Welt

Las Kellys – Hotelreinigerinnen kämpfen für ihre Rechte

"Las Kellys" organisieren sich gegen prekäre Arbeitsbedingungen und Outsourcing im spanischen Hotelgewerbe.

Las Kellys – Hotelreinigerinnen kämpfen für ihre Rechte

Sonne, Meer, Strand – das und vieles mehr lockt Urlauber*innen aus aller Welt jedes Jahr in den Spanis­chen Staat. Der Touris­mus ist ein­er der wichtig­sten Wirtschaftssek­toren des Lan­des, mit knapp 70 Mil­lio­nen Besucher*innen jährlich. Die meis­ten denken dabei wenig darüber nach, wie die Arbeits­be­din­gun­gen der Men­schen sind, die ihnen im Urlaub­sort die Hotelz­im­mer putzen oder das Essen servieren. Wenn sie genauer hin­se­hen wür­den, wäre sofort klar: Hin­ter ihrer Entspan­nung steckt ein bru­tales Sys­tem der Aus­beu­tung und Diskri­m­inierung.

Dies sicht­bar zu machen und dage­gen zu kämpfen, hat sich eine wach­sende Gruppe von Hotel­reinigerin­nen zur Auf­gabe gemacht. Unter dem Namen “Las Kellys” (Las que limpian los hote­les – Die, die die Hotels reini­gen) protestieren sie gegen die unzu­mut­baren Bedin­gun­gen, denen sie aus­ge­set­zt sind.

Sie ver­di­enen sehr wenig – teils nicht mehr als 500 Euro monatlich – und wer­den durch uner­füll­bare Quoten dazu gebracht, unbezahlte Über­stun­den zu lei­den. Immer wieder wer­den Arbei­t­erin­nen auch gezwun­gen, ohne Schutzk­lei­dung oder spezielle Aus­bil­dung gefährliche Auf­gaben beispiel­sweise bei der Küchen­reini­gung zu übernehmen. Dabei kommt es zu gefährlichen Ver­let­zun­gen, bei denen die Geschäfts­führung ver­hin­dert, dass sie als Arbeit­sun­fall gemeldet wer­den. Viele wer­den nur von Woche zu Woche über Zeitar­beits­fir­men eingestellt, und kön­nen sich deshalb nicht vor dieser Art Anforderung schützen. Sie haben so auch keinen Anspruch auf Urlaub­stage. Immer wieder wer­den schwan­gere und kranke Reinigerin­nen ent­lassen. Dabei arbeit­en sie teil­weise in den edel­sten und teuer­sten Hotels des Lan­des.

Gegen diese extreme Form der Prekarisierung haben sich Beschäftigte an acht Orten zusam­mengeschlossen, darunter in Barcelona, Madrid, Mal­lor­ca und Fuerteven­tu­ra. Sie fordern ein Ende des Out­sourcings, die Kon­trolle und Ein­hal­tung der Arbeitss­chutzge­set­ze, das Recht auf Frührente bei gesund­heitlichen Prob­le­men und die Anwen­dung des Hoteltar­ifver­trags. Dazu kom­men spez­i­fis­che Forderun­gen an den ver­schiede­nen Orten. Mit diesen Forderun­gen richt­en sie sich nicht nur an ihre Arbeit­ge­ber, son­dern auch an die poli­tis­chen Ver­ant­wortlichen, wie zum Beispiel die Bürg­er­meis­terin von Barcelona, Ada Colau von Barcelona en Comú.

Mit sicht­baren Aktio­nen machen sie auf ihre Forderun­gen aufmerk­sam: Sie sind bei poli­tis­chen Ter­mi­nen zum The­ma Touris­mus dabei und organ­isieren Kundge­bun­gen vor Hotels. Sie doku­men­tieren das ille­gale und skan­dalöse Ver­hal­ten der Hotels und prangern es öffentlich an. Auch auf Demon­stra­tio­nen sind sie dabei, und machen ihren Kampf gegen Prekarisierung pub­lik. So gin­gen sie gemein­sam mit der sozial­is­tis­chen Frauenor­gan­i­sa­tion Pan y Rosas (Brot und Rosen) am 8. März in Barcelona und Madrid auf die Straße und beteiligten sich auch mit ihnen am 1. Mai.

Las Kellys ver­ste­hen ihren Kampf gegen Prekarisierung als einen fem­i­nis­tis­chen und anti­ras­sis­tis­chen Kampf. Es sind fast auss­chließlich Frauen, die diese Arbeit machen, viele von ihnen Migran­tinnen. Ihre Sprecherin Myr­i­am Bar­ros erk­lärte das auf einem Fes­ti­val gegen Ras­sis­mus:

Unser Kampf ist ein fem­i­nis­tis­ch­er, es ist eine Frage, die uns Frauen alle bet­rifft. Das was wir tun, ist eine würde­volle Arbeit und es ist höch­ste Zeit, dass dies beachtet wird. In unser­er Gesellschaft ist es leichter, Frauen auszubeuten, aber der Moment ist gekom­men, unsere Rechte zu fordern.

Dadurch, dass sie sich zusam­men­schließen, kon­nten sie teils schon kleine Erfolge erzie­len. So wurde in eini­gen Hotels die Zahl der Zim­mer, die in ein­er Schicht geputzt wer­den müssen, reduziert.

Die näch­ste große Aktion wird eine Kundge­bung am 31. Mai in Barcelona sein. Dort drän­gen sie darauf, dass im Tar­ifver­trag des Hotel­gewerbes, welchen die Gewerkschaftsbürokrat*innen von UGT und CCOO mit den Hotelbetreiber*innen ver­han­deln, mit ein­er Klausel die Prax­is des Out­sourcings aus­geschlossen wird. Sie behar­ren darauf, weil das Out­sourc­ing sie let­ztlich von der gew­erkschaftlichen Vertre­tung auss­chließt und ihre Lohndiskri­m­inierung zemen­tiert.

Pan y Rosas organ­isiert für diese Kundge­bung eine Sol­i­dar­ität­skam­pagne. Wer sich daran beteili­gen möchte, kann sich direkt bei Pan y Rosas oder bei info@klassegegenklasse.org melden.

One thought on “Las Kellys – Hotelreinigerinnen kämpfen für ihre Rechte

  1. Ich find´s sehr gut das sie für ihre Rechte kämpfen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.