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VSG: Noch kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Die Kolleg*innen der Vivantes Service GmbH waren im Frühjahr 51 Tage im Streik. Letzte Woche Donnerstag ging ihr Arbeitskampf nun offiziell zu Ende. Das Ergebnis ist gemischt.

VSG: Noch kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Am Don­ner­stag ging Berlins läng­ster Streik seit mehr als fünf Jahren zu Ende. 51 Tage waren die Kolleg*innen der Vivantes Ser­vice GmbH (VSG) im Streik – vom 11. April bis zum 31. Mai. Jet­zt hat die Tar­ifkom­mis­sion einem Tar­ifver­trag zuges­timmt, der dem­nächst von der Gew­erkschaft und vom Unternehmen unter­schrieben wird.

Die VSG-Kolleg*innen haben im Grunde einen Streik gegen Aus­gliederung geführt. Das dür­fen sie aber nicht so aussprechen, denn laut deutschem Richter*innenrecht wäre ein solch­er Streik ein Ein­griff in die “unternehmerische Frei­heit” und damit ver­boten. Deswe­gen hieß die Kampf­pa­role: “TVöD für alle!” Der Tar­ifver­trag für den öffentlichen Dienst gilt beim Mut­terkonz­ern Vivantes. Würde man bei der Tochter­fir­ma auch Tar­i­flöhne zahlen, dann würde sich die Aus­gliederung gar nicht ren­tieren. Eine Wiedere­ingliederung würde nahe­liegen. Genau das passierte bei ein­er Tochter­fir­ma am Botanis­chen Garten Berlin, nach­dem dort Tar­i­flöhne erkämpft wur­den.

Was wurde nun bei der VSG erre­icht? Lei­der: deut­lich weniger als TVöD. Laut ein­er Mit­teilung der Gew­erkschaft ver.di soll­ten die Löhne bei der VSG kün­ftig “min­destens 90 Prozent” des TVöD-Niveaus betra­gen. Aber wie ein VSG-Kol­lege und Mit­glied der Tar­ifkom­mis­sion im Inter­view vor­rech­net, gilt diese Zahl nur für die Beschäftigten der Ster­il­i­sa­tion. Hier war die Streik­beteili­gung am Stärk­sten. In anderen Bere­ichen wer­den Beschäftigte nur 83–87 Prozent des Tar­i­flohns erhal­ten. Dazu kom­men zahlre­iche weit­ere Schlechter­stel­lun­gen bei Son­derzahlun­gen, Urlaub­sta­gen, Arbeits­be­din­gun­gen usw. usf..

“Gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit!” Das war eine Parole von unzäh­li­gen Arbeit­skämpfen in den let­zten Jahren in der Haupt­stadt. Jedes Berlin­er Lan­desun­ternehmen hat­te in den nuller Jahren Tochter­fir­men gegrün­det, um Tar­ifverträge zu umge­hen und Löhne zu drück­en. Über­all waren Belegschaften ges­pal­ten. Proteste dage­gen gab es bei angestell­ten Lehrer*innen, am Botanis­chen Garten, beim Uni­ver­sität­sklinikum Char­ité, an der BVG… Der rot-rot-grüne Sen­at hat­te in seinem Koali­tionsver­trag ver­sprochen, diese schreiende Ungerechtigkeit zu been­den und kün­ftig in lan­de­seige­nen Tochterun­ternehmen Tar­i­flöhne zu zahlen. Nur: Ein­gelöst haben sie ihr Ver­sprechen nir­gends.

Radikalisierung

Es gibt nun einen Tar­ifver­trag an der VSG, und das bedeutet rund 30 Prozent mehr Lohn für die Kolleg*innen – das ist auss­chließlich dem lan­gen Arbeit­skampf zu ver­danken. Der Streik bei der VSG war von Anfang an schwierig. Rund 70 Kolleg*innen haben den Kampf aufgenom­men. Nur bei der Ster­il­i­sa­tion kon­nte der Kranken­haus­be­trieb erhe­blich gestört wer­den. Die Geschäfts­führung set­zte hier unqual­i­fizierte Streikbrecher*innen ein, wie wir erst­mals berichtet haben, und gefährdete damit Patient*innen.

