Grü­nen zu ver­ant­worten, der im Koso­vo aus „human­itären“ Grün­den angezettelt wurde… wie eine deutsch-impe­ri­al­is­tis­che Wid­mung, noch ganz am Ende eines Jahrhun­derts der Kriege. Die Grü­nen, die sich gern mit „Refugees Wel­come“ brüsten, führen in Baden-Würt­tem­berg, wo sie die Regierung anführen, Abschiebun­gen unter anderem nach Koso­vo, Alban­ien, Ser­bi­en und Maze­donien durch – der Region, auf die sie zuvor mit dem „human­itären“ Koso­vo-Ein­satz Bomben war­fen und Uran­mu­ni­tion abschießen ließen.

Auf den Koso­vo-Krieg und die anschließende Besatzung fol­gte ab 2001 die Beteili­gung an der Eroberung und Besatzung Afghanistans. Bei­de Besatzun­gen hal­ten bis heute an, Koso­vo ist zu ein­er deutsch geführten EU-Kolonie gewor­den. Seit­dem waren die Grü­nen immer Scharfmacher*innen: Ob in Libyen 2011, als sie die damals schwarz-gelbe Regierung für die FDP-geführte Enthal­tung im Sicher­heit­srat kri­tisierten, oder erst ver­gan­ge­nes Jahr in Syrien, als sie für einen Kampfein­satz agi­tierten.

Die Grü­nen wollen Krieg – aus zwei Grün­den, die ihre ganze kap­i­tal­is­tis­che Poli­tik fort­set­zen: Erstens, weil grün­er Lib­er­al­is­mus auf großen Aus­land­süber­schüssen beruht. Der “grüne Struk­tur­wan­del” mit Dig­i­tal­isierung, Elek­tro­mo­bil­ität etc. braucht eine expan­sive Außen­poli­tik, weil durch den hohen tech­nis­chen Aufwand solche Investi­tio­nen nicht nur Rohstof­fquellen und Absatzmärk­te im Aus­land gebraucht wer­den, son­dern eine ver­stärk­te inter­na­tionale Arbeit­steilung unter deutsch­er Kon­trolle. Zweit­ens, weil sie antreten, um den deutschen Impe­ri­al­is­mus zu erneuern, und das geht nur durch Umwälzun­gen in der Wel­tord­nung mit stärk­er­er deutsch­er Beteili­gung. Denn gegenüber der Konkur­renz ander­er Blöcke – beson­ders Chi­na und den USA – müssen diese Ansprüche auf Teile der Welt erst durchge­set­zt wer­den, sowohl mit Investi­tio­nen (“Entwick­lung­shil­fe”) als auch mit Gewalt (“human­itäre Ein­sätze”).

Während sowohl die SPD als Vertreterin der oberen Gew­erkschafts­bürokratie im Bünd­nis mit dem Kap­i­tal als auch die Union als direk­te Vertreterin des Kap­i­tals in Ver­mit­tlung zum Klein­bürg­er­tum eher kon­ser­v­a­tiv mit dem Krieg umge­hen, hemmt die Grü­nen nichts. Sie sehen Chan­cen, wo andere Risiken sehen, um es im neolib­eralen Sprech auszu­drück­en. Das und nicht ange­bliche moralis­che Dilem­ma­ta, wie „dass nicht nur Han­deln, son­dern auch Nicht-Han­deln Kon­se­quen­zen hat“ (Özdemir/Lindner) macht die Grü­nen zu Kriegsbefürworter*innen.

Bürg­er­lich­er Paz­i­fis­mus ist eine wider­sprüch­liche Angele­gen­heit: Denn Kriege wer­den geführt, weil Kap­i­tal­blöcke zusam­men­stoßen, weil der Kap­i­tal­is­mus darin seine Über­schüsse für eine Zeit lang zer­stören kann, und schließlich auch ganz ein­fach noch, weil Kapitalist*innen daran ver­di­enen. Gegen den Krieg und für den Kap­i­tal­is­mus zu sein, das geht nicht. Diesen Wider­spruch, den seine Partei poli­tisch schon lange hin­ter sich gelassen hat, löst Özdemir jet­zt auch ästhetisch mit der Uni­form auf – im offen zur Schau gestell­ten Mil­i­taris­mus.

