Frauen und LGBTI*

Warum der Kampf gegen Prekarisierung und Outsourcing ein feministischer Kampf ist

Outsourcing ist ein zentrales Thema, das wir Feministinnen heute aufgreifen müssen, wenn wir einen Feminismus aufbauen wollen, der sich an die Interessen der breiten Masse der Arbeiterinnen, Migrantinnen und jungen Frauen richtet, statt nur für einige wenige Frauen bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen.

Warum der Kampf gegen Prekarisierung und Outsourcing ein feministischer Kampf ist

In Berlin tut sich etwas: Seit einiger Zeit gibt es hier einen Sek­tor von Beschäfti­gen, der sich in einem „Auf­s­tand der Töchter“ gegen Aus­gliederung wehrt und nicht davor zurückschreckt, auch die poli­tisch Ver­ant­wortlichen zu kon­fron­tieren. Dazu kom­men Ini­tia­tiv­en wie „Schule in Not“, die sich gegen die Fremd­ver­gabe der Reini­gung in Neuköll­ner Schulen wehrt. Denn dieses Out­sourc­ing find­et nicht irgend­wo statt, son­dern im Ver­ant­wor­tungs­bere­ich des rot-rot-grü­nen Berlin­er Sen­ats, in den Kranken­häusern, Schulen und Hochschulen, die von diesem finanziert wer­den. Sie über­schre­it­en damit auch den engen Rah­men der Kämpfe, die von der Gew­erkschafts­bürokratie als angemessen gel­ten.

Bei ihrem Kampf und beim Kampf gegen Out­sourc­ing all­ge­mein han­delt es sich vor allem auch um eine fem­i­nis­tis­che Frage. Das wis­sen die Kolleg*innen auch: So beteiligten sich auch Beschäftigte der CPPZ, die gegen das Out­sourc­ing in Kranken­haus kämpften, am Frauen*streik 2019. Es gelang ihnen damit ein wichtiger Schritt: Sie stell­ten ihren Arbeit­skampf in den Kon­text der derzeit­i­gen inter­na­tionalen Welle der Frauen­be­we­gung.

Woher kommen diese Kämpfe?

Frauen ver­di­enen in Deutsch­land immer noch im Schnitt 21 Prozent weniger als Män­ner – mit so weitre­ichen­den Fol­gen wir ein­er krassen Renten­lücke von fast 50 Prozent, prekären Lebenssi­t­u­a­tio­nen und Abhängigkeit vom meist besserver­di­enen­den Part­ner.

Das Weltwirtschafts­fo­rum meint let­ztes Jahr aus­gerech­net zu haben, dass es noch ca. 200 Jahre dauern würde, bis die Lohn­lücke weltweit geschlossen ist – als ob es sich um einen gradu­ellen Prozess han­delte, in dem es wed­er Sprünge nach vorne oder nach hin­ten gäbe und der nach und nach die Ungle­ich­be­hand­lung von Frauen beseit­i­gen würde.

Dabei ist genau das Gegen­teil der Fall: Im Kap­i­tal­is­mus ist diese Ungle­ich­be­hand­lung tief in den Struk­turen der Gesellschaft und des ökonomis­chen Sys­tems ver­ankert. Alle Fortschritte, die wir machen, bekom­men wir in diesem Sys­tem nicht geschenkt, son­dern müssen wir erkämpfen. Und wenn wir uns nicht mehr mit schlechteren Löh­nen für Frauen zufrieden geben wollen, dann müssen wir gegen die Mech­a­nis­men kämpfen, die diese immer wieder erzeu­gen.

Dazu gehört, dass Frauen für die unbezahlte Hausar­beit ver­ant­wortlich gemacht wer­den und dass sie eher in soge­nan­nter atyp­is­ch­er Beschäf­ti­gung arbeit­en (Teilzeitar­beit und ger­ingfügige Beschäf­ti­gung, Lei­har­beit, Befris­tung) — bess­er auch prekäre Beschäf­ti­gung genan­nt (zu der auch noch weit­ere Arbeitsver­hält­nisse hinzukom­men). Im Jahr 2017 hat­ten 30,5 Prozent der erwerb­stäti­gen Frauen einen solchen Job – und nur 12,2 Prozent der Män­ner.

