Hintergründe

FT-CI: Bewegung für eine Internationale der sozialistischen Revolution!

Revolutionäre Internationale Organisation (RIO), die KlasseGegenKlasse.org herausgibt, ist Teil der internationalen sozialistischen Strömung Trotzkistische Fraktion - Vierte Internationale (FT-CI). Wir kämpfen für den Aufbau einer neuen Internationale der sozialistischen Revolution. Hier ist der Teil dazu aus unserem internationalen Manifest.

FT-CI: Bewegung für eine Internationale der sozialistischen Revolution!

In den letzten Jahrzehnten haben wir bedeutende Rückschläge für linke Kräfte erlebt, die auch viele Organisationen getroffen haben, die sich auf den Trotzkismus beziehen. Das fand in einem Kontext statt, in dem in der Linken unverhältnismäßige Vorstellungen über die großen Erfolge des Kapitalismus vorherrschten, ausgehend von der Restauration in Russland und China und anderen Ländern. Diese Vorstellungen waren das Gegenstück zu einem früheren Vertrauen auf Errungenschaften (die deformierten und degenerierten Arbeiter:innenstaaten unter stalinistischer und maoistischer Führung), die vermeintlich niemals rückgängig gemacht werden könnten. Die Bourgeoisie und der Imperialismus stellten den Neoliberalismus als universelles Dogma dar, das nie wieder in Frage gestellt werden könne. Und damit einhergehend verkündeten sie die Ewigkeit des kapitalistischen Systems, das ein Fest des Konsums und der Selbstverwirklichung sein würde.

In diesen ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts haben wir deutlich gesehen, dass diese Vorstellungen radikal falsch waren. Wir haben auch mehrfach eine Wiederkehr des Klassenkampfes der Arbeiter:innenklasse und der verschiedenen unterdrückten Sektoren gesehen. Die Neo-Reformismen wie Podemos in der PSOE-Regierung in Spanien oder Projekte wie die Frente Amplio, die in Chile und Peru aufgezogen wurden, behaupteten, dass es nur zwei Alternativen gäbe: entweder eine Politik im Rahmen des bestehenden Systems zu machen, oder auf jegliche Massenpolitik zu verzichten. Doch dies bedeutet den Verzicht auf jeden ernsthaften Kampf gegen den Kapitalismus. Auch die Politik des Aufbaus breiter, strategisch nicht abgegrenzter Parteien zeigte ihre Grenzen, zuletzt mit der Krise und Explosion der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich. Nach dem Fraktionskampf zwischen dem Flügel der alten Mehrheit (die ursprünglich aus dem trotzkistischen Vereinigten Sekretariat kommt), der ununterbrochen Übereinkünfte mit der institutionellen Linken sucht, darunter auch mit dem souveränistischen Reformismus Mélenchons; und Strömungen wie unsere Genoss:innen der CCR, die die Möglichkeit und Notwendigkeit einer revolutionären Arbeiter:innenpartei in Frankreich aufwerfen, gründeten die Genoss:innen der CCR eine neue Revolutionäre Organisation mit über 350 Aktivist:innen.

Im Gegensatz zu dieser Art von Politik kämpfen wir für den Aufbau revolutionärer Parteien, die in der Arbeiter:innenklasse verwurzelt sind und eine Politik der Hegemonie gegenüber allen unterdrückten Sektoren entwickeln. Solche Parteien können revolutionäre und sozialistische Fraktionen in den Gewerkschaften, in der Jugend, der Schwarzen und migrantischen Bewegung, der Frauenbewegung, der Umweltbewegung und der Bewegung armer Menschen aufbauen. Diese Fraktionen können in der Lage sein, sich mit den fortschrittlichsten Erfahrungen des Klassenkampfes zusammenzuschließen und gleichzeitig eine Massenpolitik gegen den Kapitalismus voranzutreiben.

