Frauen und LGBTI*

Internationales Manifest von “Brot und Rosen”

Dieses Manifest wird gleichzeitig in den fünf Sprachen der elf Länder veröffentlicht, in denen Arbeiterinnen, Studierende, Schülerinnen und Hausfrauen in der Frauengruppierung "Pan y Rosas" (Brot und Rosen) aktiv sind.

Internationales Manifest von

An diesem 8. März 2017, am Inter­na­tionalen Frauenkampf­tag, gehen wir weltweit auf die Straße, sind im Streik und nehmen an Aktio­nen teil. Unser gemein­sames Mot­to ist der #Inter­na­tion­al­Wom­ensStrike.

Das Mot­to des Frauen­streiks fiel nicht vom Him­mel: Es ent­stand aus den let­zten massen­haften Kämpfen von Frauen gegen sex­is­tis­che Gewalt und Frauen­morde in Län­dern wie Argen­tinien, Chile, Mexiko und Ital­ien; dem Kampf für repro­duk­tive Rechte und das Recht auf Abtrei­bung in Län­dern wie Polen, Irland und Süd­ko­rea; dem Kampf gegen die Loh­nun­gle­ich­heit zwis­chen Män­nern und Frauen in Län­dern wie Frankre­ich oder Island. Es ent­stand auch aus den Mobil­isierun­gen gegen die Frauen­feindlichkeit von Don­ald Trump, der kür­zlich zum US-Präsi­den­ten gewählt wurde. Gegen ihn gin­gen nicht nur in ver­schiede­nen US-Städten Massen auf die Straßen, son­dern auch in europäis­chen Städten wie Lon­don, Barcelona, Berlin, Ams­ter­dam, Budapest oder Flo­renz. Diese Kämpfe der Frauen drück­en auch den Wider­stand gegen die aktuelle kap­i­tal­is­tis­che Krise aus, die die herrschende Klasse und ihre Regierun­gen auf die Arbeiter*innen abladen wollen. Und zwar indem sie die Lebens­be­din­gun­gen der Arbeiter*innenklasse und der Ärm­sten angreifen, die mehrheitlich Frauen sind.

Aber dieser 8. März 2017 fällt auch mit dem 100. Jahrestag der Rus­sis­chen Rev­o­lu­tion zusam­men. Sie begann am Inter­na­tionalen Frauenkampf­tag 1917, als Tex­ti­lar­bei­t­erin­nen in St. Peters­burg in den Streik trat­en. Sie zogen schnell andere Branchen und Sek­toren der Bevölkerung mit sich, bis die Rev­o­lu­tion im Okto­ber durch die Machtüber­nahme der Arbeiter*innenklasse ihren Höhep­unkt fand. Eine Rev­o­lu­tion, die in nur weni­gen Monat­en, Rechte und Frei­heit­en eroberte, für die wir selb­st heute, 100 Jahre später, in vie­len Teilen der Welt weit­er­hin kämpfen.

Wir Frauen, die wir dieses Man­i­fest unter­schreiben, vertei­di­gen diese Tra­di­tion. Wir eracht­en sie für wichtiger als je zuvor im Kampf für unsere Befreiung. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Befreiung erst dann endgültig erre­ichen kön­nen, wenn wir mit all den Über­resten dieser Gesellschaft aufgeräumt haben, die auf der Aus­beu­tung und Unter­drück­ung von Mil­lio­nen von Men­schen beruht, und wenn wir auf ihren Trüm­mern eine neue sozial­is­tis­che Gesellschaft auf­bauen.

Brot und Rosen, März 2017

Argen­tinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Deutsch­land, Frankre­ich, Mexiko, Spanis­ch­er Staat, Uruguay, USA, Venezuela

Die Geschichte der Klassenkämpfe ist auch die Geschichte der Frauenkämpfe

Die aktuellen Mobil­isierun­gen von Frauen auf der ganzen Welt sind kein neues Phänomen. Seit Jahrhun­derten wehren wir Frauen uns gegen die Diskri­m­inierung, Unterord­nung und Ungle­ich­heit, die uns die patri­ar­chale Herrschaft aufzwingt – eben­so wie gegen andere For­men der Unter­drück­ung und Aus­beu­tung durch die herrschen­den Klassen. Die europäis­chen Bäuerin­nen rebel­lierten Jahrhun­derte­lang immer wieder gegen die Knap­pheit von Lebens­mit­teln und gegen die hohen Brot- und Mehl­preise, die ihre Fam­i­lien zu Hunger und Elend ver­dammten. Aus Lateinameri­ka gibt es zahlre­iche Geschicht­en von muti­gen Frauen der indi­ge­nen Völk­er, die der kolo­nialen Unter­w­er­fung trotzten. Zu Zeit­en der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion von 1789 verurteil­ten bürg­er­liche Frauen die Erk­lärung der Men­schen- und Bürg­er­rechte, die ihre eige­nen Rechte als Frauen und Staats­bürg­erin­nen nicht anerkan­nte. Während­dessen marschierte eine von Frauen ange­führte Men­schen­masse aus den Armen­vierteln von Paris nach Ver­sailles, um vor dem König gegen ihre schlecht­en Lebens­be­din­gun­gen zu protestieren. Und knapp ein Jahrhun­dert später kämpften die Frauen der armen Paris­er Bevölkerung hero­isch auf den Bar­rikaden der Kom­mune von 1871. Dort vertei­digten sie die erste Arbeiter*innenregierung der Geschichte – eine Regierung, die sie zu Staats­bürg­erin­nen mit gle­ichen Recht­en machte. Deshalb kämpften sie in bewaffneten Batail­lo­nen bis zur bluti­gen Nieder­schla­gung durch die franzö­sis­che Bour­geoisie, die sich mit Depor­ta­tio­nen und Erschießun­gen rächte.

Vor dem Ersten Weltkrieg 1914 mobil­isierten sich tausende Frauen in Eng­land, Frankre­ich und anderen Län­dern für das aktive und pas­sive Wahlrecht. In den USA kämpften viele dieser „Suf­fraget­ten“ gle­ichzeit­ig für die Abschaf­fung der Sklaverei. In den Län­dern Lateinamerikas und der Karibik kämpften Frauen für den Zugang zu höher­er Bil­dung und für alle Bürg­er­rechte, die ihnen noch ver­wehrt waren. Oft wur­den ihre Forderun­gen nur von den sozial­is­tis­chen Arbeiter*innenparteien der Zeit aufgenom­men. In Europa waren es während des Kriegs die Arbei­t­erin­nen, die die Ver­schick­ung von Trup­pen an die Front zu ver­hin­dern ver­sucht­en. Sie stoppten dafür Züge durch Meutereien und Auf­stände und sabotierten die Pro­duk­tion von Waf­fen und Muni­tion. Sie standen auch in erster Rei­he der Proteste gegen Unter­ver­sorgung und Nahrungsmit­telk­nap­pheit, die die Kriegspro­duk­tion ihnen aufzwang.

So auch die Tex­ti­lar­bei­t­erin­nen von St. Peters­burg in Rus­s­land, die den Inter­na­tionalen Frauen­tag im Jahr 1917 beg­in­gen, indem sie in den Streik trat­en. Sie forderten „Brot, Frieden und Nieder mit der Autokratie!“. Ohne es sich vorzunehmen, eröffneten die am meis­ten Unter­drück­ten unter den Frauen und die am meis­ten Aus­ge­beuteten im Pro­le­tari­at den Weg des größten rev­o­lu­tionären Prozess­es der Geschichte der Arbeiter*innenbewegung: die Rus­sis­che Rev­o­lu­tion. Diese Rev­o­lu­tion sollte – ange­führt von der Bolschewis­tis­chen Partei Lenins und Trotzkis – das Zaren­regime stürzen und einige Monate später eine Regierung der Arbeiter*innen durch­set­zen, gestützt auf die Räte der Arbeiter*innen. Vor 100 Jahren eroberten die rus­sis­chen Frauen mit der pro­le­tarischen Rev­o­lu­tion Rechte, für die wir heute in der Mehrzahl der kap­i­tal­is­tis­chen Demokra­tien immer noch kämpfen, darunter so grundle­gende Rechte wie das Recht auf Abtrei­bung.