Nach seinem Auftritt deutete Özdemir in einem pseu­do-kri­tis­chen Inter­view der grü­nen Hofzeitung taz an, mal Vertei­di­gungsmin­is­ter wer­den zu wollen (Inter­view­er: „Wer bellt, muss im Zweifel auch beißen“). Der „Paz­i­fis­mus“ Özdemirs bestand schon während der rot‑grünen Regierungszeit in Berlin in der Forderung nach ein­er Beruf­sarmee – die er nach seinem Prak­tikum jet­zt am lieb­sten selb­st leit­en will, sozusagen als Profi. Der Grü­nen-Poli­tik­er nutzte außer­dem die Gele­gen­heit, um erneut für mil­itärisches Engage­ment Deutsch­lands in Syrien und Nordafri­ka zu wer­ben. Zum neokolo­nial­is­tis­chen „Mar­shall-Plan für Afri­ka“ fordern die Grü­nen schon seit län­gerem, „eine über­greifende Afrikas­trate­gie der Bun­desregierung“ herzustellen, die sich geostrate­gisch ins­beson­dere gegen Chi­na richtet und Deutsch­land nach vol­len­de­ter Aus­beu­tung Osteu­ropas seit der kap­i­tal­is­tis­chen Restau­ra­tion neue Über­schüsse liefern soll. Denn „Chi­na ist ein wichtiger außen­poli­tis­ch­er Part­ner, und gle­ichzeit­ig aber auch ein Rivale oder gar Geg­n­er“, so Katrin Göring-Eckardt bei der Grü­nen-Frak­tion­sklausur im Mai.

Zwei grundlegende Tendenzen in Deutschland

Die außen­poli­tis­che Frage ist auf selt­same Weise mit der innen­poli­tis­chen ver­woben: Zwei grundle­gende Ten­den­zen im Regime Deutsch­lands sind erstens die Recht­sen­twick­lung, die sich in AfD und Teilen der Union­sparteien, im Staat­sap­pa­rat, beson­ders in den Repres­sion­sor­ga­nen, sowie mit dem recht­en Ter­ror äußert; und zweit­ens der Ver­such ein­er grü­nen Erneuerung des Kap­i­tal­is­mus unter Beibehal­tung des staatlichen Ras­sis­mus, der Prekarisierung, arbeiter*innen- und frauen­feindlich­er Geset­ze, aber unter Ein­beziehung der Zivilge­sellschaft. Während die erste Ten­denz außen­poli­tisch mit ein­er Beto­nung des Iso­la­tion­is­mus ver­bun­den ist, verkör­pert die zweite Ten­denz einen aggres­siv­en Expan­sion­is­mus. Diese zwei haupt­säch­lichen Optio­nen der deutschen Kapitalist*innen drück­en sich auch in der Union aus: Entwed­er man geht auf die AfD zu, wie die Werte-Union es fordert und es auf Kom­mu­nalebene mit ein­er „Zählge­mein­schaft“ in Pen­zlin angetestet wird. Oder man peilt eine schwarz-grüne (oder grün-schwarze?) Koali­tion an, die zulet­zt mit „Jamai­ka“ an den gel­ben Königsmacher*innen gescheit­ert war, auf die AKK & Co. aber mit dem Koop­er­a­tionsver­bot wieder mehr hin­s­teuern – allein schon weil sie befürcht­en, die Sit­u­a­tion mit den Recht­en nicht mehr unter Kon­trolle hal­ten zu kön­nen. Dafür, dass die ganz Recht­en in der Partei Schwäche wit­tern, deuten beson­ders die jüng­sten Pro­voka­tio­nen von Ex-Ver­fas­sungss­chutzpräsi­dent Hans-Georg Maaßen, der eben diese Zusam­me­nar­beit ins Spiel bringt.