Für die ersten fünf Wochen “düm­pelte der Streik nur so dahin”. Jeden Tag gab es ein Streik­lokal an einem anderen der ins­ge­samt neun Vivantes-Kranken­häuser. Aber richtig span­nend war es nicht – neben Streikzelt, Streik­lis­ten, Essen und Kaf­fee passierte nicht viel.

Erst in der sech­sten Woche began­nen die Streik­enden mit radikaleren Aktions­for­men. Sie block­ierten die Lands­berg­er Alle – und hier kam der Streik endlich in die bürg­er­lichen Medi­en. Plöt­zlich sprachen Politiker*innen der Regierungskoali­tion darüber. Doch trotz wohlwol­len­der Worte aus den Rei­hen von SPD, Grü­nen und Linkspartei hat nie­mand die Ein­hal­tung ihres Koali­tionsver­trages ern­sthaft in Erwä­gung gezo­gen. Der Finanzse­n­a­tor, Matthias Kol­latz-Ahnen, dro­hte sog­ar offen im Fernse­hen damit, dass man im Falle von Tar­i­flöh­nen an der VSG die Dien­stleis­tun­gen an Fremd­fir­men vergeben würde. Mit anderen Worten: Die Kolleg*innen soll­ten ihre Jobs ver­lieren, wenn sie die Ein­hal­tung der Wahlver­sprechen durch­set­zen wür­den. Selb­st für einen sozialdemokratis­chen Poli­tik­er unglaublich dreist!

Deswe­gen sind die VSG-Kolleg*innen immer wieder zu den Ver­ant­wortlichen gegan­gen. Immer wieder standen sie vor Lan­desparteita­gen – beson­ders effek­tiv war, als sie den regieren­den Bürger*innenmeister Michael Müller (SPD) während seines “Emp­fangs für Arbeit­nehmer” am Abend vor dem 1. Mai umzin­gel­ten. Die Sozialdemokrat*innen mussten dann so tun, als hät­ten sie gar keine Ahnung, was in ihren Lan­desun­ternehmen so passiert.

Der Streik bekam Unter­stützung von anderen Arbeit­skämpfen: Von den stu­den­tis­chen Beschäftigten der Berlin­er Hochschulen (TVS­tud), die zur gle­ichen Zeit für einen neuen Tar­ifver­trag kämpften; von der Feuer­wehr, die eine Mah­nwache mit Feuer­tonne vor dem Roten Rathaus aufgestellt hat­te; auch von ein­er fem­i­nis­tis­chen Ver­anstal­tung für das Recht auf Abtrei­bung. Gemein­sam mit ver­schiede­nen Belegschaften gab es ein richtiges Fes­ti­val gegen Prekarisierung in Ver­ant­wor­tung des Lan­des Berlin.

Das Hauptamt

Die Forderung “TVöD für alle” war durch­set­zbar. Dass die VSG-Kolleg*innen min­destens bis zum 31. März 2021 – Lautzeit des neuen Tar­ifver­trages – Kranken­haus­beschäftigte zweit­er Klasse bleiben, war kein unver­mei­d­bares Schick­sal. Die Kolleg*innen haben ihre Entschlossen­heit unter Beweis gestellt. Die Öffentlichkeit hat­te Sym­pa­thie für ihre Forderun­gen – schließlich haben alle Men­schen ein Inter­esse daran, dass die Arbeiter*innen im Kranken­haus halb­wegs zufrieden sind.

Nur eine Kraft stand der vollen Durch­set­zung der Forderun­gen im Weg: die Bürokratie der Gew­erkschaft ver.di.

Bere­its ein Jahr davor, im Som­mer 2017, war die Char­ité Facil­i­ty Man­age­ment (CFM) im Streik. Das ist die Ser­vice­tochter des Berlin­er Uni­ver­sität­sklinikums Char­ité – CFM und VSG sind zwei sehr ähn­liche Kon­struk­tio­nen und bei­de Arbeit­skämpfe haben sehr ähn­liche Forderun­gen. Was wäre nahe­liegen­der gewe­sen als ein Zusam­men­schluss der Kämpfe? Die bei­den Tar­ifkomis­sio­nen schlu­gen gemein­same Streik­tage vor. Doch der ver.di-Vorstand, der jede Streikak­tion genehmi­gen muss, lehnte ab – ohne Begrün­dung.

