Hintergründe

Die Welt im Jahr 2018 (Teil 3): Politische Krisen und Klassenkampf in der EU und Lateinamerika

Nach einer Analyse der Situation der Weltwirtschaft im ersten und der Untersuchung der neuen strategischen Ausrichtung der USA auf einen Konflikt zwischen den Großmächten im zweiten Teil, werfen wir im dritten und letzten Teil unserer Analyse zur Welt im Jahr 2018 einen Blick auf die EU und auf Lateinamerika und diskutieren die politischen Perspektiven im Klassenkampf.

Die Welt im Jahr 2018 (Teil 3): Politische Krisen und Klassenkampf in der EU und Lateinamerika

Die Krise des imperialistischen Projekts der Europäischen Union

Die europäis­che Bour­geoisie hat­te im Jahr 2017 eine Atem­pause: die Wirtschaft begann beschei­den zu wach­sen und die extreme Rechte, die in Frankre­ich und den Nieder­lan­den an die Macht zu kom­men dro­hte, wurde besiegt. Dadurch wurde Großbri­tan­nien stärk­er isoliert und der Brex­it musste zu ungün­sti­gen Bedin­gun­gen ver­han­delt wer­den. Der Sieg Macrons in Frankre­ich ver­stärk­te die Poli­tik ein­er ver­tieften Inte­gra­tion des Staaten­blocks unter der Führung der deutsch-franzö­sis­chen Achse. Doch obwohl die Diskus­sion über den Zusam­men­bruch der EU und des Euro, die erst vor eini­gen Jahren im Mit­telpunkt der Debat­ten stand, aktuell nicht mehr so sehr auf der Tage­sor­d­nung ste­ht, war der rel­a­tive Opti­mis­mus nur von kurz­er Dauer. Alte und neue Wider­sprüche sind zutage getreten, die den europäis­chen Block seit der Krise 2008 belastet haben und die die Spal­tung zwis­chen Nord und Süd mit anderen über­lagern, welche als Wider­stände gegen die Poli­tik des deutschen Impe­ri­al­is­mus und die Flüchtlingskrise aufka­men. Diese Bedin­gun­gen bilden die materielle Grund­lage der grund­sät­zlich recht­sex­tremen und frem­den­feindlichen Sou­veränität­s­ten­den­zen, die als Phänomen über die innen­poli­tis­chen Krisen einiger wichtiger For­ma­tio­nen wie der Front Nationale (FN) in Frankre­ich oder der britis­chen UKIP hin­aus­gin­gen. Die let­zten Wahlen in Ital­ien ver­stärk­ten diesen Trend: Die Demokratis­che Partei brach zusam­men, Berlus­co­nis tra­di­tionelle Rechte ver­lor eben­falls Stim­men und die Anti-Estab­lish­ment-Parteien wur­den gestärkt: die ras­sis­tis­che “Lega“ (bis zulet­zt noch „Lega Nort“) und die “pop­ulis­tis­che” 5‑Sterne-Bewe­gung.

Die Beziehun­gen zwis­chen den Vere­inigten Staat­en und der Europäis­chen Union, die eine große Aufwärts­dy­namik mit Oba­ma gewan­nen, befind­en sich an ihrem tief­sten Punkt und mit Deutsch­land bah­nt sich fast ein Bruch­punkt an. Diese Beziehung ver­schlechterte sich mit der Dro­hung, amerikanis­che Pro­duk­te aus für Trump wichti­gen Wahlkreisen wie Harley David­son oder Bour­bon Whisky als Reak­tion auf Trumps pro­tek­tion­is­tis­che Maß­nah­men zu besteuern. Diese offenkundi­ge Feind­seligkeit schweißt den deutsch-franzö­sis­chen Block in der EU als dessen „Motor“ weit­er zusam­men und fördert die Suche nach ein­er von der EU unab­hängi­gen Poli­tik. Dies bet­rifft unter anderem den Vorschlag zur Schaf­fung ein­er europäis­chen Vertei­di­gung­sein­heit, welch­er zwar bere­its seit einiger Zeit disku­tiert wird, aber erst auf der let­zten Münch­n­er Sicher­heit­skon­ferenz mehr Form angenom­men hat. Aber eben­so wer­den die zen­trifu­galen Ten­den­zen von Grup­pen von Mit­gliedern unter­schiedlich­er Mächtigkeit inner­halb der EU beschle­u­nigt, in denen recht­sex­treme, nation­al­is­tis­che Parteien an der Macht sind und die sich ein­deutig mit dem nation­al­is­tis­chen Diskurs von Brex­it oder Trump iden­ti­fizieren. Diese durch die Flüchtlingskrise ver­schärfte Span­nung nimmt ins­beson­dere mit den vier Län­dern der Viseg­rad-Gruppe zu. Sie beste­ht aus Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei, wobei die ersten drei Län­der von recht­spop­ulis­tis­chen Parteien regiert wer­den. Diese ehe­ma­li­gen Arbeiter*innenstaaten sind zu Hochbur­gen der Reak­tion gewor­den. Im Falle Polens, dessen Haupt­mo­tiv die Feind­seligkeit gegenüber Rus­s­land ist, erre­icht die Krise mit der EU einen ver­fas­sungsmäßi­gen Rang. Die Diskus­sion über die EU-Erweiterung in mehreren Geschwindigkeit­en eröffnete auch eine Krisen­front auf dem Balkan.

