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20.9.: Der Kapitalismus zerstört den Planeten, lasst uns den Kapitalismus zerstören

Internationale Erklärung der Trotzkistischen Fraktion für die Vierte Internationale (FT-CI) angesichts des globalen Klimastreiks, der zwischen dem 20. und 27. September stattfinden wird.

20.9.: Der Kapitalismus zerstört den Planeten, lasst uns den Kapitalismus zerstören

Vom 20. bis 27. Sep­tem­ber 2019 find­et eine “Aktionswoche” für einen glob­alen Kli­mas­treik statt. Bewe­gun­gen wie “Fri­days for Future” und “Extinc­tion Rebel­lion”, sowie hun­derte von Umwelt­grup­pen und Ökolo­gie- Aktivist*innen in ver­schiede­nen Län­dern unter­stützen den Aufruf. Die Organisator*innen fordern die Regierun­gen auf, den Kli­man­ot­stand zu erk­lären und drin­gende Maß­nah­men zu ergreifen, um die Umweltkrise zu stop­pen. Angesichts der Dringlichkeit der Kli­makrise ist es notwendig, eine Strate­gie zu entwick­eln, um der Ursache der uns bedro­hen­den sozio-ökol­o­gis­chen Katas­tro­phe entschlossen ent­ge­gen­zutreten: dem kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem.

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Kapitalismus und globale Umweltkrise

Der Kap­i­tal­is­mus gedei­ht seit Jahrhun­derten durch die Aus­beu­tung der Natur, entwed­er als “uner­schöpfliche” Quelle von Ressourcen, um sie in Waren zu ver­wan­deln, oder als Müll­halde. Die Fähigkeit der Erde, den naturz­er­störerischen Prozessen des Kap­i­tals zu wider­ste­hen, stößt jedoch an ihre Gren­zen.

Die Notwendigkeit des steti­gen Wach­s­tums des Kap­i­tals hat zur Erschüt­terung eines kom­plex­en natür­lichen Zyk­lus geführt, dessen Entwick­lung Mil­lio­nen von Jahren dauerte, was nun zu einem Bruch im “Stof­fwech­sel” zwis­chen Gesellschaft und Natur geführt hat.

Der Kli­mawan­del und die Krise der biol­o­gis­chen Kreis­läufe von Kohlen­stoff, Wass­er, Phos­phor und Stick­stoff, die Über­säuerung der Ozeane, der zunehmende und beschle­u­nigte Ver­lust der Arten­vielfalt, die Verän­derun­gen der Land­nutzungsmuster und die chemis­che Ver­schmutzung durch die Indus­trie sind einige der schreck­lichen Aus­drücke ein­er für die Men­schheit völ­lig beispiel­losen Sit­u­a­tion: die Ten­denz des Zer­falls ihrer natür­lichen Pro­duk­tions- und Repro­duk­tions­be­din­gun­gen. Diese naturz­er­störerische Dynamik ste­ht in direk­tem Zusam­men­hang mit der sozialen und materiellen Ver­schlechterung der Lebens­be­din­gun­gen von Hun­derten Mil­lio­nen Men­schen, die unter Elend, Arbeit­slosigkeit und prekären Beschäf­ti­gungsver­hält­nis­sen lei­den, durch die der Kap­i­tal­is­mus seine Prof­ite und Repro­duk­tion sichert.

Die Bar­barei, die sich in der jüng­sten Vervielfachung der Brände im Ama­zonas­ge­bi­et zeigt, ist nur eine weit­ere Episode im kon­tinuier­lichen Prozess der Naturz­er­störung. Sie ist das Ergeb­nis von Anreizen zur Rodung der Wälder — ver­stärkt durch die Poli­tik des recht­sex­tremen Präsi­den­ten Bol­sonaro -, der Lockerung der Umwelt­ge­set­zge­bung und des direk­ten Han­delns von Großgrundbesitzer*innen und Viehzüchter*innen, die die Brände ent­fachen. Sog­ar im Bolivien von Evo Morales bedro­hen die Brände einen der größten Trock­en­wälder der Welt, den Chiq­ui­tania, nach­dem mehr als zwei Mil­lio­nen Hek­tar den Flam­men zum Opfer fie­len, die für die Aus­bre­itung der Land­wirtschaft gelegt wur­den. Das Phänomen unkon­trol­liert­er Wald­brände tritt immer häu­figer auf, wie die großen Brände, die Sibirien und Sub­sa­hara-Afri­ka heim­suchen (zahlre­ich­er, wenn auch weniger zer­störerisch), aber auch andere Brände, wie die in Kali­fornien im ver­gan­genen Herb­st und in vie­len Regio­nen Europas. Der Kli­mawan­del und der Prof­it­gi­er des Kap­i­tal­is­mus ver­stärken sie zunehmend.

Der Klimawandel, eine unbestreitbare Realität

Es beste­ht ein bre­it­er wis­senschaftlich­er Kon­sens, dass der Kli­mawan­del mit dem schwindel­er­re­gen­den Anstieg der Emis­sio­nen von Treib­haus­gasen in der Atmo­sphäre ver­bun­den ist, die durch men­schlich­es Han­deln verur­sacht wer­den. Aber nicht durch men­schlich­es Han­deln im All­ge­meinen, son­dern durch die Aktiv­itäten, die sih im Rah­men der kap­i­tal­is­tis­chen Pro­duk­tion­sweise ver­bre­it­et haben. Seit 1880 ist die Durch­schnittstem­per­atur der Erdober­fläche nach Angaben ver­schieden­er Organ­i­sa­tio­nen um fast 1°C gestiegen. Der Anstieg der glob­alen Tem­per­atur (auf heute durch­schnit­tlich um die 15°C) ist seit der indus­triellen Rev­o­lu­tion zu beobacht­en und hat sich in der neolib­eralen Phase des Kap­i­tal­is­mus beschle­u­nigt.

Prog­nosen des Weltk­li­marats (IPCC) deuten darauf hin, dass die durch­schnit­tliche glob­ale Ober­flächen­tem­per­atur in den kom­menden Jahrzehn­ten um 2 bis 5°C und der Meer­esspiegel um 18 bis 59 Zen­time­ter ansteigen kön­nten. Sie war­nen gle­ichzeit­ig davor, dass die ver­gan­genen und zukün­fti­gen Emis­sio­nen von Kohlen­stoff­diox­id (CO2) noch mehr als ein Jahrtausend lang zur Erwär­mung beitra­gen wer­den. Gle­ichzeit­ig wurde vor kurzem bekan­nt, dass der CO2-Gehalt in der Atmo­sphäre 400 Par­tikel pro Mil­lion (ppm) über­schrit­ten hat und in den kom­menden Jahrzehn­ten sog­ar Werte über 500 ppm erre­ichen kann, was in der Men­schheits­geschichte noch nie zuvor erre­icht wurde.

