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Amazonas: Stoppen wir die räuberische Gier von Bolsonaro und den Kapitalist*innen

Die Waldbrände im Amazonas führen zu Reaktionen von Menschen in aller Welt. Die revolutionäre Linke in Brasilien stellt sich klar gegen die von Bolsonaro und der Agrarindustrie geförderten Brände, stellt sich jedoch auch gegen die Imperialist*innen. Eine Stellungnahme der Bewegung Revolutionärer Arbeiter*innen (MRT) aus Brasilien.

Amazonas: Stoppen wir die räuberische Gier von Bolsonaro und den Kapitalist*innen

Der Rauch, der ver­gan­gene Woche den Him­mel von São Paulo, sowie einen Teil der Bun­desstaat­en Mato Grosso do Sul und Pará bedeck­te, ließ es so ausse­hen, als würde es um 15 Uhr dunkel wer­den. Lei­der han­delte es sich dabei nicht um ein Natur­phänomen, son­dern um bru­tale Real­ität. Diese Real­ität ist das Ergeb­nis ein­er Raubpoli­tik, die von Bol­sonaro im Namen der Agrar­wirtschaft und des Berg­baus betrieben wird und deren Ziel es ist, alles zu zer­stören, was ihr im Weg ste­ht.

Die Dunkel­heit wurde durch die Ankun­ft ein­er Kalt­front verur­sacht, die Winde mit ein­er riesi­gen Masse an Materie brachte, die von Brän­den an der Gren­ze zwis­chen den Bun­desstaat­en Mato Grosso und Mato Grosso do Sul mit Paraguay und Bolivien stammten. Die Tat­sache erlangte schnell inter­na­tionale Bekan­ntheit und wurde zu ein­er War­nung vor dem Ver­fall der natür­lichen Ressourcen und der Umweltzer­störung, die durch die Prof­it­gi­er der Kapitalist*innen vor­angetrieben wird.

Das Phänomen ist eine direk­te Folge von Bol­sonaros Ent­wal­dungsini­tia­tiv­en. Seine Reden und Maß­nah­men zur Flex­i­bil­isierung des Umwelt­ge­set­zes befeuern die Großgrundbesitzer*innen, die vom Präsi­den­ten ange­s­pornt den Ama­zonas in Flam­men aufge­hen lassen und ihren Landbe­sitz in der gesamten Region ausweit­en. Es ist ein indi­rek­tes Ergeb­nis jahre­langer Poli­tik, in denen alle Regierun­gen, von Fer­nan­do Hen­rique Car­doso aus den 90ern bis hin zu Lula und Dil­ma der PT (Arbeiter*innenpartei), der Agrar­wirtschaft, die mehr und mehr Land für Wei­den und Sojabohnen will, Mil­liar­den gegeben haben.

Die Feuer­spur, die selb­st vom Wel­traum aus sicht­bar ist, begleit­et die Expan­sion des Agrarsek­tors und hin­ter­lässt eine Spur aus dem Blut von Ureinwohner*innen, Quilom­bo­las, den Nach­fahren ent­flo­hen­er Sklav*innen, und tra­di­tionellen Bevölkerun­gen und dez­imiert die ein­heimis­che Flo­ra und Fau­na. Die Kon­flik­t­zo­nen im Land wach­sen, während Bol­sonaro den Lan­draub durch die Großgrundbesitzer*innen unter­stützt und die Bewe­gun­gen, die für eine Agrar­reform kämpfen, krim­i­nal­isiert. Er will sog­ar den Waf­fenbe­sitz auf dem Land freigeben, damit noch mehr Anführer*innen der Bewe­gung für das Recht auf Land ermordet wer­den.

Die gle­ichen absur­den Lügen von Bol­sonaro, die wir im Bezug auf den Brand hören, find­en sich in sein­er Leug­nung des Mordes an ein­er indi­ge­nen Aktivistin bei einem Kon­flik­ts mit Minenbesitzer*innen; wir find­en sie in der wach­senden Zahl von Däm­men, die vom Zusam­men­bruch bedro­ht sind, wir sehen sie in jedem Großbau, um den Raub­bau zu befriedi­gen, wie es sie selb­st im Herzen des Ama­zonas immer mehr gibt.