Die Geschichte steckt voller Heldin­nen­tum, Aufopfer­ung und Mut von Mil­lio­nen von anony­men Frauen – und einiger, deren Namen über­liefert sind. So erin­nern wir an die mutige Aymara-Kämpferin Bar­toli­na Sisa aus Bolivien, an sozial­is­tis­che Arbei­t­erin­nen wie Tere­sa Flo­res aus Chile oder Car­oli­na Muzzil­li aus Argen­tinien, an die Gen­erälin Amelia Rob­les aus der Mexikanis­chen Rev­o­lu­tion, an die US-amerikanis­che Arbei­t­erin­nen-Organ­isatorin Moth­er Jones, an die franzö­sisch-peru­anis­che Fem­i­nistin und Sozial­istin Flo­ra Tris­tan, an die Kom­mu­nardinnen Elis­a­beth Dmitri­eff und Louise Michel, an europäis­che inter­na­tion­al­is­tis­che Rev­o­lu­tionärin­nen wie Clara Zetkin oder Nade­sch­da Krup­ska­ja, an Oppo­si­tionelle, die sich dem Stal­in­is­mus ent­ge­gen­stell­ten wie Nade­sch­da Joffe aus Rus­s­land, Mar­vel Scholl und Clara Dunne aus den USA, Patrí­cia Gal­vao aus Brasilien oder Pen Pi Lan aus Chi­na. Nicht alle von ihnen waren Fem­i­nistin­nen im heuti­gen Sinne –, aber sie alle boten der Unter­drück­ung die Stirn und kämpften gemein­sam mit den Aus­ge­beuteten für ihre Organ­isierung, ihre Rechte und ihre Emanzi­pa­tion. Auch nicht alle von ihnen hat­ten eine rev­o­lu­tionäre sozial­is­tis­che Per­spek­tive, wie wir sie vertreten. Aber sie alle gehören zu den vie­len Frauen, von deren Kämpfen wir als Brot und Rosen heute ler­nen.

Wir sehen uns als Erbin­nen der Tra­di­tion von Frauen wie Rosa Lux­em­burg. Sie über­wand enorme Widrigkeit­en und ihr Leben zeigt uns, dass die Unter­drück­ung als Frau und Migran­tin kein absolutes Hin­der­nis für den Kampf sein muss. Denn als Frau mit starken Überzeu­gun­gen, Opfer­bere­itschaft und Mut hat sie sich in eine der größten rev­o­lu­tionären Anführer*innen des weltweit­en Pro­le­tari­ats ver­wan­delt.

Mehr Rechte und mehr Ungerechtigkeit – ein widersprüchliches Erbe

In den let­zten 50 Jahren hat sich das Leben der Mehrheit der Frauen in den west­lichen Län­dern – beson­ders in den zen­tralen Län­dern und den großen Metropolen – auf eine Weise verän­dert, wie es noch vor 100 Jahren undenkbar gewe­sen wäre.(1) Inner­halb weniger Jahrzehnte haben Frauenkämpfe massen­weisen Zugang zu Bil­dung, demokratis­chen Recht­en und öffentlichen Posten errun­gen. Wir Frauen haben uns rechtlich unab­hängig gemacht von der patri­ar­chalen Vor­mund­schaft des Vaters und Ehe­manns. Wir haben erkämpft, über unser Leben, unsere Sex­u­al­ität und unseren Kör­p­er selb­st zu entschei­den.

Der his­torische Kampf um Frauen­be­freiung ist kein lin­ear­er Prozess. Das heißt, er führt nicht Stück für Stück zu immer mehr Fortschrit­ten und er schließt keineswegs immer alle Frauen mit ein. Trotz­dem ist die Reich­weite der beschriebe­nen Entwick­lun­gen so groß, dass selb­st die Kapitalist*innenklasse sie akzep­tieren muss. Um ihre ultra­reak­tionäre Poli­tik durchzuset­zen, set­zt sie sog­ar Frauen wie Angela Merkel in Deutsch­land und There­sa May in Großbri­tan­nien an die Spitze von Regierun­gen. Wir kön­nten sagen, dass im Ver­gle­ich zu vorheri­gen Jahrzehn­ten die rechtlichen Hür­den für den Zugang von Frauen zu Macht­po­si­tio­nen abge­baut wur­den (mit Aus­nahme des Heili­gen Stuhls im Vatikan). Dies ist ganz anders als in der Epoche von rev­o­lu­tionären Sozial­istin­nen wie Rosa Lux­em­burg, die gegen den deutschen Impe­ri­al­is­mus kämpfte. Damals durften Frauen, Schüler*innen und Lehrlinge keinen poli­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen ange­hören oder auch nur an Tre­f­fen teil­nehmen, bei denen über Poli­tik disku­tiert wurde.

Viele der heuti­gen Frauen­rechte sind Ergeb­nisse der Kämpfe von Frauen in den 1960er und 1970er Jahren. Sie prägten den Satz „das Pri­vate ist poli­tisch“ und ver­wan­del­ten ihn in ein Kampf­pro­gramm. In dieser Zeit schrien ver­schiedene Strö­mungen des radikalen Fem­i­nis­mus in die Welt hin­aus, dass die poli­tis­che, wirtschaftliche, soziale, kul­turelle und sex­uelle Ungle­ich­heit der Frauen gegenüber den Män­nern nicht ein­fach ein indi­vidu­elles Prob­lem jed­er einzel­nen Frau und jedes einzel­nen Mannes sei, beschränkt auf pri­vate Beziehun­gen. Es gebe stattdessen ein Muster, das sich in unzäh­li­gen Einzelschick­salen wieder­holte. Dies zeigte, dass die Sin­gu­lar­ität dieser Erfahrung dialek­tisch ihren wahren struk­turellen Charak­ter mitein­schloss. Das, was als „natür­lich“ vorgegeben wurde, war nichts als die Kristallisierung kom­plex­er sozio-his­torisch­er Prozesse.(2)

In den Sechzigern und Siebzigern wurde nicht nur das Patri­ar­chat, son­dern auch der Kolo­nial­is­mus, der Ras­sis­mus und der Het­ero­sex­is­mus als Herrschaftssys­teme in Frage gestellt – im Rah­men eines Prozess­es großer sozialer und poli­tis­ch­er Radikalisierung der Massen, die sich gegen kap­i­tal­is­tis­che Aus­beu­tung und gegen die Unter­drück­ung durch die stal­in­is­tis­che Bürokratie in den Arbeiter*innenstaaten Osteu­ropas auflehn­ten. 

Der Wan­del der Lebens­be­din­gun­gen von Mil­lio­nen von Frauen mag „rev­o­lu­tionär“ wirken im Ver­gle­ich zu den Lebens­be­din­gun­gen früher­er Gen­er­a­tio­nen. Trotz­dem ist offen­sichtlich, dass diese im Rah­men des Kap­i­tal­is­mus eroberten Rechte wed­er patri­ar­chale Unter­drück­ung noch kap­i­tal­is­tis­che Aus­beu­tung abgeschafft haben. Mil­lio­nen von Men­schen sind nach wie vor der Lohn­sklaverei unter­wor­fen, zur Bar­barei des Hungers, des Kriegs, der Umweltver­schmutzung, der Über­schwem­mungen und Dür­ren, der Arbeit­slosigkeit und des Elends verurteilt. Von den mehr als eine Mil­liarde Men­schen, die heute in extremer Armut leben, sind 70 Prozent Frauen und Mäd­chen.

