Hintergründe

Trotzki, Gramsci und die kapitalistische Demokratie (Teil III)

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts dehnte sich die kapitalistische Demokratie, verstanden als politisches Regime und ideologisches Konstrukt, stärker aus als je zuvor. Ausgehend von den Ausarbeitungen der marxistischen Revolutionäre Leo Trotzki und Antonio Gramsci nehmen wir uns in diesem dreiteiligen Artikel vor, die Frage der Revolution in den gesellschaftspolitischen Strukturen „westlichen“ Typs und den bürgerlich-demokratischen Regimen zu beantworten. Teil III: Partei und Hegemonie.

Trotzki, Gramsci und die kapitalistische Demokratie (Teil III)

Dieser Artikel erschien zuerst im Januar 2016 im Theoriemagazin Estrategia Internacional Nr. 29 auf Spanisch. Wir veröffentlichen ihn hier zum ersten Mal auf Deutsch in drei Teilen. Teil I erschien am 30.08.2020, Teil II erscheint am 07.9.2020.

Teil III: Partei und Hegemonie

Peter Thomas definiert, wie wir bereits gesehen haben, die NEP (Neue Ökonomische Politik) als Ausgangspunkt1 für Gramsci in seinen Gefängnisheften, um den Begriff der Hegemonie zu verallgemeinern. Allerdings behandelt er die strategische Beziehung zwischen Hegemonie und Revolution bei Weitem nicht ernsthaft genug. Thomas‘ Ausarbeitungen in The Gramscian Moment zielen genau deshalb auf eine Hypothese der Eroberung der Hegemonie ohne Revolution ab.

Für Thomas geht es darum, die Frage der „hegemonialen Apparate“ in den Mittelpunkt zu rücken. Mit diesem Begriff bezieht sich Gramsci auf die Reihe von Institutionen, „von Zeitungen über Bildungseinrichtungen, zu den Parteien, mittels derer die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten ihre Gegner im Kampf um die politische Macht kompromittieren“2. Für Thomas wären diese „hegemonialen Apparate“  dazu in der Lage, der Bourgeoisie „ihre soziale Basis zu „entziehen““ und somit den kapitalistischen Staatsapparat zu „neutralisieren“.

Jenseits seiner Interpretation Gramscis, von der wir in diesem Artikel einige Elemente aufgriffen, besteht die Bedeutung der Hypothese Thomas‘ darin, dass sie Ausdruck einer Vision eines großen Teils der Linken ist, insbesondere in Europa. Dies drückt sich allen voran in der Frage aus, wie ein neuer Aufstieg der Arbeiter*innenbewegung nach der kapitalistischen Restauration in den ehemaligen Arbeiter*innenstaaten und nach der politischen Liquidierung – in manchen Fällen sogar des Verschwindens – der großen sozialdemokratischen oder stalinistischen Apparaten, die das zwanzigste Jahrhundert geprägt haben, aussehen könnte.

Für Thomas ist die Entwicklung der  „hegemonialen Apparate“, losgelöst vom Klassenkampf (und von einer revolutionären Strategie), der Weg zur Konstituierung der Arbeiter*innen zur Klasse. Sein Werk The Gramscian Moment und die Betonung auf die „hegemonialen Apparate“ (sei es in Form von Parteien oder Bewegungen) vermitteln den Eindruck einer gewissen Nostalgie für jene großen reformistischen Arbeiter*innenapparate des zwanzigsten Jahrhunderts. Daher wecken die Arbeiter*innenpartei (PT) Brasiliens, sowie Syriza, das vorsichtige Interesse unseres Autors3.

Thomas‘ Nostalgie4 wird explizit kürzlich in einem Interview, in dem er sich auf die Kommunistische Partei Italiens unter der Führung von Palmiro Togliatti bezieht. Dort heißt es: „Neben seinen eigenen theoretischen Schriften – von viel größeren Wert als heute oft angenommen wird – war Togliatti auch ein Theoretiker der Politik, der sich für die Schaffung eines hegemonialen Apparates engagierte, die eine tiefe und echte Dialektik und wirkliche Kritik an der Politik seiner Zeit förderte. Trotz der Meinungsverschiedenheiten, die man mit seinen theoretischen und politischen Positionen – und davon gibt es viele – haben kann, kann dies nicht die Anerkennung seiner Bedeutung als Theoretiker und Politiker schmälern, mit einem echten massiven Einfluss auf die Politik seiner Zeit. Die theoretische und politische Kultur, die Togliatti in der Kommunistischen Partei Italiens zu formen verhalf, und in Italien im breiteren Sinn, als Einflusssphäre dieser großartigen Partei, die über das gesamte Spektrum der Linken ausstrahlte, war das Beispiel, in dem andere Linken in Europa und der ganzen Welt nach Inspiration suchten.“5

Aus unserer Sicht kann Togliatti kaum eine inspirierende Quelle sein. Er war Mentor der „Wende von Salerno“ mit ihrem Pakt mit dem Marschall Badoglio, für die „nationale Einheit“  und die Entwaffnung der Partisanen. Somit spielte er eine Schlüsselrolle in der Rettung des italienischen Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg und leistete einen wichtigen Beitrag, damit Italien zu einer bürgerlichen Säule der Nachkriegszeit werden konnte. Die Sicht von Thomas lässt die Lehren des vergangenen Jahrhunderts außer Acht, und lässt die Hauptfrage offen, die jede*r ernstzunehmende Theoretiker*in oder Politiker*in beantworten sollte: Welche Rolle spielten diese großen „hegemonialen Apparate“ während des zwanzigsten Jahrhunderts? Warum degenerierten sie? Haben sie eine progressive Rolle für die Arbeiter*innenklasse gespielt oder nicht?