Nach dem jüng­sten Bericht dieser UN-Agen­tur, deren Schätzun­gen im Ver­gle­ich zu anderen Stu­di­en in der Regel am kon­ser­v­a­tivsten sind, müssten die Emis­sio­nen von Schad­stof­f­gasen bis 2030 — in weniger als 11 Jahren — um 45 Prozent reduziert wer­den, um nicht die kri­tis­che Schwelle von 1,5°C zu über­schre­it­en. Ober­halb dieser Tem­per­atur würde es zu ein­er Ver­all­ge­meinerung des Anstiegs des Meer­esspiegels, zu extremen Wet­ter­ereignis­sen und Nahrungsmit­telk­nap­pheit kom­men. Die Notwendigkeit, den Kli­mawan­del mit drastis­chen Maß­nah­men zu bekämpfen, ist also unbe­stre­it­bar.

Für viele Men­schen mögen diese Schätzun­gen abstrakt sein, aber sie nehmen Gestalt an, wenn ihre tat­säch­lichen Fol­gen erkan­nt wer­den, wie die Ver­stärkung aller katas­trophalen klimabe­d­ingten Phänomene, ihre Beständigkeit und die Beschle­u­ni­gung ihrer Rhyth­men. Unkon­trol­lier­bare Brände, die ganze Städte rund um den Globus heim­suchen (auch im Zusam­men­hang mit der Ver­bre­itung inva­siv­er Spezies und ein­er Wald­wirtschaft, die allein auf Monokul­tur und Prof­it aus­gerichtet ist), extreme Hitzewellen, mas­sive Über­schwem­mungen oder katas­trophale Dür­ren. Nach Angaben der Vere­in­ten Natio­nen gibt es derzeit mehr als 20 Mil­lio­nen Klim­age­flüchtete, während bei einem Anstieg der Glob­al­tem­per­atur auf +2C° von 280 Mil­lio­nen Klim­age­flüchteten aus­ge­gan­gen wird. Die Luftver­schmutzung durch Gase und Par­tikel aus dem Fahrzeugverkehr sowie aus der indus­triellen Pro­duk­tion in Großstädten verur­sacht weltweit neun Mil­lio­nen Todes­fälle pro Jahr, allein in Europa sind es 800.000 Men­schen.

Die glob­ale Erwär­mung ist eine der ver­heerend­sten Aus­drücke des zer­störerischen Wesens des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems für die Umwelt, aber nicht die einzige. Hinzu kom­men Luftver­schmutzung und Boden­ver­schlechterung, Ent­wal­dung und die Zer­störung der Arten­vielfalt, Ver­schmutzung von Flüssen und Ozea­nen. Laut ein­er wis­senschaftlichen Studie ist sind im Durschschnitt zwis­chen 1970 und 2014 die Pop­u­la­tio­nen von Wirbeltieren um 60 Prozent zurück gegan­gen. Diese Ten­denz ver­schärft sich, wenn die ökol­o­gis­che Krise nicht gebremst wird, was ein Masse­nausster­ben der Bio­di­ver­sität des Plan­eten verur­sachen kön­nte. Der gesamte Plan­et hat sich in eine riesige Deponie von Haushalts‑, Indus­trie- und Land­wirtschaftsabfällen ver­wan­delt, die durch kap­i­tal­is­tis­che Produktions‑, Verteilungs- und Kon­sum­muster entste­hen.

Klimaleugnung und “grüner Kapitalismus”, zwei Seiten der gleichen Medaille

Angesichts des katas­trophalen Szenar­ios, das die glob­ale Erwär­mung vorankündigt, schwanken die Kräfte des inter­na­tionalen Kap­i­tal­is­mus zwis­chen zwei Strate­gien: ein­er­seits Kam­pag­nen zur Leug­nung von wis­senschaftlichen Beweisen, die dazu neigen, diese als “Ide­olo­gie” darzustellen; ander­er­seits eine Strate­gie zur Förderung eines “grü­nen” oder “nach­halti­gen” Kap­i­tal­is­mus, der auf inter­na­tionale Abkom­men set­zt, die eine Farce sind und eine par­tielle und begren­zte Umstel­lung der Pro­duk­tion­ssys­teme vorschla­gen, während sie das Mod­ell der kap­i­tal­is­tis­chen Akku­mu­la­tion und Aus­beu­tung stärken.

Auf der Seite der Leugner*innen ste­hen Trump, die Repub­likanis­che Partei und die Tea Par­ty in den Vere­inigten Staat­en, Bol­sonaro in Brasilien, bis hin zu Min­der­heit­ensek­toren von Wissenschaftler*innen. Aber der Kern dieses Lagers find­et sich in den Großkonz­er­nen, die die Hauptver­ant­wortlichen für die Emis­sion von Treib­haus­gasen sind. Gle­ichzeit­ig mit ihrer Kam­pagne gegen den Kli­mawan­del sind sich die kap­i­tal­is­tis­chen Großun­ternehmen jedoch der Fol­gen des Kli­mawan­dels und sein­er gesellschaft­spoli­tis­chen Auswirkun­gen voll bewusst und bere­it­en sich vor, um auf seine Auswirkun­gen im Bere­ich “Sicher­heit” und Außen­poli­tik zu reagieren. Das konzen­tri­erteste Kap­i­tal schlägt die Mil­i­tarisierung als Instru­ment der Anpas­sung an den Kli­mawan­del vor: mehr pri­vate Armeen und Sicher­heit­skräfte, die schließlich die Inseln des Wohl­stands inmit­ten der Ozeane des Elends und der Zer­störung vertei­di­gen kön­nen.

Auf der anderen Seite ste­ht der “grüne Kap­i­tal­is­mus”, der von der US-amerikanis­chen Demokratis­chen Partei, den poli­tis­chen Anführer*innen der wichtig­sten europäis­chen Län­der wie Angela Merkel, Emmanuel Macron oder Pedro Sánchez und ver­schiede­nen “grü­nen Parteien” vor­angetrieben wird, sowie ver­schiedene und flo­ri­erende kap­i­tal­is­tis­che Unternehmen, inter­na­tionale Organ­i­sa­tio­nen, ja sog­ar Umweltschützer*innen und NGOs.

Diese Kräfte ver­suchen eine Mis­chform zwis­chen Neolib­er­al­is­mus und “grün­er Wirtschaft” zu schaf­fen. Sie prangern die glob­ale Erwär­mung an und eini­gen sich auf kost­spieli­gen Klimagipfeln auf Umweltschutz­maß­nah­men, Kon­trollen und große Emis­sion­s­min­derungsziele, die immer schon nichts anderes waren als diplo­ma­tis­che Doku­mente ohne große prak­tis­che Fol­gen.

Gle­ichzeit­ig schla­gen sie vor, Entschädi­gun­gen vorzunehmen, die Pro­duk­tion von Gift­stof­fen und die Zer­störung natür­lich­er Ressourcen zu begren­zen und neue “weiche” Tech­nolo­gien zu entwick­eln, wobei sie gle­ichzeit­ig argu­men­tieren, dass dies eine neue Quelle für Wirtschaftswach­s­tum sei, damit die kap­i­tal­is­tis­chen Unternehmen saftige Gewinne erzie­len kön­nen.

