Frauen und LGBTI*

Die Erde bebte: Frauenstreiks und Mobilisierungen auf der ganzen Welt

Anlässlich des Internationalen Frauenkampftages fanden rund um den Globus Proteste und Streiks statt. Frauen auf aller Welt forderten ein Ende der Lohnungleichheit, sexualisierter Gewalt und mehr demokratische und soziale Rechte. Ein Überblick.

Die Erde bebte: Frauenstreiks und Mobilisierungen auf der ganzen Welt

Die sicher­lich größte Mobil­isierung am diesjähri­gen Inter­na­tionalen Frauenkampf­tag gab es dieses Jahr im Spanis­chen Staat. Auf Druck von fem­i­nis­tis­chen Vere­ini­gun­gen, linken Organ­i­sa­tio­nen und alter­na­tiv­en Gew­erkschaften hat­ten die Gew­erkschafts­dachver­bände CCOO und UGT zu einem zweistündi­gen Frauen­streik aufgerufen. Die linken Gew­erkschaftsver­bände organ­isierten zudem ganztägige Streik und Streik­posten und Block­aden von Straßen und Betrieben unter dem Mot­to „Paramos para cam­biar­lo todo“ (Wir streiken, um alles zu ändern).

💜Man­i­festación mul­ti­tu­di­nar­ia en #Barcelona para defend­er los dere­chos de la mujer #8M #Huelga8M #Huelga8Marzo via @iwalljordi pic.twitter.com/tCFlHSUPLm

— Rafa Lara (@RafaLara_tve) 8. März 2018

Ein Streik, der alles veränderte

An diesem „fem­i­nis­tis­chen Streik“ beteiligten sich den Gew­erkschaften zufolge 5,9 Mil­lio­nen Men­schen. In Fab­riken wie Nis­san, Opel, Seat, den spanis­chen Bahn­be­trieben, im öffentlichen Dienst und im Bil­dungssek­tor nahm der Streik großen Ein­fluss auf den Ablauf dieses beson­deren Tags. Auch an den Uni­ver­sitäten und Schulen organ­isierten Studierende und Schüler*innen gemein­sam mit Lehrer*innen und Dozent*innen Aktio­nen, um auf ihre Forderun­gen aufmerk­sam zu machen. Im Zen­trum standen dabei die Auswirkun­gen der Sparpro­gramme der Regierung von Mar­i­ano Rajoy auf Frauen, die durch Loh­nun­gle­ich­heit und patri­ar­chale Unter­drück­ung am stärk­sten von Kürzun­gen und Prekarisierung betrof­fen sind.

Es MÁGICO lo que ha pasa­do hoy en Bil­bao. Pelos de pun­ta #8M pic.twitter.com/pFGdEGltEi

— Ana Núñez-Mila­ra (@a_nmilara) 8. März 2018

Am Nach­mit­tag fan­den im ganzen Land um die 200 Kundge­bun­gen statt, von Vigo im nord­west­lich gele­ge­nen Gali­cien über Bil­bao im Basken­land bis hin­unter nach Valen­cia kamen Massen von Frauen, LGBTI und sol­i­darischen Män­nern auf die Straßen. In Barcelona demon­stri­erten 600.000 Men­schen mit Slo­gans wie „Patri­ar­chat und Kap­i­tal, krim­inelle Allianz“ und „Arbei­t­ende Frau, frei und kämpferisch!“. Die Gran Via im Stadtzen­trum von Madrid wurde von ein­er Men­schen­menge von bis zu ein­er Mil­lion über­schwemmt.

Türkei: „Vibratoren statt Diktatoren“

In Istan­bul wie auch in anderen Städten des Lan­des gab es Demon­stra­tio­nen, um für mehr Rechte und gegen sex­u­al­isierte Gewalt zu protestieren. Trotz des Aus­nah­mezu­s­tands und der nach dem Krieg gegen die Kurd*innen in Afrin zunehmenden Repres­sion gegen jeden Wider­stand nah­men Tausende Frauen und LGBTI an den Mobil­isierun­gen teil. Mit Forderun­gen wie „Staat, nimm deine Hände von meinem Kör­p­er“ und „Wir wollen Vibra­toren, keine Dik­ta­toren“ richteten sich die Demonstrant*innen gegen staatliche Ein­schränkung von Frauen­recht­en und die voran­schre­i­t­ende Allein­herrschaft Erdoğans.

