Was die Frauenbewegung von den Frauen von 1917 lernen kann

23.03.2017, Lesezeit 5 Min.
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Bei einer Veranstaltung in Berlin am 18.3. wurde über die aktuelle Frauenbewegung, die Frauen in der Russischen Revolution und Lehren für heute diskutiert. Im dritten und letzten Teil des Vortrags soll es um die Lehren für die Frauenbewegung heute gehen.

Im ersten und zweiten Teil haben wir uns mit den Kämpfen der Frauen und ihren Errungenschaften nach der Oktoberrevolution in der Sowjetunion beschäftigt. Was können wir daraus für heute lernen? Denn auch wir wollen ja kämpfen, “für eine Welt, in der wir sozial gleich, menschlich verschieden und vollständig frei sein werden“ (Rosa Luxemburg). Viele dieser Überlegungen stellen wir auch in einem Manifest dar, was wir als internationale Frauengruppierung Brot und Rosen geschrieben haben.

Frauen, Subjekte ihres Kampfes

Zuerst einmal sehen wir an den Erfahrungen der Frauen von 1917: Wir Frauen sind Subjekte unserer eigenen Kämpfe. Das heißt, wir Frauen können kämpfen und haben das auch schon immer getan. Wenn wir die Welt früher schon radikal verändert haben, dann können wir das wieder tun!

Unser Kampf muss dabei kollektiv sein und nicht individuell. Denn es geht uns darum, die Strukturen zu zerstören, die uns unterdrücken. Was vor 100 Jahren erreicht wurde, war nur möglich, weil es Aktionen auf der Straße gab, gemeinsam gestreikt wurde, die Menschen sich in Räten von Arbeiter*innen und Soldaten organisiert haben. Sie wären nicht so weit gekommen, wenn sie sich nur darüber Gedanken gemacht hätten, wie jede einzelne und jeder einzelne sein Leben ändern soll.

Gegen das Kapital!

Frauenunterdrückung hängt eng mit dem Kapitalismus zusammen. Wir müssen mit dem Kapitalismus aufräumen, um die Möglichkeit zu haben, uns zu befreien.
Denn die Bosse profitieren von der unbezahlten Hausarbeit der Frauen, weil sie so über eine kostenlose Fabrik in der Familie verfügen. Es ist gut für sie, uns einen geringeren Lohn zahlen zu müssen. Sie wollen unsere Klasse in Männer und Frauen spalten – ähnlich wie in Ausländerinnen und Einheimische. Sie profitieren von der Vorstellung, dass Frauen schwach und ohnmächtig sind, weil wir uns dann nicht wehren.

Deshalb müssen wir den Kapitalismus stürzen, um alle Rechte zu erlangen. Das sieht man daran, dass die Frauen nach dem Sturz des Zaren noch lange nicht die Rechte bekommen haben, die sie nach der Oktoberrevolution erlangten, als der Kapitalismus gestürzt war und die Produktionsmittel vergesellschaftet. Stattdessen mussten sie unter der Provisorischen Regierung sogar für das Wahlrecht auf die Straße gehen. Nach der Oktoberrevolution dauerte es dann nur einen Monat und ihnen eröffnete sich eine neue Welt.

Wenn der Kapitalismus gestürzt ist gibt es keine Bosse mehr, die unsere Möglichkeiten einschränken. Wir können dann wirklich beginnen, das Leben zu revolutionieren und alle Strukturen abzuschaffen, die sie errichtet haben, um weiter von unserer Arbeitskraft zu profitieren.

Rechte erkämpfen – als Schützengräben für morgen

Um zu einer Revolution zu gelangen, müssen wir heute kämpfen. Die Frauen, die die Februarrevolution losgetreten haben, wussten wie man kämpft. Das hatten sie unter anderem gelernt, als sie während des ersten Weltkrieges gegen hohe Brotpreise demonstrierten. Erst dadurch, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter gelernt hatten, sich gemeinsam zu organisieren, konnten sie eine Revolution machen. Erkämpfte Fortschritte in unseren Lebensbedingungen und Rechten sind Ausgangspunkt für unsere Kämpfe von morgen sind. Sie sind unsere Schützengräben.

Welche Bewegung brauchen wir?

Wir brauchen also eine antikapitalistische Frauenbewegung, die auf ihrem Weg zur Revolution für mehr Rechte kämpft, sich damit aber nicht zufrieden gibt.

Sie muss unabhängig von der Bourgeoisie sein und von allen Parteien, auf die diese sich stützt. Wir können nicht gemeinsam mit denen, die von unserer Ausbeutung und Unterdrückung profitieren, für unsere Befreiung kämpfen. Sie werden uns immer bremsen und verraten.

Stattdessen müssen wir auf die Kraft der Arbeiter*innen vertrauen. Wir haben 1917 gesehen und sehen es immer wieder, dass sie es sind, die durch Streiks die Wirtschaft lahmlegen können. Sie haben die Möglichkeit, das System zu stürzen, weil sie allen Reichtum schaffen. Dafür muss die Frauenbewegung vor allem eine Bewegung der Arbeiterinnen werden. Ihr Kampf gegen Prekarisierung, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, gegen Sexismus am Arbeitsplatz muss im Zentrum stehen.

Und sie muss internationalistisch sein. Der Stalinismus hat gezeigt, dass es nicht möglich ist, in einem Land zu siegen. Der Kapitalismus ist international vernetzt. Wir siegen deshalb nur gemeinsam, international.

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