Trotzki ist kurz und bündig, wenn es um die Sozialdemokratie geht: „Die […] Sozialdemokratie ist jedoch kein Zufall; sie ist nicht vom Himmel gefallen, sondern durch die Anstrengungen der deutschen Arbeiterklasse im Verlauf von Jahrzehnten von ununterbrochenem Aufbau und Anpassung an die unter dem Kapitalisten- und Junkerstaat herrschenden Bedingungen geschaffen worden.[…] In dem Augenblick, in dem der Krieg ausbrach, folglich der Moment des größten geschichtlichen Tests kam, zeigte es sich, dass die offizielle Arbeiterorganisation nicht als die proletarische Kampforganisation gegen den bürgerlichen Staat, sondern als ein Hilfsorgan des bürgerlichen Staats handelte und reagierte, das zur Disziplinierung des Proletariats diente. Die Arbeiterklasse war gelähmt, weil auf sie nicht nur das volle Gewicht des kapitalistischen Militarismus drückte, sondern auch der Apparat ihrer eigenen Partei.“6. Ähnliches gilt für die Geschichte der Kommunistischen Partei Italiens unter der Führung von Togliatti, die bei Thomas so große Bewunderung hervorruft.

Die Hypothese der evolutionären Entwicklung der „hegemonialen Apparate“ für die Konstituierung der Arbeiter*innenklasse als solche7 kann weder die Revolution noch die Entstehung der Arbeiter*innenbürokratie im zwanzigsten Jahrhundert erklären. So ist sie ebenfalls nutzlos, um das 21. Jahrhundert zu denken.

Jaime Pastor, aus der von Ernest Mandel gegründeten Strömung stammend, hat die Tugend unumwunden diese Nostalgie auszudrücken, über die wir oben sprachen, und sie direkt auf die Gegenwart zu übertragen. Im Kontrast zu Pablo Iglesias sagt er, dass „Podemos den Raum der Sozialdemokratie besetzen muss, aber nicht jene, nach der sich Zapatero sehnt, sondern eher nach der, wie es die deutsche Sozialdemokratie des frühen zwanzigsten Jahrhunderts war, vor ihrer Degeneration am Vorabend des Ersten Weltkriegs. […] Sie soll der Ort für den Aufbau einer Gegenhegemonie sein, die eine eigene Kultur vorantreibt, organisch mit den Volksklassen verbunden, die eine Lösung für alltägliche Probleme der Menschen mit dem Horizont einer alternativen Gesellschaft kombiniert. Das ist die Hypothese, auf die Syriza in Griechenland hinarbeitet. Sie verkörpert Gramscis Idee, die besagt, dass man, um den „Sieg“ zu erreichen, zuvor Positionen erobern haben muss; mit anderen Worten, wir brauchen mehr als nur eine „Wahlkampfmaschine“, um Wahlen zu gewinnen“8.

In diesem Fall ist es nicht notwendig, auf die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts zurückzugreifen; wir begnügen uns mit der jüngeren Geschichte. Syriza durchlief den gleichen Zyklus, den Trotzki in Bezug auf die Sozialdemokratie beschrieb, ohne jedoch tfeste Wurzeln in der Arbeiter*innenbewegung zu haben. Im griechischen Falle dauerte dieser Zyklus jedoch nicht Jahrzehnte, sondern wenige Monate – von der Inszenierung als Alternative zu den Kürzungen der Troika bis zu ihrer Verwandlung in die Speerspitze derselben. Dies ist trotz der unterschiedlichen Etappen Ausdruck der Aktualität der Epoche der „Krisen, Kriegen und Revolutionen“9. Was Podemos angeht, das als neorreformistisches politisches Phänomen einen Höhenflug erlebt, folgt es einem Syriza ähnlichen Kurs. Anticapitalistas (ehem. Izquierda Anticapitalista), der Flügel um Pastor innerhalb der Partei, folgt Pablo Iglesias in der Hoffnung, er werde der Bebel10 des 21. Jahrhunderts werden.

Für Lenin „(ist) das Proletariat nur insofern revolutionär, als es sich dieser Idee der Hegemonie bewußt ist und sie in die Tat umsetzt.“11. Jedoch handelt es sich nicht um eine Hegemonie, die im Rahmen des bürgerlichen Regimes entwickelt werden kann, wie Thomas vorschlägt, sondern: „Der Proletarier, der sich dieser Aufgabe bewußt geworden ist, ist ein Sklave, der sich  gegen die Sklaverei erhoben hat.“12 Darin lag für ihn die Idee der Hegemonie. Jene Hegemonie, ohne die es keine Konstituierung der Arbeiter*innenklasse als revolutionäre Klasse gibt, überschreitet notwendigerweise die vom Regime etablierten Rahmenbedingungen.

Obwohl es die Empfindlichkeit vieler verletzt: Tatsache ist, dass die größte Anzahl an Verweisen über die „Hegemonie“ bei Lenin in seiner Polemik gegen die sogenannten „Liquidatoren“ zu finden sind, die sich weigerten, eine illegale revolutionäre Partei auf die Beine zu stellen. Wir sprechen nicht nur von Was tun ?, ein hegemonialer Text – wenn es je einen gegeben hat –, sondern über seine Polemiken während der reaktionären Offensive nach der Revolution von 1905. Diese Kontroversen fanden zur gleichen Zeit wie die Polemik gegen Positionen wie die von Lunatscharski statt, die nicht an den reaktionären Dumas teilnehmen wollten, worauf Lenin die Notwendigkeit jeder legalen Intervention betonte, die die Tendenzen zur Unabhängigkeit der Arbeiter*innenklasse zu entwickeln erlaubte.