Die Brände wur­den von den Grußgrundbesitzer*innen bewusst und krim­inell organ­isiert: Es gab einen “Tag des Feuers”, der von Zeitun­gen im Süd­west­en des Bun­desstaats Pará aus­gerufen und beschworen wurde, wie sog­ar die wichtige bürg­er­liche Zeitung Fol­ha de São Paulo berichtete. Die Region mit den meis­ten Brän­den liegt an der Land­straße BR-163, die den Nor­den Mato Grosso mit den Häfen von Pará verbindet. Bol­sonaro hat­te die Asphaltierung ger­ade dieser Straße beson­ders bewor­ben. Diese Infra­struk­tur­poli­tik erscheint in den Leitar­tikeln der Main­stream-Medi­en immer als eine der Errun­gen­schaften der reak­tionären Regierung.

Satel­liten­fo­to von Feuer­aus­brüchen auf der BR-163, ein­er Route für den Soja­trans­port zwis­chen den Städten von Tenente Portela (im Süden des Lan­des) und San­tarém (am Ama­zonas).

Die Bran­dro­dung ste­ht im Ein­klang mit Aus­sagen von Bol­sonaro, in denen er sagte, dass er selb­st dies tun würde. Angesichts der Katas­tro­phe jedoch warf er den NGOs vor, was die Agrarindus­trie getan hat­te.

Die Karte der Zer­störung durch das Feuer stimmt genau mit der Karte übere­in, wo der Sojabohne­nan­bau am weitesten fort­geschrit­ten ist:

Nach Angaben des brasil­ian­is­chen Nationalen Insti­tuts für Wel­traum­forschung (INPE) stiegen die Brände im ganzen Land um 82 % an im Ver­gle­ich zum gle­ichen Zeitraum im Jahr 2018. Mehr als die Hälfte dieser Aus­brüche find­et dazu noch im Ama­zonas­ge­bi­et statt. Der Bun­desstaat Mato Grosso führt die Liste mit der höch­sten Anzahl von Brän­den an (19 % der Gesamtzahl). Hier nah­men die Brände im Ver­gle­ich zum Vor­jahreszeitraum um 88 % zu. Nach Angaben des Insti­tuts wird die hohe Zahl der Brände durch die fortschre­i­t­ende Ent­wal­dung vor­angetrieben, die wiederum mit der Zunahme der Anbau­flächen für Sojabohnen ein­herge­ht.

Die Regierung von Bol­sonaro ver­suchte, die Dat­en zu ver­ber­gen, indem sie den ehe­ma­li­gen Direk­tor des INPE, Ricar­do Galvão, als Reak­tion auf die Veröf­fentlichung alarmieren­der Dat­en entließ. Die Sit­u­a­tion wurde jedoch auch vom Ref­eren­zsatel­liten AQUA_M‑T aufgeze­ich­net, der von der NASA ver­wal­tet wird. Diese veröf­fentlichte eine Studie, die besagt, dass die Anzahl der Brände von Jan­u­ar bis August 2019 die höch­ste in den let­zten fünf Jahren und dop­pelt so hoch sei wie die vom INPE veröf­fentlicht­en Dat­en. Dem­nach ver­lor der brasil­ian­is­che Ama­zonas zwis­chen 2000 und 2017 mehr Wald als die gesamte Fläche Deutsch­lands.

Die Verbindung der Interessen der Agrarindustrie mit dem Obskurantismus der extremen Rechten

Die Aus­rich­tung von Bol­sonaro auf die Agrarindus­trie und die Berg­bau­un­ternehmen ist mehr als offen­sichtlich. Seit der Amt­se­in­führung ergriff er unzäh­lige mörderische Maß­nah­men für die Umweltzer­störung und gegen die tra­di­tionelle Bevölkerung und die indi­ge­nen Völk­er. Um nur einige zu nen­nen: die Ernen­nung des (Anti-)Umweltministers Ricar­do Salles, der wegen Ver­brechen gegen die Umwelt angeklagt ist; der wahllosen Freiset­zung poten­ziell kreb­ser­re­gen­der Pes­tizide (von denen einige in anderen Län­dern ver­boten sind); der Änderung von 16 Artikeln des Forstge­set­zbuch­es, die Lizen­zen für die Zer­störung des Ama­zonas-Regen­waldes, des Cer­ra­do und des Atlantis­chen Regen­waldes “ent­bürokratisieren”; die Dele­git­imierung der alarmieren­den Dat­en über die Abholzung durch die INPE, was zur Ent­las­sung des Präsi­den­ten Ricar­do Galvão führte; die Revi­sion von 334 Naturschutzge­bi­eten; der Ver­such, Umwel­tre­ser­ven auszulöschen; dazu kommt seine Absicht, den Klein­berg­bau auf indi­gen­em Land zu legal­isieren; die Aus­set­zung von Umweltin­spek­tio­nen ohne vorherige Ankündi­gung; die Kürzung der Inter­ven­tion­s­möglichkeit des Umweltin­sti­tuts IBAMA und die Erle­ichterung von Waf­fenbe­sitz für Grundeigentümer*innen.

