Brot und Rosen

Die Emanzipation der Frauen im Werk von Leo Trotzki

Was haben die Werke des revolutionären Anführers Leo Trotzki über die patriarchale Unterdrückung im Kapitalismus und den Weg zur Befreiung der Frauen zu sagen?

Die Emanzipation der Frauen im Werk von Leo Trotzki

Fotomontage: Mar Ned – Enfoque Rojo

Leo Trotzki widmete keine spezifische Arbeit der historischen Analyse der patriarchalen Unterdrückung. Warum also sind über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg so viele Ausgaben erschienen, die seine Reden, seine Artikel oder einzelne Kapitel seiner Werke zusammenfassen, in denen er sich mit der Frauenfrage befasst?

Die erste derartige Publikation, Women and the Family, erschien 1973 und wurde von Monad Press (einer Tochtergesellschaft von Pathfinder Press) herausgegeben. Mit einer Einführung von Caroline Lund (1) enthält die Ausgabe folgende Texte: „Von der alten Familie – zur neuen“, ein Kapitel aus seinem Buch „Fragen des Alltagslebens“ von 1923; einen „Brief an eine Versammlung von Arbeiterinnen in Moskau“ von 1923; „Der Schutz der Mutterschaft und der Kampf für Kultur“ und „Den Sozialismus aufbauen, heißt die Frauen emanzipieren und die Mütter schützen“ von 1925, beides Ansprachen an die 3. All-Unions-Konferenz für den Schutz von Müttern und Kindern, die in jenem Jahr in der Sowjetunion stattfand(2); „Familienbeziehungen unter den Sowjets“ von 1932, die die Antworten auf 14 Fragen der amerikanischen Wochenzeitung Liberty sind, und „Thermidor in der Familie“, ein Abschnitt aus Kapitel 7 seines Buches „Die verratene Revolution“ von 1936(3).

Weitere Nachdrucke folgten. 1974 erschien Band 20 der „Werke Leo Trotzkis“ auf Spanisch in Mexiko, herausgegeben von Juan Pablos Editor. Dieser Band versammelt dieselben Texte unter dem Titel La mujer y la familia (Die Frau und die Familie), aber mit Übersetzungen aus dem Russischen, die zu Trotzkis Lebzeiten von Andreu Nin(4) angefertigt worden waren und von der sehr jungen Verónica Volkov gesammelt wurden(5). 1977 wurde der Band in der Sammlung Cuadernos de Anagrama (Anagrama-Hefte) in Barcelona unter dem Titel Escritos sobre la cuestión femenina (Schriften zur Frauenfrage) veröffentlicht. Diese Ausgabe enthält auch das umfangreiche Werk Socialist Revolution and the Struggle for Women’s Liberation von Mary-Alice Waters aus dem Jahr 1979(6). Beiden Ausgaben folgten weitere bei verschiedenen Verlagen, darunter auch von trotzkistischen Gruppen in verschiedenen Sprachen selbst herausgebrachte Versionen.

Es ist kein Zufall, dass diese Texte, die in diesen Bänden zusammengetragen wurden, genau in dem Moment in Umlauf kamen, als sich die zweite Welle des Feminismus in den zentralen Staaten der Welt entwickelte. Im Rahmen der Jugend-Mobilisierung gegen den Vietnamkrieg, der nationalen Befreiungsbewegungen in Afrika, der Massenstreiks in den am weitesten entwickelten Ländern und der Herausforderungen an die bürokratischen Regime in Osteuropa bildete sich eine „Neue Linke“ heraus, die sich mit Fragen der gesellschaftlichen Unterdrückung und Kultur beschäftigte und ein größeres Interesse an diesen Diskussionen und Texten zeigte. Nicht nur, weil Trotzki ein bedeutender Anführer der linken Opposition gegen den stalinistisch geführten Flügel der Bolschewistischen Partei und die Degeneration des Arbeiter*innenstaates gewesen war, sondern auch, weil er die Frauenfrage mehrere Jahrzehnte lang auf eine Art und Weise interpretiert hatte, die den offiziellen Argumentationslinien der kommunistischen Parteien grundsätzlich entgegenstand, die selbst in den 1970er Jahren einen dogmatischen Marxismus aufrechterhielten, der zu einer geschönten Vision des sogenannten „realen Sozialismus“ verzerrt worden war und mit dem aufkommenden radikalen Feminismus kollidierte.

Es ist wahrscheinlich, dass die Niederlage der Massen und das Voranschreiten der kapitalistischen Restauration weltweit in den folgenden Jahrzehnten der Grund dafür waren, dass die Frauenbewegung das Interesse an Trotzkis scharfen, prägnanten Artikeln und Reden verlor. Auf verschiedene Arten und Weisen näherte sich diese Bewegung Positionen an, die dem revolutionären sozialistischen Feminismus diametral entgegengesetzt sind. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten – ohne große Angst, falsch zu liegen – dass es in den 1990er Jahren nur eine Handvoll Marxist*innen gab, die an diesen Texten festhielten und nach einer radikalen Basis suchten, auf deren Grundlage wir uns von der vorherrschenden Version der marxistischen Positionen zur Frauenfrage trennen konnten. Diese wurden vom Stalinismus zur Rechtfertigung seiner konservativen Politik verzerrt, womit den Liberalen Argumente geliefert wurden, mit denen sie die Linke angreifen konnten.