Das grüne Pro­gramm baut auf die deutsche Hege­monie über Europa, möchte aber eine rück­sicht­slosere Struk­tur­erneuerung der Kap­i­talzusam­menset­zung mit neuen Indus­trien erre­ichen. Das find­et vor dem Hin­ter­grund der sich ändern­den Wel­tord­nung statt, die einen neuen Pro­tek­tion­is­mus mit Wirtschaft­splä­nen und Kanonen­booten auch für Deutsch­land real­is­tis­ch­er macht. Egal welche Kap­i­tal­tendenz die Ober­hand bekommt, wird man sich mit den Bedin­gun­gen herum­schla­gen müssen, dass es ständig wech­sel­nde Fron­ten zwis­chen Chi­na, den USA und ein­er uneini­gen, auseinan­der­fal­l­en­den kap­i­tal­is­tis­chen EU geben wird, sowie dass die deutsche Indus­trie und das Banken­we­sen eine Gen­er­alüber­hol­ung brauchen. Özdemir und Lind­ner dis­tanzieren sich vor diesem Szenario in ihrem FAZ-Artikel bemerkenswert­er­weise vom Zwei-Prozent-Ziel der NATO und beto­nen eine europäis­che Armee, wie sie bere­its in Mali ihr kolo­nial­is­tis­ches Unwe­sen treibt. In der grü­nen Vision kann sich der deutsche Impe­ri­al­is­mus also durch eine neue kolo­nial­is­tis­che (Grüne wür­den sagen: „human­itäre“) Phase ret­ten. Insofern ist der Krieg die Durch­set­zung der Poli­tik mit anderen Mit­teln: Die Grü­nen wollen das Kap­i­talmod­ell Deutsch­lands erneuern, vor diesem Hin­ter­grund wagen sie mehr Mil­i­taris­mus.

Gemein­sam haben grüne Erneuerung des Kap­i­tal­is­mus und braune Fäul­nis eine bona­partis­tis­che Ten­denz, deren Druck in der Unord­nung der Wel­tord­nung ver­ankert ist. Wir erleben eine pas­sive Polar­isierung zwis­chen kap­i­tal­is­tis­ch­er Erneuerung und ultra­rechtem Roll­back. Sie ist pas­siv, weil sie vor allem in den Appa­rat­en des Staats, der NGOs, der Zivilge­sellschaft stat­tfind­et, sowie per Akkla­ma­tion in Wahlen. Aber wed­er die Grü­nen noch die AfD kön­nen organ­isch einen wichti­gen Teil der Gesellschaft repräsen­tieren.

Die Arbeiter*innenklasse, die Unter­drück­ten und Jugendlichen in Deutsch­land – die ihren Aus­druck in Mobil­isierun­gen auf der Straße wie bei #unteil­bar, in den Kämpfen der Geflüchteten, in der Streik­be­we­gung, der fem­i­nis­tis­chen Bewe­gung oder Fri­days for Future find­en, nicht aber von der Poli­tik vertreten wer­den – haben hier nichts zu gewin­nen. Zwar kön­nen die Grü­nen und andere Parteien in der Führung dieser Bewe­gun­gen Ein­fluss ausüben, bei der EU-Wahl schafften sie eine Umleitung ins Par­la­ment. Doch sie haben ihnen, was die Ein­lö­sung von Forderun­gen ange­ht, nichts anzu­bi­eten.

Weil sie eine Poli­tik im Inter­esse des Kap­i­tals machen, um die Indus­trie und den deutschen Ein­fluss auf der Welt zu erneuern, wer­den die Grü­nen sie weit­er mit Füßen treten, wie bish­er in allen Regierungs­beteili­gun­gen. Tat­säch­lich ver­acht­en die Grü­nen beson­ders die Armen und Unter­drück­ten: in Ost­deutsch­land, wo sie den Unter­suchungsauss­chuss über die Treu­hand-Machen­schaften zur Abwick­lung und Dein­dus­tri­al­isierung der DDR bekämpfen, die eine Grund­lage des Recht­srucks darstellen; und über­all, sind sie doch eine vorantreibende Kraft der Agen­da 2010 gewe­sen. Sie zeigen auch auf, wie die von ihnen ver­bal immer wieder geforderte Diver­sität der Gesellschaft im Kap­i­tal­is­mus eine Unmöglichkeit bleibt.

