Frauen und LGBTI*

Nach dem 8. März: Die Kämpfe der Frauen, der Arbeiter*innen und der Jugend zusammenführen!

Am Frauenkampftag haben Millionen Menschen in 150 Ländern an Demonstrationen und Streiks teilgenommen. Wir Frauen haben die Erde zum beben gebracht. Wie kann die Bewegung gegen Sexismus und Unterdrückung ihre Ziele erreichen? 

Nach dem 8. März: Die Kämpfe der Frauen, der Arbeiter*innen und der Jugend zusammenführen!

Der 8. März 2018 war ein historischer Tag. Im Spanischen Staat haben sechs Millionen Menschen am Frauenstreik teilgenommen – das sind fast 15 Prozent der Bevölkerung! In Buenos Aires haben 300.000 Menschen die zweitbreiteste Straße der Welt gefüllt. Selbst in Deutschland waren die Demonstrationen zum Frauenkampftag größer als in den letzten Jahren, mit 8.000 in Berlin, 2.000 in Düsseldorf, 2.000 in München usw. Insgesamt fanden Proteste in 150 Ländern statt.

Wir Frauen und unsere Verbündeten haben auf der ganzen Welt die Erde zum beben gebracht. Clara Zetkin und die anderen Gründerinnen des internationalen Frauentags wären stolz auf uns.

Frauenunterdrückung in der Krise

Dieser Tag fiel nicht vom Himmel. Am 8. März kam viel Wut über die anhaltende Krise des kapitalistischen Systems zum Ausdruck. Besonders Arbeiterinnen waren die Protagonistinnen des Tages. Überall auf der Welt sind wir Frauen stärker von Arbeitslosigkeit und prekären Arbeitsbedingungen betroffen als Männer – beide Phänomene haben mit der Krise sprunghaft zugenommen. Gleichzeitig verschärft sich auch die traditionelle Frauenunterdrückung: In Zeiten von sozialen Kürzungen müssen wir immer mehr unbezahlte Reproduktionsarbeit übernehmen.

Die Wahl Donald Trumps war ein Schlag ins Gesicht für Frauen auf der ganzen Welt – und gleichzeitig auch Auslöser für die größten Proteste in der Geschichte der USA. Mit #MeToo hat sich gezeigt, dass die sexistische Gewalt gegen uns zunimmt – aber auch unser Widerstand dagegen. Es ist kein Wunder, dass wir Frauen derzeit am lautesten gegen die Auswirkungen der Krise protestieren. Der Kapitalismus kann gar nicht ohne patriarchale Unterdrückung, ohne die besondere Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft existieren.

Frauen in der Avantgarde

Heute sind kämpferische Frauen die Avantgarde der internationalen Arbeiter*innenbewegung.

Chauvinistische und bürgerliche „Linke“ wie Peer Steinbrück (SPD) oder Oskar Lafontaine (Linkspartei) oder Jakob Augstein (Spiegel-Dynastie) argumentieren, Feminismus sei eine Art Klientelpolitik für eine Minderheit – die Linke müsse sich ihrer Meinung nach auf die „soziale Frage“ und die Interessen von Arbeitern konzentrieren – als ob wir nicht auch Arbeiterinnen wären.

Seit Entstehung des Kapitalismus waren wir Frauen immer Teil des Proletariats. Durch die Geschichte waren es wir Frauen, die große Proteste unserer Klasse anführten – ob bei der Februarrevolution 1917 in Petrograd oder bei der ägyptischen Revolution 2011 in Mahalla. Die Arbeiter*innenklasse heute ist weiblicher als je zuvor. Und es sind arbeitende Frauen, die gegen jede Art von Unterdrückung und Ausbeutung auf die Straße gehen.

Wenn eine arbeitende Frau einen Fortschritt erreicht, bedeutet das keinen Rückschritt für ihren Kollegen. (Höchstens für ihren Chef.)

Apparate wollen kanalisieren

Es gibt mächtige reformistische Apparate, die diese Bewegung für sich zu vereinnahmen versuchen. Die Demokratische Partei in den USA zum Beispiel argumentiert, dass man den Sexismus an den Wahlurnen besiegen könnte. Doch demokratische Politiker*innen aus allen Geschlechtern stimmen für Kriege und Kürzungen, unter denen Frauen am stärksten leiden. Bei der SPD ist es nicht anders – diese hat zuletzt ihre Reform des Paragraphen 219a zurückgezogen.

Auch neoreformistische Projekte wie Podemos im spanischen Staat wollen die neu aufkommende Frauenbewegung in harmlose parlamentarische Bahnen lenken. Die wachsenden Mobilisierungen sind eine indirekte Absage an solche Projekte: Nein, wir setzen nicht auf die nächste Wahl, sondern kümmern uns um unsere eigenen Probleme!

Am 8. März fanden nicht nur Demonstrationen, sondern unter dem Label #InternationalWomensStrike auch Arbeitsniederlegungen statt. Es sind die Kampfmittel der Arbeiter*innenklasse – Demonstrationen, Blockaden, Streiks! – die der Unterdrückung ein Ende setzen können.

Wir wollen Brot, aber auch Rosen

Seit über hundert Jahren fordern Arbeiterinnen „Brot“, also genug zum Leben, aber auch „Rosen“, d.h. ein schönes Leben.

Wir von der internationalen sozialistischen Frauenorganisation „Brot und Rosen“ – oder auch „Pan y Rosas“, „Pão e Rosas“ oder „Bread and Roses“ – beziehen uns auf diese Kämpfe. Am 8. März haben wir in vielen Ländern mitdemonstriert: im Spanischen Staat gemeinsam mit prekären Hotelreinigerinnen, in Argentinien an der Seite von Krankenhausarbeiterinnen, die gegen Entlassungen kämpfen, in den USA zusammen mit Hotelangestellten, die gerade einen Tarifvertrag erkämpft haben. In Mexiko, in Brasilien, in Bolivien und in Chile waren wir ebenfalls als arbeitende Frauen dabei. Wir organisieren uns als Aktivistinnen der Trotzkistischen Fraktion zusammen mit unabhängigen Frauen und LGBTI*.

Der neoliberale Feminismus verlangt, dass mehr Frauen in die winzige Elite der Kapitalist*innen aufsteigen. Unser antikapitalistischer und klassenkämpferischer Feminismus dagegen fordert eine wirkliche Befreiung. Wir arbeitende Frauen brauchen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, umfassende Kinderbetreuung rund um die Uhr und sozialisierte Hausarbeit mit gemeinschaftlichen Wäschereien. Wir brauchen das Recht auf legale, freie und kostenlose Abtreibung, wir wollen unsere Sexualität frei ausleben können und noch viele Dinge mehr.  Wir kämpfen dafür, dass Arbeiterinnen in der Frauenbewegung stehen – ebenso wie in der ersten Reihe der Arbeiter*innenbewegung.

In Berlin hatte die Kampagne der studentischen Beschäftigten an den Hochschulen (TVStud) einen eigenen Block auf der Demonstration. „Prekarisierung ist weiblich*“ hieß es auf ihrem Transparent. Als Teil der Webseite Klasse Gegen Klasse haben wir diese Initiative unterstützt. Für uns ist das ein Vorbild für die Verbindung von Frauenkämpfen und Arbeiter*innenkämpfen – für den sozialistischen Feminismus, den wir brauchen. Deswegen bauen wir auch in Deutschland „Brot und Rosen“ auf.

Zum Abschluss einen Blick auf die Kraft des sozialistischen Feminismus in Argentinien:

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