Es ist ein bekan­ntes Prob­lem, dass die haup­tamtlichen Funktionär*innen der Gew­erkschaft, beson­ders in den höheren Stellen, in der Regel ein sozialdemokratis­ches Parteibuch haben. Oft fühlen sie sich dem Erfolg ihrer Parteigenoss*innen in den Regierun­gen stärk­er verpflichtet als den Inter­essen ihrer Mit­glieder.

Beim VSG-Streik war dieses Prob­lem beson­ders krass. Die ver.di-Verhandlungsführerin saß gle­ichzeit­ig im Auf­sicht­srat des Kranken­hauskonz­erns – in der Ver­gan­gen­heit hat­te sie bei Protestkundge­bun­gen darauf hingewiesen, dass die Forderun­gen finanzier­bar bleiben müssen.

Der ver.di-Apparat hat diesen Streik mit ange­zo­gen­er Hand­bremse geführt. Wichtige Gewerkschaftsfunktionär*innen ließen sich nie im Streikzelt blick­en – nicht von der Lan­desebene, von der Bun­de­sebene ganz zu schweigen. Ursprünglich wur­den die “Gestell­ten”, die bei Vivantes angestellt sind, aber ihren Dienst bei der VSG leis­ten, gar nicht zum Streik aufgerufen. Erst nach starkem Druck aus der Basis wurde der Streikaufruf auf alle VSG-Mitarbeiter*innen aus­geweit­et. Erst in der sech­sten Streik­woche wur­den Pflegekräfte zu einem Sol­i­dar­itätsstreik aufgerufen. Gle­ich 30 Kolleg*innen trat­en in den Aus­stand, was erhe­bliche Gewin­nein­bußen für Vivantes bedeutete. Was wäre passiert, wenn ver.di die Pflegekräfte und das Ser­vi­ceper­son­al zu einem gemein­samen Streik aufgerufen hätte?

Doch die ver.di-Bürokratie wollte gar nicht “TVöD für alle”. Als die selb­ster­nan­nten Meister*innen der Kom­pro­misse wollen die Bürokrat*innen vor allem ein schnelles Ergeb­nis. Das wurde beson­ders bei ein­er auf Video aufgenomme­nen Streikver­samm­lung deut­lich: Die Ver­hand­lungs­führerin ver­sucht, den Arbeit­skampf um jeden Preis zu been­den. Möglicher­weise wegen ein­er Nachricht, die kurz danach die Öffentlichkeit erre­ichte: Vivantes zahlt seinen Manager*innen absurd hohe Gehäl­ter – fast eine halbe Mil­lion Euro im Jahr für die Chefin –, und das wird vom Lan­desrech­nung­shof kri­tisiert. Das sind die gle­ichen Manager*innen, die Tar­i­flöhne für das Ser­vi­ceper­son­al “nicht finanzier­bar” nen­nen.

Doch nicht nur inner­halb der Gew­erkschafts­bürokratie besitzt die SPD eine Basis. Auch im Staat­sap­pa­rat sitzen SPD-Mit­glieder in wichti­gen Posi­tio­nen, wie in der Ver­wal­tung. Und so wusste man bes­timmt unlängst über die baldige Veröf­fentlichung Bescheid. Der Bericht des Lan­desrech­nung­shofs, der die hohen Man­age­ment-Gehäl­ter bei Vivantes kri­tisiert, hätte sicher­lich zu ein­er weit­eren Radikalisierung des Streiks geführt. Man wurde also gewarnt. Deshalb hat sich die Gew­erkschafts­führung noch ein­mal extra Mühe gegeben, den Arbeit­skampf endlich zu been­den. Eine weit­ere Eskala­tion des Streiks hätte wom­öglich unab­se­hbare Fol­gen gehabt. Auch hätte der skan­dalöse Bericht unter Umstän­den noch mehr Kolleg*innen dazu gebracht, dem Streik beizutreten. Die Gew­erkschafts­bürokratie hat­te schlichtweg Angst, endgültig die Kon­trolle über den Streik zu ver­lieren.