Keine Vertretung der Unterdrückten durch die Grünen

Özdemirs Self­ie mit Lind­ner ist noch unter einem weit­eren Aspekt inter­es­sant, der auf die Geschichte des deutschen Migra­tionsregimes ver­weist: Es ein tragis­ches Sym­bol für die Unmöglichkeit der „Post-Gastarbeiter*innen“-Generation, in Deutsch­land demokratisch vertreten zu wer­den. Özdemir selb­st hat es zwar als Sohn eines früheren „Gas­tar­beit­ers“ zum Wür­den­träger geschafft – aber nur zum Preis der völ­li­gen Unter­w­er­fung unter den deutschen Nation­al­is­mus, dessen Uni­form er trägt, um weit­ere Teile der Welt für das deutsche Kap­i­tal zu unter­w­er­fen, das seinen Vater unter­drück­te und aus­beutete. Nun agi­tiert er für eine Partei, die die mul­ti­eth­nis­che Arbeiter*innenklasse mit der Prekarisierung in den Ruin getrieben hat, deren Jugen­dor­gan­i­sa­tion am mil­i­tan­testen einen anti-palästi­nen­sis­chen Kolo­nial­is­mus fordert (soge­nan­nte „Anti­deutsche“, tat­säch­lich deutsch-impe­ri­al­is­tisch) und deren Erwach­sene eine Neukolo­nial­isierung Afrikas vor­bere­it­en.

Dass er die Seit­en zu den Unter­drück­enden gewech­selt hat, hin­dert die ultra­rechte Suppe in der und um die AfD nicht daran, ihn und die Grü­nen zu has­sen, die den deutschen Nation­al­is­mus erneuern und sta­bil­isieren wollen. Wie auch die rechte bona­partis­tis­che Basis in der Beruf­sarmee Özdemir seinen Wer­beauftritt nicht danken wird. Aber das ist das Prob­lem der Grü­nen – hinge­gen ist unser Prob­lem, das der poli­tis­chen Linken, der Arbeiter*innen und Unter­drück­ten, wie wir eine eigen­ständi­ge, von allen bürg­er­lichen Vari­anten unab­hängige Vertre­tung aufzustellen, die sich an kein­er Kap­i­tal­frak­tion anlehnt. Eben­so wie wie eine Vor­bere­itung auf die Per­spek­tive rechts-rechter Regierun­gen nötig ist, ist auch eine Vor­bere­itung auf grüne Regierun­gen der kap­i­tal­is­tis­chen Erneuerung nötig. Das Pro­gramm, das wir in der marx­is­tis­chen jugend münchen und RIO dafür vorschla­gen, ist das der Hege­monie der Arbeiter*innenklasse zur Befreiung von jed­er Unter­drück­ung und zum Besiegen des Kap­i­tal­is­mus, der sich durch alle Unter­drück­ungs­for­men als Bedin­gung zieht – wir disku­tieren es unter anderem in unser­er aktuellen Zeitung mit Schw­er­punkt auf den poli­tis­chen Streik (Aus­gabe 4).

Die Schwäche der Grü­nen ist, dass sie nichts vertreten, ihre Ver­ankerung ist in den NGOs der Zivilge­sellschaft, aber sie haben keine Kraft in den Gew­erkschaften, also auch keine Macht über die läh­mende Sozial­part­ner­schaft, die die Arbeiter*innenklasse gefan­gen hält. Trotz ihrer Rhetorik kön­nen sie Migrant*innen, Geflüchtete, Arbeiter*innen und Jugendliche mit Migra­tionsh­in­ter­grund nicht vertreten, weil sie zu eng am deutschen Impe­ri­al­is­mus operieren. Und zu den Arbeiter*innen wer­den sie schw­er­er ver­mit­teln kön­nen, nicht nur wegen ihrer struk­turellen Schwäche gegenüber den Gew­erkschaften, son­dern auch, weil es im ster­ben­den Neolib­er­al­is­mus immer weniger zu verteilen gibt. Es wird also eine Gen­er­a­tion geben, die trotz der aktuellen Wahl- und Umfrageergeb­nisse der Grü­nen eher früher als später mit ihnen abrech­nen will.

Wir wollen allen, die von Deutsch­land im Inland mit Füßen getreten und im Aus­land mit Panz­ern über­rollt wer­den, eine Möglichkeit zur Organ­isierung anbi­eten – um Recht­sruck, Ras­sis­mus, alle Unter­drück­ungs­for­men sowie Mil­i­taris­mus und Kap­i­tal­is­mus gle­icher­maßen bekämpfen zu kön­nen.