Im Dienste dieser Perspektive, mit der wir Millionen erreichen wollen, steht das internationale Netzwerk digitaler Zeitungen La Izquierda Diario (in Deutschland Klasse Gegen Klasse). Dieses Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, revolutionären Journalismus zu machen und eine scharfe Kritik am kapitalistischen System und am Imperialismus zu üben. Wir richten uns an die Massen und heben die Kämpfe der Ausgebeuteten und Unterdrückten hervor. Zugleich bietet das Netzwerk Debatten über diese Ideen an, damit die Avantgarde auf unseren Seiten darüber diskutieren kann, wie der Kampf für den Sozialismus zu Ende geführt werden kann. Unser Ziel ist es, dass unsere Seiten auch dazu dienen, eine internationale revolutionäre Bewegung in verschiedenen Sprachen zu organisieren. In den Ländern, in denen wir sind, fördern wir neben dem Netzwerk von Zeitungen und der Teilnahme am Klassenkampf verschiedene Initiativen zur Vereinigung der Linken unter einem Programm der Unabhängigkeit der Arbeiter:innenklasse. In Argentinien sind wir seit 2011 Teil der Erfahrung der Frente de Izquierda y de los Trabajadores (heute Frente de Izquierda y de los Trabajadores – Unidad, also „Front der Linken und der Arbeiter:innen – Einheit“, die aus der PTS, der Partido Obrero, Izquierda Socialista und der MST besteht). Die FIT sorgte für die Transformation der trotzkistischen Linken in einen Akteur auf der nationalen politischen Bühne und war zugleich die einzige linke Organisation, die sich klar außerhalb des Kirchnerismus und Peronismus mit einem Programm und einer Praxis der Unabhängigkeit der Arbeiter:innenklasse positionierte. Auf Grundlage dieser Erfahrungen haben wir zu verschiedenen Zeitpunkten die Notwendigkeit betont, in der Debatte über eine vereinte Partei der revolutionär-sozialistischen Linken voranzuschreiten.

In Deutschland organisierten wir gemeinsam mit anderen revolutonär-sozialistischen Organisationen und Genoss:innen, die von der reformistischen LINKE ausgetreten sind, die Revolutionäre-Bruch-Konferenz, um Schritte für den Aufbau einer gemeinsamen revolutionären Front zu gehen. Diese Front muss basieren auf gemeinsamen Erfahrungen im Klassenkampf und der politischen Intervention in Streiks, sozialen Kämpfen sowie perspektivisch Wahlen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene. Mit den Lehren der Erfahrungen von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sind wir der Meinung, dass ein Bruch der Revolutionär:innen mit den sozialdemokratischen Verwalter:innen des Kapitalismus nicht nur notwendig, sondern unumgänglich ist.

Neue Sektoren der Jugend, der Frauen und der Arbeiter:innenklasse nehmen heute Kämpfe für eine Reihe von Forderungen auf, deren vollständige und endgültige Lösung im Rahmen des Kapitalismus nicht möglich ist. Sie können der Dreh- und Angelpunkt für eine Neuzusammensetzung der revolutionären Linken auf internationaler Ebene sein. Es gibt eine Generation – die so genannte Generation zwischen 16 und 23 Jahren –, die bei Ausbruch der Krise 2008 noch keine zehn Jahre alt war und die heute an der Spitze vieler der Kämpfe steht, die wir in diesem Manifest erwähnt haben, wie auch vieler weiterer. Ihr ganzes Leben ist von der Krise geprägt und sie haben das Gefühl, dass sie dem Kapitalismus nichts zu verdanken haben.

Angesichts der Katastrophe, in die uns der Kapitalismus führt, müssen wir ein Programm und einen umfassenden Ausweg sowohl gegen die Varianten des Neoreformismus als auch gegen die extreme Rechte aufzeigen, die mit populistischer Demagogie versucht, eine Basis in den vom Neoliberalismus betroffenen Sektoren der Arbeiter:innen und der Jugend zu gewinnen. Aus diesen Gründen wollen wir die Notwendigkeit einer Bewegung für eine Internationale der sozialistischen Revolution diskutieren.