Der gegen­läu­fige Trend war der linke Aus­druck des kata­lanis­chen Unab­hängigkeit­sprozess­es. Obwohl er “pro-europäisch” war, offen­barte er den Charak­ter der EU, welche sich ein­fach den reak­tionären und monar­chis­tis­chen spanis­chen Kräften anschloss.

Neu ist, dass die poli­tis­che Krise nach Deutsch­land gekom­men ist, welch­es die Bas­tion der Sta­bil­ität und des Kon­ser­vatismus war und die herrschende Macht der EU. Die “Merkel-Ära” geht zu Ende. Bei den Wahlen im Sep­tem­ber erlit­ten die bei­den großen Parteien eine Nieder­lage und die Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) erstark­te, eine recht­sex­treme Partei, die zum ersten Mal ins bun­des­deutsche Par­la­ment kam. Obwohl es Merkel gelun­gen ist, eine Koali­tion­sregierung mit der SPD zu bilden, ist dies eine schwache Regierung, die erst nach monate­lan­gen Ver­hand­lun­gen zu einem hohen Preis ent­standen ist. Die SPD ste­ht vor ein­er inter­nen Rebel­lion, ger­ade weil der Schw­er­punkt ihrer Kam­pagne auf dem Ausstieg aus der so genan­nten “Großen Koali­tion” lag. Sie sind sich einig in der Befürch­tung, dass Neuwahlen die extreme Recht­en stärken wür­den.

Die Regierun­gen der “extremen Mitte”, sowohl kon­ser­v­a­tiv als auch sozialdemokratisch, haben die Agen­da der extremen Recht­en weit­ge­hend über­nom­men und eine staatliche Poli­tik gegen Migrant*innen betrieben. Zusam­men mit dem Han­deln der Gew­erkschafts­bürokra­tien, die die Spal­tung der Arbeit­erk­lasse zwis­chen “Ein­heimis­chen” und “Ein­wan­der­ern” aufrechter­hal­ten, nährt diese Poli­tik den Ras­sis­mus und befördern die frem­den­feindliche Pro­pa­gan­da der “pop­ulis­tis­chen” recht­en Parteien. Die ver­schiede­nen antifaschis­tis­chen Bünd­nisse über die Klas­sen­gren­zen hin­weg sind macht­los, weil der Kampf gegen Ras­sis­mus und für die Öff­nung der Gren­zen untrennbar mit einem antikap­i­tal­is­tis­chen Pro­gramm ver­bun­den ist, das die impe­ri­al­is­tis­che EU in der Per­spek­tive der sozial­is­tis­chen Ein­heit Europas kon­fron­tiert.

Die Erschöpfung des Populismus und der nicht-hegemonialen Rechten in Lateinamerika

Nach einem Jahrzehnt des Wirtschaftswach­s­tums und des poli­tis­chen Reformis­mus, der vor allem auf dem Superzyk­lus der Rohstoff­preise basierte, rei­hte sich Lateinameri­ka in die all­ge­meinen Trends der inter­na­tionalen Sit­u­a­tion ein und set­zte diesen außergewöhn­lichen Bedin­gun­gen ein Ende.

