Frauen und LGBTI*

Keine Quarantäne­romantik: Patriarchale Gewalt gegen Frauen in Zeiten der Corona-Krise

In Quarantäne verschärfen sich nicht nur Klassenunterschiede, sondern auch patriarchale und sexualisierte Gewalt. Sich auch nur zwischenzeitlich aus der Situation zu begeben, durch Familie und/oder Freund*innen Unterstützung erhalten oder die Nummer einer Hotline zu wählen ist für Betroffene momentan schwierig bis unmöglich. Ein Kommentar darüber, was es im Hinblick auf diese Situation braucht und warum.

Keine Quarantäne­romantik: Patriarchale Gewalt gegen Frauen in Zeiten der Corona-Krise

Bild: Fem­i­nis­tis­che Plakate Berlin, @femplak_berlin

Momen­tan durch­leben wir eine gesamt­ge­sellschaftliche Krise: Alle Missstände und Auswirkun­gen der neolib­eralen Poli­tik der Regierun­gen haben sich durch den COVID-19 ver­schärft. Zutage tritt nicht nur eine gesund­heitliche Krise, die aufzeigt, dass durch die Spar­maß­nah­men im Gesund­heitssys­tem Leben in Gefahr gebracht wor­den sind, son­dern auch eine wirtschaftliche und soziale Krise. Viele Men­schen ver­lieren ihre Jobs, weil Betriebe schließen, wie z.B. in der Gas­tronomie, dem Touris­mus oder in der Kul­tur­branche. Viele andere müssen weit­er­hin jeden Tag zur Arbeit, wie es ger­ade der Fall in Kranken­häusern oder Fab­riken ist. In vie­len dieser Bere­iche arbeit­en Frauen in sehr prekären Sit­u­a­tio­nen. Hinzu kommt, dass die Kinder­be­treu­ung, jet­zt, wo die Schulen und Kitas geschlossen haben, über­wiegend an ihnen hän­gen bleibt. Wie soll das gehen?

Die Coronakrise wirkt sich besonders auf Frauen aus — warum?

„Wenn wir streiken, ste­ht die Welt still!“, titelt die fem­i­nis­tis­che Bewe­gung. Wie wichtig die (unbezahlte) Arbeit ist, die Frauen leis­ten, wird beson­ders in Krisen­zeit­en über­all spür­bar. Denn sie sind es, die in den Bere­ichen arbeit­en, die jet­zt nach wie vor am drin­gend­sten gebraucht wer­den: Kranken­haus, Einzel­han­del, Pflege, Betreu­ung. Es sind zudem oft­mals Migran­tinnen, die diese Sek­toren am Leben hal­ten und deren Funk­tion­ieren über­haupt erst garantieren. Weil die über­wiegend osteu­ropäis­chen Beschäftigten wegen Coro­na in ihre Heimatlän­der zurück­gekehrt sind, rech­nen Pflege­ver­bände bald mit einem enor­men Man­gel an Arbeit­skräften im Care-Bere­ich.

View this post on Insta­gram

Ab Ostern kön­nten bis zu 200.000 Men­schen nicht mehr häus­lich ver­sorgt wer­den, schätzen die Pflege­ver­bände. Grund: Viele Betreu­ungskräfte aus Osteu­ropa kehren aus Angst vor Coro­na in ihre Heimatlän­der zurück. Sie schließen aber seit Jahren die Ver­sorgungslücke an Pflegekräften in Deutsch­land — für wenig Geld, ohne Ver­trag und unter hoher Belas­tung. . So bekommt das Prob­lem mit der Care-Migra­tion eine neue Dimen­sion. Für die Pflegekräfte, die zurück­kehren, für Ange­hörige, die die Ver­sorgung sich­ern, und für Pflegebedürftige, die trotz­dem und trotz Social Dis­tanc­ing Hil­fe brauchen. Care-Migran­tinnen sind sys­tem­rel­e­vant – egal ob angestellt oder ohne Arbeitsver­trag. . KAT­A­PULT-Artikel über Care-Migra­tion in Deutsch­land ► in der Sto­ry KAT­A­PULT-Abo für weniger als 20 Euro/Jahr ► in der Bio