Diese Poli­tik der Umweltzer­störung entste­ht durch ein Zusam­men­tr­e­f­fen aus unter­schiedlichen Inter­essen. Auf der einen Seite ste­ht die unbe­gren­zte Gier der Großgrundbesitzer*innen und auf der anderen die obsku­ran­tis­tis­che und reak­tionäre Men­tal­ität der extremen Recht­en. Diese ignori­ert jegliche wis­senschaftlichen Erken­nt­nisse, leugnet die glob­ale Erwär­mung und behauptet sog­ar zum Teil, die Erde sei flach. Während seine Regierung Zer­störungs­maß­nah­men durch­führt, macht sich Bol­sonaro über die Sit­u­a­tion lustig, indem er Journalist*innen auf Fra­gen zur Umweltver­schmutzung vorschlägt, dass sie “jeden zweit­en Tag kack­en sollen, damit es bess­er wird”; er sagte außer­dem, dass Umwelt­be­wusst­sein etwas für “Veg­an­er ist, die nur Gemüse essen”. Bol­sonaro ist außer­dem Teil ein­er der obsku­ran­tis­tis­chen Gruppe, die behauptet, dass die “These” der glob­alen Erwär­mung erfun­den wurde, damit NGOs von den Kämpfen zur “Wel­tret­tung” prof­i­tieren kön­nen, und dass diese und nicht die Grundbesitzer*innen die Krim­inellen wären.

In diesem Sinne ist der antiökol­o­gis­che Diskurs von Bol­sonaro eine Erweiterung des Diskurs­es von Trump und der glob­alen extremen Recht­en, der in gle­ich­er Weise die glob­ale Erwär­mung ablehnt, Kli­maabkom­men bricht und die Umwelt­ge­set­zge­bung zugun­sten der US-amerikanis­chen Agrarindus­trie und Indus­triegi­gan­ten über­ar­beit­et.

Der Vormarsch der Agrargrenze zielt auf den Amazonas

Die Wald­brände macht­en das Aus­maß der Umweltkatas­tro­phe deut­lich, das die Poli­tik von Bol­sonaro bere­its her­vorgerufen hat. Den­noch ist es notwendig, sich mit der die Geschichte der Ausweitung der Agrar­gren­ze zu beschäfti­gen. Sie ist die Haupt­triebkraft hin­ter dieser Ver­wüs­tung und nur mit ihr lässt sich das aktuelle Sta­di­um der Umweltzer­störung ver­ste­hen.

Seit dem Beginn des Sojaan­baus in der Cer­ra­do-Savanne hat sich die land­wirtschaftlich genutzte Fläche in den 1980er und 1990er Jahren rasch bis in den Mit­tleren West­en aus­gedehnt. Der Anstieg der Rohstoff­preise in den 2000er Jahren ver­stärk­te diesen Prozess nur. Nicht ein­mal die Weite des Mit­tleren West­ens reichte aus, um den end­losen Appetit des brasil­ian­is­chen Groß­grundbe­sitzes zu stillen, der tech­nol­o­gisch und finanziell voll­ständig mit dem Impe­ri­al­is­mus und dem Finanzkap­i­tal ver­schmolzen ist, das in der brasil­ian­is­chen Land­schaft und vor allem an der Ama­zonas­gren­ze voran­schre­it­et. Im Jahr 2003, als der Kan­di­dat der Arbeiter*innenpartei PT, Lula, die Macht über­nahm, befan­den sich die großen Län­dereien auf 214,8 Mil­lio­nen Hek­tar. Zum Zeit­punkt der Amt­süber­gabe an seine Nach­fol­gerin Dil­ma Rouss­eff zählten die Groß­grundbe­sitze mit 318 Mil­lio­nen Hek­tar Land.