So schla­gen beispiel­sweise die deutschen Grü­nen vor, die deutsche Wirtschaft mit ökol­o­gis­chen Über­gangs­maß­nah­men zu “ret­ten”, während sie gle­ichzeit­ig die Mil­i­tarisierung des deutschen Impe­ri­al­is­mus fördern (sie befür­worteten eine Inter­ven­tion im Kon­flikt mit dem Iran unter “europäis­ch­er Führung”). Eine Poli­tik des “grü­nen Impe­ri­al­is­mus”, um der Krise des deutschen Kap­i­tal­is­mus zu begeg­nen.

Eine der jüng­sten Maß­nah­men auf diesem Gebi­et, die von der Regierung von Merkel und den Grü­nen vor­angetrieben wird, die aber von anderen Regierun­gen und Sek­toren der Umwelt­be­we­gung über­nom­men wird, zielt darauf ab, eine Besteuerung der CO2-Emis­sio­nen (Besteuerung z.B. des Ver­brauchs von Fleisch, Treib­stof­fen oder Flugverkehr) einzuführen, um die Indus­trie zu einem ökol­o­gis­chen Wan­del zu bewe­gen. Eine Steuer, die einen Preisanstieg und einen Angriff auf die Kaufkraft der Arbeiter*innenklasse provozieren würde, während sie angesichts der Kli­makrise kein­er­lei ern­sthafte Maß­nahme darstellt. Kurz gesagt, die neolib­erale Strate­gie des “grü­nen Kap­i­tal­is­mus” endet im “Kli­maleug­nen light”.

Das Wesen des Kap­i­tal­is­mus ist die Ausweitung von Prof­it und Akku­mu­la­tion um jeden Preis, auch wenn dies mit der materiellen Zer­störung des Plan­eten ver­bun­den ist. Während Chi­na und die Vere­inigten Staat­en zusam­men mit der Europäis­chen Union die meis­ten Treib­haus­gase pro­duzieren, die die Tro­posphäre ver­nicht­en, und sich die Kapitalist*innen entwed­er auf die Seite der Leugner*innen oder jene der macht­losen Gipfel des Umweltkrisen­man­age­ments schla­gen, lei­det der Rest der Welt der­weil unter den Auswirkun­gen des Kli­mawan­dels.

Deshalb ist die Idee eines “grü­nen Kap­i­tal­is­mus” — die Vorstel­lung, dass dieser die Wurzeln der glob­alen Umweltkatas­tro­phe, die uns bedro­ht, auf eine inte­grale und effek­tive Weise beseit­i­gen und eine “nach­haltige Entwick­lung” der Men­schheit und der anderen Arten auf dem Plan­eten fördern kön­nte — eine Chimäre. Die Lösung der glob­alen Kli­makrise kann in keinem Fall aus den Eingewei­den des gle­ichen Sys­tems geboren wer­den, das sie her­vorge­bracht hat.

Es muss klargestellt wer­den, dass es in diesem Lager eine große Anzahl von NGOs und Umwel­tor­gan­i­sa­tio­nen wie IUCN, WWF oder auch Green­peace gibt, die Seite an Seite mit den Prediger*innen der Öko­ef­fizienz und mit den Ölkonz­er­nen wie Shell oder Exxon, mit umweltschädlichen Minenge­sellschaften wie Bar­rick Gold oder Megakonz­er­nen wie Wal­mart, Cargill oder Mon­san­to zusam­me­nar­beit­en und sich auf diese Weise zu Kompliz*innen der Plün­derung der natür­lichen Ressourcen auf dem ganzen Plan­eten unter einem “ökol­o­gis­chen” Deck­man­tel machen.

Grüner Reformismus und “Green New Deal”

Inner­halb des Spek­trums der Verteidiger*innen eines grü­nen Kap­i­tal­is­mus gibt es eine reformistis­che Unter­form, die in der let­zten Zeit stark an Gewicht gewon­nen hat und ein Pro­gramm mit neokey­ne­sian­is­ch­er Fär­bung zur Bewäl­ti­gung der Krise vorschlägt. Das ist der soge­nan­nte “Green New Deal” (GND). In den USA wird diese Poli­tik von eini­gen Kandidat*innen für die Präsi­dentschaft der Demokratis­chen Partei vertei­digt, wie Bernie Sanders und Eliz­a­beth War­ren, oder von der selb­ster­nan­nten “demokratis­chen Sozial­istin” Alexan­dria Oca­sio-Cortez. Der GND begin­nt auch in den Reden und Pro­gram­men der europäis­chen Sozial­lib­eralen wie der PSOE oder neo­re­formistis­chen Strö­mungen wie Podemos Res­o­nanz zu find­en.

Laut Oca­sio-Cortez würde der GND den Vere­inigten Staat­en inner­halb von zehn Jahren den Über­gang zu 100 Prozent erneuer­bar­er Energie ermöglichen und gle­ichzeit­ig Mil­lio­nen von Arbeit­splätze schaf­fen, unter anderem durch den Auf­bau eines effizien­ten Strom­net­zes im ganzen Land, das auf erneuer­baren Energien basiert. Und zwar wie? Es würde durchge­set­zt wer­den, indem die mil­liar­den­schw­eren Megakonz­erne, die für die aktuelle ökol­o­gis­che Krise ver­ant­wortlich sind, diejeni­gen sind, die die Infra­struk­tur entwick­eln, um aus der Katas­tro­phe her­auszukom­men. Dafür wür­den sie Mil­lio­nen von öffentlichen Zuschüssen vom Staat erhal­ten.

Fol­gende Idee liegt dieser Per­spek­tive zugrunde: Wenn die Regierun­gen der wichtig­sten Indus­trielän­der der Welt und die großen multi­na­tionalen Konz­erne sich der Sit­u­a­tion bewusst wer­den, kön­nten sie Maß­nah­men zur Erhal­tung der Umwelt ergreifen. Sowohl der “Green New Deal” als auch andere ähn­liche Vorschläge (wie die UN-Agen­da für 2030), die heute Ref­eren­zen für viele der “fortschrit­tlichen” poli­tis­chen Kräfte in der Welt sind, basieren auf der Idee, dass ein “nach­haltiger Kap­i­tal­is­mus” möglich sei und dass die Unternehmen, die die aktuelle Krise aus­gelöst haben, zu den Retter*innen des Plan­eten wer­den kön­nen. Aber die Illu­sion, dass der Wider­spruch zwis­chen kap­i­tal­is­tis­chen Inter­essen ein­er­seits und dem Erhalt der Umwelt und des Lebens von Hun­derten von Mil­lio­nen Men­schen ander­er­seits har­mon­isiert wer­den könne, ist utopisch und reak­tionär.