Die „Vergessenen und Unterdrückten“ der Arbeiter*innenklasse

Trotzkis erster bekannter Text zur Frauenfrage taucht in der Regel nicht in Sammelwerken auf. Es ist die Rede, die er auf der Zweiten Weltkonferenz Kommunistischer Frauen (1921) hielt, die gleichzeitig mit dem Dritten Kongress der Kommunistischen Internationale stattfand, der als „Schule der revolutionären Strategie“ in die Geschichte einging(7).

Es war ein schwieriger Kongress der Internationale. Anfänglich waren Lenin und Trotzki in der Minderheit gegen eine ultralinke Tendenz, die von den Delegierten der deutschen Sektion angeführt wurde. Die Ultralinken argumentierten, dass die wirtschaftlichen Krise in kapitalistischen Systemen einen stetigen Anstieg der Mobilisierung der Massen bewirkt habe, der die Möglichkeit der Machtergreifung schuf. Auf der Grundlage dieser Einschätzung argumentierten sie, dass die Strategie der kommunistischen Parteien eine „permanente Offensive“ sein sollte – eine Strategie, die mit dem Auf und Ab des Klassenkampfes unvereinbar war und die auf gefährlicherweise zur Isolierung der kommunistischen Parteien von den Massen und den fortgeschrittensten Sektoren der Arbeiter*innenbewegung hätte führen können(8).

Diese ultralinke Tendenz nahm auch an der Zweiten Weltkonferenz Kommunistischer Frauen teil und stellte den Entwurf der „Thesen über die Methoden und Formen der Arbeit der Kommunistischen Parteien unter den Frauen“ in Frage, der später zunächst von den Delegierten und einige Tage später auf dem Kongress der Internationale angenommen wurde. In der Debatte reduzierten die Delegierten der ultralinken Tendenz die Bedeutung des Kampfes um das Wahlrecht auf ein Minimum und betrachteten die Teilnahme von Kommunist*innen an den Parlamenten als eine reformistische Abweichung an sich.

Die damals angesehenste Anführerin der kommunistischen Frauen war Clara Zetkin aus Deutschland. Da sie den politischen Positionen Lenins nahe stand, war sie vor und während des Kongresses Ziel von Angriffen der Delegation der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Darüber hinaus nutzte die ultralinke Tendenz das Prestige der ihren politischen Positionen nahestehenden, russischen Revolutionärin Alexandra Kollontai aus, um zu versuchen, Zetkin aus der Führung der kommunistischen Frauenbewegung herauszudrängen, wovor Lenin gewarnt hatte. Es war Lenins Idee gewesen, dass Zetkin den Entwurf der „Thesen“ verfassen sollte, wie sie sich in ihrem Pamphlet „Erinnerungen an Lenin“(9) von 1925 liebevoll erinnert. In dem Dokument sprach sie in Übereinstimmung mit der Position, die Lenin und Trotzki gegen die Ultralinken verteidigten, die Notwendigkeit an, die politische Arbeit der kommunistischen Parteien unter den arbeitenden Frauen zu stärken, und folgte damit der Linie, die Inessa Armand im Vorjahr aufgestellt hatte und in der sie die Bedeutung der Mobilisierung der „rückständigsten, vergessenen und unterdrückten, am meisten erniedrigten Schichten der Arbeiterklasse und der schuftenden Armen aus der Armee der Arbeiterinnen“(10) betonte.

In seiner Rede vor den Delegierten der Zweiten Weltkonferenz Kommunistischer Frauen erklärte Trotzki in der gleichen Art und Weise:

„Im Fortschritt der Weltarbeiterbewegung spielen Arbeiterinnen eine große Rolle. Ich sage das nicht nur, weil ich auf einer Frauenkonferenz rede, sondern weil die bloßen Zahlen zeigen, was für einen wichtigen Teil die Arbeiterin im Mechanismus der kapitalistischen Welt spielt […] Und allgemein gesagt steht in der Weltarbeiterbewegung die Arbeiterin am nächsten gerade dem Teil des Proletariats, […] der am rückständigsten, am meisten unterdrückt ist, die Untersten der Unteren. Und gerade deshalb kann und muss in den Jahren der kolossalen Weltrevolution dieser Teil des Proletariats der aktivste, revolutionärste und initiativste Teil der Arbeiterklasse werden.

Natürlich sind bloße Energie, bloße Bereitschaft zum Angriff nicht genug. Aber gleichzeitig ist die Geschichte voller Beispiele wie diese: dass sich während einer mehr oder weniger langgezogenen Epoche vor der Revolution im männlichen Teil der Arbeiterklasse, besonders unter den privilegierteren Schichten sich übermäßige Vorsicht ansammelt, übermäßiger Konservatismus, zu viel Opportunismus und übergroße Anpassungsbereitschaft. Und die Reaktion auf ihre eigene Rückständigkeit und Erniedrigung, die von Frauen gezeigt wird, kann, wie gesagt, eine kolossale Rolle in der revolutionären Bewegung insgesamt spielen“(11).

Diese entscheidende Debatte in der Geschichte der Kommunistischen Internationale spiegelt sich in Trotzkis Rede vor der Zweiten Weltkonferenz der Kommunistischen Frauen wider. Sie schlug sich auch in der Synthese nieder, die mit der „Thesen über die Methoden und Formen der Arbeit der Kommunistischen Parteien unter den Frauen“(12) erreicht wurde, die von Zetkin in Übereinstimmung mit der Position von Lenin und Trotzki geschrieben, aber von anderen kommunistischen Anführerinnen, die den Ultralinken wie Kollontai näher standen, abgewandelt wurden.