Und vor allem migrantis­che Frauen sind davon betrof­fen: Während 28,9 Prozent der Frauen mit deutschem Pass hierzu­lande atyp­isch arbeit­en, sind es 37,7 Prozent der Frauen aus EU15-Län­dern, 42,8 Prozent aus EU28-Län­dern und 48,5 Prozent aus Nicht-EU-Län­dern!

Outsourcing als zentrales Instrument

Ein zen­trales Instru­ment, um die Schlechter­be­hand­lung von Frauen und Migrant*innen durchzuset­zen, ist das Out­sourc­ing. Denn zum einen sind es ger­ade (migrantis­che) Frauen, die von Out­sourc­ing betrof­fen sind. Sie wer­den dabei viel zu oft von den bürokratis­chen Gew­erkschafts­führun­gen ignori­ert, weil es ange­blich zu schwierig wäre, sie zu organ­isieren. Sex­is­tis­che und ras­sis­tis­che Spal­tun­gen wer­den so gesellschaftlich weit­er zemen­tiert, indem ein­er­seits die schlechteren Arbeits­be­din­gun­gen für Migrant*innen und Frauen nicht ange­tastet wer­den, und ander­er­seits kein gemein­samer Kampf aller Arbeiter*innen möglich gemacht wird.

Zum anderen wer­den oft ger­ade genau die Arbeit­en aus­ge­lagert, in die Frauen hineinge­drängt wer­den, weil sie den Auf­gaben ähneln, die sie auch unbezahlt im Haushalt erledi­gen. Beispiel­sweise ist das die Reini­gung oder Sorgear­beit­en wie in Kindergärten oder der Pflege, die eigentlich erst die Grund­la­gen dafür leg­en, dass alle anderen Arbeit­en möglich wer­den. Durch sie wer­den die Men­schen und ihre Umge­bung wieder in einen Zus­tand ver­set­zt, in dem gear­beit­et wer­den kann, deshalb wird sie auch Repro­duk­tion­sar­beit genan­nt. Weil diese Arbeit als „im Prinzip unbezahlt“ ver­standen wird, ist es leichter, sie nur schlecht zu ent­lohnen – und ander­srum bleibt durch diese Abw­er­tung die Vorstel­lung beste­hen, dass Frauen dies „von Natur aus“ unent­geltlich erledi­gen.

So wie bei allen diesen For­men der Arbeit geht es let­ztlich immer darum, niedrige Löhne durchzuset­zen: Inner­halb von zehn Jahren sanken durch Out­sourc­ing beispiel­sweise in der Reini­gung die Löhne um 12 Prozent. Eine Poli­tik gegen Out­sourc­ing trifft damit eines der his­torischen The­men der Frauen­be­we­gung, die heute noch zen­tral für jede fem­i­nis­tis­che Poli­tik sein sollte, näm­lich den Kampf gegen Loh­nun­gle­ich­heit und für einen Lohn, der zum Leben reicht.

Outsourcing als feministischen Kampf aufgreifen

Out­sourc­ing ist ein zen­trales The­ma, das wir Fem­i­nistin­nen heute auf­greifen müssen, wenn wir einen Fem­i­nis­mus auf­bauen wollen, der sich an die Inter­essen der bre­it­en Masse der Arbei­t­erin­nen, Migran­tinnen und jun­gen Frauen richtet, statt nur für einige wenige Frauen bessere Auf­stiegschan­cen zu ermöglichen. Let­zteres tut viel zu oft der vorherrschende lib­erale Fem­i­nis­mus mit seinen Frauen­förder­pro­gram­men und Auf­sicht­srat­squoten. Es ist auch wichtig, um nicht bei einem abstrakt „antikap­i­tal­is­tis­chen“ Fem­i­nis­mus ste­hen zu bleiben, der viel über Kap­i­tal­is­mus redet, aber nicht ver­sucht, dies in tat­säch­liche Kämpfe der Arbei­t­erin­nen und Unter­drück­ten zu über­set­zen.

Die einzige Möglichkeit, dies zu über­winden, beste­ht darin, die Forderun­gen der arbei­t­en­den Frauen und Migrant*innen aufzu­greifen und uns mit ihnen gemein­sam zu organ­isieren. Denn dieser Wider­stand gegen die Abw­er­tung weib­lich­er Arbeit fordert die patri­ar­chale geschlechtliche Arbeit­steilung her­aus, die äußerst nüt­zlich für den Kap­i­tal­is­mus ist.

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