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Von Streikenden umzingelt: VSG-Kolleg*innen überreichen Müller einen Offenen Brief

Beim traditionellen "Arbeitnehmerempfang" des Berliner Bürgermeisters Michael Müller (SPD) konfrontieren ihn die Streikenden der Vivantes Service GmbH mit einem Offenen Brief. Darin fordern sie ihn auf, sich endlich tatsächlich dafür einzusetzen, dass sie - wie ihre Kolleg*innen - nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt werden.

Von Streikenden umzingelt: VSG-Kolleg*innen überreichen Müller einen Offenen Brief

Bürg­er­meis­ter Michael Müller ist in ein hitziges Gespräch ver­wick­elt — umringt von Streik­enden der VSG (Vivantes Ser­vice GmbH). Fast wirkt es, als bräuchte er drin­gend Ver­stärkung, als er sich nach Dilek Kolat umdreht und die Gesund­heitsse­n­a­torin mit ins Gespräch holt.

Die Szene spielt sich am Vor­abend des Ersten Mai beim tra­di­tionellen “Arbeit­nehmeremp­fang” des Bürg­er­meis­ters im Roten Rathaus ab. Für diese Gele­gen­heit haben die Beschäftigten der VSG einen Offe­nen Brief ver­fasst, der Müller noch ein­mal schwarz auf weiß dar­legen soll, worum es bei ihrem Streik geht und warum sie den Sen­at in der Ver­ant­wor­tung sehen. Dort heißt es unter anderem:

Wir sind es leid, hinge­hal­ten zu wer­den — von den Arbeit­ge­bern genau­so wie von der Poli­tik, die uns ange­blich unter­stützt!

Wir kämpfen gemein­sam weit­er — TVöD für ALLE ist weit­er­hin unser Ziel!

Der Brief wurde auf der Streikver­samm­lung am 26. April beschlossen und am näch­sten Tag von allen Streik­enden per­sön­lich unter­schrieben.

Die Kolleg*innen der VSG haben allen Grund, richtig sauer zu sein. Schließlich hat die Rot-Rot-Grüne Regierung mit Müller an der Spitze bere­its 2016 ver­sprochen, sich um die Angle­ichung ihrer Löhne an den Tar­ifver­trag des öffentlichen Dien­stes zu küm­mern. Doch stattdessen mussten sie immer wieder Druck machen, um über­haupt Bewe­gung in die Ver­hand­lun­gen mit der VSG-Geschäfts­führung zu brin­gen. Aktuell sind sie seit 20 Tagen im Streik, mor­gen wer­den es drei Wochen sein.

Trotz­dem bleiben sie an diesem Abend ruhig und gefasst. Als Müller in sein­er Rede die VSG erwäh­nt, geben sich die Kolleg*innen zwar laut­stark zu erken­nen — aber es geht ihnen vor allem um das per­sön­liche Gespräch im Anschluss. Sie wün­schen sich die klare Zusage, dass Bürg­er­meis­ter und Sen­at nicht mehr die Ver­ant­wor­tung für die Prob­leme bei der Vivantes-Tochter von sich weisen.

Kaum hat Michael Müller seine Rede been­det und steigt vom Podi­um, da fan­gen ihn die Kolleg*innen auch schon ab. Der über­große Brief, den sie ihm in die Hand drück­en, ist nicht zu überse­hen. Im Gespräch gibt Müller sich wie erwartet inter­essiert und ver­ständ­nisvoll. Er wolle sich gegenüber seinem Parteigenossen und Finanzse­n­a­tor Kol­latz-Ahnen für die notwendi­ge Erhöhung des Vivantes-Bud­gets ein­set­zen. Gesund­heitsse­n­a­torin Dilek Kolat möchte sich ihrer­seits bei der VSG-Geschäfts­führung dafür stark machen, dass es ein besseres Ange­bot gibt.

Noch konkreter wird es nicht. Aber das war von diesem Anlass wahrschein­lich auch nicht zu erwarten. Ihr Ziel, nicht länger ignori­ert zu wer­den, haben die Kolleg*innen auf jeden Fall erre­icht. Bish­er hat­te sich Dilek Kolat beispiel­sweise kaum zum Arbeit­skampf geäußert — dabei sitzt sie selb­st im Auf­sicht­srat von Vivantes. Ob den war­men Worten auch Tat­en fol­gen, bleibt allerd­ings abzuwarten.

Oder wie es Andreas Hörath aus der VSG-Tar­ifkom­mis­sion for­muliert:

Von dem Gequatsche kön­nen wir uns noch nichts kaufen. Jet­zt müssen wir darauf acht­en, dass die Ver­sprechen schnell umge­set­zt wer­den. Dafür müssen wir an Müller und Kolat dran­bleiben und den Druck im Streik aufrechter­hal­ten.

Dass sie ihren Streik fort­führen, ste­ht bere­its fest — min­destens bis zum Ende der Woche und wenn nötig auch länger. An den Ver­hand­lungstisch zurück­kehren wollen sie erst, wenn die Geschäfts­führung ein sub­stantiell besseres Ange­bot vor­legt.

Mor­gen nehmen die Streik­enden an der Mai-Demon­stra­tion des DGB teil. Mittwoch und Don­ner­stag ver­legen sie ihr Streik­lokal erst nach Friedrichshain und dann ans Urban Kranken­haus in Kreuzberg. Am Fre­itag streiken sie dann gemein­sam mit den Stu­den­tis­chen Hil­f­skräften beim Aktion­stag gegen Tar­if­flucht und Prekarisierung

One thought on “Von Streikenden umzingelt: VSG-Kolleg*innen überreichen Müller einen Offenen Brief

  1. michael sagt:

    ich als betrof­fen­er arbeit­nehmer bei der vivan­testochter vsg finde es unmöglich das sich poli­tik­er ihre diäten jährlich automa­tisch erhöhen,und wir in der vsg erhal­ten nach 4 jahren die erste erhöhung von 150 € — brut­to wohlge­merkt — und nach 8 jahren noch ein­mal 70 € brutto.da sind nicht ein­mal die bis dahin gestiege­nen leben­shal­tungskosten abgedeckt,geschweige denn die steigen­den mieten ‑die unsere poli­tik auch seit jahren nicht in den griff bekommt.beides prob­leme die im koali­tionsver­trag zur schnellen lösung von allen parteien fest­gaschrieben wurden.aber das inter­essiert da oben in der poli­tik nicht.hauptsache wahlver­sprechen und dann nach mir die sin­flut…
    aber ich z.b.kann mit meinen bei­den töchtern nicht ein­mal in urlaub fahren weil ich mir das nicht leis­ten kann.
    danke dafür liebe poli­tik­er und speziel fr.kolat.hauptsache ihre taschen sind voll.

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