Das Schweigen über die Probleme des Alltagslebens brechen

Die bekanntesten Texte Trotzkis aus dem Jahr 1923 sind vor allem Kapitel aus „Fragen des Alltagslebens“. Trotzki selbst sagte in der Einleitung zu diesem Buch, er hatte den Eindruck, dass „es in unserer Parteibibliothek an einer kleinen Broschüre fehle, die in der populärsten Form für den Durchschnittsarbeiter die Erscheinungen und Tatsachen der gegenwärtigen Übergangsepoche miteinander verknüpft, die richtige Perspektive herstellt und damit zu einem Werkzeug der kommunistischen Erziehung würde“(13). Er begann diese Arbeit mit der Zusammenstellung einer Gruppe von Parteipropagandist*innen in Moskau, der Verteilung eines Fragebogens und der Eröffnung einer Diskussion. „Die bei der Besprechung angeschnittenen Probleme der Familie und des Alltagslebens erweckten ein lebhaftes Interesse bei allen Teilnehmern“, schrieb Trotzki, und auf dieser Grundlage entstand ein Buch, das schließlich, wie er vorschlug, „in erster Linie für die Parteimitglieder, für die führenden Elemente in den Gewerkschaften, in den Kooperativen und in den kulturell-aufklärenden Organisationen“ bestimmt war, anstatt in einer größeren Auflage publiziert zu werden.

Zwei Monate später schrieb Trotzki ein Vorwort zur zweiten Ausgabe, in dem er über die Kritik berichtet, die er von einer Sektion der Partei erhalten hatte. „Einige der besten Köpfe versuchten, soweit ich das beurteilen kann, die revolutionären Aufgaben mit denen der Erziehung im Alltag zu kontrastieren. Ein solcher Ansatz kann nur als grober politischer und theoretischer Fehler definiert werden“(14).

Es ist nicht schwer zu erkennen, woher diese Kritiken mit ihrem ausgeprägt mechanistischen Inhalt kamen. Nachdem Lenin 1923 wegen seiner schweren gesundheitlichen Probleme aus der Öffentlichkeit verschwunden war, beschleunigte sich der Prozess der Bürokratisierung der Partei und des Arbeiter*innenstaates(15). Stalin, Sinowjew und Kamenjew riefen angesichts der sich in der Partei ausbreitenden Unzufriedenheit zu einem „Neuen Kurs“ auf und starteten eine Diffamierungskampagne gegen Trotzki und andere oppositionelle Anführer*innen(16). Trotzkis Artikel in der Prawda gegen diesen neuen Kurs, in denen er den Bürokratismus analysierte und die politischen Gefahren voraussah, die von der Beziehung der Partei zum Apparat des Arbeiter*innenstaates ausgehen, sollten später in einem Buch mit dem Titel „Der Neue Kurs“ zusammengefasst werden. Doch zuvor nahm Trotzki seinen Kampf gegen den Bürokratismus in „Fragen des Alltagslebens“ vorweg – die Artikel aus „Der neue Kurs“ werden oft zusammen mit diesem Band veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der Artikel steht der Kampf gegen die soziale und kulturelle Rückständigkeit, in der die Massen der Arbeiter*innen und Bäuer*innen gefangen waren, weil ihre Fähigkeit, die Bürokratie zu konfrontieren, von deren Bewältigung abhing. Die Überwindung der Unwissenheit und der brutalen alten Bräuche wurde zu einem entscheidenden Faktor, um das kulturelle Niveau der Massen zu heben und ihren kulturellen Rückfall und ihre Unterwerfung unter die etablierten Mächte zu brechen, damit sie sich bewusst am Aufbau des Sozialismus beteiligen konnten. Der russische Forscher Aleksandr Reznik weist in „Leo Trotzki, Politik und Kultur in den zwanziger Jahren“ darauf hin, dass „die Debatte in ‚Fragen des Alltagslebens‘ eine Form der indirekten politischen Debatte über die Möglichkeiten des Aufbaus des Sozialismus in Friedenszeiten war, bei der offenbart wurde, dass die ‚öffentliche Meinung‘ und die Aktivität der ‚Basis‘, das ‚innere Regime‘, das sich zur Bürokratie hingezogen fühlte, reformieren konnten“.

Russland hatte vom zaristischen Regime eine fast 90-prozentige Analphabetenrate unter Frauen geerbt. Der Erste Weltkrieg und der Bürgerkrieg hatten sie in die Fabrikarbeit getrieben, aber die Revolution musste hart daran arbeiten, die drastischen Unterschiede zu den männlichen Arbeitern zu beseitigen. Für Trotzki, wie für andere bolschewistische Anführer*innen, reichten Gesetze dafür nicht aus; die Frauen mussten von der „häuslichen Sklaverei“ befreit werden. Wenn wir nur den rechtlichen Status der Frauen in der Revolution berücksichtigen, können wir dennoch feststellen, dass ihre staatsbürgerlichen, sozialen und politischen Rechte denen der weiblichen Massen in den fortgeschrittensten kapitalistischen Demokratien Europas weit überlegen waren: Sie hatten das Recht, an Wahlen teilzunehmen und für sie zu kandidieren, sich scheiden zu lassen, abzutreiben, Papiere zu besitzen und ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes oder Vaters einen Lohn zu verdienen. Die Revolution entkriminalisierte die Homosexualität und brachte den Menschen in großem Maßstab das Lesen bei. Trotzki glaubte jedoch, dass nur mit der zunehmenden Eingliederung der Frauen in das gesellschaftliche Leben – nicht nur in die Produktion – ein beschleunigter Kampf gegen die Jahrhunderte der Rückständigkeit geführt werden könne, die den Massen von der patriarchalen Ordnung unter dem Einfluss der orthodoxen Kirche aufgezwungen worden war.