Die Verbindung zwischen der Konstitutierung der Arbeiter*innen als Klasse und der Kampf um die Hegemonie verläuft über die Entwicklung revolutionärer Fraktionen, selbst wenn diese illegal sein müssen. Genau das erlaubt, von einer revolutionären Logik ausgehend, gleichzeitig die Beteiligung in völlig reaktionären Parlamenten zu verteidigen. Die Bildung dieser „revolutionären Fraktionen“ wurde durch die Intervention in allen Bereichen des Kampfes (theoretischer, politischer, wirtschaftlicher Natur) möglich, auf der Suche  nach jenem „Reichtum an Erfahrungen“, den der Bolschewismus schmiedete und den Lenin hervorhob, um sie den Revolutionär*innen im „Westen“13 näherzubringen.

Der große Verdienst dieser Sichtweise Lenins ist nicht in die Entwicklung dieses oder jenes „hegemonialen Apparates“ an sich, sondern dass im Jahre 1917 diese revolutionären Flügel mit Masseneinfluß, oder jene „aufgeklärten und gestählten Arbeiter, die hauptsächlich von der Partei Lenins erzogen worden waren“, wie Trotzki es in seiner Geschichte der Russischen Revolution bezeichnete, in der Lage gewesen waren, die Februarrevolution zu leiten und den Zarismus zum Fall zu bringen, auch ohne Führung. Es waren dieselben Arbeiter*innen, die es der bolschewistischen Partei ermöglichten, die Mehrheit zu erobern, um im Oktober die Macht zu übernehmen.

Selbstverständlich sind wir nicht im Russland des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, auch nicht in der Welt jener Zeit. Es gibt stabile bürgerlichen Demokratien in verschiedenen Teilen der Welt, auch jenseits der imperialistischen Zentren, zum Beispiel in Lateinamerika; es gibt Gewerkschaften, was nicht zu vergessen ist, die heute die wichtigsten bestehenden Organisationen der Arbeiter*innenklasse in vielen Teilen der Welt bleiben; es gibt Arbeiter*innenbürokratien, sowohl gewerkschaftlichen als auch politischen Typs, die mit nationalen Traditionen verwoben sind; es gibt auch die „neuen“ Bürokratien der NGOs und jene, die sich in den „sozialen Bewegungen“ eingenistet haben; usw. Daher haben wir versucht, im Laufe dieses Artikels das Beste aus den Schlussfolgerungen von Gramsci und Trotzki über Taktik und Strategie in den „westlichen“ Gesellschaften aufzugreifen, um über die Gegenwart nachzudenken.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, auch wenn sich die Nostalgiker*innen danach sehnen. Die Arbeiter*innenbewegung als grundlegender Akteur in der Weltpolitik wird nicht durch eine vermeintliche evolutionäre Entwicklung wieder entstehen, wie Thomas und andere es sich vorstellen.

Trotzki, Gramsci und die Aktualität der Debatte

Das zwanzigste Jahrhundert ist nicht umsonst vergangen. Wie wir zu zeigen versuchten, geht eines der Schlüsselelemente für eine Arbeiter*innenregierung in ihrem antibürgerlichem und antikapitalistischem Sinn einer mit einer strategischen Konfrontation mit der Bürokratie, nicht nur gewerkschaftlicher sondern auch politischer Natur. Denn sie ist die wichtigste „materielle Kraft“, die jene Kombination aus „moralischen“ und materiellen Kräften verkörpert, die die bürgerliche Hegemonie in den „westlichen“ Gesellschaften ermöglicht. Daher beschränkt sich der Kampf gegen die Bürokratie als Garant der kapitalistischen Herrschaft nicht auf offensive Momente, sondern besteht aus einem täglichen, ständigen Kampf für die Konstituierung der Arbeiter*innenklasse als unabhängige Klasse, und natürlich für den Kampf um die Hegemonie.

In diesem Sinne besteht das Problem der strategischen Zweideutigkeit des „Hegemonie“-Begriffs in Gramsci nicht darin, wie es Anderson suggeriert, eine mechanische „plötzliche Umkehr“ des Konsens in Zwang in revolutionären Krisen nicht wahrzunehmen. Wir glauben auch nicht, dass es darum geht, was Thomas vorschlägt, nämlich dass Gramsci sich auf die Definition von „politischer Hegemonie in Form von öffentlicher Meinung“, dem „Berührungspunkt“ zwischen Zwang und Konsens, konzentriert hätte. Wir sind der Meinung, dass die Wurzeln dieser Zweideutigkeit in der strategischen Unterschätzung der politischen Rolle der Bürokratie in der Aufrechterhaltung der bürgerlichen Hegemonie im Allgemeinen, und insbesondere im Falle der kapitalistischen Demokratien, liegen.

Die von uns dargelegten Erwähnungen über die Bürokratie oder die „Rolle „ganzer politischen Parteien“ und anderer ökonomischen Organismen“, wie die „Organe der politischen Polizei“14, bilden die Grundlage Gramscis interessantester Interpretationen des Begriffs des „integralen Staates“15. Trotzdem ist sein Denken in strategischer Hinsicht von der Unterschätzung des Kampfes gegen die Bürokratie durchdrungen. Wir sahen dies bereits am Beispiel des anglo-russischen Komitees in Großbritannien. Dies drückt sich auch in seiner Vision der NEP aus, die wir im Anhang behandeln, und in der Beurteilung, die er im Jahr 1926 über den Fraktionskampf zwischen Trotzki und den „alten Bolschewiki“, angeführt von Stalin, macht. Dabei kritisiert er zwar die Methoden der Mehrheit, die „Einheit“ der Leitung wäre jedoch das Auschlaggebende16. Das gleiche haben wir bereits in früheren Artikeln über Gramscis Unterschätzung der deutschen Revolution 1923 gesehen, wo er nicht die zentrale Rolle der linken sozialdemokratischen Bürokratie und die Unterordnung der Kommunist*innen erkannte.