Wir müssen an die internationalistische Tradition der Arbeiter:innenbewegung anknüpfen. Die Erste Internationale legte den Grundstein für den Kampf um die Einheit der weltweiten Arbeiter:innenbewegung. Die Zweite Internationale baute große Massenparteien und Gewerkschaften auf, die jedoch den Test des Ersten Weltkriegs nicht bestanden. Angesichts des Verrats der Sozialdemokratie und auf der Basis der Russischen Revolution entstand die Kommunistische Internationale, die auf ihren ersten vier Kongressen (1919-1922) die Grundlage für revolutionäre Taktik und Strategie legte. Die 1938 von Trotzki gegründete Vierte Internationale war die einzige internationale Organisation, die den Kampf gegen Kapitalismus und Faschismus vertrat, sich gleichzeitig der Bürokratisierung der UdSSR entgegenstellte und eine vollständige Alternative zum Stalinismus vorschlug. In der Periode nach dem Zweiten Weltkrieg spaltete sie sich jedoch in verschiedene Strömungen auf, die es nicht schafften, eine umfassende Alternative aufrechtzuerhalten, und überwiegend zentristische Positionen annahmen, das heißt zwischen revolutionären und reformistischen Positionen schwankten. Nichtsdestotrotz ist das Banner der Vierten Internationale angesichts des historischen Scheiterns des Stalinismus und des kapitalistischen Zerfalls immer noch gültig.

Gegen jegliche sektiererische Selbstproklamation behaupten wir, dass der Aufbau von revolutionären Arbeiter:innenparteien und der Aufbau einer Internationale der Sozialistischen Revolution – die für uns den Wiederaufbau der Vierten Internationale bedeutet – kein Produkt eines evolutiven, schrittweisen Wachstums unserer Organisationen und unserer internationalen Strömung sein wird. Stattdessen wird sie das Ergebnis der Verschmelzung von linken Flügeln der trotzkistischen Organisationen mit Sektoren der proletarischen Avantgarde und der Jugend sein, die sich in Richtung der sozialen Revolution orientieren, die in der Hitze der Krise und des Klassenkampfs entstehen und sich ausbreiten werden.

Die neuen Generationen kennen diese Tradition nicht, mit wenigen Ausnahmen. Deshalb verlangen wir als Trotzkist:innen nicht, dass irgendjemand unsere Ideen akzeptiert, bevor wir eine gemeinsame Erfahrung gemacht haben, die vom Klassenkampf und den wichtigsten Schlussfolgerungen daraus ausgeht. Wir gehen davon aus, dass die Tendenzen zur direkten Aktion und die Veränderungen im Bewusstsein ein grundlegender Stützpunkt für den Aufbau von revolutionären Parteien auf der ganzen Welt sind.

Die Situation der heutigen trotzkistischen Bewegung, die sich größtenteils auf dem Rückzug befindet oder relativ geschwächt ist, hängt mit den Auswirkungen der neoliberalen Offensive auf die Linke im Allgemeinen zusammen, aber auch und vor allem mit der Spaltung der Vierten Internationale nach dem Zweiten Weltkrieg und der Anpassung der verschiedenen Strömungen an eine außergewöhnliche historische Situation. In dieser Phase ermöglichte das Abkommen der „friedlichen Koexistenz“ zwischen Imperialismus und Stalinismus jahrzehntelang eine Stabilität, von der die Bourgeoisie in der Zwischenkriegszeit nicht zu träumen gewagt hatte. Der Aufschwung der Kämpfe von 1968 bis 1981 zeigte einerseits die Grenzen der „glorreichen 30 Jahre“ und brachte andererseits die Infragestellung des Stalinismus mit sich. Aber dieser Aufschwung wurde wahlweise mit Zugeständnissen eingedämmt oder mit Repression niedergeschlagen, woraufhin die neoliberale Offensive die Welt prägte, die wir heute kennen. Lange Jahrzehnte war das Aufrechterhalten von Trotzkis Ideen und die Verteidigung der revolutionären marxistischen Theorie eine Arbeit gegen den Strom. Sie zielte im Wesentlichen darauf ab, Widerstand zu leisten und die schwachen „Fäden der Kontinuität“, die der Trotzkismus nach dem Zweiten Weltkrieg hinterlassen hatte, wieder aufzunehmen, um an die Vergangenheit und an die von Trotzki hinterlassene Tradition anzuknüpfen, ohne durch die verzerrende Brille seiner „Interpret:innen“ zu gehen.