Die kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion­sweise ste­ht im völ­li­gen Wider­spruch zur Natur und zu den natür­lichen Entwick­lung­sprozessen. Für das Kap­i­tal ist der entschei­dende Fak­tor in diesem Prozess lediglich quan­ti­ta­tiv. Der harte Wet­tbe­werb zwingt jeden Kap­i­tal­is­ten, ständig nach Wegen zu suchen, um Arbeiter*innen durch Maschi­nen zu erset­zen, die die Pro­duk­tiv­ität der Arbeit und die Masse der auf den Markt gewor­fe­nen Waren erhöhen — und damit auch die Menge der natür­lichen Ressourcen, die für ihre Her­stel­lung ver­braucht wer­den. Die ständi­ge Wieder­hol­ung dieses Zyk­lus der Pro­duk­tion und Repro­duk­tion von Kap­i­tal presst gnaden­los alle Ressourcen aus, ohne die Zeit für ihre natür­liche Pro­duk­tion und Regen­er­a­tion zu berück­sichti­gen.

Die Ursache für diese Art der naturz­er­störerischen Entwick­lung ist weniger die kap­i­tal­is­tis­che Irra­tional­ität als ihre inhärente Logik; die logis­che Schlussfol­gerung eines Wirtschaftssys­tems, dessen Motor die Prof­it­gi­er der Kapitalist*innen ist.

Die jugendliche “Rebellion” für das Klima, ihr Potenzial und ihre Grenzen

Am 20. August 2018 stand die junge schwedis­che Kli­maak­tivistin Gre­ta Thun­berg mit einem Schild mit der Auf­schrift “Schul­streik für das Kli­ma” vor dem Sitz des schwedis­chen Par­la­ments. Inspiri­ert von dieser Aktion hat sich sei­ther die Bewe­gung “Fri­days for Future” formiert, in der vor allem in europäis­chen Städten Schüler*innen unter dem Mot­to “Es gibt keinen Plan­eten B” dem Unter­richt fern­bleiben und gegen die glob­ale Umweltkrise demon­stri­eren. Sie hat immer mehr Anhänger*innen gefun­den und Hun­dert­tausende in Hun­derten von Städten auf dem ganzen Kon­ti­nent mobil­isiert.

Neben der Bewe­gung “Fri­days for future” haben sich in den ver­gan­genen Jahren weit­ere ökol­o­gis­che Plat­tfor­men aus­gedehnt, wie z.B. “Ende Gelände” in Deutsch­land oder “Extinc­tion Rebel­lion” in Großbri­tan­nien, die ähn­liche Forderun­gen stellen, aber auch andere Kampfmeth­o­d­en anwen­den.

Zum ersten glob­alen Kli­mas­treik wurde am 15. März aufgerufen. Hun­dert­tausende junger Men­schen gin­gen in ver­schiede­nen Städten der Welt im Rah­men eines Schüler*innenstreiks gegen den Kli­mawan­del auf die Straße. In Madrid, Berlin, Paris, Wien, Rom und anderen Städten in Europa und der Welt waren die Demon­stra­tio­nen gewaltig. Am 24. Mai gab es einen neuen weltweit­en Aufruf zu einem Bil­dungsstreik, der wieder Mil­lio­nen mobil­isierte. Am 20. und 27. Sep­tem­ber wird ein neuer glob­aler Kli­mas­treik stat­tfind­en, für den die Zivilge­sellschaft aufge­fordert wird, sich dem Aufruf anzuschließen.

Die Organisator*innen fordern von den Regierun­gen, dass sie den Kli­man­ot­stand aus­rufen und drin­gende Maß­nah­men ergreifen, um eine Umweltkrise aufzuhal­ten, die “die Folge eines Pro­duk­tions- und Kon­sum­mod­ells ist, das sich als ungeeignet erwiesen hat, um die Bedürfnisse viel­er Men­schen zu befriedi­gen, das unser Über­leben gefährdet und sich ungerecht auf die ärm­sten und ver­let­zlich­sten Bevölkerungs­grup­pen der Welt auswirkt”.

Zu diesen Maß­nah­men gehören die Reduk­tion der Treib­haus­gase­mis­sio­nen auf Net­to-Null und die Ver­mei­dung eines Anstiegs der glob­alen Tem­per­a­turen über 1,5°C. Zu diesem Zweck schla­gen sie Maß­nah­men vor, die darauf abzie­len, die Nutzung von fos­silen Brennstof­fen aufzugeben und durch erneuer­bare Energien zu erset­zen, sowie den Stopp des Baus neuer fos­siler Infra­struk­tur, ein Energiemod­ell ohne Atom­kraft oder die Neuord­nung des Pro­duk­tion­ssys­tems.

Sie verurteilen auch den Zusam­men­hang zwis­chen der enor­men sozialen Ungle­ich­heit und der Naturz­er­störung und schla­gen vor, dass der Über­gang zu einem “ökol­o­gisch nach­halti­gen Mod­ell” unter Berück­sich­ti­gung der nach sozialer Klasse, Geschlecht, Herkun­ft usw. erzeugten Ungle­ich­heit­en erfol­gen muss. Für diesen Über­gang fordern sie For­men der Bürger*innenbeteiligung durch die Demokratisierung von Pro­duk­tions­bere­ichen wie Energie, Verkehr oder Lebens­mit­tel.

Die Tat­sache, dass junge Men­schen gegen die Bar­barei der Umweltzer­störung mobil­isieren, ist eine äußerst vielver­sprechende Tat­sache. Darüber hin­aus ist die Meth­ode des Streiks, um ihre Forderun­gen sicht­bar zu machen, und der Aufruf an alle Organ­i­sa­tio­nen der Zivilge­sellschaft etwas Inno­v­a­tives, das vorher nicht getan wurde und der Bewe­gung mehr Kraft ver­lei­ht.

Angesichts der “Höl­len­mächte”, die der Kap­i­tal­is­mus her­vorgerufen hat und deren Fol­gen heute unver­mei­dlich sind, sind sich die jun­gen Akteur*innen der Bewe­gung “Fri­days for Future” und ander­er ähn­lich­er Plat­tfor­men dieser Real­ität zunehmend bewusst und verurteilen, wenn auch oft auf abstrak­te Weise, das kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem als Ursache der aktuellen Krise.

Es fehlt ihnen jedoch noch ein definiertes Pro­gramm und eine Strate­gie zu sein­er Über­win­dung. Ihre Per­spek­tive reduziert sich auf eine Anklage und fordert die poli­tis­chen Vertreter*innen des Kap­i­tals auf, drin­gende Maß­nah­men zu ergreifen oder die Vorschläge der so genan­nten “grü­nen Parteien” anzunehmen, ohne jedoch entsch­ieden gegen die Inter­essen und das Eigen­tum der­jeni­gen zu richt­en, die am aller­meis­ten für diese Sit­u­a­tion ver­ant­wortlich sind: die kap­i­tal­is­tis­chen Großun­ternehmen und multi­na­tionalen Konz­erne.