Das Proletariat kann die Vorherrschaft der Bourgeoisie und seine eigene Hegemonie nicht erobern, ohne die Bürokratie zu besiegen. Es geht nicht nur um einen politischen und ideologischen Kampf, sondern um einen Kampf zwischen materiellen Kräften. Von diesem Standpunkt aus entwickelte die Dritte Internationale die Taktik der Einheitsfront, eine Taktik von Einheit-Konfrontation („Gemeinsam schlagen, getrennt marschieren“) mit bürokratischen oder halbbürokratischen Sektoren. Einerseits suchte sie die Aktionseinheit der Arbeiter*innenklasse in ihrer Konfrontation gegen die Bourgeoisie. Aus strategischer Sicht war das Ziel, ihnen ihre Basis zu entziehen und die Mehrheit der Arbeiter*innenklasse, basierend auf ihren Erfahrungen im Klassenkampf, für die Revolution zu gewinnen. Die Taktik der „Arbeiter*innenregierung“, die wir in einem früheren Artikel analysierten17, machte sich ebenfalls dieselbe Logik zunutze, jedoch während der Vorbereitungsarbeit der aufständischen Offensive. Ausgehend von Trotzkis Analyse sahen wir bereits, wie die sozialdemokratische Bürokratie die Bourgeoisie während der revolutionären Krise in Deutschland im Jahr 1923 schützte. Ähnliches geschah während der Mai-Tage 1937 in Barcelona, als die katalanischen Arbeiter*innen sich nicht nur der konterrevolutionären Aktion des Stalinismus, sondern auch der anarchistischen Bürokratien der CNT und der FAI entgegenstellen mussten. Wir sahen es in Frankreich 1936, mit der konterrevolutionären Rolle der SFIO und der KPF in der Volksfront, mit den Radikalen als Haupthindernis für die Erlangung der Hegemonie des Proletariats.

Eine der wichtigsten Lehren des zwanzigsten Jahrhunderts ist gerade die Erkenntnis der Unmöglichkeit einer revolutionären Strategie und proletarischen Hegemonie ohne die strategische Konfrontation mit den Bürokratien, seien sie gewerkschaftlicher oder politischer Natur (in erster Linie, die der kommunistischen und sozialistischen Parteien), als Hauptsäulen der bürgerlichen Hegemonie und als grundlegendes Hindernis für die Entwicklung der Selbstorganisation. Diese Organe sowjetischen Typs, die in der Lage sind, die Organe des Aufstands und Grundlage der Arbeiter*innendemokratie im proletarischen Staat nach der Eroberung der Macht zu sein.

Ein großer Abschnitt des vergangenen Jahrhunderts wurde im „Westen“ durch das Handeln dieser Bürokratien geprägt, sowohl in den Volksfronten der 30er Jahre als auch am Ende des Zweiten Weltkriegs, sowie nach dem letzten revolutionären Aufschwung der 70er Jahre. Die sozialistischen und kommunistischen Parteien spielten eine Schlüsselrolle in der Niederlage, sowohl in Frankreich 1968 als auch 1974 in Portugal, wo sie den Prozess vom Kurs abbrachten und den Weg für die anschließende Niederlage ebneten. Ebenso in Lateinamerika, zum Beispiel in Chile, mit der Berufung von Pinochet in die Regierung, womit sie den Cordones Industriales angesichts des Putsches die Hände banden, usw.

Dies ist jedoch nur ein Aspekt. Die politische Rolle der Bürokratie übertraf beim Weiten die der Volksfront. Das zwanzigste Jahrhundert wurde vom Sieg der Revolutionen in China, Vietnam, Jugoslawien und Kuba geprägt, die von Anfang an zu „bürokratisch deformierten Arbeiter*innenstaaten“ wurden18. Das gleiche geschah mit den bürokratisch deformierten Arbeiter*innenstaaten in Osteuropa, die unter dem Einfluss der UdSSR errichtet wurden. Zusammengenommen bestand die Rolle der Bürokratie im vergangenen Jahrhundert nicht mehr nur darin, dieses oder jenes bürgerliche Regime in bestimmten Ländern zu stützen, sondern – und im viel größeren Maßstab – darin, eine grundlegende Rolle als Garant für die errichtete Weltordnung zu fungieren.

Die Rolle dieser Bürokratien lässt sich nicht durch diese oder jene Frage der politischen Ausrichtung noch durch eine allgemeine Frage der Entfernung (Trennung) zwischen Anführenden und Geführten erklären, wie es Thomas in seiner Interpretation Gramscis vorzuschlagen scheint19. Es handelt sich um große Apparate mit eigenen, und deshalb den Interessen der Arbeiter*innenbewegung entgegengesetzen, Interessen. Wie Trotzki in Verratene Revolution für die UdSSR analysierte, verwandelte sich die Bürokratie in etwas mehr als nur eine Bürokratie: Sie wurde zu einer Kaste, deren Privilegien auf der politischen Enteignung des Proletariats beruhten, das mit der Oktoberrevolution den ersten Arbeiter*innenstaat der Geschichte erobert hatte20.