Das deutsche Regime hat sich beson­ders in den let­zten Wochen und in Per­son des zukün­fti­gen Ex-Außen­min­is­ters Sig­mar Gabriel als wichtige außen­poli­tis­che Stütze Ankaras Repres­sions- und Kriegspoli­tik erwiesen. Die Demon­stra­tio­nen am Frauenkampf­tag macht­en deut­lich, dass sich weit­er­hin wichtige Teile der Bevölkerung gegen diese Poli­tik stellen.

Rom vom Frauenstreik betroffen, Frauen in Frankreich fordern Ende der Lohnungleichheit

In Ital­ien hat­ten sich eben­falls arbei­t­ende Frauen dazu entschlossen, durch Arbeit­snieder­legun­gen ihren Forderun­gen Nach­druck zu ver­lei­hen. In Rom blieben Busse und U‑Bahnen des Öffentlichen Nahverkehrs in den Depots ste­hen und auch lan­desweite Zugverbindun­gen hat­ten Aus­fälle auf­grund des Streiks zu ver­buchen. In Mai­land protestierten tausende Studierende im Stadtzen­trum und forderten eine Durch­set­zung des Abtrei­bungsrecht­es. Die Mehrheit der ital­ienis­chen Ärzte weigert sich trotz des Recht­es dazu, Abtrei­bun­gen durchzuführen.

In Frankre­ich fan­den in zahlre­ichen Städten Aktio­nen im Rah­men des Frauenkampf­tags statt. Die linke Zeitung „Lib­er­a­tion“ verkaufte ihre Aus­gabe zu einem unter­schiedlichen Preis für Frauen und Män­ner, um auf die Unter­schiede bei der Bezahlung aufmerk­sam zu machen.

Lateinamerika: Demos im Zeichen von #NiUnaMenos und dem Abtreibungsrecht

In Argen­tinien hat­te die Frauen­be­we­gung mit dem Auf­schrei gegen Frauen­morde unter dem Hash­tag #NiU­na­Menos (Keine Weniger) ab 2015 einen neuen Auf­schwung erlebt, der sich von dort auf die ganze Welt aus­bre­it­ete. Auch in diesem Land hat­ten sich tausende Frauen schon Monate vorher in Ver­samm­lun­gen zusam­menge­fun­den, um Streiks und Straßen­block­aden zu organ­isieren. In zahlre­ichen Fab­riken und Betrieben und im öffentlichen Dienst im ganzen Land traf der Aufruf auf großen Rück­hall, auch wenn die Gew­erkschafts­dachver­bände nicht zu Streiks aufriefen. In Buenos Aires begann der Tag mit ein­er Straßen­block­ade vor dem Posadas-Kranken­haus, wo die vor allem weib­lichen Arbeiter*innen seit Wochen gegen Ent­las­sun­gen kämpfen.

#8MarzoHuelgaFeminista | “Hoy las mujeres vamo a luchar, en el Posadas las van a rein­cor­po­rar…”. En el Obelis­co se escucha fuerte la voz de las que dicen #NiU­na­MenosS­in­Tra­ba­jo. https://t.co/36SEOVBXj5 pic.twitter.com/Rwfur8GkiY

— La Izquier­da Diario (@izquierdadiario) 8. März 2018

Im ganzen Land fan­den große Demon­stra­tio­nen statt, die größte ver­sam­melte Zehn­tausende im Stadtzen­trum von Buenos Aires vor dem Par­la­ment. Dort wurde wenige Tage zuvor ein Geset­ze­sen­twurf für die Legal­isierung kosten­los­er und sicher­er Abtrei­bun­gen ein­gere­icht, was das Haupt­the­ma der ver­gan­genen Wochen war. Neben der Unter­stützung dieser Ini­tia­tive forderten die Frauen und ihre männlichen Unter­stützer auch ein Ende der sex­u­al­isierten Gewalt – alle 30 Stun­den wird in Argen­tinien eine Frau umge­bracht, nur weil sie eine Frau ist.