Sie erheben auch keine Posi­tio­nen, die im Wider­spruch zu “grü­nen” Maß­nah­men ste­hen, wie z.B. den Ver­suchen, Ver­brauchss­teuern anzuwen­den, die die Mehrheit der Arbeiter*innenklasse und der armen Massen bedro­hen. Im Gegen­teil: In vie­len Län­dern fordert die Bewe­gung die Ein­führung ein­er noch höheren Steuer auf CO2-Emis­sio­nen als jene, die die kap­i­tal­is­tis­chen Parteien vorschla­gen. Dies würde die Preise auf Kon­sumgüter für die Masse der Bevölkerung erhöhen. Damit es die Jugend schafft, die Arbeiter*innenklasse für den Kampf gegen den Kli­mawan­del zu gewin­nen, ist ein Pro­gramm notwendig, welch­es abso­lut klar macht, dass es die Kapitalist*innen sein müssen, welche die Krise bezahlen, und nicht die bre­it­en Massen.

In weit­en Teilen der Bewe­gung herrscht die Logik vor, dass zur Lösung der ökol­o­gis­chen Krise die zen­trale Achse in den Verän­derun­gen der indi­vidu­ellen Kon­sum­muster liegt, weshalb die Aufmerk­samkeit auf den “unver­ant­wortlichen Kon­sum” gerichtet wird. Offen­sichtlich formt die kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion, welche die Muster und Zyklen des Kon­sums auf glob­aler Ebene erzeugt, die “Konsument*innen”, und auf diese Weise trägt das indi­vidu­elle men­schliche Ver­hal­ten zur ökol­o­gis­chen Krise bei. Daher ist es wün­schenswert, eine Verän­derung dieser Kon­sum­muster durch die Steigerung des Umwelt­be­wusst­sein zu fördern.

Aber die Real­ität ist, dass der Ein­fluss, den Verän­derun­gen im indi­vidu­ellen Ver­hal­ten auf den katas­trophalen Charak­ter der kap­i­tal­is­tis­chen Pro­duk­tion in Bezug auf die Umwelt ausüben kön­nen, in vie­len Fällen irrel­e­vant und vor allem sehr ungle­ich ist. Ein Oxfam-Bericht aus dem Jahr 2015 zeigte, dass die reich­sten 10 Prozent des Plan­eten die Hälfte der CO2-Emis­sio­nen verur­sachen, während die ärm­sten 50 Prozent (3,5 Mil­liar­den Men­schen) nur für 10 Prozent ver­ant­wortlich sind.

Die Logik, die Ini­tia­tive der Umwelt­be­we­gung auf indi­vidu­elle Ver­hal­tensän­derun­gen zu konzen­tri­eren, bringt zwei strate­gis­che Prob­leme mit sich. Ein­er­seits fördert sie eine illu­sorische Strate­gie mit ein­er indi­vid­u­al­is­tis­che Konzep­tion, wodurch ver­wässert oder direkt ver­steckt wird, welch­es “Grav­i­ta­tion­szen­trum” wir tre­f­fen müssen: den impe­ri­al­is­tis­chen Kap­i­tal­is­mus, große Unternehmen und kap­i­tal­is­tis­che Staat­en. Ander­er­seits stärkt sie den reak­tionären Diskurs, dass “die ein­fachen Men­schen selb­st für die Krise ver­ant­wortlich sind”, was mit Maß­nah­men ver­bun­den ist, die die Arbeiter*innenklasse und die ärm­sten Teile der Gesellschaft für die Umweltkrise bezahlen zu lassen. Es ist ein Diskurs, der — während er das Sys­tem schützt und den Kapitalist*innen zugute kommt — diejeni­gen sozialen Kräfte daran hin­dert, sich dem Kampf anzuschließen, die das Sys­tem kon­fron­tieren kön­nten.

Eine der Lehren aus dem Kampf der Gelb­west­en in Frankre­ich — ein­er gewalti­gen sozialen Bewe­gung, die zunächst als Reak­tion auf den Anstieg der Ben­z­in­preise und als Protest gegen Steuerun­gerechtigkeit sowie Kaufkraftver­lust begann — ist, dass die “ökol­o­gis­che Trans­for­ma­tion” nicht auf die Schul­tern der Arbeiter*innenklasse und der armen Massen abgewälzt wer­den darf. Angesichts der Umweltkrise ist das zen­trale Prob­lem nicht die “Spal­tung” zwis­chen denen, die ver­schmutzen und denen, die es nicht tun, son­dern zwis­chen der sozialen Mehrheit, die bere­its die Kosten der Krise trägt, und den Kapitalist*innen, die sie verur­sacht haben.

Die einzige Möglichkeit, der durch den Kap­i­tal­is­mus verur­sacht­en glob­alen Umweltkrise zu begeg­nen, beste­ht darin, dass die Mehrheit der Bevölkerung in den Kampf ein­be­zo­gen wird, wobei die Arbeiter*innenklasse an vorder­ster Front ste­hen muss. Und das deshalb, weil der Wider­spruch zwis­chen Kap­i­tal und Arbeit nicht ein­er von vie­len ist, die die kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion­sweise charak­ter­isieren, son­dern der­jenige Wider­spruch, der ihn struk­turi­ert. Da das Ver­hält­nis der Gesellschaft zum Rest der Natur durch die Pro­duk­tion ver­mit­telt wird, ist die Rev­o­lu­tion­ierung der Pro­duk­tion der Weg, über den der Stof­fwech­sel mit der Natur ratio­nal reg­uliert wer­den kann. Deshalb ist die Arbeiter*innenklasse — die wirk­lich pro­duzierende Klasse der Gesellschaft -, sofern sie eine hege­mo­ni­ale und nicht auf kor­po­ratis­tis­che Inter­essen begren­zte Poli­tik ver­fol­gt, die einzige Klasse, die ein soziales Bünd­nis ver­mit­teln kann, das angesichts der Katas­tro­phe, in die der Kap­i­tal­is­mus uns führt, die “Not­bremse” ziehen kann.

In diesem Sinne gibt es wichtige Beispiele für die Ein­heit zwis­chen der Umwelt­be­we­gung und Sek­toren der Arbeiter*innenklasse, wie im Falle der Werft Har­land und Wolff in Irland, in der die Titan­ic gebaut wurde. Sie wurde für bankrott erk­lärt, aber ihre Arbeiter*innen über­nah­men die Anla­gen, forderten ihre Ver­staatlichung und dass die Werft in den Dienst der Nutzung von erneuer­baren Energien gestellt werde. Ein weit­eres Beispiel sind die Aufrufe an die Gew­erkschaften, zu einem Streik für das Kli­ma aufzu­rufen, wie dies in Por­tu­gal, Deutsch­land oder Spanien geschehen ist.

Diese Ini­tia­tiv­en sind äußerst wichtig, denn auf eine zwar noch intu­itive, jedoch kor­rek­te Weise benen­nen sie das “soziale Sub­jekt”, das den Kampf für eine Alter­na­tive zur Umweltzer­störung hege­mon­isieren kann: die Arbeiter*innenklasse.