Eine Geschichte großer Fortschritte im Kampf um Frauen­rechte ste­ht neben Sta­tis­tiken der bru­tal­sten Unter­drück­un­gen: Beispiel­sweise wer­den zwis­chen 1,5 und 3 Mil­lio­nen Frauen und Mäd­chen jedes Jahr Opfer sex­is­tis­ch­er Gewalt. Trotz enormer wis­senschaftlich­er und tech­nol­o­gis­ch­er Fortschritte ster­ben weltweit pro Jahr 500.000 Frauen auf­grund von Kom­p­lika­tio­nen bei Schwanger­schaft und Geburt, während täglich 500 Frauen auf­grund von unsicheren und ille­gal­isierten Abtrei­bun­gen ster­ben. Die Pros­ti­tu­tion hat sich in eine riesige und enorm prof­itable Indus­trie ver­wan­delt, was gle­ichzeit­ig zur weit­eren Aus­dehnung der Men­schen­han­del­snet­zw­erke führte. Von den 960 Mil­lio­nen Analphabet*innen sind 70 Prozent Frauen und Mäd­chen. Zudem stieg die „Fem­i­nisierung“ der Arbeit expo­nen­tiell an: Wir Frauen machen mehr als 40 Prozent der weltweit­en Arbeit­skraft aus, wobei über die Hälfte von uns unter prekären Bedin­gun­gen arbeit­et. Dazu lastet auf unseren Schul­tern der dop­pelte Arbeit­stag der Hausar­beit.

Vor kurzem kon­nten wir sog­ar einen poli­tis­chen Recht­sruck in ver­schiede­nen west­lichen Län­dern beobacht­en. Im Zuge dessen wer­den bere­its erkämpfte Rechte wieder ange­grif­f­en. Zum Beispiel geht Don­ald Trump in den USA entschlossen gegen das Recht auf Abtrei­bung vor. Er ver­tieft damit die Angriffe, die schon die Regierun­gen einiger Bun­desstaat­en vor­angetrieben haben, als die Demokratis­che Partei unter Barack Oba­ma im Weißen Haus saß. In Europa gab es in den let­zten Jahren große Mobil­isierun­gen von Recht­en und katholis­chen Fundamentalist*innen nicht nur gegen das Recht auf Abtrei­bung, son­dern auch gegen die gle­ichgeschlechtliche Ehe und andere demokratis­che Rechte.

Dies war möglich, weil die Etappe der Radikalisierung und Klassenkämpfe der 1960er und 1970er Jahre in Nieder­la­gen und Umlenkun­gen der sozialen Bewe­gun­gen, wie dem Fem­i­nis­mus, endete. Was heute „Neolib­er­al­is­mus“ genan­nt wird, war die fanatis­che Antwort des Kap­i­tal­is­mus angesichts der Wellen von Mobil­isierun­gen, Streiks und rev­o­lu­tionären Prozessen, die in den Siebzigern die Herrschaft des Kap­i­tals bedro­ht­en.

Durch die ver­rä­ter­ische Hand der reformistis­chen Führun­gen der Massen – sowohl der poli­tis­chen als auch der gew­erkschaftlichen – im Osten und im West­en hat der Kap­i­tal­is­mus es geschafft, seine Krisen zu über­leben und eine Wirtschaft­spoli­tik durchzuset­zen, die Mil­lio­nen von Men­schen in Arbeit­slosigkeit stieß. Die Arbeiter*innenklasse wurde frag­men­tiert und entwurzelt. An ihre Stelle trat­en die Werte des Indi­vid­u­al­is­mus und des „Rette sich wer kann“. Um diese Nieder­lage aufzuzwin­gen, kon­nten die herrschen­den Klassen jedoch nicht allein auf die Kol­lab­o­ra­tion der ver­rä­ter­ischen Führun­gen der aus­ge­beuteten Klassen zählen. Sie mussten auch die schärf­sten Kritiker*innen inner­halb der sozialen Bewe­gun­gen assim­i­lieren, koop­tieren und ein­schränken, die den patri­ar­chalen, het­ero­sex­is­tis­chen, ras­sis­tis­chen und kolo­nial­is­tis­chen Kap­i­tal­is­mus in Frage stell­ten. Die in den 70ern eroberten Rechte stellen gewis­ser­maßen die „Anerken­nung“ der neuen Kräftev­er­hält­nisse durch die herrschen­den Klassen dar. Sie waren sowohl ein Ver­such der Antwort auf die Unzufrieden­heit als auch auf die wach­sende Fem­i­nisierung der Arbeit­skraft. Der Kap­i­tal­is­mus ver­suchte mit dem Hinein­holen von immer mehr Frauen in den Pro­duk­tion­sprozess, die für ihn notwendi­ge Masse an Arbeit­skraft zu ver­größern. Er ver­größerte dabei die Konkur­renz inner­halb der lohn­ab­hängi­gen Massen und führte immer weit­ere Angriffe auf die his­torischen Errun­gen­schaften der Arbeiter*innenklasse aus. (Diese Strate­gie ist schon seit dem Frühkap­i­tal­is­mus bekan­nt, als das Kap­i­tal eine „indus­trielle Reservearmee“ schuf, um die Löhne zu senken, und die Rei­hen der Arbeiter*innenklasse in Män­ner und Frauen, Ein­heimis­che und Ausländer*innen spal­tete.)

Ein­er lan­gen Geschichte gemein­samer Kämpfe fol­gte schließlich die Spal­tung zwis­chen der Arbeiter*innenklasse und den sozialen Bewe­gun­gen. Der Fem­i­nis­mus gab auf, gegen eine soziale Ord­nung zu kämpfen, die vom Kap­i­tal durchge­set­zt wird, und die Elend und Ungerechtigkeit für Frauen bedeutet. Spiegel­bildlich dazu zogen die Abwe­sen­heit ein­er rev­o­lu­tionären Per­spek­tive und der Ver­rat ihrer Führun­gen die Arbeiter*innenklasse in einen Korporatismus.(3)

Noch Anfang des 20. Jahrhun­derts fan­den Frauen, die nach ihrer Befreiung strebten, ein Vor­bild im Arbeiter*innenstaat der Sow­je­tu­nion. In den Jahrzehn­ten der kon­ser­v­a­tiv­en Restau­ra­tion der Achtziger, als der „real existierende Sozial­is­mus“ längst nur noch eine degener­ierte Ver­sion sein­er Ver­gan­gen­heit war, war auch der sozial­is­tis­che Vor­bild­charak­ter für die Frauen­be­we­gung dahin. Sie fand dort tat­säch­lich nur die Bestä­ti­gung des Vorurteils, jed­er Ver­such des Wider­stands gegen die beste­hende Herrschaft bringe neue, wiederum mon­ströse For­men der Herrschaft und des Auss­chlusses von Frauen her­vor. Denn der Stal­in­is­mus hat­te es sich zur Auf­gabe gemacht, die famil­iäre Ord­nung wieder herzustellen und die Rolle der Frauen als Ehe­frauen, Müt­ter und Haus­frauen zu fördern. Das Abtrei­bungsrecht wurde abgeschafft; die Pros­ti­tu­tion wie im Zaris­mus krim­i­nal­isiert; die Poli­tik der Kollek­tivierung von Repro­duk­tion­sar­beit wurde zurück­ge­fahren oder vol­lkom­men beseit­igt, zum Beispiel was öffentliche Wäschereien, Kan­ti­nen und gemein­schaftliche Wohn­häusern anging; die Frauenor­gane der Partei wur­den aufgelöst. Um nur ein paar der Maß­nah­men zu nen­nen, mit denen die stal­in­is­tis­che Bürokratie die muti­gen Schritte der Rus­sis­chen Rev­o­lu­tion von 1917 zer­störte und zurück­drehte.