Weit­ere Artikel von Oskar Fis­ch­er zum The­ma:

Strike for Future! (Leitar­tikel von Aus­gabe 4 der Zeitung der marx­is­tis­chen jugend münchen)

Der neue Pro­tek­tion­is­mus: Von Wirtschaft­splä­nen und Kanonen­booten

Eine Söld­nertruppe für den Ein­satz? Über die „Oster­weiterung“ der Bun­deswehr

Merkel und die ganz nor­malen Landser: Über die soziale Basis des Bona­partismus

One thought on “Grüne Erneuerung findet mit dem Panzer statt

  1. Far­ben­spiele: DIE LINKE, die Grü­nen
    und die neue, inter­na­tionale Jugend­be­we­gung

    DIE LINKE wird in der Öffentlichkeit auch von den Medi­en als eine von Senioren dominierte und zer­strit­tene (Alther­ren-) Partei wahrgenom­men und dargestellt, als eine Partei ohne wesentlichen Ein­fluss auf die wichtig­sten poli­tis­chen Prob­leme, – sie sind nicht ein­mal in ihrem ganzen Aus­maß erkan­nt wor­den, analysiert wor­den, disku­tiert wor­den und wer­den jet­zt von den Grü­nen, die unter dem Druck ein­er neuen, inter­na­tionalen Jugend­be­we­gung die sozial­is­tis­che Kom­po­nente unseres Pro­gramms in ihr Vok­ab­u­lar über­nom­men haben und medi­en­wirk­sam alle Alt­parteien in den Schat­ten stellen, auf die Tage­sor­d­nung geset­zt, unter­stützt von namhaften Wissenschaftler*innen und Künstler*innen.

    Geschickt set­zen sie neue, unver­brauchte Gesichter kluger, wis­senschaftlich und rhetorisch kom­pe­ten­ter, moralisch inte­gr­er und philosophisch gebilde­ter junger Män­ner und vor allem Frauen ein, um Zus­tim­mung zu gewin­nen. Überse­hen wird dabei, dass auch die Grü­nen ihre Wider­sprüche nicht gelöst haben, Parteis­penden von der Wirtschaft erhal­ten, von ihr abhängig und vom Paz­i­fis­mus ein­er Petra Kel­ly (1947–1992) weit ent­fer­nt sind. Man kön­nte es realpoli­tis­ches Wellen­re­it­en nen­nen.

    Aber der inter­na­tionale Auf­s­tand junger Men­schen, die sich um ihre Zukun­ft bet­ro­gen sehen, wenn nicht nur gere­det, son­dern sofort gehan­delt wird, wird auch den Grü­nen das Tak­tieren aus­treiben.
    —-
    *) Prob­leme aus­sitzen und ver­drän­gen, exis­ten­zielle Fra­gen nicht beant­worten: Bun­desregierung in der Bre­douille

    Die Reck­linghäuser Zeitung berichtete am 11. 06. 2019 unter der Schlagzeile „Die Fehler der Konz­erne“: „Zehn­tausende Stellen sollen in NRW weg­fall­en. Unter Druck durch Glob­al­isierung und Dig­i­tal­isierung haben die Fir­men Fehler gemacht.“

    Auf dieses Prob­lem, eigentlich auf einen ganzen Kom­plex von Prob­le­men habe ich vor einem Jahr im Feb­ru­ar in einem Leser­brief an das Medi­en­haus Bauer, Marl, und an die Frank­furter Zeitung aufmerk­sam gemacht und die Ver­ant­wor­tung dafür vor allem der GroKo zugeschrieben. Bei­de Leser­briefe wur­den, in wesentlichen Punk­ten gekürzt, abge­druckt. Und es erschien auch keine Reak­tion darauf. Hier der Text:

    Eine Run­derneuerung mit gravieren­den Män­geln.
    Die GroKo und ihr Ver­trag

    Leser­brief an das Medi­en­haus Bauer, Marl, und an die Frank­furter Rund­schau zum GroKo-Ver­trag vom 7. Feb­ru­ar 2018:

    Eine weit­ere Groko? Das wäre eine Run­derneuerung mit gravieren­den Män­geln: Zum Beispiel fehlen im Koali­tionsver­trag Hin­weise auf die neg­a­tiv­en Fol­gen der Dig­i­tal­isierung. Exis­ten­tielle Fra­gen, die sich daraus ergeben, wer­den nicht beant­wortet. (Kapi­tel IV.5. „Dig­i­tal­isierung“ und V.1. „Gute Arbeit“ (S. 37, 50 im Entwurf).