Die Geschichte der Volksfronten in den 30er Jahren, ihre Rolle bei der Aufrechterhaltung der bürgerlichen Herrschaft, und der Ausverkauf revolutionärer Prozesse wie in Spanien oder Frankreich, ist Ausdruck des Versuches des Stalinismus, die Gunst der imperialistischen Mächte auf sich zu ziehen. Das Argument hierfür war, dass es möglich war, die Bourgeoisie zu „neutralisieren“, damit die UdSSR den „Sozialismus in einem Land“ entwickeln könnte. Thomas spielt mit der Idee der „Neutralisierung“ des bürgerlichen Staates, ohne die Geschichte dieser Idee zu berücksichtigen.

Es ist eine Tatsache, dass das Ziel nicht darin bestand, den militärischen Angriff auf die UdSSR angesichts der Vorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg zu vermeiden, was weder erreicht wurde noch ohne neue siegreiche Revolutionen erreicht werden konnte. Das Ziel bestand nicht einmal darin, den Angriff auf die UdSSR zu verzögern, um sich gegen den bevorstehenden Angriff besser zu wappnen, wie die Tötung von 20 Millionen Russ*innen in den frühen Phasen der 1941 begonnenen Nazi-Offensive zeigt. Die Rolle, die die Volksfronten spielten, war zu verhindern, dass in den 30er Jahren siegreiche Revolutionen in Europa den internationalen Status quo verändern könnten und, vor allem, zu verhindern, dass die Stellung der Bürokratie innerhalb der UdSSR abgeschwächt würde. Um jeden Preis wollte sie ihre Privilegien weiterhin genießen können.

Dasselbe gilt für die Volksfronten in Europa zum Ende des Zweiten Weltkrieges (Frankreich, Italien, Griechenland) die zentrale Spielsteine für die Pakte von Jalta und Potsdam, sowie für die Teilung der Welt in „Einflusssphären“ wurden. Hinzu kam der Streit um die Grenzen der jeweiligen Einflussbereiche (die sog. Politik der „Eindämmung“ des US-Imperialismus), was die Grundlage des „Kalten Krieges“ bildete (mit „heißen“ Konflikten wie dem Korea-Krieg oder später Vietnam). Dies geschah auch in den 70er Jahren, jedoch kam hier die Bürokratie zum Schluss, dass es unerlässlich geworden war, den Weg zur kapitalistischen Restauration zu beschleunigen, um ihre Privilegien als Kaste in Klassen“rechte“ zu verwandeln21.

Im Gegenzug wurden die neuen siegreichen Revolutionen, wie die chinesische, vietnamesische oder kubanische, vom Anfang an durch die Bürokratien/Kasten mittels der Kontrolle der neuen Arbeiter*innenstaaten politisch enteignet. Ihre nationalen Interessen stießen ständig mit der internationalen Entwicklung der proletarischen Revolution in der ganzen Welt zusammen, allen voran die Bürokratien im „Westen“. Es kam sogar zu anormalen Erscheinungen, wie der Bruch zwischen der UdSSR und Jugoslawien nach dem Bruch ersterer mit China, und zu direkten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den bürokratisierten Arbeiter*innenstaaten rund um die Invasion Kambodschas durch Vietnam, mit der Parteinahme der UdSSR und der KP-Chinas auf gegenüberliegenden Seiten.

Gramsci, isoliert im faschistischen Gefängnis und verstorben Anfang 1937, konnte die Volksfronten nicht analysieren. Genauso vermochte auch Trotzki nicht die Nachkriegsordnung und die beispiellose Entwicklung der Bürokratie und ihre weltweite Rolle zu beobachten. Doch im Gegensatz zu Gramsci legte Trotzki die Grundlagen, um diese Phänomene zu verstehen. Nicht nur mit tiefer theoretisch-politischer Analyse wie in Verratene Revolution, sondern mit seiner Vision der strategischen Bekämpfung der Bürokratie, die sich durch sein gesamtes Werk und seine politischen Interventionen zieht. Er definiert eine klare strategische Ausrichtung, was in Gramscis Werk, wie bereits gesehen, schwankend und mehrdeutig erscheint.

Daher wurde das Erbe Gramscis, im Gegensatz zu Trotzkis, immer wieder dazu benutzt, ihn aus der Konstellation der Revolutionär*innen der Dritten Internationale zu werfen, um ihn als Grundlage reformistischer Strategien zu präsentieren. Im Falle Peter Thomas‘ versucht dieser, die radikalsten Interpretationen dieser Sichtweise zu konfrontieren, wie die Laclaus und Mouffes, die in den Gefängnisheften eine Art „Ausgang“, oder „Ausgangsvorstufe“ aus dem Marxismus und der Arbeiter*innenbewegung sehen, obwohl gerade Gramsci sein ganzes Leben lang ein kommunistischer Kämpfer war. Er war jedoch sein ganzes Leben lang nicht nur ein kommunistischer Anführer, wie es zum Beispiel Palmiro Togliatti gewesen sein mag, sondern sein Horizont, auch im Gefängnis, war immer die Revolution gewesen. Daher nimmt jede Analyse von Gramscis Werk, die nicht vom Standpunkt der Revolution ausgeht, Gramsci letztlich nicht ernst.