Was nun?

Die große Schwäche des Streiks war das anfängliche Ver­trauen in diese Gew­erkschafts­bürokratie. Es ist auch für Gew­erkschaftsmit­glieder schw­er zu glauben, dass die eigene Führung – die Vertreter*innen, die man mit seinen Mit­glieds­beiträ­gen bezahlt – den Arbeit­skampf bremst. Man möchte erst­mal glauben, dass es sich um Fehler han­delt. Erst mit der Zeit wird deut­lich, dass Sys­tem dahin­ter steckt.

Die Antwort auf diese bürokratis­che, brem­sende Führung des Streiks lautet: Streikdemokratie! An jedem Streik­tag muss es Ver­samm­lun­gen geben, die die Sit­u­a­tion des Kampfes disku­tieren und alle wesentlichen Entschei­dun­gen tre­f­fen. Beim VSG-Streik gab es auch fast jeden Tag Ver­samm­lun­gen. Die Dynamik manch­mal eher beschei­den, mit weni­gen Rede­beiträ­gen – die Selb­stor­gan­isierung muss erst erlernt wer­den.

Die Ver­mu­tung liegt nah, dass der VSG-Streik erfol­gre­ich­er gewe­sen wäre, wenn es von Anfang an radikale Aktions­for­men und eine selb­st­be­wusste Basis gegeben hätte. Doch sowas entste­ht nicht von einem Tag auf den anderen. Die Kolleg*innen braucht­en einige Wochen, um diese Sachen in der Prax­is zu ler­nen. Umso wichtiger ist es, dass diese Lehren jet­zt nicht mit dem Ende des Streiks ver­loren gehen. Der Vorschlag an die Kolleg*innen der VSG lautet, sich als Botschafter*innen zu ver­ste­hen, beim näch­sten Streik gegen Prekarisierung dabei zu sein und von ihren Erfahrun­gen zu bericht­en. So kön­nen sie dafür sor­gen, dass die näch­ste Belegschaft, die diesen Kampf aufn­immt, möglichst gle­ich zum Streikauf­takt eine Straße block­iert, um öffentliche Aufmerk­samkeit zu erre­gen, und sich nicht von der Gew­erkschafts­führung ver­rat­en und verkaufen lässt.

Schließlich hat, durch den Bericht des Lan­desrech­nung­shofs, ganz Berlin von den skan­dalösen Gehäl­tern des Vivantes-Man­age­ments erfahren. Aber wahrschein­lich haben nur wenige von dem Abbruch des Streiks erfahren. Die Streik­enden der VSG kön­nen ihre Ver­sion der Geschichte an Kolleg*innen weit­ergeben, die den Kampf eben­falls aufgenom­men haben.

Manche Kolleg*innen treten nun aus Frust aus der Gew­erkschaft aus. Diesen Frust ver­ste­hen wir total – und hal­ten diesen Schritt den­noch für einen großen Fehler. Unor­gan­isiert ist es noch schw­er­er zu kämpfen als inner­halb ein­er bürokratisierten Gew­erkschaft. Wir müssen uns in unab­hängi­gen Basis­grup­pen in ver.di organ­isieren. Wir müssen die Kämpfe gegen Prekarisierung ver­net­zen. Wir müssen unsere Führun­gen zwin­gen, die Kämpfe bis zum Ende zu führen, statt auf faule Kom­pro­misse zu set­zen. Und wir müssen das Ziel haben, die Bürokratie von ver.di zu stürzen, und die Gew­erkschaft so umzukrem­peln, dass arbei­t­ende Men­schen selb­st über ihre Arbeit­skämpfe entschei­den. Schließlich sind wir selb­st die “Expert*innen” für unsere Arbeit­splätze: Wir wis­sen, was wir brauchen, und wir wis­sen auch, wie wir den Betrieb not­falls dafür lahm­le­gen kön­nen.