    Nach ein­er Umfrage des IT-Ver­bands Bitkom unter 500 deutschen Unternehmen wer­den in Deutsch­land rund 3,4 Mil­lio­nen Stellen allein in den kom­menden fünf Jahren weg fall­en, weil Robot­er oder Algo­rith­men die Arbeit übernehmen. (FAZ, 02.02.2018) Viele Auf­gaben kön­nen heute leicht zer­legt und über Inter­net­plat­tfor­men verteilt wer­den – ohne feste Arbeitsverträge.

    Ein Man­ag­er der Plat­tform Crowd­flower: „Bevor es das Inter­net gab, wäre es sehr schwierig gewe­sen, jeman­den zu find­en, der zehn Minuten für einen arbeit­et und den man, nach­dem er diese zehn Minuten gear­beit­et hat, wieder ent­lassen kann.“ (ZEIT ONLINE, 21.1.2016)

    Heimar­beit auf Abruf – wo sie am bil­lig­sten ist, in Asien zum Beispiel.

    Unter der Dig­i­tal­isierung am meis­ten lei­den wer­den jedoch Men­schen, die dort heute noch unsere Schuhe und Klei­dung, Smart­phones, Spielzeug etc. anfer­ti­gen. Die Automa­tisierung wird sie massen­haft arbeit­s­los machen.
    Gravierend sind auch die sozialpsy­chol­o­gis­chen Fol­gen: Immer mehr Beruf­stätige wer­den an Burn-out, Erschöp­fungssyn­dromen, stress­be­d­ingten Erkrankun­gen, an sozialer Ent­frem­dung und Iso­la­tion lei­den.

    Die Dig­i­tal­isierung wird unsere gesamte Arbeits- und Lebenswelt völ­lig verän­dern, auch den Men­schen; sie wird vor allem die her­anwach­senden Gen­er­a­tio­nen vor Prob­leme stellen, die nicht mehr zu lösen sind.

    Während­dessen driftet unsere Gesellschaft immer weit­er auseinan­der. Eine weit­ere GroKo wird das nicht ändern. Denn mit den kleinen, sys­temim­ma­nen­ten Kor­rek­turen ihres Pro­gramms kann sie ihrer Klien­tel Sand in die Augen streuen, aber nicht die poli­tis­chen Voraus­set­zun­gen für eine lebenswerte Zukun­ft für alle Men­schen in Deutsch­land schaf­fen.

    Am 15. Feb­ru­ar in der Frank­furter Rund­schau und am 21. gekürzt in den Zeitun­gen des Medi­en­haus­es Bauer. Her­ausgenom­men wur­den die meines Eracht­ens eben­so wichti­gen Sätze “Viele Auf­gaben kön­nen heute leicht zer­legt und über Inter­net­plat­tfor­men verteilt wer­den – ohne feste Arbeitsverträge.”

    Ein Man­ag­er der Plat­tform Crowd­flower: „Bevor es das Inter­net gab, wäre es sehr schwierig gewe­sen, jeman­den zu find­en, der zehn Minuten für einen arbeit­et und den man, nach­dem er diese zehn Minuten gear­beit­et hat, wieder ent­lassen kann.“ (ZEIT ONLINE, 21.1.2016)

    Heimar­beit auf Abruf – wo sie am bil­lig­sten ist, in Asien zum Beispiel.

    Unter der Dig­i­tal­isierung am meis­ten lei­den wer­den jedoch Men­schen, die dort heute noch unsere Schuhe und Klei­dung, Smart­phones, Spielzeug etc. anfer­ti­gen. Die Automa­tisierung wird sie massen­haft arbeit­s­los machen.

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