Im Falle Trotzkis geht die Gefahr von der „Karikierung“ aus, der er sich ausgesetzt sah. Dabei wird auf eine vulgäre Art und Weise versucht, sein ganzes Werk auf das Problem der revolutionären Führung zu reduzieren, losgelöst von der Konfrontation zwischen materiellen Kräften; und somit wird die Schlüsselrolle, die Trotzki der strategische Auseinandersetzung mit der Bürokratie beimaß, von der Bildung revolutionärer Fraktionen losgelöst. Das Übergangsprogramm wird von den großen Fragen über Taktik und Strategie getrennt, zu denen Trotzki viele fundamentale Beiträge lieferte.

Indem wir uns auf gewisse Elemente konzentrierten, versuchten wir, die Wege und Instrumente für den Kampf um die Hegemonie aufzuzeigen, der, wie es Lenin formulierte, notwendigerweise „gegen das Regime“ verläuft. Dabei analysierten wir die Ausarbeitungen Gramscis und ihren Wert, um jene Prozesse von Aggregation und Disaggregation der Klassen zu erklären, mit denen die Bourgeoisie in der Lage ist, ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten, sowie die von Trotzki entwickelte präzise taktische und strategische Artikulierung. Wir versuchten uns an einer Perspektive jenseits der ökonomistischen Karikaturen der „permanenten Katastrophe“, wo die Massen immer 180 Grad von ihren Führungen abgewandt sind. Daraus ergibt sich die Bedeutung der radikal-demokratischen Losungen, von grundlegender Bedeutung, um die Assimilation durch das Regime und die sektiererische Ohnmacht zu vermeiden; die Artikulierung der Einheitsfront und den (politischen und gewerkschaftlichen) Kampf gegen die Bürokratie; den Kampf gegen die „demokratischen“ Parteien des Kleinbürgertums, um die Hegemonie über die Mittelschichten zu erobern; die Artikulation dieser Elemente mit der Entwicklung der offensiven Einheitsfront (Räte) und der der  Arbeiter*innenregierung, wie von Trotzki gegen die Volksfronten betont, im antibürgerlichen und antikapitalistischen Sinne.

Daraus ergibt sich die Bedeutung der Entwicklung von „revolutionären Fraktionen“, die Lenin, wie bereits gesehen, mit dem Begriff der „Hegemonie“ in den Gewerkschaften, in den demokratischen Bewegungen, in der Studierendenbewegung, usw. verknüpfte, und deren Entwicklung die verschiedensten Methoden und Formen des Kampfes (die parlamentarische und außerparlamentarische Arbeit, klandestine und offene Aktion, den Kampf gegen die Bürokratie, die Einheitsfront, usw.) umfasst, die ständig im Klassenkampf getestet werden sollen. Auf der Grundlage dieser Erfahrung ist es möglich eine revolutionäre marxistische Avantgarde-Partei aufzubauen, die sich in den entscheidenden Momenten der Konfrontation sowohl dem „Sirenengesang“ der Volksfront als auch dem faschistischen Terror entgegenstellt. Die Entwicklung revolutionärer Parteien (sowie einer revolutionären Internationalen) sind heute nicht weniger notwendig, sondern vielleicht viel mehr als zu Lenins Zeiten. Es geht also darum, die Lehren des zwanzigsten Jahrhunderts auszunutzen, und nicht auf ihre Wiederholung zu warten. Jeder Augenblick enthält seine eigenen revolutionären Möglichkeiten. Sie zu ergreifen oder nicht, hängt von uns ab.

Anhang: Hegemonie und „Diktatur des Proletariats“

Im gesamten Artikel haben wir entwickelt, wie die Verteidigung (negative Ziele) die Vorbereitung auf einen Gegenangriff (positive Ziele) ist. Ihre Bedeutung und ihre Methoden gehen aus dieser Beziehung hervor. Mit fortschreitender Verteidigung, wenn sie gut ist, setzt sie nach und nach offensive Mittel ein. In diesem Sinne haben wir die Rolle der radikal-demokratischen Losungen, ihr Verhältnis zur Einheitsfront und ihre Bedeutung für die Eroberung der Verbündeten und den Kampf um die Hegemonie gesehen.

Fügen wir nun hinzu: Der Angriff, obwohl er an sich ein „positives“ Prinzip hat, endet notwendigerweise immer in einer Verteidigung. Nachdem wir das festgehalten haben, können wir auf die Diskussion zwischen Anderson und Thomas über das Verhältnis zwischen Hegemonie und Diktatur des Proletariats und seine Charakteristika vor und nach der Eroberung der Macht zurückkommen. Wir hatten gesehen, dass in Thomas‘ Interpretation der Gefängishefte Gramscis Ausgangspunkt für die Verallgemeinerung des Konzepts der „Hegemonie“ in der bürgerlichen Herrschaft im „Westen“ nicht die Debatten im russischen Marxismus vor der Revolution sind, wo „Hegemonie“ sich auf die Führung des Proletariats in einem Bündnis mit dem Bauerntum bezieht, sondern die NEP (Neue Ökonomische Politik), durch die die Bolschewiki Marktmechanismen wieder einführten, um die Produktion auf dem Land und die Industrie wiederzubeleben. Sie sahen dies als eine Möglichkeit, der wirtschaftlich-sozialen Krise entgegenzutreten, die die UdSSR 1921, isoliert in einer kapitalistischen Welt, heimgesucht hatte.

