Frauen und LGBTI*

Nieder mit dem Mordparagraph 218!

Flug­blatt von der kämpferischen Frauen­grup­pierung Brot und Rosen zum Protest gegen den “Marsch für das Leben”

Nieder mit dem Mordparagraph 218!

// Flug­blatt von der kämpferischen Frauen­grup­pierung Brot und Rosen zum Protest gegen den “Marsch für das Leben” //

„Nieder mit dem Mord­para­graph 218!“, das riefen die Frauen schon in den 1920er Jahren auf ihren Demon­stra­tio­nen. Staatliche Ver­fol­gung auf­grund von Abtrei­bun­gen und heim­liche Ein­griffe unter unhy­gien­is­chen Bedin­gun­gen trieben damals tausende Frauen in Verzwei­flung, Gefäng­nisse und den Tod. Deshalb formierte sich gegen den soge­nan­nten „Mord- und Zuchthaus­para­graphen“ eine Massen­be­we­gung: Zehn­tausende gin­gen auf die Straße. Diese Bewe­gung war vor allem getra­gen von dem Aktivis­mus der Frauen der Arbeiter*innenklasse. Und das war auch kein Zufall: Es waren ja sie, die beson­ders betrof­fen waren. Sichere Abtrei­bun­gen waren für sie zu teuer, Ver­hü­tungsmit­tel auch. Ein (weit­eres) Kind zu ernähren war ihnen außer­dem oft nicht möglich, da sie es ohne­hin schon schw­er hat­ten über die Run­den zu kom­men. Der Para­graph 218, ein klares Instru­ment der Fraue­nun­ter­drück­ung, war also auch ein klares Instru­ment der Klassen­herrschaft.

Millionen sterben

Und das ist auch heute noch der Fall: Frauen* der Arbeiter*innenklasse sind auch heute beson­ders von Abtrei­bungsver­boten betrof­fen. Sie kön­nen es sich auch heute schw­er­er leis­ten, ins Aus­land zu reisen und oder das Geld für sichere heim­liche Ein­griffe aufzubrin­gen. Auch heute noch ster­ben auf der ganzen Welt Mil­lio­nen armer Frauen* bei ille­gal­isierten Abtrei­bun­gen. Wenn Reaktionär*innen heute auf die Straße gehen, um das Ver­bot der Abtrei­bung zu fordern, dann sagen sie damit, dass ihnen das „Leben“ eines Embryos mehr wert ist, als das Leben von Mil­lio­nen armer Frauen* und Frauen* der Arbeiter*innenklasse.

Und es wer­den nicht nur Cis-Frauen schwanger. Trans-Män­ner oder Men­schen, die sich nicht einem binären Geschlecht zuord­nen, wer­den auch schwanger. Sie wer­den ganz beson­ders in ihrer geschlechtlichen Iden­tität unter­drückt – und auch in Bezug auf ihre repro­duk­tiv­en Rechte. So wur­den Men­schen in Deutsch­land bis 2011 gezwun­gen, sich ster­il­isieren zu lassen, um ihren Geschlecht­sein­trag offiziell ändern zu kön­nen. Hier zeigt sich, dass Geset­ze über Schwanger­schaft auch immer etwas mit der Aufrechter­hal­tung der Geschlechterbina­rität und der damit ver­bun­de­nen geschlechtlichen Arbeit­steilung zu tun haben.

In der Tra­di­tion der Frauen, die gegen den „Schand­para­graphen“ demon­stri­ert haben, fordern wir die Abschaf­fung des Para­graph 218 und den freien und kosten­losen Zugang zu sicheren Möglichkeit­en der Abtrei­bung für alle, ohne Zwangs­ber­atun­gen, Fris­ten, Indika­tio­nen und Tabuisierung. Wir fordern den kosten­losen Zugang zu Ver­hü­tungsmit­teln und sex­uelle Aufk­lärung, ohne Sex­is­mus, Homo­pho­bie und Trans­pho­bie.

Hausarbeit vergesellschaften!

Die geschlechtliche Arbeit­steilung sorgt in unser­er Gesellschaft darüber hin­aus dafür, dass Frauen* ein­seit­ig mit den Auf­gaben der Repro­duk­tion belastet wer­den. Deshalb kann es eine wirk­lich freie Entschei­dung für oder gegen eine Schwanger­schaft nur dann geben, wenn die Kinder­erziehung und die Hausar­beit verge­sellschaftet wer­den. Nur dann gehören Fra­gen wie „Kann ich ein Kind über­haupt ernähren?“ oder „Was wird wohl mein*e Chef*in dazu sagen?“ der Veg­an­gen­heit an.