Durch die Nieder­lage der Massen­radikalisierung der 1970er set­zte sich die Vorstel­lung durch, dass der Kap­i­tal­is­mus unbe­sieg­bar ist. Damit ging ein­her, dass jede Per­spek­tive ein­er radikalen Verän­derung der Lebens­be­din­gun­gen der Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten utopisch erschien. Die in dieser Peri­ode eroberten Rechte bedeuteten natür­lich einen gewis­sen „Tri­umph“ – allerd­ings beschränkt auf einige gesellschaftliche Sek­toren in bes­timmten Län­dern. Außer­dem schweben sie in ständi­ger Gefahr, von der poli­tis­chen Kon­junk­tur wieder hin­wegge­fegt zu wer­den. Aber wir wollen beto­nen: Die Kehr­seite dieser Erfolge war, dass damit die Grund­lage für unsere tiefge­hende und anhal­tende Nieder­lage gelegt wurde. Sie nen­nt sich „Neolib­er­al­is­mus“ und war für das Kap­i­tal notwendig. In diesem Moment fand in der gesamten Gesellschaft und auch im Fem­i­nis­mus ein Wan­del statt: Die Idee der radikalen Umwälzung der Gesellschaft ver­schwand aus der Vorstel­lungskraft der Massen und damit wurde der Kampf um Emanzi­pa­tion aufgegeben. An ihre Stelle trat im Fem­i­nis­mus größ­ten­teils eine Strate­gie der gradu­ellen Aus­dehnung von Recht­en durch Refor­men in den kap­i­tal­is­tis­chen Demokra­tien. Utopis­cher­weise sollte nun die Verän­derung des Sys­tems „von innen“ erre­icht wer­den. Die radikale Kap­i­tal­is­muskri­tik ver­wan­delte sich in den bloßen Ver­such, Bürger*innenrechte auszuweit­en, während die ver­faulen­den bürg­er­lichen Demokra­tien keine Verbesserun­gen mehr anzu­bi­eten hat­ten, um das Unrecht gegen die Massen zu lin­dern. Die sozialen Bewe­gun­gen kri­tisierten zwar weit­er­hin hin und wieder die kul­turelle, soziale und moralis­che Ord­nung, die auf den kap­i­tal­is­tis­chen Pro­duk­tionsver­hält­nis­sen beruht. Diese Kri­tik erscheint aber stets getren­nt von ein­er Kri­tik der ökonomis­chen Ord­nung selb­st, welche auf der Aus­beu­tung men­schlich­er Arbeit­skraft beruht. Die ökonomis­che Ord­nung, die die kul­turelle, soziale und moralis­che Ord­nung aufrechter­hält, bleibt somit unhin­ter­frag­bar.

Das erlaubte es den hege­mo­ni­alen Strö­mungen im Fem­i­nis­mus, sich in den Jahrzehn­ten des Neolib­er­al­is­mus auf den Kampf um die Anerken­nung von Recht­en im Rah­men des „demokratis­chen Staats“ zurück­zuziehen. Dieser Staat ist nicht neu­tral, son­dern kap­i­tal­is­tisch. Er ist der Garant der gewalt­samen Aus­beu­tung der Lohnar­beit von Mil­lio­nen von Men­schen durch die par­a­sitäre Min­der­heit der herrschen­den Klasse. Der bürg­er­liche Staat basiert auf dem Schutz des Pri­vateigen­tums durch Ausübung des Gewalt­monopols gegen die Aus­ge­beuteten. Von eben diesem Staat wird also ver­langt, Ungerechtigkeit gegen Frauen anzuerken­nen und die Täter zu bestrafen.

In der aktuellen Epoche ist zwar anerkan­nt, dass Verge­wal­ti­gung in der Ehe Gewalt ist und kein Recht des Ehe­manns; dass sex­ueller Miss­brauch Gewalt ist und keine kul­turelle Gewohn­heit; dass sex­uelle Beläs­ti­gung auf der Straße Gewalt ist und keine harm­lose Bagatelle. Aber para­dox­er­weise haben wir ger­ade durch die Forderung nach Anerken­nung dieser For­men von Gewalt gegen Frauen durch den Staat und sein Jus­tizsys­tem genau das Gegen­teil dessen erre­icht, was wir woll­ten. Zwar gab es Fortschritte in der Sicht­bar­ma­chung des Lei­ds, das uns von der patri­ar­chalen Ord­nung aufer­legt wird. Auch wur­den ein­klag­bare Rechte erkämpft, die es vorher ein­fach nicht gab. Dabei wurde aber die patri­ar­chale Gewalt auf ein indi­vidu­elles Prob­lem reduziert, das strafrechtlich for­mal­isiert wird.

Jahrzehnte haben wir dafür gekämpft, dass die Unter­drück­ung der Frauen ent­nat­u­ral­isiert wird. Wir woll­ten damit zeigen, dass der Sex­is­mus struk­turell in den Klas­sen­ge­sellschaften ver­ankert ist und dass das Patri­ar­chat ein Sys­tem ist, das unsere Leben und unsere zwis­chen­men­schlichen Beziehun­gen durchzieht. Und nun ist das Ergeb­nis, dass die extrem­sten, abstoßend­sten, tödlichen Gewalt­tat­en einiger Indi­viduen im Vorder­grund ste­hen, während die patri­ar­chale kap­i­tal­is­tis­che Gesellschaft mit­samt ihres Staates und ihrer Insti­tu­tio­nen makel­los wirkt, schein­bar frei von jed­er Ver­ant­wor­tung. Seine Fähigkeit zu strafen wurde sog­ar gestärkt. Der patri­ar­chale Kap­i­tal­is­mus ste­ht vor uns und sagt: „Die kap­i­tal­is­tis­chen Demokra­tien haben dir schon gle­ich­es Recht vor dem Gesetz gegeben. Jet­zt ist die Emanzi­pa­tion eine indi­vidu­elle Frage, für die du allein ver­ant­wortlich bist.“ Die kon­ser­v­a­tive Rechte entwick­elte unter­dessen ihren eige­nen „Fem­i­nis­mus“, als Vari­a­tion des lib­eralen Indi­vid­u­al­is­mus: Wenn es sich nur um indi­vidu­elle Rechte han­delt, dann kann man auch das „Recht“ ein­fordern, Haus­frau zu sein und sich „um den Ehe­mann und die Fam­i­lie zu küm­mern“, oder das „Recht, die beru­fliche Kar­riere aufzugeben, um sich voll­ständig der Kinder­erziehung zu wid­men“ und so weit­er.

Der lib­erale Fem­i­nis­mus kann diese Angriffe von Rechts nicht stop­pen, denn er sitzt in sein­er eige­nen Indi­vid­u­al­is­mus-Falle. Die erneuten Massen­mo­bil­isierun­gen von Frauen über­all auf der Welt, nicht zulet­zt als Antwort auf den Sieg Trumps und die damit ver­bun­de­nen Diskus­sio­nen, verdeut­lichen die Krise des lib­eralen Fem­i­nis­mus. Einige US-Fem­i­nistin­nen brand­marken ihn bere­its als „unternehmerischen Fem­i­nis­mus“, für den Politiker*innen wie Hillary Clin­ton von der Demokratis­chen Partei ste­hen. Nur ein Fem­i­nis­mus, der sich vorn­immt, eine poli­tis­che Massen­be­we­gung zu wer­den, die den Kampf für mehr Rechte und demokratis­che Frei­heit­en mit der Anklage dieses Regimes von Aus­beu­tung und Elend verbindet, kann wirk­lich emanzi­pa­torisch sein – und auch das nur mit dem Ziel, den Kap­i­tal­is­mus zu stürzen.