Thomas‘ theoretisch-politisches Ziel besteht darin, darauf hinzuweisen, dass „der vorrevolutionäre Hegemoniebegriff laut Anderson, einem gewissenhaften Lehrling Trotzkis, sich auf die Beziehungen zwischen den untergeordneten Klassen in einer bürgerlich-demokratischen Revolution (der smychka [Bündnis, A.d.Ü.] zwischen Arbeitern und Bauern) bezieht und der Diktatur des Proletariats in der sozialistischen Revolution entgegengesetzt ist. Gramsci stellt die beiden jedoch nicht ausdrücklich einander gegenüber und argumentiert, dass die Hegemonie des Proletariats die „Ergänzung“ zur Diktatur des Proletariats darstellt.“23

Eine ganze Reihe historischer Polemiken, die Thomas nicht erwähnt, würde reduziert auf die Gegenüberstellung: auf der einen Seite Trotzki als Vertreter der Gegenüberstellung der „Diktatur des Proletariats“ und der Hegemonie, ausgedrückt durch Anderson; und auf der anderen Seite ein Gramsci, der sie als „Ergänzung“ konzipiert.

Nun fällt auf, dass in Thomas‘ Buch, obwohl es ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist, er nicht die geringste Bewertung dieser Periode der UdSSR unternimmt. Was im Rahmen des NEP passierte, die aus der ökonomischen Sicht einen Erfolg darstellte, war, dass Hand in Hand mit ihren wirtschaftlichen Errungenschaften innerhalb der Bauernschaft ein bürgerlicher oder proto-bürgerlicher Sektor (mit der Fähigkeit zur Kapitalakkumulation und der Ausbeutung von Arbeiter*innen) entstand, der Kulak. Das idyllische Szenario, das Thomas zu sehen scheint, war in der Realität von ungeheuren Widersprüchen geprägt. Der wichtigste bestand darin, dass die Fähigkeit dieses bürgerlichen Sektors zur Akkumulation schneller voranschritt als die Fortschritte in der Produktivität der Industrie. Das Ergebnis: in der Stadt produzierte Güter wurden für das Land teurer und auf dem Land wuchs der Sektor, der seine Produkte nicht zur Subsistenz verkaufen musste.
Fazit: perspektivisch könnten die Städte und ihre Arbeiter*innen wieder Hunger leiden. Dieser Prozess wurde „Scheren“ genannt.

Damals gab es in der UdSSR eine Politik, die Bucharins Kurs folgte und die im Volksmund in zwei Slogans zusammengefasst wurde: „Industrialisierung im Schneckentempo“ und „Bauern, bereichert euch“. Beides bedingte sich gegenseitig: mehr Industrie bedeutete mehr Steuern für die reichen Bauern, um jene zu entwickeln. Die gegenüberliegende Politik war die Trotzkis, der für starke progressive Steuern für die reichen Bauern und eine beschleunigte Industrialisierung plädierte.

Wie versuchten diese beiden Politiken jeweils, das „Scheren“-Problem zu lösen? Bucharin durch „Opfer“ und „Zugeständnisse“ seitens der Arbeiter*innenklasse, was eine allmähliche „Assimilierung“ des Kulaks als Klasse hin zum Sozialismus ermöglichen würden, durch eine ideologische Überzeugung von dessen Tugenden und eine bescheidene Steuerbelastung.

Trotzki war im Gegenteil der Meinung, es handele sich nicht um ein Problem „guter Absichten“, sondern um materielle Interessen. Der Widerspruch zwischen dem Interesse des Kulaks an der Kapitalakkumulation und dem Vormarsch zum Sozialismus war unvermeidlich, strukturell.

Trotzki versuchte zu vermeiden, in eine Krisensituation zu geraten, in der der Kulak seine Produktion nicht freiwillig verkaufen würde und der Arbeiter*innenstaat sie enteignen müsste, damit die Städte nicht verhungern; was natürlich zu der Notwendigkeit führen würde, Zwang anzuwenden.

Trotzki wollte die Anwendung von Gewalt gegen das Bauerntum vermeiden, Bucharin theoretisch auch. Jedoch meinte letzterer, es ginge darum, den Kulak mit Propaganda zu überzeugen und in den Städten Opfer zu bringen, um die Steuern nicht zu erhöhen.

Trotzki warnte vor dieser „naiven“ Sichtweise und argumentierte, dass der Kulak in der Erfahrung überzeugt werden sollte, dass der Sozialismus der beste Weg sei, und dies implizierte, dass die „sozialistische“ Stadt ihm billigere Produkte verkaufte (die die Steuerlast ausgleichen würde) und dass die direkt von der Industrie unterstützten kollektiven Bauernhöfe (Kolchosen) außerdem eine viel größere Überlegenheit in der Produktion zeigten, die die Beiträge der Kulaken zunehmend überflüssig machen würden, sowohl an Produkten als auch an Steuern.24

Letzteres konnte für Trotzki innerhalb der Grenzen des rückständigen Russlands nicht endgültig erreicht werden, aber mit dieser Politik konnte man „Zeit gewinnen“, bis der Triumph der Revolution in einem zentralen Land (mit hoher Produktivität) zur Hilfe kommen würde. Natürlich ging dies Hand in Hand mit dem Internationalismus, während im Falle Bucharins seine Politik gegenüber der UdSSR mit der „Theorie“ des Sozialismus in einem Land verbunden war.

Bucharin griff diese Position Trotzkis an und sagte, er habe unter der Diktatur des Proletariats in der UdSSR „im Voraus die Idee der Hegemonie des Proletariats“25 geleugnet. Es ist nur eine Wiederholung dieses Arguments, wenn Thomas behauptet, dass Anderson als „Lehrling Trotzkis“ die Hegemonie der „Diktatur des Proletariats“ entgegenstellt. Wie wir gesehen haben, war Trotzki weit von dieser Position entfernt; was er bekämpfte, war die vulgäre Vision Bucharins einer bloß „ideologischen“ oder „kulturellen“ Hegemonie. Er kämpfte gegen diesen Ansatz, nicht weil er die Bedeutung von Ideologie und Kultur unterschätzte – er war derjenige klassische Marxist, der sich (theoretisch und praktisch) bei weitem am meisten mit diesen Fragen beschäftigte. Er glaubte jedoch, dass „[d]ie Arbeiterklasse […] ihre führende Lage in letzter Linie nicht durch den Staatsapparat, nicht durch die Armee, sondern durch die Industrie, die das Proletariat selbst reproduziert, behalten und befestigen“26 könne.