Wir müssen uns organ­isieren, um unsere Rechte gegen Angriffe zu vertei­di­gen und für ihre Erweiterung zu stre­it­en. Gegen den Sex­is­mus, auch inner­halb der Linken und der Arbeiter*innenklasse, und gegen Gewalt an Frauen* und anderen Unter­drück­ten stellen wir unsere Selb­stor­gan­i­sa­tion.

Gle­ichzeit­ig sind wir davon überzeugt, dass die voll­ständi­ge Befreiung erst im Sozial­is­mus erre­icht wer­den kann: Die Fraue­nun­ter­drück­ung ist zwar nicht erst mit dem Kap­i­tal­is­mus ent­standen, wurde aber in ihn inte­gri­ert und ist heute äußerst nüt­zlich für das Kap­i­tal. Erst in ein­er Gesellschaft, in der die Pro­duk­tion­s­mit­tel kollek­tiv ver­wal­tet wer­den, kann die Hausar­beit let­ztlich verge­sellschaftet wer­den. Erst in ein­er solchen Gesellschaft ist die materielle Basis der geschlechtlichen und sex­uellen Unter­drück­ung beseit­igt und der poli­tis­che Kampf für die endgültige Befreiung kann zu seinem Sieg geführt wer­den.

Klassenkämpferischer Feminismus

Deshalb treten wir für einen klassenkämpferischen Fem­i­nis­mus ein, der Teil ein­er rev­o­lu­tionären Bewe­gung gegen den Kap­i­tal­is­mus und für den Sozial­is­mus ist, gemein­sam mit der Arbeiter*innenklasse und allen Unter­drück­ten. Heute bedeutet das für uns konkret, dass wir – zusät­zlich zum Kampf gegen Abtrei­bungsver­bote und andere sex­is­tis­che Geset­ze – die Kämpfe und die Selb­stor­gan­isierung von Unter­drück­ten und Aus­ge­beuteten unter­stützen. Zum Beispiel, indem wir prak­tis­che Sol­i­dar­ität mit dem Kampf der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungs­di­enst leis­ten – ein Bere­ich, in dem vor allem Frauen* arbeit­en. Die Kämpfe der Arbeiter*innenklasse sind für uns von zen­traler Bedeu­tung, weil nur die Arbeiter*innen die soziale Macht haben, den Kap­i­tal­is­mus zu stürzen. Frauen*, als mächtiger Teil der Arbeiter*innenklasse, gehören in diesen Kämpfen gegen ihre Ausbeuter*innen und Unterdrücker*innen in die vorder­sten Rei­hen.

Brot und Rosen…

…war die Losung eines Streiks von 20.000 Tex­ti­lar­bei­t­erin­nen in Mass­a­chu­setts in den USA im Jahr 1912. Die kämpfend­en Frauen forderten genug für ein Leben (Brot) aber auch für ein schönes Leben (Rosen). Seit damals ste­ht sie für die Kämpfe der Arbei­t­erin­nen um ihre Befreiung. Grup­pierun­gen von kämpferischen Frauen (und LGBT*) in Argen­tinien, Mexiko, Chile, Brasilien, Bolivien und dem Spanis­chen Staat machen als Brot und Rosen (Pan y Rosas/Pão e Rosas in der jew­eili­gen Sprache) klassenkämpferische fem­i­nis­tis­che Poli­tik.

Hier in Deutsch­land geben wir (Frauen* von RIO, der Rev­o­lu­tionären Inter­na­tion­al­is­tis­chen Organ­i­sa­tion, und der rev­o­lu­tionär-kom­mu­nis­tis­chen Jugend in Grün­dung) unter dem Namen Brot und Rosen Flug­blät­ter zu fem­i­nis­tis­chen The­men her­aus, zum Beispiel zum Frauenkampf­tag, zu den Protesten gegen den soge­nan­nten „Marsch für das Leben“ oder zum Streik im Sozial- und Erziehungs­di­enst. Außer­dem ver­anstal­ten wir einen Lesekreis und Work­shops.

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