Um diese Beteiligung der Frauen am politischen, sozialen und kulturellen Leben zu erreichen, war es notwendig, die Sozialisierung der Haus- und Pflegearbeit nachhaltig voranzutreiben. „Die politische Gleichheit zwischen Mann und Frau im Sowjetstaat herzustellen – das war eine Aufgabe, die einfachste. […] Aber die wirkliche Gleichheit zwischen Mann und Frau innerhalb der Familie herzustellen – das ist eine unermesslich schwierigere Aufgabe […] denn wenn die Frau an die Familie, ans Kochen, Waschen und Nähen geschmiedet ist, so wird schon allein dadurch die Möglichkeit ihrer Einwirkung auf das öffentliche und staatliche Leben bis aufs äußerste beschränkt“(17).

Der Tradition der französischen utopischen Sozialist*innen des 19. Jahrhunderts folgend – wie es Marx, Engels, Lenin und andere Veteran*innen des revolutionären Sozialismus getan hatten – teilte Trotzki auch die Maxime von Charles Fourier, hier nach Engels paraphrasiert: „in einer gegebnen Gesellschaft [ist] der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation“(18). Daher war er der Ansicht, dass die sozialistische Revolution ihren Namen nicht verdiente, solange Frauen weiterhin der „häuslichen Sklaverei“ der Hausarbeit unterworfen waren. „Indessen ist es ganz klar, dass man ohne die Erreichung einer wirklichen, auf Sitte und Brauch bezüglichen und moralischen Gleichheit des Mannes und der Frau in der Familie gar nicht ernsthaft von ihrer Gleichheit in der gesellschaftlichen Produktion oder auch nur von ihrer Gleichheit in der Staatspolitik sprechen könnte“(19).

Inmitten einer schwierigen wirtschaftlichen und politischen Situation für den Arbeiter*innenstaat, inmitten des Bürokratisierungsprozesses, rief Trotzki die Frauen auf, für die größtmögliche Sozialisierung der Hausarbeit zu kämpfen. Er appellierte in erster Linie an die Frauen, bewusst gegen Trägheit und blinde Gewohnheiten zu kämpfen, und wie er 1923 an die Arbeiterinnen schrieb, war es „nötig, dass durch die öffentliche Meinung aller Arbeiterinnen Druck ausgeübt wird, dass alles, was zur Zeit in unseren Kräften steht, auch wirklich getan wird“(20). Er schrieb dies, weil er überzeugt war, dass „die vorrangige Aufgabe, die akuteste und dringlichste, darin besteht, das Schweigen über die Probleme des täglichen Lebens zu brechen“(21).

„Die, die am energischsten und beharrlichsten für das Neue kämpfen, sind die, die am meisten unter dem Alten leiden“

Weit entfernt von der karikierten Vision, die der sogenannte Realsozialismus der Welt bot, in der der Staat den Massen, die zu bloßen „passiven“ Empfängerinnen der freundlichen Zugeständnisse der Führung geworden waren, Dienste und Rechte gewährte, schlug Trotzki vor, einen Weg und einen dialektischen demokratischen Prozess voranzutreiben, bei dem der Kernwert in der Initiative der Massen liegen würde und der Arbeiter*innenstaat beraten und helfen würde, um seinen Zweck zu erfüllen:

„Es gibt zwei Möglichkeiten zur Umgestaltung des alltäglichen Familienlebens: von oben und von unten. „Von unten“, das heißt die Fähigkeiten und Anstrengungen der einzelnen Familien zusammenfassen, indem größere Familien mit gemeinsamen Küchen, Wäschereien etc. gegründet werden. „Von oben“ meint die Initiativen des Staates oder der lokalen Sowjets, die darin bestehen, dass ArbeiterInnenwohngemeinschaften, gemeinschaftliche Lokale, Wäschereien, Kindergärten etc. gebaut werden. In einem ArbeiterInnen- und BäuerInnenstaat steht das eine dem anderen nicht entgegen; das eine muss das andere ergänzen. Die Anstrengung des Staates wäre wertlos ohne die eigenständige Mithilfe der ArbeiterInnenfamilien selbst beim Aufbau eines neuen Lebens; aber auch der Einsatz größter Energien einzelner ArbeiterInnenfamilien wäre ohne die Führung und Hilfe der lokalen Sowjets und des Staates ebenso erfolglos. Die Arbeit muss gleichzeitig von oben und unten vorangetrieben werden“(22).

Im Gegensatz zur Top-down-Haltung der Bürokratie, die die aktive Beteiligung der Massen an der Selbstverwaltung und Verwaltung des Arbeiter*innenstaates ablehnt, schrieb Trotzki,
„Der Weg der neuen Familie ist also ein doppelter: a) kulturelle Erziehung der Klasse und der Persönlichkeit in der Klasse und b) materielle Bereicherung der zum Staat organisierten Klasse. Diese beiden Prozesse sind eng miteinander verknüpft“(23).