Die Notwendigkeit, dass sich die Arbeiter*innenklasse mit ihren eige­nen Forderun­gen und ihren eige­nen Kampfmeth­o­d­en (Streiks, Block­aden und Streik­posten) in die Bewe­gung inte­gri­ert, ist für die Entwick­lung der Bewe­gung von entschei­den­der Bedeu­tung. Es ist notwendig, dazu beizu­tra­gen, die Vorurteile abzubauen, die in weit­en Teilen der Arbeiter*innenklasse gegenüber der Umwelt­be­we­gung beste­hen — auch wenn diese Vorurteile angesichts ein­er Poli­tik, die im Namen der “Vertei­di­gung der Umwelt” die Arbeiter*innenklasse ver­achtet hat, indem sie sie mit den umweltzer­störerischen Bossen gle­ichge­set­zt oder sog­ar Maß­nah­men gefördert hat, die einen direk­ten Angriff auf die Lebens­be­din­gun­gen der Arbeiter*innenklasse ohne jede Alter­na­tive bedeuten, gerecht­fer­tigt scheinen mögen.

Vor allem aber ist es notwendig, sich der reak­tionären Rolle der Mehrheit der bürokratisierten Gew­erkschaften zu stellen und sie anzuprangern. Vor allem in den Sek­toren Schw­erindus­trie und Energiewirtschaft sind die Gew­erkschafts­bürokra­tien die besten Part­ner­in­nen der Kapitalist*innen. Oft­mals lehnen sie jede Form der ökol­o­gis­chen Trans­for­ma­tion — so ober­fläch­lich sie auch sein mag — mit dem Argu­ment der “Ret­tung von Arbeit­splätzen” ab. Damit ver­steck­en sie, dass sie in Wirk­lichkeit eine Poli­tik zur Ret­tung der Gewinne der Kapitalist*innen betreiben und das Schick­sal der Arbeiter*innenklasse an sprudel­nde Gewinne ihrer Bosse binden.

Angesichts des Streiks für das Kli­ma beste­ht die Hal­tung der Mehrheit der Gew­erkschaften in Europa oder den Vere­inigten Staat­en darin, sich ihm zu wider­set­zen. Selb­st in eini­gen Fällen wie in Deutsch­land, wo sie ihn dem­a­gogisch unter­stützen, weigern sie sich, ihn zu organ­isieren und zum Streik aufzu­rufen, weil er als “ille­gal” gelte. Deshalb ist es notwendig, zusam­men mit dem Impuls der bre­itesten Selb­stor­gan­i­sa­tion unter den Jugendlichen die reak­tionären Posi­tio­nen der bürokratis­chen Gew­erkschaften, die seit Jahrzehn­ten die ökol­o­gis­chen Prob­leme ignori­eren oder ver­acht­en, zu verurteilen, während sie gle­ichzeit­ig aufge­fordert wer­den müssen, zu einem Streik aufzu­rufen und ihre Organ­i­sa­tio­nen in den Dienst des Kampfes gegen die Kapitalist*innen zu stellen, die für die uns dro­hende Katas­tro­phe ver­ant­wortlich sind.

In Deutsch­land hat die Basis­gew­erkschafts­gruppe “ver.di aktiv”, welche von der Rev­o­lu­tionären Inter­na­tion­al­is­tis­chen Organ­i­sa­tion (RIO) angestoßen wird, einen Aufruf lanciert, der einen Streikaufruf der Gew­erkschaft­szen­tralen fordert. Mehr als 500 Unter­schriften von Gewerkschafter*innen aus ver­schiede­nen Branchen im ganzen Land sind dafür gesam­melt wor­den. Das ist ein kleines, aber wichtiges Zeichen für das Poten­zial dieser Poli­tik.

Ein antikapitalistisches Übergangsprogramm zur Vermeidung der Katastrophe

Angesichts ein­er völ­lig irra­tionalen Per­spek­tive, zu der uns der Kap­i­tal­is­mus führt, ist die Notwendigkeit drastis­ch­er und drin­gen­der Maß­nah­men offen­sichtlich. Aber diese kön­nen wed­er vom guten Willen der Regierun­gen der impe­ri­al­is­tis­chen Mächte abhän­gen, die haupt­säch­lich für die gegen­wär­tige Katas­tro­phe ver­ant­wortlich sind, noch von den neuen Agen­den der Großkonz­erne und der Parteien, die den “grü­nen Kap­i­tal­is­mus” fördern.

Der einzige Ausweg aus der uns dro­hen­den Katas­tro­phe beste­ht darin, die Gegen­wart und die Zukun­ft durch eine ratio­nale Pla­nung der Weltwirtschaft, oder wie Marx sagen würde, durch “die Ein­führung der Ver­nun­ft in den Bere­ich der Wirtschafts­beziehun­gen” in unsere eige­nen Hände zu nehmen. Und das wird nur möglich sein, wenn die Pla­nung der Wirtschaft in den Hän­den der einzi­gen Klasse liegt, die auf­grund ihrer objek­tiv­en Sit­u­a­tion und ihrer materiellen Inter­essen ein Inter­esse daran hat, eine Katas­tro­phe zu ver­mei­den: der Arbeiter*innenklasse.

Eine Per­spek­tive, für die wir, die Organ­i­sa­tio­nen der Trotzk­istis­chen Frak­tion — Vierte Inter­na­tionale, inner­halb der Arbeiter*innenbewegung, der Jugend und der Ökolo­giebe­we­gun­gen kämpfen. Angesichts der Farce der Klimagipfel und der Ver­sprechun­gen eines “grü­nen Kap­i­tal­is­mus” ist es notwendig, ein Über­gang­spro­gramm zu erheben, das auf eine voll­ständi­ge ratio­nale und ökol­o­gis­che Reor­gan­i­sa­tion von Pro­duk­tion, Verteilung und Kon­sum abzielt:

- Die Enteig­nung der gesamten Energiewirtschaft unter der demokratis­chen Leitung der Arbeiter*innen und der Auf­sicht von Verbraucher*innenausschüssen. Auf diese Weise kann der Energiesek­tor nach­haltig und diver­si­fiziert gestal­tet wer­den, das Frack­ing (von Gas und Öl) und andere extrak­tive Tech­niken ver­boten wer­den und die CO2-Emis­sio­nen drastisch reduziert wer­den, indem erneuer­bare und umwelt­fre­undliche Energien in Übereinkun­ft mit den lokalen Gemein­schaften entwick­elt wer­den. Gle­ichzeit­ig wür­den die wucherischen Strompreise gesenkt wer­den.

- Ver­staatlichung und tech­nol­o­gis­che Umstel­lung ohne Entschädi­gung und unter der Kon­trolle der Arbeiter*innen aller Verkehrsun­ternehmen sowie der großen Auto­mo­bilkonz­erne und Met­all ver­ar­bei­t­en­den Betriebe, um eine mas­sive Ver­ringerung der Auto­mo­bil­pro­duk­tion und des pri­vat­en Verkehrs zu erre­ichen und gle­ichzeit­ig den öffentlichen Verkehr auf allen Ebe­nen auszubauen.

- Der Kampf für sichere Arbeits­be­din­gun­gen in allen Fab­riken und Unternehmen, frei von Giften und Schad­stof­fen, im Zusam­men­wirken mit der Verkürzung der Arbeit­szeit­en und der Verteilung der Arbeit­szeit­en ohne Lohnkürzun­gen auf alle ver­füg­baren Hände als Teil eines Gesamt­plans für eine ratio­nale und ein­heitliche Reor­gan­i­sa­tion der Pro­duk­tion und Verteilung in den Hän­den der Arbeiter*innenklasse und ihrer Organ­i­sa­tio­nen.