Die reaktionäre Utopie von Reform und Strafe

Endlich haben wir in der Mehrheit der kap­i­tal­is­tis­chen Demokra­tien erre­icht, dass wir von den Insti­tu­tio­nen, inklu­sive des Strafrechts, als Opfer von Sex­is­mus anerkan­nt wer­den. Und tat­säch­lich wer­den wir Frauen weit­er­hin Opfer von sex­u­al­isiert­er Gewalt, von sex­ueller Beläs­ti­gung und sex­uellem Miss­brauch, von Verge­wal­ti­gun­gen auf der Straße, in der Schule, im Büro, in der Kirche und Zuhause. Wir wer­den Opfer ein­er Aus­beu­tung, die teils unerträgliche Aus­maße erre­icht und uns die Gesund­heit und das Leben kostet. Wir wer­den „Kol­lat­er­alopfer“ von Kriegen. Und wir wer­den Opfer von Frauen­mor­den.

Aber das Patri­ar­chat beste­ht damit auch darauf, dass wir uns selb­st als ohn­mächtig wahrnehmen und als ohn­mächtig wahrgenom­men wer­den. Wir wer­den zu Opfern gemacht, die ohn­mächtig sind.(4) Als solche sind wir unfähig, unser­er Unter­drück­ung die Grund­lage zu entziehen. Wir sollen nur noch indi­vidu­ell vom Staat ver­lan­gen, dass er (eben­so indi­vidu­ell) die Täter bestraft. Dadurch sind wir gezwun­gen, uns dieselbe bestrafende Logik anzueignen, die durch die poli­tis­che Rechte weltweit im Auf­schwung ist. Wir sollen auf diesel­ben Insti­tu­tio­nen dieses sozialen Regimes ver­trauen, die unsere Unterord­nung legit­imieren und garantieren. Um unser blindes Ver­trauen in den Staat zu erre­ichen, müssen die Kämpfe viel­er Gen­er­a­tio­nen kämpfend­er Frauen aus unserem Gedächt­nis gelöscht wer­den. Uns müssen Ressen­ti­ments gegen Män­ner eingepflanzt wer­den, die doch mit uns die Ket­ten der kap­i­tal­is­tis­chen Aus­beu­tung teilen. Die Bande der Sol­i­dar­ität mit anderen vom Kap­i­tal weltweit aus­ge­beuteten und unter­drück­ten Frauen müssen gekappt wer­den. Und schließlich muss der Hass gegen die unsäglichen und entwürdi­gen­den Bedin­gun­gen, unter denen die große Mehrheit der Men­schheit immer gelebt hat und weit­er­hin lebt, aus unserem Gedächt­nis gelöscht wer­den. Denn dieser Hass auf das Beste­hende hat im Laufe der Geschichte immer Kampfeswillen und Kämpfe her­vorge­bracht.

Wir Frauen von Brot und Rosen wollen nicht die ohn­mächti­gen Opfer sein, die dieses Sys­tem gerne hätte. Wir entschei­den uns für einen pro­duk­tiv­en Hass auf die ver­faulte soziale Ord­nung, die uns zu Opfern macht – uns, wie Mil­lio­nen weit­er­er Men­schen auf dem gesamten Plan­eten. Es ist kein pri­vater, sub­jek­tiv­er Hass, der uns antreibt. Es ist der soziale Hass, der im Laufe der Geschichte schon immer den Auf­s­tand der Sklav*innen entzün­det hat, wie ein „Funke“. Ende des 19. Jahrhun­derts sagte die Paris­er Kom­mu­nardin Louise Michel: „Vor­sicht vor den Frauen, wenn sie sich von all dem angeekelt fühlen, was sie umgibt, und sich gegen die alte Welt auflehnen. An diesem Tag wird die neue Welt geboren.“ Wir Frauen von Brot und Rosen kämpfen für diese neue Welt, eine Welt befre­it von den Ket­ten, die heute die Hände der gesamten Men­schheit fes­seln und dop­pelt die Hände der Frauen.

Unser Recht auf Brot und Rosen: Wir bitten nicht, wir fordern!

Brot und Rosen ist eine inter­na­tion­al­is­tis­che Grup­pierung von Frauen in Argen­tinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Deutsch­land, Frankre­ich, Mexiko, Uruguay, Venezuela, den USA und dem Spanis­chen Staat. Wir sind Mit­glieder der Trotzk­istis­chen Frak­tion für die Vierte Inter­na­tionale.(5) Gemein­sam mit unab­hängi­gen Arbei­t­erin­nen, Schü­lerin­nen und Stu­dentin­nen teilen wir die Vorstel­lung der US-amerikanis­chen Sozial­istin Louise Knee­land, die 1914 meinte: „Wer Sozial­ist ist und kein Fem­i­nist, dem fehlt die Weit­sicht. Aber wer Fem­i­nist ist und kein Sozial­ist, dem fehlt die Strate­gie.“ Das heißt, wir sind der Mei­n­ung, dass nur die soziale Rev­o­lu­tion, die dieses Sys­tem der Aus­beu­tung been­det, die Grund­la­gen für die Emanzi­pa­tion der Frauen bere­it­en kann. Hier stellen wir zen­trale Punk­te unseres poli­tis­chen Pro­gramms vor.

¡Ni una menos! (6)

Wir Frauen von Brot und Rosen ste­hen in der ersten Rei­he der Kämpfe für demokratis­che Frei­heit­en und Rechte von Frauen. Genau­so bekämpfen wir die sex­is­tis­chen Vorurteile inner­halb der Arbeiter*innenklasse, eingepflanzt von den herrschen­den Klassen, sowohl durch bürg­er­liche Insti­tu­tio­nen als auch durch Agent*innen in den Rei­hen der Arbeiter*innen wie der Gew­erkschafts­bürokratie. Im Unter­schied zu anderen linken Strö­mungen glauben wir nicht, dass der Kampf für unsere Rechte auf die Zeit „nach der Rev­o­lu­tion“ oder „nach der Machtüber­nahme“ ver­schoben wer­den darf, wie es der Stal­in­is­mus und alle pop­ulis­tis­chen Strö­mungen meinen. Wir glauben, dass es unsere unauswe­ich­liche Pflicht ist, in unserem Kampf für ein Sys­tem ohne Aus­beu­tung und Unter­drück­ung die Kämpfe der Frauen für die best­möglichen Lebens­be­din­gun­gen und grundle­gen­den demokratis­chen Rechte auch schon in diesem Sys­tem voranzutreiben. Das ist Teil unser­er täglichen poli­tis­chen Prax­is. In Län­dern wie Argen­tinien, wo wir gemein­sam mit anderen trotzk­istis­chen Parteien Teil der Front der Linken und der Arbeiter*innen (FIT – Frente de Izquier­da y de los Tra­ba­jadores) sind, haben wir sog­ar Sitze im Nation­alkongress und in den Prov­inz­par­la­menten. Unsere Genoss*innen dort sind dafür bekan­nt, aus ihren Sitzen eine Tribüne und einen Bezugspunkt für die Kämpfe der Frauen für ihre Rechte zu machen.