Angesichts der Erschöp­fung des Bodens in der zen­tralen Region des Lan­des wandten sich die Augen der Grundbesitzer*innen auf die nördliche Region und den Ama­zonas, der zur neuen Gren­ze der Expan­sion wurde. So betrug die Sojapro­duk­tion in der nördlichen Region 1990 nur 0,2 Ton­nen, im Jahr 2013 stieg sie auf 3,3 Mil­lio­nen Ton­nen an. Bis 2018 pro­duzierte allein der Bun­desstaat Tocan­tins bere­its 3,1 Mil­lio­nen Ton­nen Sojabohnen, und die nördliche Region erre­ichte bere­its 5,9 Mil­lio­nen Ton­nen.

Während der PT-Regierun­gen unter Lula und Dil­ma Rouss­eff hat­ten die großen Agrarproduzent*innen promi­nente Sprecher*innen in den Min­is­te­rien, zum Beispiel mit der ehe­ma­li­gen Präsi­dentin des Lob­byver­ban­des für Land­wirtschaft CNA, Kátia Abreu als Land­wirtschaftsmin­is­terin. Es existierten reich­lich Anre­gun­gen zum Aus­bau der Grundbe­sitze, mit der Ver­füg­barkeit enormer Finanzmit­tel, um die Reko­rdern­ten, die zur Ver­sorgung der uner­sät­tlichen chi­ne­sis­chen Märk­te bes­timmt waren, weit­er zu steigern. Während die Agrar­wirtschaft 1984 12 % des BIP aus­machte und 1993 auf 6 % gesunken war, stieg sie während der PT-Regierun­gen stark an und erre­ichte 2015 23,5 % des BIP, den gle­ichen Prozentsatz wie 2017. Daher ist das Nar­ra­tiv der PT, die sich von der Ver­ant­wor­tung für die alarmierende Eskala­tion der Ver­wüs­tung des Ama­zonas-Regen­waldes befreien will, falsch.

Ohne das Ver­ständ­nis dieser Trans­for­ma­tio­nen des Agrarsek­tors für die Dynamik der brasil­ian­is­chen Wirtschaft — die auf die poli­tis­che Ebene überge­gan­gen sind — ist es unmöglich, die Ursprünge der (Anti-)Umweltpolitik der jet­zi­gen Regierung zu lokalisieren. Diese neue Frak­tion der grundbe­sitzen­den Klasse, die aus dem Mit­tleren West­en und Paraná kommt, hat seit ihrem Bruch mit dem Pro­jekt der Klassen­ver­söh­nung der PT eine wichtige Rolle bei der Akzep­tanz des insti­tu­tionellen Putsches 2016 gespielt und ist zu einem der Pro­tag­o­nis­ten der reak­tionären Putscha­gen­da gewor­den. Sie fan­den in Bol­sonaro einen Ver­bün­de­ten für die harte Anwen­dung von Sozialkahlschlag und umwelt­feindlich­er Poli­tik.

Die Unvereinbarkeit zwischen dem Kapitalismus und vermeintlichen “grünen” Alternativen

Die Wahl von Bol­sonaro war der Tri­umph des bürg­er­lichen Pro­jek­ts der Rück­en­twick­lung des Lan­des. Wie die glob­ale Bour­geoisie haben auch die brasil­ian­is­chen Kapitalist*innen angesichts der “säku­laren Stag­na­tion” kein Wach­s­tum­spro­jekt zu bieten. Im glob­alen Kon­text hat der senile Neolib­er­al­is­mus, der auf dem Entzug von Recht­en und der Über­aus­beu­tung von Arbeiter*innen beruht, kein­er­lei Wirkung mehr. In Brasilien bedeutet dieses Pro­jekt angesichts unser­er unter­ge­ord­neten Posi­tion in der Teilung der glob­alen Arbeit als “Kornkam­mer der Welt” neben der Inten­sivierung der men­schlichen Aus­beu­tung auch die Über­nutzung der natür­lichen Ressourcen und deren Zer­störung. Im Kon­text des Han­del­skrieges und des harten nation­al­is­tis­chen Wet­tbe­werbs zwis­chen den Län­dern liegt der kom­par­a­tive Vorteil der brasil­ian­is­chen Bour­geoisie in der hohen Pro­duk­tiv­ität der Land­wirtschaft, die sie auf Kosten der Erweiterung der Grundbe­sitze in Rich­tung des Ama­zonas aus­bauen will.