Dafür müssen wir die Gew­erkschaften demokratisieren und auch inner­halb unser­er eige­nen Struk­turen demokratis­che Stan­dards durch­set­zen. In dem Sinne hal­ten wir es für einen Fehler, dass es keine Abstim­mung über den Tar­ifver­trag gab. Dafür votierte die Tar­ifkom­mis­sion, weil nicht genug Kolleg*innen an den Mit­gliederver­samm­lun­gen teil­nah­men. Das ist eine gefährliche Logik. Denn es geht nicht nur darum, dass Men­schen mit einem prekären Job im Schicht­be­trieb große Schwierigkeit­en haben kön­nen, an solchen Tre­f­fen teilzunehmen. Vor allem hat die Bürokratie in den let­zten Monat­en immer wieder gezeigt, dass sie im Zweifels­fall die Beschlüsse der Mit­glieder ignori­ert. Deswe­gen ist eine Skep­sis gegenüber solchen Ver­samm­lun­gen ver­ständlich. Doch dem ist nur zu begeg­nen, in dem Aktivist*innen der Basis (auch der Tar­ifkom­mis­sion) sehr behar­rlich für demokratis­che Prinzip­i­en ein­treten. Eine Abstim­mung wegen geringem Inter­esse abzusagen, bringt einen Teufel­skreis mit sich — näch­stes Mal gibt es dann noch weniger Inter­esse.

Der VSG-Streik war ein hal­ber Erfolg. Es gab vorher keinen Tar­ifver­trag bei der VSG. Der Streik hat zwar das ursprüngliche Ziel ver­fehlt, jedoch haben die Kolleg*innen auch vieles gewon­nen. Ein­er­seits mehr Lohn in den Taschen, aber eben auch eine wertvolle Streik­er­fahrung, von der Beschäftigte über­all noch ler­nen kön­nen. Aber es war eben auch eine halbe Nieder­lage. Die Gew­erkschafts­bürokratie hat ver­hin­dert, dass wirk­lich gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit erkämpft wurde. Die Lehre daraus ist, dass wir eine starke Organ­isierung der Basis­mit­glieder der Gew­erkschaft brauchen. Wir von Klasse Gegen Klasse wollen diese Organ­isierung mit unser­er ganzen Kraft unter­stützen.

3 thoughts on “VSG: Noch kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit

  1. Michael sagt:

    Ich war bei dem Streik dabei und habe mich eben­falls auf die Erfahrung und das Ver­trauen in die ver.di Kom­pe­tenz ver­lassen. Ich dachte ich ver­liere den Glaube in die Gerechtigkeit als ich erfahren musste, das die ver.di-Verhandlungsführerin gle­ichzeit­ig im Auf­sicht­srat des Kranken­hauskonz­erns sitzt und qua­si gegen sich selb­st streikt. Was sollte da wohl her­aus kom­men. Das kann man ruhig als genialen Schachzug von ver.di beze­ich­nen. Die eige­nen Beitrag zahlen­den genossen so zu hin­terge­hen.… einen Maulwurf ins Nest zu set­zen damit der Auf­sicht­srat des Kranken­hauskonz­erns über jeden geplanten Schritt der streik­enden Mitar­beit­er bescheid weiß und sofort Gegen­maß­nah­men ergreifen und Ver­bote aussprechen kann.…
    Wahnsin, solch tolle Unter­stützung hätte glaube ich kein einziges ver.di Mit­glied erwartet. Aber oben­drein hat die ver.di-Verhandlungsführerin sich noch — um es mit den Worten eines Bekan­nten ehemi­gen Poli­tik­ers zu sagen — ein­er Leg­ende bedi­ent um bei der let­zten Streik Ver­samm­lung zu behaupten das sie alles was möglich war her­aus holte und wir doch nun inner­halb der näch­sten Stun­den eine Entschei­dung zu tre­f­fen haben bevor die Ver­hand­lun­gen scheit­ern und wir gar­nichts erre­ichen. Und das obwohl in dem arbeitspa­pi­er ein­deutig vom Auf­sicht­srat und den Streik­enden fest­ge­hal­ten wurde das eine Bedenkzeit bis zum fol­gen­den Mon­tag erkämpft wurde. Da sich dieser Ter­min aber mit den skan­dalösen Berichter­stat­tun­gen der Medi­en über die wahnsin­ni­gen Gehäl­ter und die unver­ant­wortlichen Bonus / Prämien Zahlun­gen an zum Teil schon lange aus­geschiedene Mitar­beit­er ( natür­lich nur für die Mitar­beit­er der Tepichetage) und der Beschw­erde des Bun­desrech­nung­shofes über­schnitt, musste die ver.di-Verhandlungsführerin natür­lich im Sinne ihrer Stel­lung im Auf­sicht­srat des Kranken­hauskonz­erns Für Vivantes und nicht wie es ihr eigentlich­er Auf­trag war für die Streik­enden Kolleg*innen der Vivantes Ser­vice GmbH entschei­den den Streik zu beenden,und das ohne direk­te Zus­tim­mung der Streik­enden bere­its am Fre­itag Abend — anstatt bis Mon­tag zu warten. Warum ste­ht im obi­gen Artikel von Klasse Gegen Klasse — die uns übri­gens tausend mal bessers unter­stützt haben als ver.di!!
    Dafür tausend Dank für euch..
    Faz­it für mich als Betrof­fen­er : jet­zt erst recht. Hal­ten wir zusam­men, ler­nen weit­er erfol­gre­ich zu Streiken, und zeigen Vivantes in der näch­sten Ver­hand­lung 2021 wo der Hase lang läuft. Nur — das gelingt uns nur wenn jet­zt nicht alle aus Frust an den ver­rat von ver.di uns gegenüber jed­er seine ver.di Mit­glied­schaft aufkündigt. Denn ver.di sind wir alle!! Und nur wenn wir ger­ade jet­zt mehr wer­den sind wir für einen erfol­gre­ichen Streik und erfol­gre­iche Ver­hand­lun­gen für 100 % TVÖD in 2021 gewapp­net.
    Das kann schon ohne viel Aufwand begin­nen indem alle Kolleg*innen zu den in jedem Haus stat­tfind­en­den tre­f­fen der ver.di Arbeits/Aktiven Grup­pen gehen und sich so sol­i­darisieren und informieren.denn wir weni­gen die bis dato daran teil­nehmen kämpfen nicht für uns son­dern für euch alle. Und dort bewahrheit­et sich wieder ein­mal :viel hil­ft viel.
    Also. Nicht aufgeben son­dern weit­er kämpfen..

