Jugend

Erlebnisbericht Englischer Garten: Wie ich zum „Pappenheimer“ der Münchner Polizei wurde

Der Englische Garten ist gerade bei sommerlichem Wetter vor allem eines: Ein Ort der Erholung und besonders für Jugendliche des Spaßes. Doch vorletztes Wochenende war der größte Park Münchens nicht wieder zu erkennen: Dutzende Polizist*innen versperrten die Eingänge des Parks, führten Ausweiskontrollen und sogar Durchsuchungen durch. Grundlage nach Münchner Polizei: „Wir kennen unsere Pappenheimer“. Ein Schüler berichtet über seine Erfahrungen.

Erlebnisbericht Englischer Garten: Wie ich zum „Pappenheimer“ der Münchner Polizei wurde

Nach­dem die Polizei zwei Wochen zuvor eine Face­book-Par­ty mit über 100 Kräften der Bere­itschaft­spolizei mit Gewalt auflöste, kam es auch die darauf fol­gende Woche zu Kon­flik­ten mit der Polizei. Die Antwort der Lan­deshaupt­stadt und der Münch­n­er Polizei: Eine beispiel­lose Beset­zung des Englis­chen Gartens.

Elias ist Schüler in München und wollte eigentlich nur einen schö­nen Abend im Englis­chen Garten ver­brin­gen, so wie schon seit vie­len Jahren. Doch dies­mal war alles anders, wie er uns berichtet:

Eigentlich war es nur ein ganz nor­maler Fre­itagabend, ich traf mich mit einem Fre­und am Brun­nen an der Uni und woll­ten dann zum Eis­bach gehen. Wir bei­de hat­ten mit­gekriegt, dass die Polizei an diesem Woch­enende mehr Präsenz zeigen wollte. Wir dacht­en uns nichts Bös­es.

Als wir ger­ade an der Brücke über den Schwabinger Bach anka­men, sahen wir drei große Polizei­wa­gen und 15 Polizist*innen in voller Aus­rüs­tung, also keine nor­malen Steifenpolizist*innen, son­dern diese Son­dere­in­heit­en. Wir hiel­ten kurz an, um uns das erst­mal anzuschauen und gin­gen dann weit­er. Das war unser Fehler: Eine Polizistin kam daher sofort mit ihrem Kol­le­gen auf uns zu und fragte nach den Ausweisen – sie wür­den ihre Pap­pen­heimer ja ken­nen. Unsere Dat­en wur­den auch sofort über Funk weit­ergegeben.

Schließlich durften wir passieren, doch entspan­nt wurde die Zeit dort dann auch nicht mehr wirk­lich. An jedem Ein­gang des Englis­chen Gartens zur Monowiese standen drei Polizei­wa­gen, eigentlich fast schon Laster, und es wur­den über­all Kon­trollen durchge­führt, auch wenn keine Geset­zeswidrigkeit zu erken­nen war. Fünf Grup­pen zu je fünf Polizist*innen liefen durchge­hend über die Wiese und stell­ten sich gern auch mal an eine Gruppe ran und blieben ste­hen.

Sobald man fragte, wie lang sie noch da ste­hen bleiben wür­den, wurde sofort geblockt und nett gelächelt, aber keine Auskun­ft gegeben. Spaßig war das nicht ger­ade an dem Abend. Ich fühlte mich an diesem Abend an dem Ort, an dem ich eigentlich son­st Spaße habe, sehr unwohl und ständi­ger Beobach­tung aus­gset­zt. Und was fand die Polizei am Ende? Einen gestohle­nen Ruck­sack und, Zitat, „einen Brock­en Haschisch“. Der Englis­che Garten um den Eis­bach und die Monowiese wurde fak­tisch beset­zt an jen­em Abend als reine Macht­demon­stra­tion der Polizei. 100 bis 150 bewaffnete Polizist*innen der Bere­itschaft­spolizei für 800 friedliche Jugendliche. Aber sie „ken­nen ja ihre Pap­pen­heimer“…

One thought on “Erlebnisbericht Englischer Garten: Wie ich zum „Pappenheimer“ der Münchner Polizei wurde

  1. J. sagt:

    Erin­nert irgend­wie an die Anfänge der “Schwabinger Krawalle” Anfang der 1960er Jahre, als die Polizei Straßen­musik­er ver­haftete.

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