Deutschland

Hamburger Polizei gesteht Lügen über die G20-Proteste

Während des G20-Gipfels in Hamburg behauptete die Polizei, dass ihre Beamt*innen unter Lebensgefahr standen. Besonders in der Nacht von Freitag zu Samstag habe es in der Schanze einen Hinterhalt von ausländischen Gewalttätern gegeben. Nun räumt die Behörde ein: Diese ganze Geschichte hat sie mehr oder weniger frei erfunden.

Hamburger Polizei gesteht Lügen über die G20-Proteste

Wie Der Spiegel auf der Grund­lage ein­er kleinen Anfrage der Linken-Abge­ord­neten Chris­tiane Schnei­der berichtet, hat die „Ham­burg­er Innen­be­hörde eingeräumt, dass sich ihre Darstel­lung der G20-Krawalle in wesentlichen Punk­ten nicht beweisen lässt“.

Was für ein aben­teuer­lich­er Satz! Man kön­nte genau­so gut schreiben: Die Darstel­lung der Ham­burg­er Polizei war eine Lüge.

Die Polizei hat damals selb­st über die Zahl ihrer Ein­satzkräfte vor Ort gel­o­gen – inzwis­chen wis­sen wir, dass erstaunliche 31.000 Beamt*innen in Ham­burg waren.

Zur Erin­nerung: In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli kam es in der Schanze zu Krawallen. Die Bullen fuhren  den ganzen Nach­mit­tag und bis zum Abend in der Schanze mit riesi­gen Wasser­w­er­fern auf – doch plöt­zlich und ohne jeden erkennbaren Grund zogen sie sich aus dem Vier­tel zurück. In dieser Zeit wur­den einige Geschäfte geplün­dert – wobei die Darstel­lun­gen der Plün­derun­gen auch maß­los über­trieben waren, wie Gewer­be­treibende berichteten.

Erst viele Stun­den später stürmten die Bullen zurück in die Schanze – mit Hub­schraubern, Panz­ern, Stur­mgewehren, und Kriegs­gerät aller Art. Warum? Ange­blich hat­ten „aus­ländis­che Gewalt­täter“ auf dem Dach im Schul­terblatt 1 einen „Hin­ter­halt“ vor­bere­it­et, mit Steinen, Gehweg­plat­ten, Eisen­stan­gen und Molo­tow­cock­tails. Ange­blich waren die Bullen dadurch in „Lebens­ge­fahr“.

Nun, gibt es irgendwelche Beweis­stücke für diese Darstel­lung? Polizei: „nach derzeit­igem Ken­nt­nis­stand keine“.

Linke-Abge­ord­nete Schnei­der sagt: „Die viele Men­schen bewe­gende Frage, warum die Polizei die Anwohn­er nicht geschützt hat, muss endlich zweifels­frei aufgek­lärt wer­den.“

Aber die Erk­lärung ist doch offen­sichtlich, und war bere­its eine Woche nach den Ereignis­sen auf dieser Seite zu lesen:

Am Don­ner­stag [den 6. Juli] [hat die Polizei] eine angemeldete und friedliche Demon­stra­tion bru­tal auseinan­der getrieben. Der ange­bliche Anlass waren „ein paar Hal­stüch­er“, also Ver­mum­mung von einzel­nen Demonstrant*innen. Selb­st staatliche Medi­en berichteten, dass die Gewalt an diesem Abend von der Polizei aus­ging. Die Leg­en­den über die „gewalt­bere­it­en Demonstrant*innen“ bröck­el­ten.

Am Don­ner­stag Abend muss es deswe­gen Krisen­tr­e­f­fen im Ham­burg­er Sen­at sowie im Führungsstab der Polizei gegeben haben. Man brauchte drin­gend Bilder, um zu bele­gen, was für gefährliche Leute in Ham­burg unter­wegs waren. Und so wurde der Ein­satz am Fre­itag akribisch geplant. […]

An ein­er war­men Fre­ita­gnacht im Som­mer waren Zehn­tausende Men­schen in der Schanze unter­wegs. Warum war die Polizei an jed­er Kreuzung mit schw­er bewaffneten Beamt*innen und ihren riesi­gen Wasser­w­er­fern postiert? Stun­den­lang hat sie Partygänger*innen geschub­st und provoziert.