Und Trotzki fügte hinzu,

„Von irgendeiner zwangsmäßigen Einmischung von oben her, d. h. von einer Bürokratisierung der neuen Lebenserscheinungen kann natürlich gar keine Rede sein. Nur die kollektive, schöpferische Tätigkeit der breitesten Bevölkerungskreise unter Hinzuziehung der künstlerischen Phantasie, der schöpferischen Einbildung, der künstlerischen Initiative zu dieser Arbeit, kann uns allmählich im Laufe von Jahren und Jahrzehnten auf die Bahn neuer, vergeistigter, veredelter, von kollektiver Theatralik durchdrungener Lebensformen führen“(24).

Trotzkis Vision hatte nichts mit der Position zu tun, dass die Revolution eine Periode wirtschaftlicher und technologischer Entwicklung durchlaufen müsse, in der die Bedürfnisse der Frauen nicht in den Mittelpunkt gerückt würden, damit ihre Emanzipation zu einem späteren Zeitpunkt automatisch erfolgen würde.

Der revolutionäre Anführer stieß zur Psyche der Massen, die durch Aufstand, Bürgerkrieg, Hungersnot und Krankheit erschöpft waren, durch. Er analysierte die tiefgreifenden Widersprüche einer kreativen und transformativen Periode, die ständig mit den entgegengesetzten Kräften der Vergangenheit, mit tief verwurzelten Bräuchen und materiellen Grenzen kollidierte. Er wies dabei darauf hin, dass diese Veränderungen immer dann nicht authentisch sind, wenn sie nicht auf dem Wunsch der Massen beruhen, ihr kulturelles Niveau zu heben und die sie lähmenden Bräuche der Vergangenheit aufzugeben, die der sich abzeichnende Verlauf der Bürokratisierung reproduzierte, um die kühnsten Initiativen der Massen zum Schweigen zu bringen.

Trotzki vertrat die Ansicht, dass „Die radikale Umgestaltung der Familie und überhaupt des Gefüges des Alltagslebens würde in hohem Grade bewusste Bemühungen der Arbeiterklasse in ihrem ganzen Umfang erfordern und setzt in dieser selbst eine wuchtige Kleinarbeit des inneren kulturellen Aufstiegs voraus“(25). Ohne diese bewusste Beteiligung der Massen an der Gestaltung ihres eigenen Schicksals, ohne diese „Kleinarbeit des inneren kulturellen Aufstiegs“ ist es unmöglich, sich die radikale Veränderung der alten Bräuche, der Institution Familie und der Situation der Frauen vorzustellen. Der Sozialismus ist ein bewusst konstruiertes Projekt; er entsteht weder durch eine Art wirtschaftlichen Automatismus, noch endet er mit der Machtübernahme durch die Arbeiter*innenklasse. Dann nämlich beginnt die gigantische Aufgabe der Transformation, die im Kern darin besteht, die alten Bindungen und Institutionen zu liquidieren, die die Frauen der Degradierung durch und der Unterordnung unter die Männer unterwerfen.

Kein*e bewusste*r Kämpfer*in ist davon ausgenommen, sich für die Umgestaltung des Familienlebens einzusetzen, aber von revolutionären Frauen wird erwartet, dass sie diesen Kampf anführen. Trotzki schrieb: „Trägheit und blinde Gewohnheit sind leider noch sehr mächtig. Und nirgendwo hat blinde, dumpfe Gewohnheit noch solch starken Einfluss wie in dem düsteren, abgeschlossenen Leben innerhalb der Familie. Und wer hat als erste die Pflicht, gegen die unzivilisierten Familienbräuche zu kämpfen, wenn nicht die Revolutionärin?“(26). Im Kapitel „Wie man beginnt“ von „Fragen des Alltagslebens“ macht er denselben Punkt: „So wie wir unsere Armee-Hetzer, unsere Industrie-Hetzer, unsere antireligiösen Propagandisten haben, so müssen wir Propagandisten und Hetzer in Fragen der Gewohnheit erziehen. Da die Frauen durch ihre gegenwärtigen Beschränkungen umso hilfloser sind und der Brauch stärker auf ihre Schultern und ihren Rücken drückt, können wir davon ausgehen, dass die besten Agitatoren aus ihren Reihen kommen werden“(27). Und in seinem „Brief an eine Versammlung von Arbeiterinnen in Moskau“ erklärte er: „die, die am energischsten und beharrlichsten für das Neue kämpfen, sind die, die am meisten unter dem Alten leiden“(28).

Das Leben mit den Augen der Frauen betrachten

Trotzkis besondere Herangehensweise an die Frauenfrage war tief mit seinem Denken über den permanenten Charakter der Revolution verbunden – weit von jeglichem Dogmatismus und Ökonomismus entfernt. 1906 begann er, darüber nachzudenken; voll entwickelt drückt sie sich in der Verallgemeinerung aus, die er 1929 in seinem Buch „Theorie der Permanenten Revolution“ macht.(29) So formuliert Trotzki den zweiten, permanenten Aspekt der Revolution:

„Während einer unbestimmt langen Zeit und im ständigen inneren Kampfe werden alle sozialen Beziehungen umgestaltet. Die Gesellschaft mausert sich. Eine Wandlungsetappe ergibt sich aus der anderen. Der Prozeß bewahrt notwendigerweise einen politischen Charakter, d.h. er entwickelt sich durch Zusammenstöße verschiedener Gruppen der sich umgestaltenden Gesellschaft. Ausbrüche von Bürgerkriegen und äußeren Kriegen wechseln ab mit Perioden „friedlicher“ Reformen. Revolutionen der Wirtschaft, der Technik, der Wissenschaft, der Familie, der Sitten und Gebräuche entwickeln sich in komplizierten Wechselwirkungen und lassen die Gesellschaft nicht ins Gleichgewicht kommen“(30).