A post shared by Kat­a­pult Mag­a­zin (@katapultmagazin) on

Diese so sys­tem­rel­e­van­ten Bere­iche zeich­nen sich — genau so wie andere “typ­isch weib­liche Berufe” — durch beson­ders prekäre Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen aus: Sie stellen die mitunter am schlecht­esten bezahlten Berufe dar.

Außer­dem leis­ten Frauen immer noch 74 Prozent der unbezahlten Arbeit im Haushalt, in der Regel zusät­zlich zu der Lohnar­beit, der sie nachge­hen. Durch diese zusät­zliche Arbeit und die sex­is­tis­chen Gen­der Pay Gap sind sie es, die beson­ders oft in Teilzeit oder bei Leih- und Zeitar­beits­fir­men arbeit­en und in Zeit­en von Masse­nent­las­sun­gen als erste gekündigt wer­den. So kommt es, dass 70% der Ärm­sten weltweit Frauen und Mäd­chen sind. Dadurch, dass der absolute Großteil der Frauen ein­er­seits unbezahlte Arbeit im Haushalt leis­tet und ander­er­seits im bezahlten Beruf deut­lich weniger ver­di­ent als die männlichen Kol­le­gen, kommt es zu ein­er mas­siv­en finanziellen Abhängigkeit von Part­nern, der in den meis­ten Fällen die Miete etc. zahlt. In einem Gesund­heitssys­tem, das nach Prof­iten und nicht nach Bedürfnis­sen aus­gerichtet ist, geht ihre Armut mit einem erschw­erten oder sog­ar keinen Zugang zu medi­zinis­ch­er Behand­lung oder Arzneimit­teln ein­her. Um sich und ihre Fam­i­lien zu schützen, sind Men­schen, die gar nicht oder schlecht bezahlt wer­den, ein­er der Risiko­grup­pen ange­hören (Alte, Men­schen mit Vor­erkrankun­gen, …) und/oder andere pfle­gen müssen, auf genau die Güter angewiesen, mit denen momen­tan spekuliert wird: Toi­let­ten­pa­pi­er, Desin­fek­tion­s­mit­tel und Atem­schutz­masken. Diese Sit­u­a­tion führt ohne eine aus­re­ichende öffentliche Ver­sorgung und ein sta­biles, kosten­los­es Gesund­heitssys­tem zwangsläu­fig zu enormer Belas­tung, Ver­ant­wor­tung und Stress.

Im Bere­ich der Kinder­be­treu­ung zeigen sich Klasse­nun­ter­schiede: für einige Fam­i­lien bedeuten die Schulschließun­gen ein­fach nur, dass die Babysit­terin länger bleibt oder das Home­of­fice etwas anstren­gen­der wird, für andere ist der Weg­fall des Schu­lessens ein ern­stes Prob­lem. Auch für Allein­erziehende, die zum absoluten Großteil Frauen sind, ist die Betreu­ungssi­t­u­a­tion aktuell enorm belas­tend.

Für die Kinder bedeutet diese Krise einen schw­eren Ein­schnitt: wed­er raus­ge­hen noch Freund*innen tre­f­fen zu kön­nen und rund um die Uhr mit den Eltern alleine zu sein — das ist wohl für kaum ein Kind ein Traum und für manche eine echte Gefahr. Viele queere Kinder und Kinder, die aus anderen Grün­den ihren Eltern gegenüber nicht so sein kön­nen, wie sie eigentlich sind, befind­en sich nun in ein­er Sit­u­a­tion, in der sie diesen Struk­turen nahezu ungeschützt aus­ge­set­zt sind. Die Schule oder ein Sportvere­in kann für Kinder als Zuflucht­sort fungieren, ins­beson­dere wenn sie Zuhause durch ihre Eltern Gewalt erfahren.