Die brasil­ian­is­che Agrarindus­trie will die neuen Export­möglichkeit­en nach Chi­na nutzen. Chi­na führte Zölle auf US-amerikanis­che Sojabohnen als Gegen­maß­nahme auf die Erhe­bung von US-Zöllen auf chi­ne­sis­che Waren ein. Diese Zölle lassen die Preise der US-Sojabohnen in die Höhe schnellen. Als das US-Getrei­de teur­er wurde, erset­zte Chi­na die Importe aus den USA durch Pro­duk­te aus Brasilien. Damit wurde Brasilien zum größten Expor­teur von Sojabohnen nach Chi­na — und in die Welt. Im Jahr 2018, dem ersten Jahr des Han­del­skrieges, stiegen die brasil­ian­is­chen Exporte nach Chi­na im Ver­gle­ich zu 2017 um 35 % und führten zu ein­er pos­i­tiv­en Han­dels­bi­lanz für Brasilien von 30 Mil­liar­den US-Dol­lar. Soja war der größte Nutznießer, mit zusät­zlichen sieben Mil­liar­den Dol­lar an Exporten nach Chi­na im Ver­gle­ich zu 2017. Es ist eine Mon­strosität, dass der Ama­zonas durch den Prof­it­gi­er der Kapitalist*innen zer­stört wird, und durch Bol­sonaro, der sie begün­stigt.

In diesem Zusam­men­hang wird der Ama­zonas-Regen­wald, ein einzi­gar­tiges Erbe der biol­o­gis­chen Vielfalt der Welt, zu ein­er weit­eren Schau­platz für Stre­it­igkeit­en über kap­i­tal­is­tis­che geopoli­tis­che Inter­essen. Die Poli­tik der Umweltzer­störung von Bol­sonaro löste Reak­tio­nen aus Deutsch­land und Nor­we­gen aus, die sich durch die Kürzung des mil­liar­den­schw­eren Ama­zonas­fonds auswirk­ten, der Pro­gramme zur Überwachung und Bekämp­fung der Ent­wal­dung finanziert. Frankre­ich und Irland erk­lärten ihr Inter­esse, dass Han­delsabkom­men zwis­chen der EU und dem Mer­co­sur zu stop­pen und Macron machte die Ama­zonas-Brände zu einem The­ma auf dem G7-Gipfel in Biar­ritz. Dieses reak­tionäre Tre­f­fen der impe­ri­al­is­tis­chen Führun­gen, an dem die Regierun­gen der sieben reich­sten Län­der der Welt teil­nehmen, ver­sam­melt diejeni­gen, die am meis­ten von Ent­wal­dung und Agrobusi­ness prof­i­tieren und die die Rechte der unter­drück­ten Völk­er und Arbeiter*innen angreifen und Raubkriege in Afri­ka und dem Nahen Osten fördern.

Die Heuchelei des europäis­chen “grü­nen Impe­ri­al­is­mus” ist end­los. Das Getrei­de-Agrargeschäft in Brasilien wird voll­ständig von impe­ri­al­is­tis­chen tradern kartel­lisiert, die den Ver­trieb von trans­gen­em Saatgut, Pes­tiziden, Düngemit­teln, Silos, Logis­tik und dann deren Ver­mark­tung dominieren. Die vier Han­dels­fir­men, die das Land dominieren, sind die US-amerikanis­chen Cargill und ADM, die franzö­sis­che Drey­fuss und die nieder­ländis­che Bungee. Diese vier Unternehmen besitzen allein 80 % des Soja­han­dels in Mato Grosso, ste­hen aber in zunehmen­dem Wet­tbe­werb mit der chi­ne­sis­chen COFCA, der rus­sis­chen Sodru­jeste­vo, der japanis­chen Mit­sui und der Amag­gi-Gruppe von Blairo Mag­gi, dem ehe­ma­li­gen Gou­verneur von Mato Grosso. Diese impe­ri­al­is­tis­chen Unternehmen verkaufen Saatgut von Unternehmen mit europäis­chem Kap­i­tal, wie z.B. die deutsche Bay­er­Crop­Science, die das US-amerikanis­che Unternehmen Mon­san­to über­nom­men hat. Selb­st der ver­meintlich ökol­o­gis­che nor­wegis­che Kap­i­tal­is­mus prof­i­tiert von der brasil­ian­is­chen Ver­wüs­tung, das größte Düngemit­telun­ternehmen der Welt, das nor­wegis­che Staat­sun­ternehmen Yara, hat mehr als 25% seines Wel­tum­satzes auf dem brasil­ian­is­chen Markt.