Wir teilen auch nicht die Posi­tion der pop­ulis­tis­chen Strö­mungen, die sagen, dass die unab­hängige Organ­isierung von Frauen im Kampf für ihre Rechte die Ein­heit der Arbeiter*innenklasse „bedro­ht“. Im Gegen­teil denken wir, dass die Arbeiter*innenklasse geschwächt wird, wenn eine Frau von ihren Klassen­brüdern gedemütigt, diskri­m­iniert oder verge­waltigt wird. Aber wenn die Arbei­t­erin­nen den Kampf für ihre Rechte in ihre eige­nen Hände nehmen, wird die Arbeiter*innenklasse ins­ge­samt gestärkt in ihrem Wider­stand gegen die Ausbeuter*innen. Nicht unser Kampf gegen den Sex­is­mus spal­tet uns, son­dern die herrschende Klasse spal­tet die Aus­ge­beuteten, indem sie frauen­feindliche, sex­is­tis­che, het­ero­sex­is­tis­che, ras­sis­tis­che und nation­al­is­tis­che Vorurteile schürt.

Gewalt gegen Frauen ist sehr ver­bre­it­et, beson­ders gegen Mäd­chen und junge Frauen. Zu der psy­chol­o­gis­chen, physis­chen, sex­u­al­isierten Gewalt und der Gewalt am Arbeit­splatz kom­men Frauen­morde, in vie­len Län­dern der Erde eine der Haupt­todesur­sachen für junge Frauen. Für die Mehrheit dieser Ver­brechen sind Män­ner ver­ant­wortlich, die dem Opfer nah­e­s­tanden. Sie sind das let­zte – tödliche – Glied in ein­er lan­gen Kette der Gewalt, die ihre Wurzel in der patri­ar­chalen Gesellschaft hat und die sich durch den kap­i­tal­is­tis­chen Staat und die Insti­tu­tio­nen seines Herrschaft­sregimes repro­duziert und legit­imiert.

Deshalb rufen wir: Schluss mit Gewalt gegen Frauen! Ni una menos! Wir wollen leben! Wir fordern von den Regierun­gen die Durch­set­zung aller nöti­gen Maß­nah­men zur Lin­derung der Kon­se­quen­zen sex­is­tis­ch­er Gewalt und zur Ver­hin­derung von Mor­den an Frauen, wie Zuflucht­sorte für die Opfer, das Recht auf bezahlte Abwe­sen­heit vom Arbeit­splatz in Höhe des vorheri­gen Lohnes, Arbeit­slosen­geld in der Höhe eines Fam­i­lieneinkom­mens, Zugang zu zinslosen Kred­iten für Woh­nun­gen.

Wir sagen: Wenn sie eine von uns angreifen, organ­isieren wir uns zu Tausenden. Deshalb organ­isieren wir Frauenkom­mis­sio­nen an jedem Arbeit­splatz, jed­er Uni und Schule, in den Wohn­vierteln. Lasst uns die Organ­isierung von kämpferischen Frauen­be­we­gun­gen vorantreiben, die unab­hängig vom Staat und den poli­tis­chen Parteien des kap­i­tal­is­tis­chen Regimes sind. Das ist die einzige Option, die uns Frauen bleibt, um die sex­is­tis­che Gewalt zu kon­fron­tieren und zu stop­pen.

Recht auf freie, sichere und kostenlose Abtreibung

In vie­len Län­dern dür­fen wir Frauen nicht frei über unsere Mut­ter­schaft entschei­den. Abtrei­bungsver­bote führen zu Abtrei­bun­gen im Geheimen, ille­gal­isiert und unter unsicheren Bedin­gun­gen. Ger­ade die ärm­sten Frauen ster­ben dabei oft. Diejeni­gen, die das Glück haben, diese drama­tis­che Sit­u­a­tion zu über­leben, erlei­den meist irrepara­ble Gesund­heitss­chä­den. Und obwohl wir noch kein Recht auf freie und kosten­lose Abtrei­bung haben, die unter hygien­is­chen Bedin­gun­gen und durch geeignetes medi­zinis­ches Per­son­al durchge­führt wird, bleibt der Zugang zu Ver­hü­tungsmit­teln weit­er­hin beschränkt.

Aber während unsere Kinder eine „Störung“ für die Bosse sind, die keine Kindergärten in den Betrieben und Fab­riken bere­it­stellen, sich weigern Sozial­beiträge zu zahlen oder schwan­gere Frauen kündi­gen, ist uns zugle­ich eines klar: Uns wird durch die Fam­i­lie, den Staat, die Kirche und das Bil­dungssys­tem gesagt, dass wir keine wirk­lichen Frauen sind, wenn wir nicht zu Müt­tern wer­den.

Deshalb fordern wir kosten­freie Kindergärten in den Betrieben und Fab­riken, bezahlt von den Bossen und vom Staat, 24 Stun­den am Tag. Wir ver­lan­gen volle Rechte für schwan­gere Arbei­t­erin­nen und Müt­ter. Wir kämpfen für Aufk­lärung­sun­ter­richt, um zu entschei­den, kosten­freie Ver­hü­tungsmit­tel, um nicht abzutreiben, und legale, sichere und kosten­freie Abtrei­bung, um nicht zu ster­ben. Wir fordern die voll­ständi­ge Tren­nung von Staat und Kirche.

Black Women’s Lives Matter!

In der kap­i­tal­is­tis­chen Pro­duk­tion­sweise ist neben der Aus­beu­tung und der geschlechtlichen Unter­drück­ung auch die ras­sis­tis­che Unter­drück­ung ein struk­turelles Prob­lem. Das gilt beson­ders für Län­der wie Brasilien, die USA, Haiti und auf dem gesamten afrikanis­chen Kon­ti­nent, deren Geschichte geprägt ist von der Ver­sklavung Schwarz­er Men­schen und dem Slav*innenhandel. Der Ras­sis­mus ist ein Pro­dukt des Kap­i­tal­is­mus selb­st. Die Geschichte dieser Län­der ist aber auch
geprägt von den Befreiungskämpfen der Schwarzen. Diese reichen von der Entste­hung der Quilom­bos (7) auf dem amerikanis­chen Kon­ti­nent bis zu den Unab­hängigkeit­skämpfen in Afri­ka, welche vom Stal­in­is­mus ver­rat­en wur­den.

Ras­sis­mus drückt sich täglich im Leben Schwarz­er Frauen aus. Unter all den Zumu­tun­gen, gegen die wir kämpfen und angesichts der­er wir mehr Rechte für Frauen fordern, lei­den Schwarze Frauen und Migran­tinnen am aller­meis­ten. Die Zahl der­er unter ihnen, die ermordet wer­den, ist anteilig am höch­sten, eben­so wie die Rate der­er, die an ille­gal­isierten Abtrei­bun­gen ster­ben. Sie arbeit­en in den schlecht­esten Jobs, sind beson­ders betrof­fen von Prekarisierung, Out­sourc­ing und Niedriglöh­nen.

Ein sozial­is­tis­ch­er und rev­o­lu­tionär­er Fem­i­nis­mus muss beson­ders aufmerk­sam für die am meis­ten aus­ge­beuteten und unter­drück­ten Sek­toren unser­er Klasse sein. Dabei muss er aufzeigen, dass der Kampf der Schwarzen Frauen nur dann eine umfassende Lösung find­en kann, wenn er mit dem rev­o­lu­tionären Kampf für die Zer­störung des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems ver­bun­den ist. Denn dieses kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem ist es, welch­es bis zum heuti­gen Tag von den Resten der Ver­sklavung von Schwarzen prof­i­tiert. Deshalb macht es uns Mut, dass auf der ganzen Welt Bewe­gun­gen entste­hen, die die Leben Schwarz­er Men­schen vertei­di­gen, an denen wir von Brot und Rosen (vor allem in Brasilien) mit ein­er sozial­is­tis­chen und rev­o­lu­tionären Per­spek­tive teil­nehmen. Für uns ist dieser Kampf von höch­ster Wichtigkeit; er muss von der gesamten Arbeiter*innenklasse aufgenom­men wer­den.

