Frauen und LGBTI*

„Kinder erziehen kannst du doch sowieso, du bist ja ‘ne Frau…“

aus dem Flug­blatt „Brand­brief“ | aus dem Flug­blatt Brot und Rosen Nr. 4 | PDF

„Kinder erziehen kannst du doch sowieso, du bist ja ‘ne Frau...“

// aus dem Flug­blatt „Brand­brief“ // aus dem Flug­blatt Brot und Rosen Nr. 4 // PDF //

Immer wieder wird man als Frau in sozialen Berufen, wie Erzieher*in, mit sex­is­tis­chen und diskri­m­inieren­den Aus­sagen kon­fron­tiert. In den Sozial- und Erziehungs­berufen, die abw­er­tend als „Frauen­berufe“ beze­ich­net wer­den, sind über 70% der Beschäftigten weib­lich. Dieses Berufs­feld ist eines der am schlecht­esten bezahlten, und gesteigert wird das noch durch den Gen­der Pay Gap, den Loh­nun­ter­schied zwis­chen Män­nern und Frauen, der etwa 23% weniger Lohn für Frauen bedeutet und immer noch 8% weniger für genau die gle­iche Arbeit. Dass Men­schen, die die gle­iche Arbeit leis­ten, gle­ich viel ver­di­enen, ist grundle­gend, um Gle­ich­berech­ti­gung zwis­chen Män­nern und Frauen herzustellen. Auch von Befris­tung und anderen prekären Arbeits­be­din­gun­gen sind die weib­lich dominierten Berufe wie Erzieher*in beson­ders betrof­fen.

In der Gesellschaft wer­den soziale Berufe her­abge­set­zt und bekom­men kaum Beach­tung. Es wirkt so, als wäre es logisch, dass Frauen Erzieher*in wer­den wollen. Viele Men­schen sind der Mei­n­ung, Frauen wäre die Fähigkeit zur Kinder­erziehung ange­boren, das sei ja selb­stver­ständlich, da sie als poten­zielle Müt­ter sowas ja kön­nen müssten. Natür­lich, dass ich kein Y‑Chromosom habe, sorgt dafür, dass ich automa­tisch eine Horde Kinder bei ihrer Entwick­lung richtig fördern kann. Und da ich das Zuhause ja auch tun würde, da man als Frau nun mal Kinder zu bekom­men hat, ist das auch über­haupt nicht schlimm, wenn der Beruf unter­bezahlt wird. Dieser Mei­n­ung waren auch die FDP-Politiker*innen, als 2012 die Drogeriekette Schleck­er Insol­venz anmeldete. Für die Kassierer*innen sollte laut Phillip Rösler eine „Anschlussver­wen­dung“ gefun­den wer­den, was bedeutet, dass die im Einzel­han­del aus­ge­bilde­ten Frauen in „Mangel­berufen“ wie Erzieher*in oder Altenpfleger*in arbeit­en soll­ten.

All das zeigt, dass die Gesellschaft Frauen nach wie vor in eine ganz bes­timmte Rich­tung drängt: Jede Frau soll sich sozial engagieren, Kinder erziehen soll für sie das Wichtig­ste sein. Und wenn ich betone, dass Kinder­erziehung zu Hause und als Beruf auch Arbeit ist – dann bin ich herz- und lieb­los. Die Freude an den Kindern soll mich für den schlecht­en Lohn mehr als kom­pen­sieren, aber dass mich das wed­er satt macht, noch meine Miete bezahlt, inter­essiert nicht. Wir dür­fen uns nicht auf die Argu­men­ta­tion ein­lassen, dass der Beruf schon Beloh­nung genug wäre. Viele sind gerne Erzieher*innen – warum sollte das aber irgen­det­was mit unserem Lohn zu tun haben?

Wir fordern faire Arbeits­be­din­gun­gen im Erzieher*innenberuf und gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit!

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