Bol­sonaro spricht von der Vertei­di­gung der nationalen Autonomie, eine Heuchelei für eine Per­son, die als Vasall des US-Impe­ri­al­is­mus agiert und am sel­ben Tag die Pri­vatisierung von 17 staatlichen Unternehmen ankündigt. Bol­sonaro sagt, dass sich seine Regierung nicht den Aufla­gen der EU-Län­der beu­gen wird, “indi­gene Län­dereien abzu­gren­zen” und die Anwe­sen­heit aus­ländis­ch­er NGOs zu akzep­tieren.

Dieser Skan­dal und dieses Ver­brechen ereignet sich mit­ten in der lateinamerikanis­chen Kli­ma­woche in Sal­vador, im Nor­dosten des Lan­des, in der der Umwelt­min­is­ter aus­ge­buht wurde, aber auch während den Vere­in­barun­gen der UNO-Kli­makon­ferenz (COP), zu deren erk­lärten Zie­len die Kon­trolle der Luftver­schmutzung gehört und die den impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern dienen, andere Tech­nolo­gien, Waren und Dien­stleis­tun­gen anzu­bi­eten, um die Ver­schmutzun­gen durch ihre Unternehmen wie Yaras oder Bay­er-Mon­san­to abzu­mildern und daraus noch mehr Prof­it zu schla­gen.

Die bar­barischen For­men der kap­i­tal­is­tis­chen Akku­mu­la­tion im Ama­zonas­ge­bi­et und in der Cer­ra­do-Savanne nehmen mit Bol­sonaro eine viel bren­nen­dere und gewalt­tätigere Form an, obwohl sie bere­its unter den PT-Regierun­gen stat­tfand. In bei­den Fällen richtete sie sich an den impe­ri­al­is­tis­chen Prof­it. Ähn­lich katas­trophal wie die Bar­barei des Kap­i­tal­is­mus im Ama­zonas ist das Frack­ing zur Pro­duk­tion bil­li­gen Erdgas­es in Aus­tralien und den Vere­inigten Staat­en, das ganze Flüsse ent­flamm­bar und Leitungswass­er lebens­ge­fährlich macht. Genau­so wie die end­losen Smog­wolken in Chi­na und Indi­en ist der Son­nenun­ter­gang um 15.00 Uhr in São Paulo nur der Beginn von weit­eren Epi­demien und Katas­tro­phen, von der dystopis­chen Zukun­ft, die der Kap­i­tal­is­mus uns aufzwingt, wenn wir ihn nicht stop­pen.

Angesichts der impe­ri­al­is­tis­chen Heuchelei, der ungezügel­ten Bar­barei der Agrar­wirtschaft und des Berg­baus im Land, ist die völ­lige Unfähigkeit, die Fort­set­zung dieser Ver­wüs­tung im Kap­i­tal­is­mus zu ver­hin­dern, mehr als offen­sichtlich. Wieder ein­mal sind es die Sek­toren der Jugend, die diese katas­trophale Per­spek­tive, die der Kap­i­tal­is­mus ihnen aufer­legt, deut­lich­er spüren und und sich dage­gen wehren. In ver­schiede­nen Teilen der Welt sind junge Men­schen die Protagonist*innen zahlre­ich­er Demon­stra­tio­nen gegen den durch Umweltzer­störun­gen verur­sacht­en Kli­mawan­del, wie z.B. “Fri­days Fot Future” in Europa. In Brasilien ste­hen junge Men­schen auch an vorder­ster Front bei der Infragestel­lung der ver­heeren­den Poli­tik von Bol­sonaro. Es bedarf eines antikap­i­tal­is­tis­chen Pro­gramms und ein­er antikap­i­tal­is­tis­chen Strate­gie auf der Seite der Arbeiter*innenklasse, damit diese junge Gen­er­a­tion für ihre Zukun­ft kämpfen kann.