  2. Jerome Piepenburv sagt:

    Ein sehr schön­er, ehrlich­er und auf den Punkt gebrauchter Beitrag!!! Danke dafür!!! Schön wäre wenn es diesen öffentlich wirk­sam zu sehen gäbe. Ich per­sön­lich habe bish­er wed­er einen fer­tig ver­han­del­ten Tarif-Ver­trag in der Hand gehal­ten, noch ver­han­delte Lohn­er­höhun­gen (auch im TVöD) in etwaigen Abrech­nun­gen nachvol­lziehen kön­nen. Mein Dank richtet sich an die TK der VSG und jedem der diesem derzeit all­seit­i­gen Machen­schaften sämtlich­er Führungsstruk­turen ver­sucht etwas ent­ge­gen zu wirken. Ich hoffe für alle Beteiligten, dass wir lehrre­ich in die Zukun­ft blick­en, niemals vergessen,zusammen wieder Stark sein wer­den und den Geist und Sinn von Demokratie her­stellen kön­nen!!!

  3. Ingo Müller sagt:

    Säulen der Tar­ifkämpfe:
    ich habe vor kurzen den Artikel von KgK über den Tar­ifkampf und die Ergeb­nisse über die VSG gele­sen und habe hier zu fol­gende Über­legun­gen angestellt.

    Der Artikel beschreibt aus­führlich, den Streikt der VSG mit allen pos­i­tiv­en und neg­a­tiv­en Seit­en. Von den anfänglichen Schwierigkeit­en den Streik in der Öffentlichkeit Präsenz zu geben bis hin zum ver­legen des Streiks auf die Straße am Klinikum im Friedrichshain. Es wird auch aufgezeigt, wie schwierig es ist die Belegschaft zum mit­streiken zu bewe­gen, das Prob­lem bet­rifft zum Glück nicht nur die VSG. Er zeigte auch die Unter­stützung der VSG bei der Mah­nwache der Berlin­er Feuer­wehr „Berlin Bren­nt“ über die Beteili­gung an die Streik­maß­nah­men der Stu­den­ten in Berlin bis hin, dass die Pflegekräfte auch zum Schluß den Streikt der VSG unter­stützte.
    In den ganzen über sieben Wochen Streik habt ihr viel Unter­stützung von Außer­halb bekom­men, die Euch zur Seite standen und beim Streik aktiv mit­gemacht haben. Ich brauche nicht alle Aufzählen, dass wisst ihr am Besten.