Die Polar­isierung drückt sich in ein­er wider­sprüch­lichen Sit­u­a­tion aus: Der Zyk­lus der pop­ulis­tis­chen Regierun­gen war erschöpft, es gab einen Wech­sel der recht­en Regierun­gen in den meis­ten Län­dern mit Aus­nahme von Bolivien, Uruguay, Venezuela, Nicaragua, El Sal­vador und Ecuador, wo der Recht­sruck durch Cor­reas Nach­fol­ger vol­l­zo­gen wurde. Aber dies ist keine kon­so­li­dierte Rechte, die ein hege­mo­ni­ales Pro­jekt wie der Neolib­er­al­is­mus der 90er Jahre hat. Sie sieht sich mit einem aus der vor­ange­gan­genen Sit­u­a­tion ererbten Kräftev­er­hält­nis kon­fron­tiert, welch­es sie nicht umkehren kon­nte. Dies erlaubt die Durch­führung neolib­eraler Angriffe und Refor­men, welche den Kern­punkt ihrer Wirtschaft­spro­gramme nur unter der Aufwen­dung hoher poli­tis­ch­er Kosten ermöglichen. Diese Sit­u­a­tion drückt sich darin aus, dass keine der Parteien oder Kan­di­dat­en der neolib­eralen Recht­en zu den Favoriten für die drei wichtig­sten Wahlen im Jahr 2018 (Brasilien, Mexiko und Kolumbi­en) zählt. Mexiko, ist eines der wichtig­sten Zielscheiben von Trumps Angrif­f­en auf­grund des NAFTA, der Ein­wan­derung und des Dro­gen­han­dels. Hier tritt López Obrador von der Mitte-Links-Partei MORENA über seinen Recht­sruck hin­aus als Vertreter des lateinamerikanis­chen “Pop­ulis­mus” auf und ist der bevorzugte Kan­di­dat für die diesjähri­gen Präsi­dentschaftswahlen.

Diese Bedin­gun­gen erschw­eren es den recht­en Regierun­gen, sich zu sta­bil­isieren und eröff­nen die Aus­sicht auf schroffe Verän­derun­gen der poli­tis­chen Sit­u­a­tion.

Die wirtschaftlichen Aus­sicht­en sind nicht gut. Im ver­gan­genen Jahr kam es zu einem Anstieg der Rohstoff­preise und zu ein­er Erhol­ung der Wach­s­tum­srat­en, jedoch wen­den sich die inter­na­tionalen Rah­menbe­din­gun­gen in strate­gis­ch­er Hin­sicht zunehmend gegen Lateinameri­ka. Die neolib­eralen Pläne der Recht­en der “Öff­nung zur Welt” ste­hen im Wider­spruch mit den pro­tek­tion­is­tis­chen Ten­den­zen der Vere­inigten Staat­en und der Europäis­chen Union, die den Zugang zu ihren geschützten Märk­ten nicht zulassen. Dies haben auch die gescheit­erten Ver­hand­lun­gen zwis­chen dem Mer­co­sur und der EU gezeigt. Investi­tio­nen aus den impe­ri­al­is­tis­chen Zen­tren sind sel­ten und grund­sät­zlich auf die Finanzspeku­la­tion aus­gerichtet. Die kom­mende Zin­ser­höhung, mit der bere­its fest gerech­net wird, ist eine sehr schlechte Nachricht für Län­der, die ihre Schulden erhöht haben, wie im Falle Argen­tiniens.

Der Kon­ti­nent ist Teil des inter­na­tionalen Kon­flik­ts zwis­chen den Vere­inigten Staat­en, welche an Boden ver­loren haben und diesen nun wieder gut machen wollen, und Chi­na, das zu einem wichti­gen Han­delspart­ner der Region gewor­den ist. Den zum zweit­en CELAC-Chi­na-Forum im Jan­u­ar dieses Jahres vorgelegten Doku­menten zufolge erre­ichte der Han­del mit Chi­na im Jahr 2017 266 Mil­liar­den Dol­lar und die chi­ne­sis­chen Direk­t­in­vesti­tio­nen beliefen sich auf 115 Mil­liar­den Dol­lar. Let­ztere konzen­tri­erten sich auf drei Län­der (Brasilien, Peru und Argen­tinien), sowie auf den Berg­bau und den Sek­tor der fos­silen Energi­eträger.