Beson­ders betrof­fen von den Auswirkun­gen der Krise sind also Frauen und andere mar­gin­al­isierte Geschlecht­si­den­titäten. Deswe­gen brauchen wir in Zeit­en von Coro­na eine sozial­is­tisch-fem­i­nis­tis­che Kampf­per­spek­tive.

Für Betroffene von patriarchaler Gewalt eine bedrohliche Situation

Beson­ders in der jet­zi­gen Sit­u­a­tion, in der alle, die nicht zur Arbeit müssen, vom Staat gezwun­gen wer­den, zuhause zu bleiben, erhöht sich die Gefahr für Betrof­fene von häus­lich­er und patri­ar­chaler Gewalt. 2018 wur­den in Deutsch­land ins­ge­samt 140.755 Men­schen Opfer von Gewalt, die von ihren Partner*innen aus­geübt wurde. Knapp 114.393 dieser Opfer — das entspricht 81,3% von ihnen — waren weib­lich.

In vie­len Län­dern wie beispiel­sweise Ital­ien oder dem Spanis­chen Staat, aber auch Argen­tinien und Kolumbi­en wur­den bere­its Aus­gangssper­ren ver­hängt. In Deutsch­land gilt seit Son­ntag ein Kon­tak­tver­bot, d.h. „Ver­samm­lun­gen“ von mehr als zwei Per­so­n­en sind ver­boten und das Haus darf nur noch aus bes­timmten Grün­den ver­lassen wer­den. Für Betrof­fene von patri­ar­chaler Gewalt ist das eine bedrohliche Sit­u­a­tion. Dass diese ernst zu nehmen ist, zeigen Zahlen aus Chi­na, wo in sich die Zahl der Gewalt­tat­en in der Zeit der Quar­an­täne ver­dreifachte. Auch in Bericht­en von anderen Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen, wie z.B. Naturkatas­tro­phen, find­et sich stets ein Anstieg von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Es ist der finanzielle, exis­ten­zielle und psy­chis­che Druck, den solche Sit­u­a­tio­nen her­vor­rufen, der die ohne­hin schon vorhan­dene, patri­ar­chale Gewalt so ver­stärken kann, dass es auch zu mehr Fem­i­niziden kommt.

Für von Gewalt Betrof­fene ist es in Zeit­en von Social Dis­tanc­ing oder sog­ar Aus­gangssper­ren und Quar­an­täne enorm schw­er, aus den Gewalt­si­t­u­a­tio­nen zu fliehen. Denn es fehlen die soziale Struk­turen, die Ansprechpartner*innen und der Aus­tausch ohne Anwe­sen­heit des Täters. Auch Hot­lines anzu­rufen (Hil­fetele­fon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016 ) wird schw­er, wenn es keinen Ort gibt, an dem sich die Betroffene/n ohne den Täter aufhal­ten kön­nen. Für Geflüchtete und Migrant*innen ist es beson­ders schwierig, bei patri­ar­chaler Gewalt nach Hil­fe zu suchen. Viele von ihnen, wie z.B. die in der Pflege beschäftigten Osteu­ropäerin­nen, befind­en sich durch Kurz- und Zeitar­beitsver­hält­nisse in beson­ders prekären Lagen und ver­fü­gen kaum über Rechte. Wenn sie bei staatlichen Insti­tu­tio­nen wie beispiel­sweise der Polizei Unter­stützung suchen, laufen nicht wenige von ihnen Gefahr, abgeschoben zu wer­den. Zuflucht bei den eige­nen Eltern zu suchen, stellt in vie­len Fällen eben­falls keine Option dar, da sie entwed­er im Heimat­land verblieben sind oder durch eine Ansteck­ung mit dem Virus in Lebens­ge­fahr gebracht wer­den kön­nten, da sie als alte Men­schen zur Risiko­gruppe gehören.