[DRON] Tem­bló la tier­ra en Argenti­na y todo el mun­do. En Buenos Aires la mul­ti­tu­di­nar­ia #Marcha8M tiñó de verde y vio­le­ta la Plaza del Con­gre­so. #ParoIn­t­er­na­cionalDe­Mu­jereshttps://t.co/vnOjtZyaFX pic.twitter.com/vAV6XdaH0X

— La Izquier­da Diario (@izquierdadiario) 9. März 2018

Die sozial­is­tis­che Frauenor­gan­i­sa­tion Pan y Rosas (Brot und Rosen) organ­isierte einen Block von 5.000 Arbei­t­erin­nen, Schü­lerin­nen und Stu­dentin­nen und im ganzen Land weit­ere 5.000 Frauen. Auch in anderen Län­dern wie Mexiko, Bolivien, Peru, Venezuela, Cos­ta Rica, Brasilien, Chile, Frankre­ich und dem Spanis­chen Staat waren die lila Fah­nen der Organ­i­sa­tion auf den Aktio­nen zu sehen.

In Mexiko-Stadt demon­stri­erten rund 600 Frauen im Block von Pan y Rosas. Die Demon­stra­tion wurde organ­isiert von fem­i­nis­tis­chen Grup­pen und ver­schiede­nen linken Gew­erkschaften. Dabei waren Telefonist*innen, Uni­ver­sitäts­beschäftigte und Arbeiter*innen ander­er Bere­iche. Sie verurteil­ten die staatliche Ver­ant­wor­tung an den grassieren­den Frauen­mor­den und der Prekarisierung. Auch in anderen mit­te­lamerikanis­chen Län­dern wie Hon­duras und Guatemala wur­den diese Forderun­gen auf Kundge­bun­gen aufge­grif­f­en.

In Brasilien kamen Tausende auf der größten Straße São Pau­los zusam­men. Im Fokus standen dabei Forderun­gen für mehr Gerechtigkeit am Arbeit­splatz und das Ende von ras­sis­tis­ch­er und sex­is­tis­ch­er Gewalt. In Bolivien demon­stri­erten im Zen­trum von La Paz hun­derte Arbei­t­erin­nen, Indi­gene und Studierende für #NiU­na­Menos, genau­so wie in Lima und ver­schiede­nen anderen Städten Perus.

In Chile hat­te das Bünd­nis für den 8. März Demon­stra­tio­nen in 30 Städten organ­isiert und in der Haupt­stadt San­ti­a­go kamen fast 100.000 Men­schen zu der zen­tralen Protes­tak­tion. Studierende forderten ein uneingeschränk­tes Abtrei­bungsrecht und guten Sex­u­alkun­de­un­ter­richt, Arbei­t­erin­nen forderten gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit und ein Ende von Out­sourc­ing und Ent­las­sun­gen. Beson­ders im Fokus von LGBTI stand der Ruf nach dem Gesetz für Geschlech­teri­den­tität, gegen das sich der neue rechte Präsi­dent Sebastián Piñera vehe­ment wehrt.

Proteste in Asien gegen Gewalt an Frauen

In Jakar­ta, der Haupt­stadt Indone­siens fand ein von 69 Grup­pen organ­isiert­er Protest vor dem Par­la­ment und dem Präsi­den­ten­palast statt, um Diskri­m­inierung und Intol­er­anz gegen Frauen und Min­der­heit zu verurteilen. Auch in Süd­ko­rea wurde die #MeToo-Kam­pagne aufge­grif­f­en und Net­zw­erke zur Unter­stützung der Opfer sex­u­al­isiert­er Gewalt gegrün­det. In Seoul kamen hun­derte Frauen zusam­men, eben­so wie in der japanis­chen Haupt­stadt Tokio, um für gle­iche Rechte zu demon­stri­eren.

Das Haupt­the­ma der Demon­stra­tio­nen auf den Philip­pinen war die zunehmende Gewalt an Frauen, die vom Regime des Präsi­den­ten Duterte gefördert wird. Er hat­te vor kurzen gefordert, weib­lichen Kom­mu­nistin­nen in die Gen­i­tal­ien zu schießen. In Indi­en fan­den Demon­stra­tio­nen statt, auf denen die Frauen Schilder mit Slo­gans wie „My body, My choice,“ hiel­ten und gegen machis­tis­che Gewalt protestierten.

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