Trump’s Poli­tik ist es, Ein­fluss und Mark­tan­teile im alten amerikanis­chen Hin­ter­hof wieder zu gewin­nen. Dazu schick­te er den ehe­ma­li­gen Außen­min­is­ter Rex Tiller­son auf eine Reise durch fünf Län­der der Region. Der US-Beamte begann die Offen­sive mit ein­er neu aufgelegten Ver­sion der “Mon­roe-Dok­trin”, die sich nun jedoch nicht gegen Spanien, son­dern gegen Chi­na richtet. Jedoch mussten die USA schnell merken, dass dieser Vorstoß fern der Real­ität der Region ist. Selb­st diejeni­gen Regierun­gen, die sich am stärk­sten mit den Vere­inigten Staat­en auf Lin­ie sind, wie jene von Macri, sind nicht bere­it, die wichti­gen Wirtschafts­beziehun­gen mit dem asi­atis­chen Riesen aufzugeben. Dabei war Macri ein­er der weni­gen gewe­sen, die sich bei der UNO zur Anerken­nung Jerusalems als Haupt­stadt Israels enthal­ten hat­ten. Das Ziel von Tiller­sons Reise war es, die gle­ich­gesin­nten Regierun­gen mit ein­er härteren Poli­tik gegenüber Venezuela und Kuba hin­ter sich zu brin­gen. Dabei beste­ht die Gren­ze für größere impe­ri­al­is­tis­che Ein­mis­chung darin, dass der Kon­ti­nent aus einem Jahrzehnt kommt, in dem er ein gewiss­es Maß an Autonomie erlangt hat und wo die Stim­mung gegen die Nordamerikaner*innen (und gegen Trump selb­st) ein­er der stärk­sten der Welt ist.

Auf­grund ein­er Kom­bi­na­tion von objek­tiv­en und sub­jek­tiv­en Ele­menten ist die Sit­u­a­tion in Argen­tinien am weitesten fort­geschrit­ten. Dort verän­derten die Masse­nak­tio­nen vom 18. Dezem­ber gegen Macris Renten­re­form das Kräftev­er­hält­nis und eröffneten eine Über­gangssi­t­u­a­tion, die neue Per­spek­tiv­en für den Auf­bau der PTS aufwirft, welche auf dem näch­sten Parteitag disku­tiert wer­den.

In Brasilien treten die poli­tis­che Krise und die Polar­isierung offen in Erschei­n­ung und es gibt immer noch keinen vertret­baren Kan­di­dat­en der Bour­geoisie für die näch­sten Präsi­dentschaftswahlen. Der insti­tu­tionelle Putsch gegen Dil­ma hat heute seine Kon­ti­nu­ität in der bona­partis­tis­chen Aktion der Jus­tiz und in der Oper­a­tion „Lava Jato“. Diese brachte Lula seine Verurteilung zu ein­er Gefäng­nis­strafe ein. Würde er sich zur Wahl stellen kön­nen, wäre er der am meis­ten gewählte Kan­di­dat. Nichts­destotrotz kön­nte sich die Sit­u­a­tion nach der Ermor­dung von Marielle Fran­co eine andere Wen­dung nehmen. Sie war eine PSOL-Rätin in Rio de Janeiro, für deren Tod das Regime der Putschist*innen ver­ant­wortlich ist, unab­hängig davon, wer die Täter sind (Dro­gen­händler oder Polizei). Die Linke ist unterteilt in einen Flügel, der sich dem Putsch-Lager anschloss (PSTU und ein Sek­tor der PSOL) und einen anderen, der zur Volks­front mit der PT tendiert. In diesem Sinne hat der Mehrheitssek­tor der PSOL ein „pro-Entwick­lungs-Man­i­fest“ mit der PT und den bürg­er­lichen Parteien als “Basis” für par­la­men­tarisches Han­deln unterze­ich­net. Dies tun sie, obwohl sie Bou­los als Kan­di­dat­en mit einem anderen, eher „neo-reformistis­chen“ Pro­gramm auf­stellen, dem der “Vamos”-Plattform. In diesem Pro­gramm präsen­tieren sie Maß­nah­men, die von der PT nicht einge­fordert wer­den. Um den Grund­stein für eine rev­o­lu­tionäre Partei zu leg­en, ist es notwendig, sich von diesen bei­den gle­icher­maßen oppor­tunis­tis­chen Posi­tio­nen zu dis­tanzieren.