Auch Frauen und Mäd­chen, die von der Gesellschaft behin­dert wer­den und patri­ar­chaler Gewalt betrof­fen sind, gefährdet die Kon­tak­tsperre beson­ders. Denn die Vorurteile bei staatlichen Behör­den sind so groß, dass ihnen weniger Glaub­würdigkeit ent­ge­genge­bracht wird.

Für viele Frauen sind Frauen­häuser Orte, um sich vor häus­lich­er Gewalt zu schützen. Durch den Coro­n­avirus befürcht­en diese nun jedoch eine kom­plette Über­las­tung wie die Zen­trale Infor­ma­tion­sstelle Autonomer Frauen­häuser schreibt:

„Die ohne­hin unter­fi­nanzierten und man­gel­haft aus­ges­tat­teten Frauen­häuser wer­den in abse­hbar­er Zeit an ihre Gren­zen kom­men. Der Platz­man­gel in den Frauen­häusern ver­schärft die Sit­u­a­tion zusät­zlich.“ 1

In eine eigene Woh­nung zu ziehen, um dem Gewalt­täter zu entkom­men, ist für viele Betrof­fene auf­grund der finanziellen Abhängigkeit von ihrem Part­ner keine Option. Ohne eigenes oder mit geringem eige­nen Einkom­men ist es für sie nahezu unmöglich, auf dem sowieso schon anges­pan­nten Woh­nungs­markt fündig zu wer­den, um eine gewaltvolle Beziehung ver­lassen zu kön­nen.

Doch wie kommt es überhaupt zu Gewalt an Frauen und wie können wir sie verhindern? 

Für eine tat­säch­lich Bekämp­fung der Gewalt, muss ihre Wurzel erkan­nt und ver­standen wer­den. Denn es reicht nicht, einzelne Täter im Rah­men der bürg­er­lichen Jus­tiz zu verurteilen und/oder zu hof­fen, die Gewalt würde irgend­wann aufhören.

„Diese Art von Ver­brechen mit dem Gefäng­nis zu stop­pen, ist wie das Symp­tom zu beseit­i­gen, ohne die Krankheit zu beseit­i­gen.“2

Die Wurzel der Gewalt ist das Patri­ar­chat, das eng in Verbindung mit unserem heuti­gen Wirtschaftssys­tem ste­ht: dem Kap­i­tal­is­mus. Es han­delt sich nicht um autonome Sys­teme, die unab­hängig voneinan­der in völ­lig unter­schiedlichen Bere­ichen agieren. Sie unter­stützen und ernähren sich vielmehr gegen­seit­ig, damit ihre Exis­tenz weit­er­hin gesichert bleiben kann — es entste­ht eine Art Sym­biose.

Die patri­ar­chale Ide­olo­gie hat allerd­ings his­torisch gese­hen schon vor dem Kap­i­tal­is­mus existiert, der sie dann aber umgestal­tet und ‑geformt hat. Heute lebt der Kap­i­tal­is­mus von Unter­drück­ungsmech­a­nis­men und nutzt u.a. sex­is­tis­che Diskri­m­inierung und Gewalt gegen Frauen und andere mar­gin­al­isierte Geschlecht­si­den­titäten für seine Zwecke, indem er z.B. ver­meintliche oder tat­säch­liche geschlechtliche Unter­schiede als Recht­fer­ti­gung her­anzieht, um Men­schen zu dominieren. Sex­u­al­isierte und patri­ar­chale Gewalt sind dabei nur ein Teil von ein­er Kette der Gewalt, die sich auch durch schlechtere Arbeits­be­din­gun­gen, unbezahlte Repro­duk­tion­sar­beit, Abtrei­bungsver­bote, Miss­brauch am Arbeit­splatz und psy­chis­che und physis­che Gewalt inner­halb der Fam­i­lie zeigt. Ins­ge­samt geht es um die Diszi­plin­ierung weib­lich­er Kör­p­er im Sinne des Kap­i­tal­is­mus. Um zu funk­tion­ieren ist der Kap­i­tal­is­mus angewiesen auf bil­lige oder gar unbezahlte Arbeit, wofür er sich patri­ar­chale Struk­turen zugute macht.