Mit der Entwicklung des Klassenkampfes ergeben sich neue Möglichkeiten des Zusammenwirkens von revolutionärem Marxismus und Arbeiter:innenbewegung. Aber um sie zu konkretisieren, ist es notwendig, die Kämpfe zu führen, die wir vor uns haben, und nicht davon auszugehen, dass der bloße Verweis auf eine Tradition ausreicht, um in der Avantgarde und den Massen an Gewicht zu gewinnen. Die Tradition des Trotzkismus muss wiederbelebt werden, indem wir aus den Erfahrungen des Klassenkampfes und der Realität des gegenwärtigen Kapitalismus Schlüsse ziehen. Im aktuellen Rahmen einer komplexen und schwierigen internationalen Situation wird die Aufgabe, eine Internationale der sozialistischen Revolution aufzubauen, immer dringlicher.

Diese Internationale wird nicht aus der Vereinigung verschiedener trotzkistischer Gruppen oder als spontanes Produkt sozialer Kämpfe entstehen. Deshalb ist es notwendig, eine Bewegung zu entwickeln, die für dieses Ziel kämpft – die in jeder Erfahrung des Klassenkampfes im nationalen Maßstab die Notwendigkeit der internationalistischen Einheit der Arbeiter:innenklasse zeigt. Wir brauchen eine Organisation, die fähig ist, die Kämpfe der Arbieter:innenklasse gegen den Kapitalismus auf demselben Terrain zu führen, welches der Kapitalismus uns vorgibt: auf der ganzen Welt.

Aus unserer Sicht kann diese Internationale nicht auf allgemeinen und abstrakten Prinzipien beruhen oder eine Koordination verschiedener antikapitalistischer Bewegungen sein. Und sie kann es deshalb nicht sein, weil wir gegen die Politik der herrschenden Klassen kämpfen, Bürokratien aller Art aufzubauen und die Geschichte der Arbeiter:innenklasse und der unterdrückten Sektoren verschwinden zu lassen. Die Banner der Vierten Internationale behalten ihre Gültigkeit, denn sie war die einzige Organisation, die eine theoretische, strategische und programmatische Alternative zum Stalinismus angeboten hat. Diese Alternative ist für diejenigen, die heute über den Kampf gegen den Kapitalismus und für eine kommunistische Gesellschaft nachdenken wollen, unumgänglich. Der Schlüssel für die Zukunft der Arbeiter:innenklasse und aller Unterdrückten liegt in der Verbindung zwischen dieser Tradition und den neuen Generationen, die in den Kampf ziehen.

Als Trotzkistische Fraktion – Vierte Internationale kämpfen wir für den Aufbau einer solchen neuen Internationale der sozialistischen Revolution.

Argentinien: Partido de los Trabajadores Socialistas (PTS)
Brasilien: Movimento Revolucionario de Trabalhadores (MRT)
Chile: Partido de Trabajadores Revolucionarios (PTR)
Mexiko: Movimiento de Trabajadores Socialistas (MTS)
USA: Genoss:innen von Left Voice
Bolivien: Liga Obrera Revolucionaria (LOR-CI)
Spanischer Staat: Corriente Revolucionaria de Trabajadoras y Trabajadores (CRT)
Frankreich: Revolution Permanente (RP)
Deutschland: Revolutionäre Internationalistische Organisation (RIO)
Venezuela: Liga de Trabajadores por el Socialismo (LTS)
Uruguay: Corriente de Trabajadores Socialistas (CTS).
Italien: Frazione Internazionalista Rivoluzionaria (FIR)
Peru: Corriente Socialista de las y los Trabajadores (CST)
Costa Rica: Organización Socialista Revolucionaria (OSR).

Anmerkung der Redaktion: Dieser Teil des FT-Manifestes wurde nach der Spaltung der NPA und der Revolutionäre Bruch Konferenz in Deutschland leicht bearbeitet, bzw. aktualisiert.

Weiterlesen:

Die Kämpfe der FT-CI

Die internationale Situation und die politischen Kämpfe der FT-CI

Leseliste zur Trotzkistischen Fraktion

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