Die Krise in Venezuela ist die schw­er­ste auf dem Kon­ti­nent. Die pro-impe­ri­al­is­tis­che Rechte ver­sucht, den Nieder­gang des Chav­is­mus bish­er noch ohne Erfolg zu nutzen, indem sie den dop­pel­ten Druck der recht­en Regierun­gen der Region und die Ein­mis­chung der Vere­inigten Staat­en und der Europäis­chen Union nutzt. Maduros Regierung hat ihre Massen­ba­sis ver­loren und ver­lässt sich, wie alle bona­partis­tis­chen Regierun­gen, auf das Mil­itär, um die Macht zu erhal­ten. Damit erhöhen sie die soziale Kon­trolle und Unter­drück­ung der Massensek­toren, um eine Explo­sion ähn­lich der von der wirtschaftlichen und sozialen Katas­tro­phe angetriebe­nen „Cara­ca­zo“ im Jahr 1989 zu ver­hin­dern. Die Stre­itkräfte sind zum Schied­srichter jed­er bürg­er­lichen Lösung der Krise gewor­den. Während die Strö­mungen des lateinamerikanis­chen Pop­ulis­mus den Chav­is­mus weit­er­hin von sein­er Ver­ant­wor­tung in dieser nationalen Katas­tro­phe ent­binden und seine repres­siv­en Maß­nah­men recht­fer­ti­gen, selb­st wenn sie sich gegen die Arbeit­er und die hungern­den Armen richt­en, sind es Sek­toren der Linken, die sich dem Bona­partismus Maduros wider­set­zen. Aber Strö­mungen wie jene, die sich auf den Morenis­mus berufen zu sein, tun dies von einem lib­er­al-demokratis­chen Stand­punkt aus, ohne vom Kampf gegen den Impe­ri­al­is­mus und die abgemagerte Rechte auszuge­hen; direk­te Agent*innen der Bosse und Bankiers. Die Sit­u­a­tion in Venezuela zeigt das Debakel des bürg­er­lichen Nation­al­is­mus. Das chav­is­tis­che Regime behielt die Struk­tur der Rentenökonomie des Lan­des bei, änderte bis auf die Ver­staatlichung einiger Unternehmen wed­er die grundle­gen­den sozialen Beziehun­gen, noch been­dete es die nationale Abhängigkeit vom impe­ri­al­is­tis­chen Kap­i­tal. Auch heute, inmit­ten ein­er beispiel­losen wirtschaftlichen Katas­tro­phe, bezahlt die Regierung Maduro weit­er­hin ihre Aus­landss­chulden und wen­det harte Maß­nah­men gegen die Massen an, während die staatliche Clique und die Bour­geoisie weit­er­hin prof­i­tieren. Unsere Strö­mung erhebt die Notwendigkeit ein­er unab­hängi­gen Lösung der Arbeiter*innen gegen den Bona­partismus von Maduro und gegen den Impe­ri­al­is­mus und seine Agent*innen.

Klassenkampf und politische Perspektiven für FT

In der let­zten Zeit haben sich neue Ten­den­zen des Klassenkampfes entwick­elt, die die Entwick­lun­gen von tief­er­en Prozessen inner­halb der Arbeiter*innenklasse ankündi­gen kön­nten, bee­in­flusst durch den Ein­bruch großer pro­gres­siv­er, wenn auch klassenüber­greifend­er, Bewe­gun­gen. Dies gilt ins­beson­dere für die imposante Frauen­be­we­gung, die am 8. März erneut zum Aus­druck kam, und neue poli­tis­che Phänomene in der Jugend.

Am weitesten fort­geschrit­ten ist der Prozess in Kat­alonien, trotz der katas­trophalen Rolle sein­er bürg­er­lichen Führung, an die sich die klein­bürg­er­lich-radikalen Strö­mungen für die Unab­hängigkeit wie die CUP angepasst haben. Wir inter­ve­nieren, indem wir ein­deutig eine rev­o­lu­tionäre Posi­tion vertreten. Wir heben die Per­spek­tive eines sozial­is­tis­chen Kat­aloniens der Arbeiter*innen her­vor, welch­es einen Stützpunkt im Kampf für die Entwick­lung des antikap­i­tal­is­tis­chen und anti­monar­chis­tis­chen Kampfes im gesamten spanis­chen Staat ist.