„Was die ver­schiede­nen For­men patri­ar­chaler Gewalt vor allem verbindet, ist, dass ihre Hin­ter­gründe und Motive einan­der ähneln: Es geht um die Kon­trolle unser­er Kör­p­er und Arbeits­fähigkeit, die Unter­drück­ung unseres Wider­stands, die Aufrechter­hal­tung eines Sta­tus Quo, der uns abw­ertet. Die Kapitalist*innen prof­i­tieren davon, weil es uns zu bil­li­gen, flex­i­blen und ver­füg­baren Arbeit­skräften macht, die mit oder ohne Lohn aus­ge­beutet wer­den kön­nen.“ 3

Trotz des sys­tem­a­tis­chen Charak­ters der Gewalt ver­sucht der Staat, sie in zweier­lei Hin­sicht zu indi­vid­u­al­isieren: auf der einen Seite ste­ht der ver­rück­te, sex­u­al­getriebene Einzeltäter, auf der anderen die indi­vidu­ell Betrof­fene, die sich durch die Instanzen kla­gen soll, um Gerechtigkeit zu erfahren. Doch wed­er der Täter noch die Betrof­fene sind unab­hängige Einzelper­so­n­en, son­dern Teil der Gewaltkette des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems. Ent­ge­gen allen Behaup­tun­gen trägt der kap­i­tal­is­tis­che Staat durch seine Insti­tu­tio­nen (Polizei, Jus­tiz, Gefäng­nisse, etc.) dazu bei, die Gewalt aufrechtzuer­hal­ten und zu repro­duzieren. Denn wenn Betrof­fene von sex­u­al­isiert­er Gewalt staatliche Hil­fe suchen, müssen sie ein­er Mauer aus Mis­strauen ent­ge­gen­treten. Es beste­ht aus Behaup­tun­gen, Frauen wür­den aus Rache Verge­wal­ti­gun­gen erfind­en, seien an ihrer Gewal­ter­fahrung selb­st schuld, wenn sie einen zu kurzen Rock getra­gen, Alko­hol getrunk­en oder sich ein­fach nicht genug gewehrt hät­ten. Der Kampf gegen patri­ar­chale Gewalt muss also ein Kampf gegen den kap­i­tal­is­tis­chen Staat sein. Denn im Kap­i­tal­is­mus wird es keine Gesellschaft ohne sex­u­al­isierte und patri­ar­chale Gewalt geben, weil es sie nicht geben kann, solange er auf ihr beruht.

Was können wir gegen all das tun?

Präven­tion von patri­ar­chaler Gewalt bedeutet, dass dafür gesorgt wird, dass Frauen die Möglichkeit haben, von ihrer Arbeit zu leben und Zugang zu Bil­dung, Gesund­heitsver­sorgung und sicheren Leben­sräu­men erhal­ten. Es geht nicht nur um vorüberge­hende Lösun­gen in der jet­zi­gen Sit­u­a­tion, son­dern um tiefe, langfristige und grund­sät­zliche gesellschaftliche Verän­derun­gen für ein Ende der Gewalt.

