Von der Klinik auf die Straße gegen die AfD-Jugend

16.11.2025, Lesezeit 7 Min.
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Foto: TVöD-Streik in Berlin am 26. März 2023 / Julius Götz (Klasse Gegen Klasse)

Die AfD-Jugend in Gießen will sich als „Generation Deutschland“ neugründen. Es gibt hunderte Gründe, sie zu blockieren, genauso wie ihre Parteieltern. Ein Kommentar von eine:r Pflegeazubi.

Als die Junge Alternative als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wurde und ein Verbotsverfahren im Raum stand, hat die Elternpartei AfD ihre Jünglinge in Schutz genommen – am 29. November soll sie nun unter dem Namen „Generation Deutschland“ als offizielle Jugendorganisation der AfD neu gegründet werden. Die extrem rechte Jugend steht deutlich rechts von Führungsmitgliedern wie Alice Weidel, aber sie geht mehrheitlich mit der Parteilinie einher. 

Für mich als migrantische:n Azubi in einem der größten Berliner Krankenhäuser ist das nicht nur eine gefährliche Entwicklung, sondern auch eine dunkle Zukunft für meine deutschen Kolleg:innen. Ich will nicht, dass ich oder andere migrantische Kolleg:innen wegen unserer Herkunft, Hautfarbe oder ähnlichen Eigenschaften gekündigt werden – etwas, worüber wir uns bereits jetzt schon Sorgen machen müssen unter der rassistischen Regierung von Friedrich Merz. Unter einer AfD-Regierung wären die Konsequenzen natürlich schlimmer und dass ihre Jugendorganisation in dieser Hinsicht mit ihnen d’accord ist, ist für mich ein Grund mehr, ihre Gründung in Gießen zu blockieren.

Aber ich denke auch an meine Kolleginnen: Junge und ältere Frauen, mit Familien, Kindern, Beziehungspartner:innen oder auch alleinlebend. Nach dem Weltbild der AfD sollen sie nicht arbeiten, sondern sich vor allem um die Aufgaben in den eigenen vier Wänden kümmern. Kochen, waschen, bügeln, Kinder erziehen … und zur Befriedigung des Mannes im Haus her reichen. Hart ausgedrückt, aber in der Realität ist dieses Frauenbild weit verbreitet in der AfD und das wird sich auch in einer Gesellschaft zeigen, die die AfD potentiell zur stärksten Kraft im Land wählt.

Und auch wenn die AfD sich als Friedenspartei darstellt, die ihre Nähe zu russischen Kapitalist:innen mit Freundschaft und Wirtschaftlichkeit begründet, ist sie auch ein eisenharter Verfechter der Aufrüstung und Militarisierung. Die AfD liebt ihr Land – die rechte Jugend der AfD ist auch aktiv bereit, für ihr Land zu kämpfen. Zehn Prozent der Bundeswehr, also jeder zehnte Soldat, war 2024 noch unter 18. Gleichzeitig wurden im selben Jahr mehrere Mitglieder der „Identitären Bewegung“ innerhalb der Bundeswehr ausfindig gemacht – Konsequenzen gab es keine und man schätzt die Dunkelziffer deutlich höher, als sie bekannt ist. Die AfD hat sich aktiv dagegen gestellt, dass faschistische Strukturen innerhalb der Bundeswehr nicht ausgeschlossen werden und die Aufhebung des „Gesetzes zur Beschleunigung der Entfernung von verfassungsfeindlichen Soldatinnen und Soldaten aus der Bundeswehr“ gefordert.

Eine Jugend, die so radikalisiert ist und gleichzeitig bereit ist, freiwillig in die Bundeswehr einzutreten und im letzten Schritt auch in den Krieg ziehen würde „für das eigene Land“, ist eine Gefahr für die Gesellschaft. Sie werden nicht so geboren: Sie lernen die Bundeswehr in der Schule kennen. Sie lernen rechte Ideologien durch ältere Familienmitglieder. Sie hören die hetzerische Propaganda von Politik und Medien und denken, dass Migrant:innen an allem schuld seien. Und je mehr Einfluss die Bundeswehr durch Besuche und Programme an Schulen, an Universitäten, etc. bekommt, umso rechter wird eine Gesellschaft.

