Frauen und LGBTI*

8. März 1917: Die Frauen bringen die Revolution ins Rollen

… und erkämpfen dabei ein vorher nie gekanntes Ausmaß an Rechten. Auch wenn sie später vom Stalinismus wieder zurückgenommen wurden, kann ihr Beispiel alle Feministinnen und Sozialistinnen heute inspirieren.

8. März 1917: Die Frauen bringen die Revolution ins Rollen

In ein paar Wochen jährt sich eines der beein­druck­end­sten Kapi­tel der Geschichte der Frauen­be­we­gung zum 100. Mal: Die Tex­ti­lar­bei­t­erin­nen von Sankt Peters­burg treten anlässlich des inter­na­tionalen Frauenkampf­tags am 8. März in den Streik und treten so die Rus­sis­che Rev­o­lu­tion los (nach dem Rus­sis­chen Kalen­der am 23. Feb­ru­ar). Durch den Krieg war die Zahl der Arbei­t­erin­nen enorm gestiegen, denn die Män­ner waren ja an der Front. Ent­ge­gen der Empfehlun­gen der Großzahl der Organ­i­sa­tio­nen, selb­st der lokalen Sek­tion der Bolschewi­ki, trat­en die Frauen in den Aus­stand und mobil­isierten die Kolleg*innen in den nahe­liegen­den Met­all­be­trieben. Am Ende streik­ten 90.000 Arbeiter*innen und forderten Brot, Frieden und Frei­heit. Es begin­nt ein rev­o­lu­tionär­er Prozess. Sein Höhep­unkt ist erre­icht, als im Okto­ber das Pro­le­tari­at die Macht ergreift, unter der Führung der Partei der Bolschewi­ki.

Nach der Okto­ber­rev­o­lu­tion wur­den wichtige Fortschritte für die Frauen beschlossen: Män­ner und Frauen beka­men die gle­ichen Rechte – auch inner­halb der Ehe. Die Schei­dung wurde möglich und zwar ohne viel Aufwand. Etwas später wurde auch Abtrei­bung legal und kosten­los. Frauen ver­di­en­ten nun den gle­ichen Lohn für die gle­iche Arbeit. Vieles davon haben Frauen selb­st im ach so entwick­el­ten Deutsch­land heute nicht. Gle­ichzeit­ig war klar, dass die rechtliche Gle­ich­heit noch nicht bedeutet, dass Frauen nicht unter Ungerechtigkeit­en lei­den – vor allem unter den wirtschaftlichen und sozialen Bedin­gun­gen, die in der Sow­je­tu­nion damals herrscht­en. Denn Rus­s­land war ein armes Land, das ger­ade erst begonnen hat­te sich kap­i­tal­is­tisch zu entwick­eln.

Neben den rechtlichen Fortschrit­ten gab es auch Verbesserun­gen in den Lebens­be­din­gun­gen. Die Hausar­beit sollte nach und nach verge­sellschaftet wer­den. So sollte nie­mand mehr von ein­er Fam­i­lie abhängig sein und alle miteinan­der frei und ohne Zwang leben kön­nen. Es wur­den öffentliche Küchen und Wäschereien ein­gerichtet. Das war auch notwendig, um die Men­schen zu ver­sor­gen, denn es herrschte eine schwere Hunger­snot im Land, aus­gelöst von den Kriegsanstren­gun­gen.

Doch wenige Jahre nach der Rev­o­lu­tion wur­den viele der Errun­gen­schaften der Okto­ber­rev­o­lu­tion von Stal­in und sein­er Bürokratie wieder zurückgenom­men. Abtrei­bung wurde wieder ver­boten und Schei­dung wieder erschw­ert. Außer­dem gab es eine kon­ser­v­a­tive Kam­pagne, in der Frauen wieder vor allem auf die Mut­ter­rolle reduziert wur­den. Auch Homo­sex­u­al­ität wurde wieder unter Strafe gestellt, während vorher noch Homo-Ehe und die Akzep­tanz von Trans-Men­schen die Regel war.

Auch später spielte der Stal­in­is­mus eine ver­rä­ter­ische Rolle für die Frauen. Während in den 60er und 70er Jahren Frauen in der ganzen Welt auf die Straße gin­gen, sich organ­isierten und gle­iche Rechte forderten, weigerten sich die Kom­mu­nis­tis­chen Parteien, die mit der stal­in­is­tis­chen Sow­je­tu­nion ver­bun­den waren, die Frauen in ihren Forderun­gen zu unter­stützen. Sie hiel­ten an ihrer kon­ser­v­a­tiv­en Ein­stel­lung zur Rolle der Frau und der Fam­i­lie fest. Damit tren­nten sie die neu poli­tisierten Frauen von der Arbeiter*innenbewegung und trieben sie in die Arme des Reformis­mus. Das hat­te Auswirkun­gen bis in die Gegen­wart.

Nichts­destotrotz ist und bleibt die Rus­sis­che Rev­o­lu­tion heute – 100 Jahre nach ihrem Aus­bruch – ein ermuti­gen­des Beispiel für die Errun­gen­schaften, die durch eine sozial­is­tis­che Per­spek­tive möglich sind. Das wollen wir heute vertei­di­gen – auch gegen die Poli­tik des Stal­in­is­mus.

Teile dieses Artikels beruhen auf einem aus­führlicheren früheren Artikel.

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