Frauen und LGBTI*

Was die Frauenbewegung von den Frauen von 1917 lernen kann

Bei einer Veranstaltung in Berlin am 18.3. wurde über die aktuelle Frauenbewegung, die Frauen in der Russischen Revolution und Lehren für heute diskutiert. Im dritten und letzten Teil des Vortrags soll es um die Lehren für die Frauenbewegung heute gehen.

Was die Frauenbewegung von den Frauen von 1917 lernen kann

Im ersten und zweit­en Teil haben wir uns mit den Kämpfen der Frauen und ihren Errun­gen­schaften nach der Okto­ber­rev­o­lu­tion in der Sow­je­tu­nion beschäftigt. Was kön­nen wir daraus für heute ler­nen? Denn auch wir wollen ja kämpfen, “für eine Welt, in der wir sozial gle­ich, men­schlich ver­schieden und voll­ständig frei sein wer­den“ (Rosa Lux­em­burg). Viele dieser Über­legun­gen stellen wir auch in einem Man­i­fest dar, was wir als inter­na­tionale Frauen­grup­pierung Brot und Rosen geschrieben haben.

Frauen, Subjekte ihres Kampfes

Zuerst ein­mal sehen wir an den Erfahrun­gen der Frauen von 1917: Wir Frauen sind Sub­jek­te unser­er eige­nen Kämpfe. Das heißt, wir Frauen kön­nen kämpfen und haben das auch schon immer getan. Wenn wir die Welt früher schon radikal verän­dert haben, dann kön­nen wir das wieder tun!

Unser Kampf muss dabei kollek­tiv sein und nicht indi­vidu­ell. Denn es geht uns darum, die Struk­turen zu zer­stören, die uns unter­drück­en. Was vor 100 Jahren erre­icht wurde, war nur möglich, weil es Aktio­nen auf der Straße gab, gemein­sam gestreikt wurde, die Men­schen sich in Räten von Arbeiter*innen und Sol­dat­en organ­isiert haben. Sie wären nicht so weit gekom­men, wenn sie sich nur darüber Gedanken gemacht hät­ten, wie jede einzelne und jed­er einzelne sein Leben ändern soll.

Gegen das Kapital!

Fraue­nun­ter­drück­ung hängt eng mit dem Kap­i­tal­is­mus zusam­men. Wir müssen mit dem Kap­i­tal­is­mus aufräu­men, um die Möglichkeit zu haben, uns zu befreien.
Denn die Bosse prof­i­tieren von der unbezahlten Hausar­beit der Frauen, weil sie so über eine kosten­lose Fab­rik in der Fam­i­lie ver­fü­gen. Es ist gut für sie, uns einen gerin­geren Lohn zahlen zu müssen. Sie wollen unsere Klasse in Män­ner und Frauen spal­ten – ähn­lich wie in Aus­län­derin­nen und Ein­heimis­che. Sie prof­i­tieren von der Vorstel­lung, dass Frauen schwach und ohn­mächtig sind, weil wir uns dann nicht wehren.

Deshalb müssen wir den Kap­i­tal­is­mus stürzen, um alle Rechte zu erlan­gen. Das sieht man daran, dass die Frauen nach dem Sturz des Zaren noch lange nicht die Rechte bekom­men haben, die sie nach der Okto­ber­rev­o­lu­tion erlangten, als der Kap­i­tal­is­mus gestürzt war und die Pro­duk­tion­s­mit­tel verge­sellschaftet. Stattdessen mussten sie unter der Pro­vi­sorischen Regierung sog­ar für das Wahlrecht auf die Straße gehen. Nach der Okto­ber­rev­o­lu­tion dauerte es dann nur einen Monat und ihnen eröffnete sich eine neue Welt.

Wenn der Kap­i­tal­is­mus gestürzt ist gibt es keine Bosse mehr, die unsere Möglichkeit­en ein­schränken. Wir kön­nen dann wirk­lich begin­nen, das Leben zu rev­o­lu­tion­ieren und alle Struk­turen abzuschaf­fen, die sie errichtet haben, um weit­er von unser­er Arbeit­skraft zu prof­i­tieren.

Rechte erkämpfen — als Schützengräben für morgen

Um zu ein­er Rev­o­lu­tion zu gelan­gen, müssen wir heute kämpfen. Die Frauen, die die Feb­ru­ar­rev­o­lu­tion los­ge­treten haben, wussten wie man kämpft. Das hat­ten sie unter anderem gel­ernt, als sie während des ersten Weltkrieges gegen hohe Brot­preise demon­stri­erten. Erst dadurch, dass die Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er gel­ernt hat­ten, sich gemein­sam zu organ­isieren, kon­nten sie eine Rev­o­lu­tion machen. Erkämpfte Fortschritte in unseren Lebens­be­din­gun­gen und Recht­en sind Aus­gangspunkt für unsere Kämpfe von mor­gen sind. Sie sind unsere Schützen­gräben.

Welche Bewegung brauchen wir?

Wir brauchen also eine antikap­i­tal­is­tis­che Frauen­be­we­gung, die auf ihrem Weg zur Rev­o­lu­tion für mehr Rechte kämpft, sich damit aber nicht zufrieden gibt.

Sie muss unab­hängig von der Bour­geoisie sein und von allen Parteien, auf die diese sich stützt. Wir kön­nen nicht gemein­sam mit denen, die von unser­er Aus­beu­tung und Unter­drück­ung prof­i­tieren, für unsere Befreiung kämpfen. Sie wer­den uns immer brem­sen und ver­rat­en.

Stattdessen müssen wir auf die Kraft der Arbeiter*innen ver­trauen. Wir haben 1917 gese­hen und sehen es immer wieder, dass sie es sind, die durch Streiks die Wirtschaft lahm­le­gen kön­nen. Sie haben die Möglichkeit, das Sys­tem zu stürzen, weil sie allen Reich­tum schaf­fen. Dafür muss die Frauen­be­we­gung vor allem eine Bewe­gung der Arbei­t­erin­nen wer­den. Ihr Kampf gegen Prekarisierung, für gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit, gegen Sex­is­mus am Arbeit­splatz muss im Zen­trum ste­hen.

Und sie muss inter­na­tion­al­is­tisch sein. Der Stal­in­is­mus hat gezeigt, dass es nicht möglich ist, in einem Land zu siegen. Der Kap­i­tal­is­mus ist inter­na­tion­al ver­net­zt. Wir siegen deshalb nur gemein­sam, inter­na­tion­al.

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