    Unter­stützer­seit­en wur­den im Inter­net für Euch erstellt und laufen heute immer noch.
    Let­z­tendlich ist es gelun­gen einen Tar­ifver­trag für die VSG zu errin­gen, dass er nicht den Anforderun­gen und Wün­sche der Streik­enden erre­ichte ste­ht auf ein anderen Blatt.

    Jedoch muss ich sagen, dass die berechtigte Kri­tik an die Hauptver­ant­wortlichen von Ver­di mir zu ein­seit­ig erscheint.

    Es gibt eigentlich drei Säulen der Tar­i­fau­seinan­der­set­zung, und das wären:

    - Die Belegschaft mit ihrer Tar­ifkom­mis­sion
    — Die Streik­leitung, die Streikver­samm­lun­gen und der Streik an sich selb­st
    — Die Gew­erkschaft

    Diese Drei Säulen müssen gemein­sam, mit allen ihnen Mit­teln die ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen den Kampf führen. Die Stärk­ste Kraft dabei sind nicht, wie immer gedacht wird, die beru­flichen Funk­tionäre der Gew­erkschaft. Die Gew­erkschaft hat die meis­ten Erfahrung im Kampf und gibt auch Hin­weise, Vorschläge und die Richtlin­ie für diesen Kampf. Jedoch, ist die Gew­erkschaft abhängig von ihren Mit­gliedern!
    Die Gew­erkschaft ist der priv­iligierte und ein­flussre­ich­ste Akteur unter den drei Säulen.
    Dass sie die Anzahl der Streik­tage bes­timmt und genehmi­gen muss, ist ein anderes Dilem­ma.
    Hier müssen noch bürokratis­che Hin­dernisse und alte Denkweisen abge­baut wer­den.
    Diese ein­seit­ige Abhängigkeit bei Streiks zu brechen und die Belegschaft in den Mit­telpunkt zu stellen, ist sehr schwierig ABER möglich.

    Jedoch sollte die stärk­ste Kraft die Tar­ifkom­mis­sion mit Ihrer Belegschaft und die Streikver­samm­lung sowie Streik­leitung sein.. Denn sie haben das Sagen! Sie soll­ten den Hauptver­ant­wortlichen der Gew­erkschaften Beine machen und die Rich­tung zeigen, wo es lang gehen soll. Die Streikver­samm­lung stimmt eigentlich darüber ab,ob der Streik weit­erge­hen soll oder nicht.
    Man darf das Abhängigkeitsver­hält­nis der kämpfend­en Belegschaften vom haup­tamtlichen Appa­rat nicht unter­schätzen. Das ist auch der Haupt­grund, warum bei 99% der Arbeit­skamp­maß­nah­men nicht die Mit­glieder son­dern fak­tisch die Haup­tamtlichen alleine entschei­den.

    Nur dazu gehört es eben, dass eine ein­heitliche Lin­ie in der Tar­ifkom­mis­sion sowie der Streik­leitung gefahren wird und eine ständi­ge Infor­ma­tion an die Belegschaft über alle möglichen Kanäle erfol­gt. Und natür­lich gehört auch der Mut dazu, gegenüber den Hauptver­ant­wortlichen der Gew­erkschaft ein konkretes „Nein“ bzw. „wir lassen die Belegschaft darüber abstim­men“ zu sagen.
    Als all die Schweinereien seit­ens der HV von Ver­di her­auskam und die Pressemit­teilung über die erhöht­en Gehäl­ter in der let­zten Streik­woche, hat­tet Ihr die Chance gehabt mehr her­auszu­holen.

    Es gab genü­gend Stim­men die Euch sofort Hin­weise, Ratschläge und Unter­stützung ange­boten haben. Aber lei­der war hat­te es nicht genützt und die Tar­ifkom­mis­sion ging ihren eige­nen Weg. Der selb­stver­ständlich gerecht ist und die TK selb­st zu ver­ant­worten hat.