In Argen­tinien haben die Tage des 14. und 18. Dezem­ber die Kräftev­er­hält­nisse verän­dert und den ehrgeizig­sten Angriff­s­plan der Regierung Macri abgewehrt, die eine Arbeits­mark­tre­form ver­ab­schieden und wichtige Errun­gen­schaften der Arbeiter*innenbewegung attack­ieren wollte. Diese all­ge­meinere poli­tis­che Sit­u­a­tion schafft bessere Bedin­gun­gen für die Teilkämpfe gegen Ent­las­sun­gen in bes­timmten Sek­toren, sowohl im staatlichen als auch im pri­vat­en Sek­tor, wo die Strate­gie der PTS darin beste­ht, diese Kämpfe zu koor­dinieren und mit fortschrit­tlichen Massen­be­we­gun­gen wie der Frauen­be­we­gung zu verbinden.

In Frankre­ich hat die Regierung Macron einen Angriff auf die Eisenbahner*innen ges­tartet, den sie in einen Schlüs­sel­mo­ment ver­wan­deln will, um ihre neolib­erale Agen­da durchzuset­zen. Der Kriegs­plan sieht vor, die Öff­nung des Wet­tbe­werbs voranzutreiben, Errun­gen­schaften der Arbeiter*innen zu zer­stören und unrentable Fil­ialen zu schließen. Die Gew­erkschaften bere­it­en bere­its den Wider­stand vor, der zu einem großen Kon­flikt wer­den kann. Auf ein­er anderen Ebene hat sich der von prekären Sek­toren der Arbeiter*innenklasse ange­führte Onet-Streik in einen unüberse­hbaren Kon­flikt ver­wan­delt, der mit einem Sieg endete und zeigt, wie eine richtige Poli­tik und Strate­gie die Poli­tisierung der am meis­ten unter­drück­ten Sek­toren der Arbeiter*innenklasse ermöglicht. Die Rolle der CCR war dabei ein zen­traler Fak­tor.

Neu waren auch die Streiks der IG Met­all in Deutsch­land, an denen sich mehrere hun­dert­tausend Beschäftigte beteiligten und wichtige Auto­mo­bil­her­steller lähmten. Diese Streiks macht­en die Forderung nach der Kürzung des Arbeit­stages sicht­bar, wenn auch auf reformistis­che Weise. Trotz der bürokratis­chen Führung, die zu einem gemis­cht­en Ergeb­nis geführt hat, ist es wahrschein­lich, dass diese Aktion die Hoff­nun­gen der gesamten Arbeit­erk­lasse geweckt hat, welche einen sehr großen prekarisierten Sek­tor hat, ins­beson­dere beste­hend aus jun­gen Men­schen. Und in den Vere­inigten Staat­en trotzte der Streik der Lehrer*innen von West Vir­ginia den Anti-Streik Geset­zen, und zwar in einem Staat, in dem Trump mit nicht weniger als 68% der Stim­men gewann.

Die Frauen­be­we­gung ist nach wie vor das wichtig­ste inter­na­tionale Phänomen, in dem auch junge Men­schen zusam­menkom­men. Obwohl sie einen pro­gres­siv­en Charak­ter hat, ist sie ins­ge­samt gese­hen eine klassenüber­greifende Bewe­gung, in der unsere Strate­gie darin beste­ht, eine sozial­is­tis­che fem­i­nis­tis­che Frak­tion im poli­tis­chen und ide­ol­o­gis­chen Kampf gegen den lib­eralen Fem­i­nis­mus und den Radikalfem­i­nis­mus aufzubauen.

Die Ten­den­zen, die wir in diesem Doku­ment von größeren wirtschaftlichen Span­nun­gen, poli­tis­ch­er Polar­isierung und Krise der Parteien der Bosse entwick­eln, eröff­nen die Per­spek­tive von sich verän­dern­den Sit­u­a­tio­nen und abrupten Wen­dun­gen, in denen akutere Prozesse des Klassenkampfes, der poli­tis­chen Radikalisierung und der Entste­hung pro­gres­siv­er poli­tis­ch­er Phänomene (pro­gres­sive zen­tris­tis­che Ten­den­zen usw.) auftreten kön­nen, ins­beson­dere in Län­dern, in denen das Gewicht der Arbeiter*innenbewegung mit linken poli­tis­chen Tra­di­tio­nen wie Argen­tinien oder Frankre­ich ver­bun­den ist, die bessere Bedin­gun­gen für den Auf­bau rev­o­lu­tionär­er Arbeiter*innenparteien schaf­fen.

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