Und diese Radikalität zeigt sich bereits heute auf den Straßen. Jugendliche und Minderjährige, die zu Hunderten durch die Straßen marschieren, gegen Migrant:innen und Antifaschist:innen hetzen, diese Menschen auch aktiv angreifen, ihre Wohnungen und Häuser anzünden – all das wird sich nur verschlimmern, wenn eine AfD-Jugend mit faschistischen Tendenzen sich offiziell gründet und diese Tendenzen durch die regierenden Parteien auch noch salonfähig gemacht werden.

Das ist auch eine Gefahr für uns als Krankenhausbeschäftigte. Ich will nicht Menschen in der Notaufnahme begegnen, die wegen gewalttätigen rechten Jugendlichen eingeliefert wurden – ganz gleich, welche Ethnie oder politische Einstellung sie haben. Als Gesundheitspersonal kann ich nicht tatenlos zusehen, wie eine Gesellschaft so weit nach rechts gerückt wird, dass Gewalt zum Alltag wird. Ich will nicht noch mehr junge Frauen und queere Jugendliche in der psychiatrischen Station pflegen, die dort sind, weil sie häusliche Gewalt durch ihren Partner oder ihre Geschwister erleben. Diese Gewalt wird nur verschärft, wenn Jugendliche in einer Partei sind, deren ideales Bild der Frau eine entrechtete Person ist, die zuhause nur noch Roboter und Ware ist.

Und gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass die Jugend der AfD radikaler und gewaltbereiter ist als ihre Parteikameraden in der AfD. Der Höcke-Flügel, der ohnehin schon die Gesellschaft – und damit auch teilweise meine eigenen Arbeitskolleg:innen – mit faschistischem Gedankengut verseucht, wird große Freude an einer Jugend haben, die nach seinen Prinzipien lebt. Selbst eine Alice Weidel kann unter Umständen aus der Führung gedrängt werden, wenn Björn Höcke die Zustimmung einer Mehrheit in der Jugendorganisation bekommt.

Wenn die AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ sich neu gründet, wird unser aller Leben – von Migrant:innen, von Frauen, von Linken – maßgeblich beeinflusst werden und auf lange Sicht weit nach rechts verändert. Dem müssen wir uns alle, ob Gesundheitsarbeiter:innen, Erzieher:innen, Lehrer:innen, Schüler:innen, Student:innen, usw. entschlossen entgegenstellen. Deshalb lasst uns die Jugend einer extrem rechten Partei mit überzeugten Faschist:innen in den Reihen nicht einfach frei laufen. Lasst sie uns blockieren – aber lasst uns auch darüber hinaus gegen rechte Ideologien kämpfen, wo immer wir sind.

Jeden Tag stehen wir als Gesundheitsarbeiter:innen zusammen auf Station und pflegen die vulnerablen Teile der Gesellschaft: Kranke Menschen, ältere Menschen, junge Menschen und viele mehr. All diejenigen, die genau wissen: Wenn wir nicht arbeiten, kann die Gesellschaft nicht gesund bleiben. Das wissen auch unsere Chefs und das wissen auch die regierenden Politiker:innen. Wir haben also eine Stellung, die immens viel Einfluss auf das tägliche Geschehen in diesem Land hat. Und das müssen wir ausnutzen, in dem wir so oft, so lange und so viel wie möglich streiken.

Als Beschäftigte ist der Streik unser bestes Mittel gegen rechte Politik, gegen soziale Ungerechtigkeit und auch gegen den Krieg. Ein Ort, wo wir nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen streiken können, sondern auch für politische Forderungen auf die Straße gehen können. Wir können in Vollversammlungen mit allen Beschäftigten in unseren Betrieben diskutieren, welche Möglichkeiten wir haben, uns gegen die extreme Rechte und gegen rechte Gewalt zu wehren.

Lasst uns den Kampf gegen die AfD und ihre rechte Jugend aus den Betrieben, den Universitäten und den Schulen auf die Straße tragen! Aus vielen Städten fahren Busse und Tickets könnt ihr auf der Webseite von Widersetzen kaufen. Lasst uns zahlreich nach Gießen fahren und dafür sorgen, dass unsere Straßen nazifrei bleiben!

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