Frauen und LGBTI*

#8M in Buenos Aires: Mit den Arbeiterinnen in der ersten Reihe für das Recht auf Abtreibung

Am Donnerstag gingen in ganz Argentinien 300.000 Menschen auf die Straße, um für Frauenrechte zu kämpfen. Zentrale Themen waren der Widerstand gegen Entlassungen und die Angriffe der Regierung von Mauricio Macri und der Kampf für das Recht auf Abtreibung.

#8M in Buenos Aires: Mit den Arbeiterinnen in der ersten Reihe für das Recht auf Abtreibung

In Buenos Aires begann der inter­na­tionale Frauenkampf­tag um 8 Uhr mor­gens. Da ver­sam­melten sich die Arbeiter*innen des Kranken­haus Posadas gemein­sam mit Aktivist*innen ander­er Sek­toren und mit linken Organ­i­sa­tio­nen, um eine Straßen­block­ade im Zen­trum der Stadt zu erricht­en. Die Arbeiter*innen, mehrheitlich Frauen, wehren sich gegen eine Ent­las­sungswelle, für die die argen­tinis­che Regierung von Mauri­cio Macri ver­ant­wortlich ist. Ihr Kampf wurde zum Sym­bol des Wider­stands gegen die Angriffe auf die Arbeiter*innenklasse durch die Regierung ins­ge­samt. Durch ihre Präsenz und die Block­ade gelang es ihnen endlich, im zuständi­gen Min­is­teri­um ange­hört zu wer­den. Und auch in die Öffentlichkeit gelangten sie mit ihrer Aktion: Bis zum Nach­mit­tag waren Arbei­t­erin­nen im nationalen Fernse­hen präsent und kon­nten ihre Forderun­gen ver­bre­it­en.

Aber nicht nur ent­lassene Arbei­t­erin­nen waren an diesem Tag im Kampf. In vie­len Bere­ichen gab es Streiks, meist für eine oder zwei Stun­den. Dies war das Ergeb­nis des Drucks der linken Basisgewerkschafter*innen und klassenkämpferisch­er Teile der Frauen­be­we­gung, die in den let­zten Tagen an den ver­schiede­nen Arbeit­splätzen Druck auf die Gew­erkschafts­bürokratie aus­geübt hat­ten.

Nach­mit­tags strömten Zehn­tausende ins Zen­trum, für die zen­trale Demon­stra­tion und Kundge­bung. Auch hier nahm der Kampf der Arbeiter*innen gegen Ent­las­sun­gen einen zen­tralen Platz ein: Sie liefen in der ersten Rei­he, gemein­sam mit den Repräsen­tatin­nen ver­schieden­er Frauenor­gan­i­sa­tio­nen.

 

Das Recht auf Abtreibung und die Stärke der argentinischen Frauenbewegung

Das andere große The­ma der Demon­stra­tion war das Recht auf Abtrei­bung, für das sich vor allem junge Frauen mobil­isierten. In Argen­tinien ste­ht Abtrei­bung unter Strafe, jedes Jahr ster­ben Hun­derte Frauen an den Fol­gen unsicher­er, ille­gal­isiert­er Abtrei­bun­gen. Beson­ders arme Frauen, die sich keine teuren Kliniken leis­ten kön­nen, sind davon betrof­fen. Auf­grund des Drucks der Frauen, die sich für das Recht auf kosten­lose und sichere Abtrei­bung mobil­isieren, stimmte die Regierung, die seit den mas­siv­en Demon­stra­tio­nen im Dezem­ber stark geschwächt ist und an Rück­halt ver­loren hat, zu, dass diese Frage erst­mals im Kongress disku­tiert wird. Auch unter der Regierung Cristi­na Kirch­n­ers war dies immer wieder ver­hin­dert wor­den.

Die sozial­is­tis­che Frauenor­gan­i­sa­tion Pan y Rosas, in der Mit­glieder der PTS (Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbeit­er) gemein­sam mit Unab­hängi­gen Poli­tik macht­en, set­zten sich in den Wochen der Vor­bere­itung dafür ein, dass am 8. März gestreikt wird – und dass dieser Streik effek­tiv wird, in dem er an den Arbeit­splätzen mit Diskus­sio­nen begleit­et wird und auch Män­ner sich am Streik beteili­gen, statt weit­erzuar­beit­en, wie einige Fem­i­nistin­nen forderten. Die Aktivist*innen von Pan y Rosas kämpfen auch gegen die Vorstel­lung, dass am 8. März nur Frauen auf die Straße gehen soll­ten, weil der Kampf für Befreiung nicht gegen Män­ner geführt wer­den muss, son­dern gegen das kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem, das uns unter­drückt und aus­beutet. Sie ver­langten, dass die Kämpfe der Arbei­t­erin­nen in der ersten Rei­he ste­hen müssen. Im ganzen Land mobil­isierten sich gestern 10.000 Arbeiter*innen, Jugendliche und Studierende für diese Per­spek­tive.

Gestern wurde sicht­bar, dass in Argen­tinien eine Frauen­be­we­gung existiert, die ein poli­tis­ches Schw­ergewicht darstellt und die bere­it ist, zu kämpfen. Während vor fast drei Jahren die erste große Mobil­isierung unter dem Mot­to #NiU­na­Menos den Kampf auf­nahm, hat sich die Frauen­be­we­gung auch poli­tisch weit­er­en­twick­elt. Während es zuerst um so grundle­gende defen­sive Fra­gen ging, wie “Hört auf uns zu töten!”, hat sich nun ein Ver­ständ­nis her­ausen­twick­elt, nach dem die Regierung mitver­ant­wortlich für die Gewalt ist. Es wer­den offen­siv Forderun­gen wie das Recht auf Abtrei­bung in den Vorder­grund gestellt. Und nicht zulet­zt haben sich die Arbei­t­erin­nen in ihrer Posi­tion als Arbei­t­erin­nen einen zen­tralen Platz in der Bewe­gung erobert.

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