- Die Enteig­nung von Groß­grundbe­sitz und die Agrar­reform für Klein­bauern und indi­gene Völk­er. Rauswurf impe­ri­al­is­tis­ch­er Unternehmen, Beschlagnah­mung ihrer Waren und Enteig­nung unter der Kon­trolle der Arbeiter*innen der gesamten Agrar- und Lebens­mit­tel­branche sowie des Agrar­ex­portkom­plex­es. Monopol des Außen­han­dels und Ver­staatlichung der Banken zur Finanzierung der Umstel­lung und Diver­si­fizierung des Land­wirtschafts- und Ernährungsmod­ells auf nach­haltiger und demokratis­ch­er Grund­lage. Ver­bot von Glyphosat, schrit­tweise Besei­t­i­gung von Ack­ergiften und Investi­tio­nen in die Erforschung alter­na­tiv­er Meth­o­d­en, wie unter anderem des Ökoland­baus.

- Die Aufle­gung von gut aus­ges­tat­teten Bud­gets für den Erhalt der biol­o­gis­chen Vielfalt, sowohl der Arten als auch der großen Vielfalt der Ökosys­teme des Plan­eten, unter beson­der­er Berück­sich­ti­gung der­er, die am stärk­sten gefährdet sind. Regen­er­a­tion degradiert­er Gebi­ete (Meere, Flüsse, Seen, Wälder und Felder) auf der Grund­lage pro­gres­siv­er Steuern für Großun­ternehmen.

- Das Ver­bot der umweltschädlichen offe­nen Tage­baue (Megaberg­bau), die Ver­staatlichung des tra­di­tionellen Berg­baus unter Arbeiter*innenkontrolle und seine Verknüp­fung mit der Entwick­lung ein­er Indus­trie zur Rück­gewin­nung von Min­er­alien aus Elek­tron­ikschrott, die Imple­men­tierung von “Urban Min­ing” für das Recy­cling von knap­pen Min­er­alien aus elek­tro­n­is­chen Geräten und anderen Pro­duk­ten. Rauswurf der impe­ri­al­is­tis­chen Minenge­sellschaften und Beschlagnah­mung ihres Ver­mö­gens, um den Schaden für die betrof­fe­nen Gemein­schaften zu beheben. Ver­bot der pri­vat­en Aneig­nung öffentlich­er Güter wie Wass­er.

- Die Stre­ichung der Schulden in abhängi­gen und hal­bkolo­nialen Län­dern, die eine Form des Zwangs zur Über­nahme antiökol­o­gis­ch­er neolib­eraler Anpas­sun­gen ist, sowie die Enteig­nung aller umweltschädlichen Unternehmen in periph­eren Län­dern. Es ist unvorstell­bar, die ökol­o­gis­che Krise in diesen Län­dern zu lösen, ohne die Unab­hängigkeit vom Impe­ri­al­is­mus zu erre­ichen.

- Öff­nung der Gren­zen und Schließung der Konzen­tra­tionslager für Migrant*innen angesichts des Dra­mas der Migra­tion, das das Ergeb­nis von Armut und impe­ri­al­is­tis­ch­er Plün­derung ist, aber auch in vie­len Fällen auf­grund der Kli­makrise.

- Eine radikale Poli­tik, die Abfälle ver­mei­det und recycelt. Die Anwen­dung von Fil­ter- und Reini­gung­sein­rich­tun­gen usw. reicht nicht aus. Wir brauchen eine grundle­gende indus­trielle Trans­for­ma­tion, die a pri­ori die Ver­schmutzung an der Quelle ver­mei­det. Dies bedeutet auch, dass die geplante Obsoleszenz von Kon­sumgütern been­det wird.

- Die Aufhe­bung des Geschäfts­ge­heimniss­es (das z.B. das Ver­schweigen von Schad­stof­fe­mis­sio­nen ermöglicht) und die Pflicht zur Führung öffentlich­er Reg­is­ter, in denen die ver­wen­de­ten Rohstoffe und Pro­duk­te aufge­führt sind.

Dieses Pro­gramm, zusam­men mit anderen zwin­gend notwendi­gen Maß­nah­men, ist im Rah­men des Kap­i­tal­is­mus offen­sichtlich unmöglich zu erre­ichen. Um dies zu umzuset­zen, bedarf es eine rev­o­lu­tionäre Strate­gie, die die Ver­ant­wortlichen der Katas­tro­phe entschlossen kon­fron­tiert. Die Jugendlichen, die heute auf die Straße gehen, um für “Klim­agerechtigkeit” zu kämpfen, haben die Her­aus­forderung, ihr Pro­gramm zu radikalisieren, um die einzige real­is­tis­che Per­spek­tive zur Bewäl­ti­gung der Katas­tro­phe zu bieten: den Klassenkampf voranzutreiben, um dem kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem ein Ende zu set­zen und alle Quellen der Weltwirtschaft in die Hände der Arbeiter*innenklasse zu leg­en.

Sozialismus oder Barbarei: Für eine revolutionäre und internationalistische Strategie

Viele Wissenschaftler*innen, ökol­o­gis­che Aktivist*innen, inter­na­tionale Organ­i­sa­tio­nen und selb­st große Medi­en charak­ter­isieren den gegen­wär­ti­gen Moment als einen Moment der “zivil­isatorischen Krise”, der keinen Weg zurück ken­nt und in dem nur noch die Anpas­sung an die Katas­tro­phe bleibt. Angesichts der angekündigten Katas­tro­phe sät die kap­i­tal­is­tis­che Ide­olo­gie nicht nur Angst (die sowohl die Sicher­heit­spoli­tik als auch indi­vidu­elle Lösun­gen unter der Führung kap­i­tal­is­tis­ch­er Regierun­gen und des Big Busi­ness unter­mauert), son­dern leugnet auch jede emanzi­pa­torische Per­spek­tive. Vom Kino und Fernse­hen aus erleben wir eine ständi­ges Bom­barde­ment von Dystopi­en: Es scheint ein­fach­er, sich katas­trophale, post­nuk­leare Wel­ten, außerirdis­che Inva­sio­nen und sog­ar Zom­bies vorzustellen, als eine Gesellschaft, die ratio­nal das Über­leben des Plan­eten und all sein­er Arten garantiert.

Angesichts der Aus­sicht auf eine Katas­tro­phe, die keineswegs aus­geschlossen ist, beste­ht das grundle­gende Prob­lem darin, ob die Anpas­sung in den Hän­den des Kap­i­tals oder in den Hän­den der enteigneten Mehrheit der Gesellschaft liegen wird. Aus diesem Grund bringt die ökol­o­gis­che Krise als einzige Per­spek­tive für die Ret­tung der Men­schheit und des Plan­eten erneut den Kampf für den Kom­mu­nis­mus her­vor, die Gesellschaft der freien Produzent*innen im Ein­klang mit der Natur. Es ist ein Kampf, in dem sich die Arbeiter*innenklasse als hege­mo­ni­ales Sub­jekt posi­tion­ieren muss, indem sie ökol­o­gis­che Losun­gen nicht nur als Teil des Kampfes um die Verbesserung ihrer Lebens­be­din­gun­gen begreift, son­dern auch um eine fortschrit­tliche Lösung für den vom Kap­i­tal­is­mus vor­bere­it­eten Ökozid.