Deshalb fordern wir

  1. Mehr Hot­lines, auch/besonders für geflüchtete, migrantis­che, queere und behin­derte Men­schen, damit sie sich in Sit­u­a­tio­nen von patri­ar­chaler und sex­u­al­isiert­er Gewalt an diese wen­den kön­nen. Das bedeutet eine Finanzierung für pro­fes­sionelle Dol­metsch­di­en­ste und durchge­hende tele­fonis­che Erre­ich­barkeit.
  2. Mehr Frauen­häuser und kosten­los­er und aus­re­ichen­der Wohn­raum, in dem Betrof­fene gefahr­los in Quarän­täne kön­nen. Hierzu fordern wir die Enteig­nung von ohne­hin aktuell nicht benötigten Hotels, um den Bedarf an Wohn­raum für Betrof­fene von Gewalt, Geflüchtete, woh­nungslose Men­schen und alle, die Bedarf haben, zu deck­en.
  3. Die Grün­dung von demokratis­chen, selb­stor­gan­isierten Frauenkomi­tees in Betrieben und in der Nach­barschaft, um eine kollek­tive Ver­ant­wor­tung zu übernehmen, funk­tion­ieren­den Selb­stschutz aufzubauen und Forderun­gen durchzuset­zen. Der Staat und das Jus­tizsys­tem bieten für Betrof­fene von Gewalt keine Lösung.
  4. Die Betrof­fe­nen wer­den nicht ernst genom­men und für ihre Gewal­ter­fahrung selb­st ver­ant­wortlich gemacht, wodurch ihnen Gerechtigkeit sys­tem­a­tisch ver­wehrt wird. Wir fordern ein funk­tion­ieren­des Jus­tizsys­tem für Betrof­fene von patri­ar­chaler und sex­u­al­isiert­er Gewalt.
  5. Angemessene Arbeits­maß­nah­men in Zeit­en der Coro­na-Krise und darüber hin­aus: Während der Zeit der Coro­n­akrise ein kom­plettes Kündi­gungsver­bot, gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit und bezahlte Freis­tel­lung bei Gewal­ter­fahrung! Die Abw­er­tung von als weib­lich gele­sen­er Arbeit schafft Abhängigkeitsstruk­turen, deshalb braucht es Arbeit­szeitverkürzun­gen bei vollem Lohnaus­gle­ich!
  6. Hygiene- und Sicher­heit­skom­mis­sio­nen, Ent­fris­tun­gen und Fes­tanstel­lun­gen an allen Arbeit­splätzen!
  7. Ein Gesund­heitssys­tem im Inter­esse (der Gesund­heit) der Men­schen und nicht in dem der Unternehmen und Konz­erne: mas­sive und kosten­lose Tests, damit nur die in Quar­an­täne müssen, die zwin­gend isoliert wer­den müssen, die Erhöhung des Gesund­heits- und Sozial­bud­gets und die Ver­staatlichung des Gesund­heitssys­tems!
View this post on Insta­gram

1,85 Mio Bet­ten ste­hen in Deutsch­land derzeit leer. Wenn wir alle Men­schen in deutschen Gemein­schaft­sun­terkün­ften, aus den griechis­chen Hotspots und gewaltschutz­suchen­den Frauen* und Kindern* dort unter­brin­gen wür­den, wäre das eine Aus­las­tung von ger­ade mal 11%. Alle Men­schen haben ein Recht auf Gesund­heit und die Unversehrtheit ihres Kör­pers. Gebt die ohne­hin leer­ste­hen­den Bet­ten frei für diejeni­gen, die sie brauchen! Für die Abschaf­fung aller Gemein­schaft­sun­terkün­fte und aller Lager. Für einen effek­tiv­en Gewaltschutz vor geschlechtsspez­i­fis­ch­er Gewalt. #DaMi­gra #NoLager #gewalt­ge­gen­frauen #coro­n­avirus #coro­na

A post shared by DaMi­gra e.V. (@damigra_ev) on

Fußnoten

2. Rita Sega­to, zitiert nach: Luzuria­ga Mar­tinez, Jose­fi­na / Bur­gueño, Cyn­thia Luz (2019): Patri­ar­ca­do y Cap­i­tal­is­mo. Fem­i­nis­mo, Clase y Diver­si­dad. Tres Can­tos: Akal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.