Deshalb fordern wir den sofor­ti­gen Rück­zug der soge­nan­nten „Frieden­strup­pen“ aus Haiti. Außer­dem lehnen wir jede impe­ri­al­is­tis­che Inter­ven­tion in diesem oder anderen Län­dern ab. Wir fordern die Lohn­gle­ich­heit zwis­chen Män­nern und Frauen, Schwarzen und Weißen, das Ende der Ermor­dun­gen Schwarz­er Frauen, das Ende von prekär­er Arbeit und die sofor­tige Wiedere­ingliederung aller aus­gegliederten Arbei­t­erin­nen, ohne Auswahlver­fahren.

Wir knüpfen dabei an den Kampf Schwarz­er Frauen wie Har­ri­et Tub­man, Rosa Parks, Luiza Mahin, Dan­dara und ander­er Kämpferin­nen an. Sie hin­ter­ließen ein Ver­mächt­nis, welch­es wir fort­führen kön­nen, indem wir es in den Dienst der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion stellen. Der große rus­sis­che Rev­o­lu­tionär Leo Trotz­ki sagte einst, dass diejeni­gen, die am meis­ten unter dem Alten lei­den, mit der größten Kraft für das Neue kämpfen wer­den. Dies fasst in weni­gen Worten die rev­o­lu­tionäre Kraft der Schwarzen Frauen zusam­men, die sie in der Ver­gan­gen­heit bere­its gezeigt haben und auch in den kom­menden Prozessen des Klassenkampfes zeigen wer­den.

Weg frei für die Arbeiterinnen!

Die wach­sende Fem­i­nisierung der Arbeit­skraft – vor allem in den prekärsten, am wenig­sten qual­i­fizierten und am schlecht­esten ent­lohn­ten Sek­toren – und die Aufrechter­hal­tung schar­fer Ungle­ich­heit ver­tiefen die Unter­drück­ung der Frauen. Weil sie weniger Lohn bekom­men als Män­ner, schlechtere Arbeits­be­din­gun­gen haben und mehrheitlich von gew­erkschaftlich­er Organ­isierung aus­geschlossen sind, bilden arbei­t­ende Frauen einen der am meis­ten aus­ge­beuteten Sek­toren der weltweit­en Arbeiter*innenklasse. Ver­woben mit diesen Aus­beu­tungs­be­din­gun­gen sind wir Frauen auch Opfer sex­ueller Beläs­ti­gung am Arbeit­splatz. Wir haben nicht das­selbe Recht auf eine Beförderung oder über­haupt auf einen Arbeit­splatz, ein­fach weil wir Frauen sind. Die Diskri­m­inierung begin­nt in dem Moment, wo Män­ner für einen Arbeit­splatz nur ihre Fähigkeit­en und ihre Erfahrung vor­weisen müssen, während wir unseren Kör­p­er zeigen oder beweisen müssen, dass wir keine Kinder haben wollen. Oder wir unsere Kinder ver­leug­nen müssen.

Diese Unter­drück­ung vervielfacht sich für migrantis­che und geflüchtete Frauen. In den USA wie auch in Europa lei­den lateinamerikanis­che, afrikanis­che, asi­atis­che oder osteu­ropäis­che Frauen unter diskri­m­inieren­den Aus­län­derge­set­zen, Abschiebun­gen, polizeilich­er Ver­fol­gung und ver­stärk­ter Aus­beu­tung in den schlecht­esten Jobs – während gle­ichzeit­ig die ras­sis­tis­che und nation­al­is­tis­che extreme Rechte voran­schre­it­et.

Nichtweiße Frauen gehören selb­st in ihren eige­nen Län­dern zu den am meis­ten Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten. Les­bis­che Frauen und trans Frauen wer­den immer noch am Arbeit­splatz diskri­m­iniert, polizeilich und insti­tu­tionell ver­fol­gt sowie sozial aus­geschlossen, selb­st wenn in eini­gen Län­dern Geset­ze gegen Diskri­m­inierung, für gle­ichgeschlechtliche Ehe oder für die Wahl der geschlechtlichen Iden­tität ver­ab­schiedet wur­den. Denn die Gle­ich­heit vor dem Gesetz bedeutet noch nicht die Gle­ich­heit im Leben.

Deshalb kämpfen wir für ein Ende prekär­er Arbeit! Unbe­fris­tete Fes­tanstel­lun­gen aller Arbeiter*innen. Gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit, bei gle­ichen Bedin­gun­gen und gle­ichen Recht­en! Gle­iche Aus­bil­dungs- und Arbeitsmöglichkeit­en! Aufteilung der Arbeitsstun­den zwis­chen Beschäftigten und Erwerb­slosen bei vollem Lohn! Wir fordern die Schaf­fung von Frauenkom­mis­sio­nen an allen Arbeit­splätzen und in allen Gew­erkschaften. Schluss mit der Diskri­m­inierung!

Zudem nimmt der Kap­i­tal­is­mus, der die Frauen in die Sphäre der Pro­duk­tion stößt, ihnen gle­ichzeit­ig nicht die Ver­ant­wor­tung für repro­duk­tive Arbeit ab. Sie spielt sich unent­geltlich im Haushalt ab und ver­dop­pelt den Arbeit­stag der Frauen. Es gibt zwar in eini­gen fort­geschrit­te­nen Län­dern und in den urba­nen Zen­tren auch in Arbeiter*innenfamilien eine Ten­denz zur Ver­lagerung dieser Auf­gaben auf die Schul­tern von Haushalt­sangestell­ten, die in ihrer Mehrheit Migran­tinnen sind. Dadurch ver­schwindet weltweit aber keineswegs die unbezahlte Hausar­beit. In den am meis­ten ver­armten Sek­toren sowie in den rück­ständig­sten Län­dern und auf dem Land fällt die Hausar­beit fast voll­ständig auf Frauen und Mäd­chen zurück. Denn in der unbezahlten Hausar­beit ruht ein Teil der Prof­ite der Kapitalist*innen, die so den Arbeiter*innen nicht die Tätigkeit­en ent­lohnen müssen, die für ihre eigene tägliche Repro­duk­tion als Arbeit­skräfte (Nahrung, Klei­dung und so weit­er) nötig sind. Eben­so müssen sie so nichts für die Erhal­tung des Teils der Arbeit­skräfte zahlen, die vom Kap­i­tal für unpro­duk­tiv gehal­ten wer­den (Haus­frauen, Erwerb­slose, die Kinder als zukün­ftige Gen­er­a­tion von Arbeiter*innen oder zuhause eben­falls meist von Frauen betreute Senior*innen). Die Förderung und Aufrechter­hal­tung der patri­ar­chalen Kul­tur, laut der­er die Haushalt­sauf­gaben „natür­liche“ Auf­gaben der Frauen seien, erlaubt es, dass dieser „Dieb­stahl“ der Kapitalist*innen unsicht­bar bleibt.