Es ist notwendig, die sofor­tige Aus­set­zung aller mil­liar­den­schw­eren Sub­ven­tio­nen an die Grundbesitzer*innen und die sofor­tige Ver­wen­dung des Geldes für die Bekämp­fung von Brän­den, für Auf­forstung und Naturschutz durchzuset­zen. Eine radikale Agrar­reform ist notwendig, um die Groß­grundbe­sitze im Land abzubauen, Land an diejeni­gen zu verteilen, die dort arbeit­en wollen, die Autonomie und Voll­ständigkeit der indi­ge­nen und quilom­bolanis­chen Län­dereien zu garantieren. Die kleinen Grund­stücke in den Städten sowie die kleinen Landbesitzer*innen auf dem Land müssen beschützt wer­den und die großen Bauern­höfe und Fab­riken unter die Kon­trolle der­er gestellt wer­den, die dort arbeit­en. Angesichts der Mil­liar­den von Dol­lar, die jährlich in Sojabohnen, Mais und Fleisch auf Kosten der Umwelt- und Men­schen­z­er­störung exportiert wer­den, ist es notwendig, eine Kam­pagne für die entschädig­nungslose Ver­staatlichung aller Han­dels­fir­men und ihrer mil­liar­den­schw­eren finanziellen, logis­tis­chen und tech­nol­o­gis­chen Ressourcen zu starten. Der staatliche Besitz dieser Unternehmen würde ein staatlich­es Monopol auf den Soja­han­del bedeuten, sodass dieser Reich­tum nicht nur ein­er Hand­voll Imperialist*innen und Grundbesitzer*innen dienen kann. Ein staatlich­es Unternehmen, das von den Arbeiter*innen kon­trol­liert wird, würde den Ein­satz der mod­ern­sten Tech­nolo­gien, die heute für Prof­it und Ver­wüs­tung ver­wen­det wer­den, für die men­schliche Entwick­lung und andere Stof­fwech­selvorgänge ermöglichen in Har­monie mit der Natur und allen tra­di­tionellen und indi­ge­nen Völk­ern. Diese Ressourcen unter der Kon­trolle der Arbeiter*innen zu stellen wür­den es ermöglichen, zusam­men mit Wissenschaftler*innen und Bevölkerungs­grup­pen der Region Forschungsin­sti­tute zu schaf­fen, um neue Beziehun­gen zwis­chen den Men­schen uter sich und der Natur zu ver­wirk­lichen.

Ein solch­es antikap­i­tal­is­tis­ches Arbeiter*innenprogramm wäre ein mächtiger Hebel, damit die Arbeiter*innen den Kampf für eine radikale Agrar­reform in ihre Hände nehmen, zusam­men mit den Bäuer*innen, den Quilom­bo­las und indi­ge­nen Völk­ern, um dieses kolo­niale und sklaven­hal­ter­ische Erbe des Groß­grundbe­sitzes zu beseit­i­gen und allen, die auf dem Land arbeit­en wollen, Land, Kred­it und Tech­nolo­gie anzu­bi­eten.

Die gegen­wär­tige Phase der kap­i­tal­is­tis­chen Entwick­lung bekräftigt den Wider­spruch zwis­chen der inneren Dynamik des Akku­mu­la­tion­sprozess­es und dem Auf­bau nach­haltiger Alter­na­tiv­en; sie erzeugt aber auch die tech­nis­chen Möglichkeit­en und das soziale Sub­jekt, das es über­winden kann: die Arbeiter*innen. Die tech­nol­o­gis­che Entwick­lung wird heute noch immer dem Aus­bau der räu­berischen Nutzung von Ressourcen unter­ge­ord­net. Der Wet­tbe­werb zwis­chen den Natio­nen ver­wan­delt den Umwelt­diskurs in Dem­a­gogie, so dass die entwick­el­ten Natio­nen, die die größten Ver­schmutzer der Welt sind, das Wach­s­tum der Entwick­lungslän­der mit Nach­haltigkeit­szie­len ein­schränken.

Die Verän­derung dieser Real­ität benötigt einen radikalen Wan­del in der Gesellschaft, in der wir leben. Es gibt keinen möglichen his­torischen Aus­gle­ich zwis­chen ein­er auf Gewinn aus­gerichteten Pro­duk­tion — deren uner­bit­tliche Dynamik die Anhäu­fung von Kap­i­tal ist — und irgen­det­was Ähn­lichem wie der rationellen und umwelt­gerecht­en Nutzung natür­lich­er Ressourcen. Nur der Auf­bau ein­er Gesellschaft, die von den Klauen des Kap­i­tals befre­it ist und somit auf der Grund­lage frei assozi­iert­er Produzent*innen wird dazu in der Lage sein, die räu­berische Aus­beu­tung der Natur, die Umweltkrise und das soziale Elend, dem wir aus­ge­set­zt sind, zu über­winden.

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