Frauen und LGBTI*

#NichtEineWeniger

Geschlagen, sexuell belästigt, vom Partner ermordet – all das und noch viel mehr passiert jeden Tag Frauen auf der ganzen Welt. Und jedes Mal ist ein Mal zu viel. Daran soll der heutige Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen erinnern. Und er soll den Widerstand gegen diese Gewalt sichtbar machen.

#NichtEineWeniger

Frauen sind auf der ganzen Welt ein­er beson­deren Gewalt aus­ge­set­zt, auch in Deutsch­land. Heute ist der Inter­na­tionale Tag gegen Gewalt an Frauen, mit dem an diese Tat­sache erin­nert wer­den soll. Auf der ganzen Welt find­en deswe­gen heute Aktio­nen statt. Auch in Berlin wird zu ein­er Demon­stra­tion von Frauen, Les­ben, Inter- und Trans-Men­schen aufgerufen.

Jede dritte Frau in Deutschland wurde Opfer von Gewalt

Laut ein­er EU-Studie von 2014 wur­den 35 Prozent der Frauen in Deutsch­land seit ihrem 15. Leben­s­jahr schon ein­mal Opfer von Gewalt. Eine andere Studie gibt an, dass 13 Prozent der Frauen in Deutsch­land eine strafrechtlich rel­e­vante Form der sex­uellen Gewalt erlebt haben. Und es ist auch kein Wun­der, wenn diese Zahlen für viele über­raschend sind. Denn nach ein­er Studie von 2004 haben 37 Prozent der von kör­per­lich­er Gewalt betrof­fe­nen Frauen und 47 Prozent der von sex­ueller Gewalt betrof­fe­nen Frauen noch niemals mit einem anderen Men­schen darüber gesprochen. Diese Zahlen sind sog­ar noch höher, wenn es sich bei dem Täter um ehe­ma­lige oder aktuelle Part­ner han­delte – und das ist sehr häu­fig der Fall.

Beson­ders hart trifft es dabei mehrfach diskri­m­inierte Men­schen. Dazu zählen Trans-Frauen, aber auch Frauen, die nicht der Het­eronorm entsprechen. Schwarze Frauen erfahren darüber hin­aus noch ras­sis­tis­che Dro­hun­gen und Gewalt. Men­schen, die nicht der Geschlechterbina­rität entsprechen, oder für die das Frau­sein nur eine Fremdbeschrei­bung ist, zum Beispiel Trans-Män­ner, erfahren Gewalt, die gegen sie gerichtet ist, wegen ein­er Geschlecht­si­den­tität, die nicht cis-männlich ist. Sie entspringt aus sehr ähn­lichen Quellen wie die Gewalt gegen Frauen.

Eine andere Gruppe, die beson­ders von Gewalt betrof­fen ist, sind geflüchtete Frauen. In einem Demon­stra­tionsaufruf für den heuti­gen Tag fordern Frauen des Inter­na­tion­al Women Space deshalb unter anderem die Abschaf­fung aller Lager und die Errich­tung von Frauen­räu­men, bis dies geschehen ist. Sie fordern die Anerken­nung von geschlechtsspez­i­fis­ch­er Ver­fol­gung als Asyl­grund, einen Abschiebestopp und den Schluss von Waf­fen­ex­porten und Kriegen. Denn der Impe­ri­al­is­mus schützt die Frauen nicht, wie es impe­ri­al­is­tis­che Regierun­gen so gerne behaupten, son­dern er zwingt sie durch Über­aus­beu­tung und Kriege in miese Arbeits- und Lebensver­hält­nisse, die ursäch­lich für Flucht, Armut und Verzwei­flung sind.

Verschiedene Ebenen der Gewalt

Frauen erfahren nicht nur Gewalt in Form von kör­per­lichen und sex­uellen Über­grif­f­en – die bis hin zu Mor­den reichen –, son­dern auch sehr viel ver­steck­ter und nicht direkt in sein­er Bru­tal­ität erkennbar. All­t­ags­sex­is­mus und machis­tis­che „Kom­pli­mente“ auf der Straße gehören eben­so dazu wie Lohndiskri­m­inierung am Arbeit­splatz und der Zwang, sich für Sorgear­beit und den Haushalt ver­ant­wortlich zu fühlen und dabei noch schön zu sein. Der Staat mit seinen Abtrei­bungsver­boten und die Kapitalist*innen mit ihrer Aus­beu­tung, ihren Schön­heit­snor­men und ihrer sex­is­tis­chen Wer­bung üben eben­so Gewalt aus, wie der sprich­wörtliche Verge­waltiger im Park und der Fre­und, der sich nur nimmt, „was ihm zuste­ht“.

Gewalt dient dabei immer auch dazu, Frauen „an ihren Platz zu ver­weisen“: Sie wer­den von der Öffentlichkeit aus­geschlossen, indem sie selb­st dafür ver­ant­wortlich gemacht wer­den, nicht ange­grif­f­en zu wer­den, statt den­jeni­gen, die sie angreifen. Es wird ihnen immer wieder klargemacht, dass sie von der Gesellschaft als Objek­te ange­se­hen wer­den und es immer die Möglichkeit gibt, dass irgend­je­mand auf ihren Kör­p­er zugreifen möchte. Wehren sie sich dage­gen, wer­den sie meist nicht ernst genom­men oder ihnen wird über­haupt nicht geglaubt.

Frauen organ­isieren sich aber auch dage­gen. So demon­stri­erten Anfang Novem­ber mehr als 300.000 Men­schen im Spanis­chen Staat gegen einen rapi­den Anstieg von Mor­den an Frauen. In ganz Lateinameri­ka gehen Frauen mit dem Ruf #NiU­na­Menos (#NichtEineWeniger) auf die Straße, um gegen Gewalt zu demon­stri­eren. Und heute gibt es auch wieder in vie­len Städten der Welt die Möglichkeit, gegen Gewalt an Frauen auf die Straße zu gehen.

Dabei sollte es die Auf­gabe von klassenkämpferischen Feminist*innen sein, die Gewalt, die beson­ders Frauen der Arbeiter*innenklasse erfahren, sicht­bar zu machen und sie als Teil ihrer Klasse in den Kampf mit einzubeziehen. Eine rev­o­lu­tionäre Antwort auf die Gewalt, die vom Staat, den Kapitalist*innen und den Sex­is­ten aus­ge­ht, muss in der Selb­stor­gan­i­sa­tion aller Unter­drück­ter und ihrem gemein­samen Kampf mit der gesamten Arbeiter*innenklasse beste­hen.

One thought on “#NichtEineWeniger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.