Wir wis­sen, dass die patri­ar­chale Unter­drück­ung seit Jahrtausenden existiert, viel länger als das kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem selb­st. Aber das Sys­tem des Kap­i­tal­is­mus bot dem Patri­ar­chat nicht nur her­vor­ra­gende Exis­tenzbe­din­gun­gen, son­dern stärk­te es noch durch die Unter­drück­ung von Mil­lio­nen Frauen auf dem gesamten Plan­eten. Damit stärkt der Kap­i­tal­is­mus wider­sprüch­licher­weise auch seine eigene „Toten­gräberin“. Denn er erweit­ert die Rei­hen der Arbeiter*innenklasse durch Mil­lio­nen von Frauen, die aus dem Haushalt in die Lohnar­beit gestoßen wur­den. Deshalb kön­nen wir nicht über geschlechtliche Unter­drück­ung sprechen, ohne zu berück­sichti­gen, dass die Mehrheit der Men­schheit den aus­ge­beuteten Klassen ange­hört und dass die geschlechtliche Unter­drück­ung die kap­i­tal­is­tis­che Aus­beu­tung der Frauen ver­tieft.

***

Als Brot und Rosen meinen wir, dass nur die Arbeiter*innen, die den gesamten gesellschaftlichen Reich­tum pro­duzieren, den die Kapitalist*innen sich aneignen, auch dem Sys­tem der Aus­beu­tung und Unter­drück­ung ein Ende bere­it­en kön­nen. Und dass die Arbeiter*innenklasse in ihrem Kampf gegen die Aus­beu­tung Ver­bün­dete bei denen find­et, die sich vom Joch der Unter­drück­ung emanzip­ieren wollen, das ihnen auf­grund von Haut­farbe, Sex­u­al­ität, Geschlecht, Herkun­ft oder anderen Grün­den aufer­legt wird. Diese Allianz, ange­führt von den Arbeiter*innen, kann den Kap­i­tal­is­mus wirk­lich besiegen. Nicht jedoch das Ver­trauen in ver­schiedene bürg­er­liche „Oppo­si­tio­nen“ zu den jew­eili­gen Regierun­gen, die von „pro­gres­siv­en Sek­toren“ ange­führt wer­den. Denn sie vertreten nur die Inter­essen ander­er Sek­toren der Bosse, welche genau­so von der Aus­beu­tung unser­er Arbeit­skraft leben.

Deshalb sind wir der Mei­n­ung, dass alle Beziehun­gen zu den Kapitalist*innen abge­brochen wer­den müssen; genau­so die Beziehun­gen zu ihrem Staat, zu den poli­tis­chen Parteien, die ihre Inter­essen vertreten, und zu den ange­blichen Vertreter*innen der Arbeiter*innenklasse, die von Staat und Bossen leben und die Arbeiter*innen nur ver­rat­en kön­nen. Das heißt, wir sprechen uns für die poli­tis­che Unab­hängigkeit der Arbeiter*innenklasse aus und befür­worten alle Schritte, die in diese Rich­tung weisen.

Unser Kampf um Frauen­be­freiung ist auch Teil unseres Kampfes für den Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Partei der Arbeiter*innenklasse – in jedem Land und inter­na­tion­al. Dafür nötig ist ein antikap­i­tal­is­tis­ches, rev­o­lu­tionäres Pro­gramm der Arbeiter*innen mit ein­er Per­spek­tive der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion. Das rev­o­lu­tionäre Pro­gramm enthält die Errich­tung ein­er Arbeiter*innenregierung als Schützen­graben im Kampf für ein Ende des Kap­i­tal­is­mus und aller For­men der Aus­beu­tung und Unter­drück­ung.

Es lebe der Kampf für unsere Befreiung, für einen Kampf unter gle­ichen Bedin­gun­gen gemein­sam mit allen Unter­drück­ten und Aus­ge­beuteten, in der Per­spek­tive der sozialen Rev­o­lu­tion!

Es lebe die soziale Rev­o­lu­tion als Grund­lage für die endgültige Befreiung der Frauen und der gesamten Men­schheit von den Ket­ten, die uns heute unter­drück­en!

Lasst uns die inter­na­tionale Frauen­grup­pierung „Brot und Rosen“ auf­bauen!

Fußnoten

1. Wir beziehen uns hier grund­sät­zlich auf die Geschichte in west­lichen Län­dern. Der Prozess im Nahen Osten oder in Nordafri­ka ver­lief anders.

2. Auch wenn wir diesen radikalfem­i­nis­tis­chen Strö­mungen, die in ihrer Mehrheit die Gruppe der Frauen der­jeni­gen der Män­nern gegenüber­stellen, kri­tisch gegenüber ste­hen, war es eine Peri­ode, in der fem­i­nis­tis­che Ideen nur so sprudel­ten. Fem­i­nistin­nen reflek­tierten darüber, ob die Grund­lage der Fraue­nun­ter­drück­ung in der Aneig­nung und der Kon­trolle weib­lich­er repro­duk­tiv­er Fähigkeit­en durch die Män­ner zu suchen sei; ob die Män­ner die unbezahlte Arbeit – inklu­sive der Zunei­gung – von Frauen aller sozialen Schicht­en aus­beuteten und sich ihr Pro­dukt aneigneten. Sozial­is­tis­che Fem­i­nistin­nen, die auf die Meth­ode des his­torischen Mate­ri­al­is­mus und die Ausar­beitun­gen von Marx und Engels zurück­grif­f­en, hoben in diesen Debat­ten die heute untrennbare Beziehung der patri­ar­chalen Unter­drück­ung mit der kap­i­tal­is­tis­chen Pro­duk­tion­sweise her­vor, in der die Hausar­beit eine fun­da­men­tale Rolle für die unbezahlte Repro­duk­tion der Arbeit­skraft ein­nimmt. 

3. Gemeint sind Mod­elle der organ­isierten Klassen­zusam­me­nar­beit durch insti­tu­tionelle Abkom­men inner­halb des Regimes, wie zum Beispiel die deutsche Sozial­part­ner­schaft.

4. Anmerkung der Übersetzer*innen: Uns soll der Sub­jek­t­sta­tus genom­men wer­den, den wir wieder­erlan­gen wollen.

5. Die Organ­i­sa­tio­nen, die die Trotzk­istis­che Frak­tion für die Vierte Inter­na­tionale aus­machen sind die Rev­o­lu­tionäre Inter­na­tion­al­is­tis­che Organ­i­sa­tion (RIO) in Deutsch­land; die Par­tido de los Tra­ba­jadores Social­is­tas (PTS — Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbeiter*innen) in Argen­tinien; die Liga Obr­era Rev­olu­cionar­ia por la Cuar­ta Inter­na­cional (LOR-CI – Rev­o­lu­tionäre Arbeiter*innenliga für die Vierte Inter­na­tionale) in Bolivien; das Movi­men­to Rev­olu­cionário de Tra­bal­hadores (MTR – Rev­o­lu­tionäre Arbeiter*innenbewegung) in Brasilien; die Par­tido de Tra­ba­jadores Rev­olu­cionar­ios (PTR – Partei Rev­o­lu­tionär­er Arbeiter*innen) in Chile; Clase con­tra Clase (CcC — Klasse Gegen Klasse) im Spanis­chen Staat; Left Voice in den USA; Courant Com­mu­niste Révo­lu­tion­naire (CCR – Rev­o­lu­tionär-Kom­mu­nis­tis­che Strö­mung) in Frankre­ich; das Movimien­to de los Tra­ba­jadores Social­is­tas (MTS – Bewe­gung Sozial­is­tis­ch­er Arbeit­er) in Mexiko; die Liga de Tra­ba­jadores por el Social­is­mo (LTS – Arbeiter*innenliga für den Sozial­is­mus) in Venezuela und die FT-CI (Trotzk­istis­che Frak­tion für die Vierte Inter­na­tionale) in Uruguay.

6. Auf Deutsch: Nicht Eine Weniger!

7. (Oft geheime) Ansied­lun­gen geflo­hen­er Sklav*innen, vor allem in Brasilien.

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