Das ist eine gute Synthese des intensiven Wandels, der sich in den ersten Jahren der Revolution von 1917 in allen Bereichen vollzog – ein Prozess, der schnell blockiert wurde und dann während der stalinistischen Bürokratisierung einen tiefen Einschnitt erlitt. Aus dieser Perspektive ist Trotzkis Aussage, dass die Schaffung der materiellen Grundlagen für eine echte Emanzipation der Frauen eine der Hauptaufgaben der Russischen Revolution von 1917 war, verständlich. Dieser Blickwinkel der Analyse wurde Jahre später grundlegend für Trotzkis Kritik an den Rückschritten in Bezug auf Rechte und Kultur, die Stalin den weiblichen Massen auferlegte und die einer weiteren ausführlichen Analyse würdig sind. Die Artikel, Reden, Textfragmente und Kapitel, die über Trotzkis riesiges Werk verstreut sind und in denen er sich mit der Frauenfrage auseinandersetzt, lassen sich entlang zweier Achsen organisieren: der Emanzipation der Frau als grundlegende Aufgabe der proletarischen Revolution (wirtschaftlich, politisch und kulturell) und der konservativen Reaktion des Stalinismus im Alltag und in der Familie als vollständige Demonstration der Degeneration des Arbeiter*innenstaates.

Die utopischen Sozialist*innen haben dem revolutionären Marxismus die Maxime hinterlassen, dass der Grad der Emanzipation der Frau in einer Gesellschaft der Indikator für die Entwicklung der allgemeinen Emanzipation ist. Trotzki offenbarte – an diese Perspektive anschließend – wie viel die proletarische Revolution tun musste, um die archaischen Fesseln der russischen Frauen aufzulösen, die selbst im umwälzendsten gesellschaftlichen Prozess, den wir bisher erlebt haben, gegenüber den Männern im Nachteil waren.

Später untersuchte Trotzki unter Anwendung desselben Kriteriums die Unterordnung der Frauen in der Familie und den Verlust ihrer Rechte in der Sowjetunion in den 1930er Jahren als Teil seiner dokumentierten Analyse der Bürokratisierung des Arbeiter*innenstaates unter Stalins Führung(31). Es sei von entscheidender Bedeutung, Arbeiterinnen für die revolutionäre Partei und ihr Programm zu gewinnen: Die am meisten unterdrückten Sektoren der Arbeiter*innenklasse, wie die Frauen, und diejenigen, die die Niederlagen der Vergangenheit nicht auf ihren Schultern tragen, wie die Jugend, waren für Trotzki diejenigen, die die Stärke des revolutionären Proletariats erneuern könnten, dessen Organisationen aber Ende der 1930er Jahre von „routinierten Funktionäre und Karrieristen“ untergraben worden waren(32). Trotzkis Ausführungen über die 1930er Jahre bis zu seiner abscheulichen Ermordung durch einen stalinistischen Agenten im August 1940 verdienen einen weiteren ausführlichen Artikel.

Diese theoretischen, politischen und programmatischen Bedenken Trotzkis lassen – selbst in Anbetracht der Tatsache, dass es kein vollständiges Werk von ihm über die Ursprünge und das Ausmaß patriarchaler Unterdrückung gibt – Grund zur Annahme, dass seine Überlegungen zur Frauenfrage einen Weg für einen antikapitalistischen, sozialistischen und revolutionären Feminismus vorschlagen, der auf fast einem Jahrhundert politischer Erfahrungen und theoretischer Entwicklungen beruht(33). Dies gilt umso mehr in einer Ära, in der der linke Flügel verschiedener Regime auf der ganzen Welt versucht, die Reichweite der feministischen Bewegung auf Reformen zu beschränken, während gleichzeitig eine Vielzahl postmoderner Theorien – entweder aus Unwissenheit oder aus Bosheit – versuchen, den Marxismus als reduktionistischen Ökonomismus zu klassifizieren und seine lange Geschichte theoretischer, politischer und programmatischer Kämpfe auf den Stalinismus zu reduzieren(34).

Trotzkis Worte finden auch heute noch Widerhall, wo weltweit mehr als 40 Prozent der Lohnarbeiter*innen Frauen sind, die aber nach wie vor die überwiegende Mehrheit des prekärsten, am stärksten ausgebeuteten und unterdrücktesten Sektors dieser Klasse ausmachen und unter ausufernder patriarchaler Gewalt, Diskriminierung und Ungleichheit in allen Lebensbereichen leiden. Unabhängig vom Geschlecht kann jede*r, die*der Anspruch auf den Kampf gegen die Unterdrückung durch einen antikapitalistischen, sozialistischen und revolutionären Feminismus erhebt, sich Trotzkis Worten von vor einem Jahrhundert anschließen: „Der alltägliche männliche Egoismus kennt tatsächlich weder Maß noch Grenzen. Um das Alltagsleben vollständig umgestalten zu können, muss man es mit den Augen der Frauen betrachten können“(35). Es geht darum, diesen „Blick“ so radikal zu machen, dass wir nicht bei der vorläufigen Eroberung der elementaren Rechte stehen bleiben, die in einem großen Teil der Welt – auch ein Jahrhundert nach dem Verfassen dieser Texte – immer noch fehlen, sondern dass wir bei der Befreiung von allen Unterdrückten entschlossen voranschreiten, indem wir die Irrationalität der kapitalistischen Ausbeutung beseitigen, die für Millionen von Menschen den Planeten in ein schmutziges Gefängnis verwandelt hat.