    Es gibt auch andere Beispiele, was es aus­macht wenn eine Belegschaft kon­se­quent gemein­sam mit der Streik­leitung, Tar­ifkom­mis­sion und Gew­erkschaften ihren Weg gehen. So ist z. B. Uni­ver­sität­sklinikum in Hom­burg, Saar­land, ein Ver­trag unterze­ich­net, der erst­ma­lig nach 6 Monate ( Ich wieder­hole nach 6 Monate) gekündigt wer­den kann, sollte die Klinik ver­suchen die Mitar­beit­er zu ver­arschen.

    Das heißt Konkret, der GF offen Flagge zeigen, wir lassen uns nicht ver­arschen oder erpressen.
    Alleine das Vorge­hen mit dem erkämpften Tar­ifver­trag der VSG ist mehr als verkehrt. Nach über einen hal­ben Jahr haben die VSG-ler immer noch nicht den TV in die Hände bekom­men.
    Konkret bedeutet das, dass die VSGL-ler keine Möglichkeit haben darüber abzus­tim­men ob sie den
    TV annehmen oder ablehnen, so wie es eigentlich vorge­se­hen war. Und die GF nutzt das natür­lich ganz konkret aus, in dem sie die VSG-ler vor vol­len­de­ten Tat­sachen stellt. In dem die GF ihren Mitar­beit­ern mit­teilt, dass ein Haus­tar­ifver­trag erfol­gre­ich abgeschlossen wurde ohne konkret mitzuteilen, was der Haus­tar­ifver­trag aus­sagt. Warum wurde dieser nicht als Anhang seit­ens der GF
    mit­ge­sendet? Nun kann jed­er Einzelne sich an die GF wen­den, um eine gedruck­te Aus­gabe
    des Ver­trages zu erhal­ten.

    Das bedeutet auch, dass sich alle (VSG, CFM, CZZP und Ver­di) an einen gemein­samen Tisch set­zen und über einen gemein­samen Streik­tag abstim­men! Dieser gemein­same Tisch sollte von Euch angekurbelt wer­den und anschließend Ver­di dazu ein­laden. Unter­stützer­grup­pen dazu ken­nt Ihr ja, die Euch helfen würden.Eigeninitiativen sind das A und O für die Tar­ifkämpfe.
    Und wenn Ihr einigt seit, dass Ihr eine gemein­same Aktion mit Ver­di starten wollte, z. B .
    ein gemein­samer Streik­tag, dann Ver­di dazu holen und den gemein­samen Willen bekan­nt geben
    und abstim­men. Sollte dann Ver­di dage­gen sein, gibt es für Euch immer noch die Möglichkeit beim Gew­erkschaft­srat Beschw­erde zu führen.

    „Der Gew­erkschaft­srat ist das höch­ste Organ zwis­chen den alle vier Jahre tagen­den Bun­deskon­gressen. Er bes­timmt die Ziele der Organ­i­sa­tion und kon­trol­liert die Arbeit des Bun­desvor­stands. Ihm gehören Vertreter/innen der Lan­des­bezirke und der Fach­bere­iche zu gle­ichen Teilen an. Zusät­zlich sind hier die Frauen, die jun­gen Erwach­se­nen, Senior/innen und anderen Per­so­n­en­grup­pen in ver.di repräsen­tiert. Alle Mit­glieder des Gew­erkschaft­srats arbeit­en ehre­namtlich.“ Quelle: https://www.verdi.de/ueber-uns/organisation

    Und als let­ztes Mit­tel, wäre es eine Ver­trauensfrage unter den Ver­di-Mit­glieder gegenüber euren
    Verdis­ekretär zu stellen. Ich glaube, diese Bla­m­age wäre bes­timmt für den Sekretär und Ver­di mehr
    als pein­lich.

    Gemein­same Aktio­nen kön­nen auch ohne Ver­di organ­isiert und durchge­führt wer­den, das gibt es viele Möglichkeit­en und Unter­stützer. Traut Euch ein­fach, dann wird der Kampf für Euch ein­fach­er.

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