Dies ist die uner­lässliche Voraus­set­zung für die Schaf­fung eines sol­i­darischen Sys­tems, das den natür­lichen Stof­fwech­sel zwis­chen Men­sch und Natur auf ratio­naler Basis wieder­her­stellt und die soziale Pro­duk­tion unter Beach­tung der natür­lichen Kreis­läufe neu organ­isiert, ohne unsere Ressourcen zu erschöpfen, und gle­ichzeit­ig Armut und soziale Ungle­ich­heit­en been­det.

Angesichts der ökol­o­gis­chen Katas­tro­phe, die uns bedro­ht, gewin­nt die von Rosa Lux­em­burg aufge­wor­fene Wahl zwis­chen “Sozial­is­mus oder Bar­barei” wieder an Bedeu­tung. Am Vor­abend des impe­ri­al­is­tis­chen Gemet­zels, das 1914 begann, warnte die große pol­nis­che Rev­o­lu­tionärin: “Wenn das Pro­le­tari­at nicht seine Klassenpflicht­en erfüllt und den Sozial­is­mus ver­wirk­licht, [ste­ht] uns allen zusam­men der Unter­gang bevor.” Für Lux­em­burg war der Sozial­is­mus kein von der Geschichte vorgegebenes Schick­sal; das einzige “Unver­mei­dliche” war der Zusam­men­bruch und die Katas­tro­phen, zu denen der Kap­i­tal­is­mus führen würde, sollte die Arbeiter*innenklasse dies nicht zu ver­hin­dern wis­sen.

In unserem Jahrhun­dert erlan­gen die Bedin­gun­gen der Ära der Krisen, Kriege und Rev­o­lu­tio­nen neue Aktu­al­ität und kon­fron­tieren die Arbeiter*innenklasse und die Völk­er der Welt nicht nur mit der Bar­barei von Krieg und Elend, son­dern auch mit Umweltkatas­tro­phen und der möglichen Zer­störung des Plan­eten. Ein wirk­lich ökol­o­gis­ches Pro­jekt, das sich der ökol­o­gis­chen Krise stellt, zu der uns der Kap­i­tal­is­mus führt, kann nur erfol­gre­ich sein, wenn es kom­mu­nis­tisch ist und die Arbeiter*innenklasse, mit allen Sek­toren der bre­it­en Massen ver­bün­det, sich sub­jek­tiv bere­it macht, die Avant­garde zu sein, es auf dem Wege des rev­o­lu­tionären Kampfes gegen den Wider­stand der Kapitalist*innen durchzuset­zen.

* * *

Die Trotzk­istis­che Frak­tion für die Vierte Inter­na­tionale (FT-CI, nach ihrer Abkürzung im Spanis­chen) ist eine inter­na­tionale rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tion, welche das inter­na­tionale Net­zw­erk von Tageszeitun­gen “La Izquier­da Diario” in zwölf Län­dern und auf acht Sprachen vorantreibt. Ihr gehören an:

ARGENTINIEN: Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbeiter*innen (PTS) / BRASILIEN: Bewe­gung Rev­o­lu­tionär­er Arbeiter*innen (MRT) / CHILE: Partei Rev­o­lu­tionär­er Arbeiter*innen (PTR) / MEXIKO: Bewe­gung der Sozial­is­tis­chen Arbeiter*innen (MTS) / BOLIVIEN: Rev­o­lu­tionäre Arbeiter*innenliga (LOR-CI) / SPANISCHER STAAT: Rev­o­lu­tionäre Strö­mung der Arbeiter*innen (CRT) / FRANKREICH: Rev­o­lu­tionär-Kom­mu­nis­tis­che Strö­mung (CCR), die Teil der Neuen Antikap­i­tal­is­tis­chen Partei (NPA) ist / DEUTSCHLAND: Rev­o­lu­tionäre Inter­na­tion­al­is­tis­che Organ­i­sa­tion (RIO) / VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA: Genoss*innen von “Left Voice” / VENEZUELA: Arbeiter*innenliga für den Sozial­is­mus (LTS) / URUGUAY: Strö­mung Sozial­is­tis­ch­er Arbeiter*innen (CTS) / Sym­pa­thisierende Organ­i­sa­tio­nen: ITALIEN: Rev­o­lu­tionäre Inter­na­tion­al­is­tis­che Frak­tion (FIR) / PERU: Sozial­is­tis­che Strö­mung der Arbeiter*innen (CST) / COSTA RICA: Sozial­is­tis­che Organ­i­sa­tion (OS)

One thought on “20.9.: Der Kapitalismus zerstört den Planeten, lasst uns den Kapitalismus zerstören

  1. Andreas Waibel sagt:

    Diese “Erk­lärung” bestätigt in ihrer Ober­fläch­lichkeit und ihrer plat­ten Über­tra­gung von Glaubenssätzen auf ein neues Phänomen wie die Klimabe­we­gung alle Vorurteile, die die meis­ten Men­schen gegenüber linken, marx­is­tis­chen, sozial­is­tis­chen Analy­sen haben. Eigentlich kann man das gar nicht “Analyse” nen­nen, das ist ein plattes poli­tis­ches State­ment, das eine ide­ol­o­gis­che Leer­stelle füllen soll und doch nur deut­lich macht, wie wenig diese “Marx­is­ten” sich mit dem The­ma über­haupt befasst haben.
    Das Kap­i­tal von Karl Marx war deshalb für viele Men­schen im 19. und 20. Jahrhun­der überzeu­gend, weil es bis ins Detail dem Kap­i­tal­is­mus und allen seinen Erschei­n­un­gen auf den Grund ging. Marx hat eine unge­heure Menge an Zahlen, Fak­ten, Bericht­en von Fab­rikauf­se­hern, Wirtschafts­dat­en ver­ar­beit­et, um seine The­o­rie zu bele­gen. Und zugle­ich hat er damit ein moralis­ches Sit­ten­bild ein­er verderbten Gesellschaft und Wirtschaft geze­ich­net. Ähn­lich­es wäre nötig um die Kli­ma- und Umweltkatas­tro­phen des mod­er­nen Kap­i­tal­is­mus zu kri­tisieren. Und von ein­er solchen, sehr konkreten Kri­tik kön­nte man dann im näch­sten Schritt ein Pro­gramm, Über­gangs­forderun­gen, konkrete Maß­nah­men ableit­en, die tat­säch­lich etwas ändern wür­den und auch Res­o­nanz bei den arbei­t­en­den Men­schen find­en kön­nten. Davon ist die Erk­lärung lei­der Licht­jahre ent­fer­nt.

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