 

Dieser Artikel erschien zuerst am 19.07.2020 unter dem Titel „La emancipación de las mujeres en la obra de León Trotsky“ in der Sonntagsausgabe der linken Tageszeitung La Izquierda Diario.

 

Fußnoten

(1) Caroline Lund (1944-2006), Anführerin der Young Socialist Alliance und dann der Socialist Workers Party (SWP) der Vereinigten Staaten.
(2) Im selben Jahr wird Trotzki von allen öffentlichen politischen Funktionen abgesetzt, nachdem er in der Parteidebatte gegen die Bürokratisierung eine Niederlage erlitten hatte. 1928 wurde er nach Alma Ata deportiert und 1929 aus der Sowjetunion ausgewiesen, wohin er nicht mehr zurückkehren konnte.
(3) Die Moskauer Prozesse begannen, die durch falsche Anschuldigungen in der Verurteilung wichtiger bolschewistischer Führer zum Tode oder ins Exil mündeten.
(4) Andreu Nin (1892-1937), katalanischer Lehrer, Syndikalist und revolutionärer Politiker, Gründer der Marxistischen Arbeiterpartei für die Vereinigung (POUM). Während des spanischen Bürgerkriegs von den republikanischen Behörden verhaftet und verschwunden. Er übersetzte viele Werke der russischen Marxisten und Klassiker der russischen Literatur ins Spanische.
(5) Veronica Volkow (1955), mexikanische promovierte Literaturwissenschaftlerin, Dichterin, Essayistin und Geschichtenerzählerin, Tochter von Esteban Volkov (Enkel von Leo Trotzki und Aleksandra Sokolovskaja, die mit ihm und Natalia Sedova während der letzten Jahre ihres Exils in Mexiko lebten).
(6) Mary-Alice Waters (1942) war Nationalsekretärin der Young Socialist Alliance und dann Vorsitzende der Socialist Workers Party (SWP) der Vereinigten Staaten. Sie war Direktorin der Zeitung The Militant und der theoretischen Zeitschrift New International. In den frühen 1980er Jahren wandte sie sich zusammen mit Jack Barnes und anderen SWP-Führern vom Trotzkismus und der Theorie der permanenten Revolution ab und knüpfte Verbindungen zur Kubanischen Kommunistischen Partei und der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront. Gegenwärtig hat er den Vorsitz der Pathfinder Press inne.
(7) Dieser Kongress, der vom 22. Juni bis 12. Juli 1921 in Moskau stattfand, verabschiedete die „Thesen über die Methoden und Formen der Arbeit der Kommunistischen Parteien unter den Frauen“.
(8) Siehe Leo Trotzki: Fünf Jahre Komintern.
(9) Siehe Clara Zetkin (1925): Erinnerungen an Lenin
(10) Inessa Armand (1921), „Bericht über die Erste Internationale Konferenz kommunistischer Frauen“. Die 1874 in Frankreich geborene bolschewistische Führerin stand dem Schenotdel (dem frauenpolitischen Gremium der russischen Partei) vor, starb aber 1920 an der Cholera.
(11) Leo Trotzki (1921): Rede auf der Zweiten Weltkonferenz Kommunistischer Frauen. Wenige Tage später eröffnete er den Dritten Kongress der Kommunistischen Internationale mit einem Bericht über die Weltwirtschaftskrise und die neuen Aufgaben der Revolutionäre. Dort wiederholte er dieselbe Analyse der Weltlage und argumentierte gegen die mechanistische Auffassung der Ultralinken, die einen direkten Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Katastrophe und der Radikalisierung der politischen Situation sahen. In Deutschland war die Revolution durch demokratische Zugeständnisse und Reformen umgelenkt worden, die die Spaltung und Isolierung der Vorhut der Massen ermöglichten. Trotzki stellt fest, dass sich der Kampf um die Macht nicht sofort stellt, aber er weist darauf hin, dass es notwendig ist, die Massen zu erobern. Der Kongress der Kommunistischen Internationale diskutiert also die Taktik der Einheitsfront der Arbeiter gegen die Ultralinken, die argumentierten, dass das Wachstum der Kommunistischen Partei an sich sie zu einem objektiven Faktor für den direkten Kampf um die Macht machen würde.
(12) Siehe: Dritter Kongress der Komintern (1921). Originaler deutscher Protokolltext – veröffentlicht in der Bibliothek der Kommunistischen Internationale Band XXIII. Verlag der Kommunistischen Internationale.
(13) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagslebens, Vorwort zur Erstausgabe.
(14) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagslebens, Vorwort zur zweiten Ausgabe. Eigene Übersetzung.
(15) 1922 hatte Lenin bereits zwei Schlaganfälle erlitten, und in den ersten Wochen des Jahres 1923 beendete er das Schreiben der Notizen seines politischen Willens, die er als Synthese seiner letzten politischen Kämpfe gegen den Parteiapparat betrachtete. Darin grenzt er sich klar von Stalin ab und warnt vor dem Prozess der Bürokratisierung der Partei unter seiner politischen Führung als neuer Generalsekretär; er kritisiert den bürokratischen Kurs, den Russland bei der Integration der unterdrückten Nationalitäten in die Sowjetunion eingeschlagen hat, und verweist ausdrücklich auf die Notwendigkeit, dass Trotzki den Posten des Parteisekretärs besetzen muss, und schlägt einen politischen Block zur Konfrontation mit Stalin und die Gefahr der Bürokratisierung vor. 1923 erleidet er einen weiteren Schlaganfall und verliert die Fähigkeit zu sprechen. Schließlich stirbt er am 21. Januar 1924.