Die Cops mussten nur warten, bis die Dunkel­heit anbrach und der Alko­holpegel stieg. Irgend­wann flog eine erste Flasche (und wenn nicht, waren unzäh­lige Zivil­bullen im Ein­satz, die not­falls solche Anlässe nachre­ichen kon­nten). Eskalieren, eskalieren, eskalieren. […]

Stun­den­lang hielt sich [die Polizei] von der Schanze fern. Warum? Dass die Beamt*innen sich in „Lebens­ge­fahr“ befun­den hät­ten, wie die Polizei behauptet, ist jeden­falls höchst wider­sprüch­lich. Viel näher­liegen­der ist: Es gab eine poli­tis­che Entschei­dung, dass min­destens ein paar Läden wirk­lich ver­wüstet wer­den mussten. […]

Die Polizei war nicht über­fordert – sie tat genau das, was sie tun wollte.

Das wäre alles fast unter­halt­sam – wenn diese Lügen nicht die Grund­lage für drakonis­che Urteile gegen Demonstrant*innen wären.

Nun: Warum zögert Der Spiegel, die Sache beim Namen zu nen­nen, und von „Lügen“ zu sprechen?

Der Spiegel hat, genau­so wie prak­tisch alle bürg­er­lichen Medi­en in Deutsch­land, die Lügen der Polizei als Fak­ten weit­er­ver­bre­it­et. Sog­ar die Linkspartei hat das alberne Märchen von 500 ver­let­zten Cops über­nom­men.

Deswe­gen braucht die Arbeiter*innenbewegung und die Linke auch eigene Medi­en, die die Lügen des bürg­er­lichen Staates kri­tisch hin­ter­fra­gen. Deswe­gen brauchen wir Klasse Gegen Klasse.

5 thoughts on “Hamburger Polizei gesteht Lügen über die G20-Proteste

  1. Michael Böck sagt:

    Geht damit auf YouTube macht einen
    Nachrichtenkanal!Ihr habt recht es MUSS
    alter­na­tiv berichtet wer­den

  2. herr frau sagt:

    hast du den artikel für deine schülerzeitung geschrieben oder was soll der rotz hier?

  3. herr frau sagt:

    es ist jet­zt auch nicht sehr lib­er­al kom­mentare zu zen­sieren

  4. Herr Haas sagt:

    Ich mag diese Berichter­stat­tung hier und schließe mich ohne Vor­be­halte an. Die Eskala­tion­sstrate­gie der Polizei wurde ja auch live im Fernse­hen über­tra­gen und war auch nicht anders als damals beim G7 in Heiligendamm/Rostock.

    Aber: Dieses Gender*ing im Text ist eine Katas­tro­phe, hil­ft keinem und ver­schlechtert die Les­barkeit und Ver­ständlichkeit enorm. Und dann ist sie (es?) auch noch unvoll­ständig: Gewalt­tätern = Gewalttäter*innen, Gewer­be­treibende = Gewerbetreibende*innnen … Bitte bitte lasst das sein und macht gegeben­falls eine Rand­no­tiz, dass Beze­ich­nun­gen grund­sät­zlich geschlecht­sun­spez­i­fisch gemeint sind: Der Polizist, die Polizistin, die Polizis­ten.

  5. Frau sagt:

    Unter­halte dich mal mit den Polizist*innen die da waren… von nicht nach­weis­bar auf Lüge zu schließen ist mal wieder klas­sis­che linksau­tonome Denkstruk­tur — oder wird ein von der Polizei abge­grif­f­en­er Demon­strant, der dies nicht nach­weisen kann, automa­tisch zu einem Lügn­er?

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