(16) Unterdessen wird die Situation in Deutschland für die Massen immer kritischer. Frankreich besetzt die Industrieregion Ruhrgebiet, Fabriken werden geschlossen, fünf Millionen Arbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz und die Inflation steigt auf ein außergewöhnlich hohes Niveau. Gegen Ende dieses Jahres wird ein neuer Aufstand in Deutschland niedergeschlagen.
(17) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagsleben, Kapitel V: Von der alten Familie – zur neuen.
(18) Zitiert in Friedrich Engels: „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“, in: Karl Marx/Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin.
(19) Leo Trotzki, a.a.O..
(20) Leo Trotzki (1923), Brief an eine Versammlung von Arbeiterinnen in Moskau.
(21) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagslebens, Kapitel XI: Wie man beginnt. Eigene Übersetzung.
(22) Leo Trotzki (1923), Brief an eine Versammlung von Arbeiterinnen in Moskau.
(23) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagslebens. Kapitel V: Von der alten Familie – zur neuen.
(24)Leo Trotzki (1923),Fragen des Alltagslebens, Kapitel VI: Familie und Zeremoniell.
(25) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagslebens. Kapitel V: Von der alten Familie – zur neuen.
(26) Leo Trotzki (1923), Brief an eine Versammlung von Arbeiterinnen in Moskau.
(27) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagslebens, Kapitel XI: Wie man beginnt. Eigene Übersetzung.
(28) Leo Trotzki (1923), Brief an eine Versammlung von Arbeiterinnen in Moskau.
(29) Dort befasst er sich mit drei Aspekten des revolutionären Prozesses: 1) Die Beziehung zwischen der demokratischen Revolution und der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft in den rückständigen Ländern; im Gegensatz zu der vom Stalinismus vertretenen Konzeption der „Revolution in Etappen“, nach der die weniger entwickelten Länder für die sozialistische Revolution „unreif“ wären und somit die Unterordnung der Arbeiterklasse in Bündnisse mit Sektoren der „demokratischen“ oder „antiimperialistischen“ nationalen Bourgeoisie rechtfertigen würden; 2) die der Transformationen der Gesamtheit der sozialen Beziehungen, in der sozialistischen Revolution „als solcher“, d.h. wenn das Proletariat die Macht ergreift und sich ein Prozess des ständigen inneren Kampfes in den Bräuchen, der Kultur, der technischen Entwicklung usw. eröffnet. , im Gegensatz zu der von Stalin geförderten Idee, dass ein und dieselbe Machtergreifung bereits „neun Zehntel“ der Aufgabe des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft ausmachte, und 3) dem internationalen Charakter der sozialistischen Revolution, der auf der Globalisierung der dem Kapitalismus eigenen Wirtschaft beruht, was dazu führt, dass die sozialistische Revolution nicht innerhalb nationaler Grenzen eingedämmt werden kann, außer als Übergangsregime; auch im Gegensatz zu der 1925 auf dem XIV. Kongress der Kommunistischen Partei der Sowjetunion verabschiedeten stalinistischen Konzeption, die die Möglichkeit des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft „in einem Land“ vorsah.
(30) Leo Trotzki (1929): Einleitung. In: Ders. (1993): Die Permanente Revolution. Essen: Arbeiterpresse. S. 52-69: 59.
(31) Siehe Leo Trotzki (1936), Verratene Revolution. Was ist die Sowjetunion und wohin treibt sie?
(32) Siehe Leo Trotzki (1938), Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale. Das Übergangsprogramm.
(33) Zu den in diesem Artikel erwähnten Texten, die gewöhnlich in Trotzkis Zusammenstellungen zur Frauenfrage betrachtet werden, könnten wir hinzufügen: „Der Kampf um die Sprachkultur“ (1923), das ist Kapitel VII der Probleme des täglichen Lebens; „Fünf Tage“ (1932), das ist Kapitel VII seiner großartigen Geschichte der Russischen Revolution; „Das Proletariat, die Bauern, die Armee, die Frauen, die Jugend“ (1935), das ist Kapitel V des zweiten Teils von „Wohin geht Frankreich?“ und „Macht den Weg frei für die Jugend! Macht den Weg frei für die werktätigen Frauen!“ (1938), das den letzten Abschnitt des Übergangsprogramms darstellt.
(34) Unglaublicherweise ist derzeit angesichts des Vormarschs des Rechtspopulismus gegenüber „fortschrittlichen“ neoliberalen Regierungen eine populistische „Linke“ wieder aufgetaucht, die ihre Wahlbasis durch die Wiederbelebung dieses stalinistischen, fremdenfeindlichen, antifeministischen und homophoben Diskurses in Frage stellen will. Zu diesen neuen und ungewöhnlichen Debatten siehe „Rassismus, Diversität und Klasse: Worüber debattiert die spanische Linke?“, Contrapunto, von Josefina L. Martínez (2020).
(35) Leo Trotzki (1923), Fragen des Alltagslebens, Gegen den aufgeklärten Bürokratismus (aber auch gegen den nicht aufgeklärten).

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