Gramsci weist in den Gefängnisheften darauf hin, dass“eine angemessene politische Initiative immer notwendig [ist], um den ökonomischen Anstoß von den Hindernissen der traditionellen Politik zu befreien, um also die politische Führung gewisser Kräfte zu verändern, die notwendig absorbiert werden müssen, um einen neuen, homogenen, innerlich widerspruchsfreien politisch-ökonomischen Block zu schaffen“27. Es ist wahr, dass dies der Position der „Assimilation des Kulaks als Klasse“ sehr ähnlich ist. Wenn er argumentiert, „daß also die führende Gruppe Opfer korporative-ökonomischer Art bringt, […] denn wenn die Hegemonie politisch-ethisch ist, dann kann sie nicht umhin, ihre materielle Grundlage in der entscheidenden Funktion zu haben, welche die führende Gruppe im entscheidenden Kernbereich der ökonomischen Aktivität ausübt“28, scheint er sich auch auf die Tatsache zu beziehen, dass die Kosten für „die Schere“ von der Arbeiter*innenklasse als herrschender Klasse getragen werden sollten. Dies mag der Fall sein, obwohl weder wir noch Thomas dies definitiv sagen können. Was wir bejahen können, ist, dass die Nichtproblematisierung dieser historischen Bezüge keine ernsthafte Art zu sein scheint, über „Hegemonie“ nachzudenken, wenn wir von der NEP ausgehen wollen29.

Die Wahrheit ist, dass sich Bucharins Politik als völliger Misserfolg erwies. 1928 war die Wirtschaftskrise, die Trotzki vorausgesehen hatte, mit all ihrer Heftigkeit ausgebrochen. Auch der Block zwischen Stalin und Bucharin explodierte, und ersterer befehligte eine umfassende Repression gegen die Kulaken. Der Kurs wandte sich von der „Assimilation des Kulaks als Klasse“ zur „Eliminierung des Kulaks als Klasse“, aus „Bauern bereichert euch“ wurde „Zwangskollektivierung“. Bucharin selbst hatte kurz zuvor begonnen, die Ohnmacht seiner eigenen Politik zu erkennen30. Doch es war zu spät.

Gramsci schien, wie wir sagten, trotz der Tatsache, dass er nach der „Zwangskollektivierung“ schrieb, in diesen Fragen mehr als einen Berührungspunkt mit Bucharins Orientierung zu haben. Jedoch befand er sich isoliert im Gefängnis und behielt höchstwahrscheinlich das „Foto“ von 1926 vor Augen. Offensichtlich gibt es keine Rechtfertigung für eine derart oberflächliche Sichtweise der NEP seitens Thomas, mit der er sogar versucht, das Konzept der „Hegemonie“ bei Gramsci zu aktualisieren und neu zu interpretieren.

Es ist nicht so, dass Trotzki die Diktatur des Proletariats der Hegemonie entgegengesetzt hätte. Um Trotzki zu verstehen, muss man die strategische Artikulation verstehen, die er für jedes Problem vorgibt. In diesem Fall geht es darum, nach der Eroberung der Macht in Russland eine defensive Position zu artikulieren und sie als „Schützengraben“, als „Festung“, für den Impuls der Weltrevolution zu nutzen, die die „große Strategie“ ist, um zum Kommunismus voranzuschreiten. Auf Thomas‘ Seite steht er vor einer „unmöglichen“ Extrapolation und Verallgemeinerung des Hegemoniekonzepts von der NEP auf den Kampf (oder vielleicht sollten wir sagen die „Überwindung“) der Arbeiter*innenklasse gegen die bürgerliche Herrschaft im „Westen“. Wir sagen „unmöglich“, und zwar aus zwei Gründen. Erstens, weil, genau wie es der Fall der UdSSR im Negativen gezeigt hat, das Hauptmittel für die Hegemonie der sowjetischen Arbeiter*innenklasse (bis zum Sieg neuer Revolutionen in zentralen Ländern) das Eigentum und die Kontrolle der „Industrie, die das Proletariat selbst reproduziert“, war. Daher mögen Thomas‘ theoretisch-politische Schlussfolgerungen in dieser Frage für eine andere Hegemonie als die bürgerliche im kapitalistischen „Westen“ kaum von Nutzen sein.

Und zweitens, weil seine „idyllische“ Vision der NEP und der Mangel an Tiefe in der historischen Analyse ihn daran hindern zu erkennen, dass in der Hitze der NEP und dem damit einhergehenden Prozess der sozialen Differenzierung die materiellen Grundlagen der neuen Arbeiter*innenbürokratie entstanden, die schließlich den ersten Arbeiter*innenstaat der Geschichte liquidierte (durch die Restauration des Kapitalismus). Thomas beachtet nicht einmal die Tatsache, dass es nicht nur Bucharin war, der dachte, die NEP könne ein „Weg zum Sozialismus“ sein, sondern dieser im Block mit Stalin. Es ist klar, dass ein Konzept der „Hegemonie“, das die Bürokratisierung der Arbeiter*innenstaaten und den Stalinismus nicht berücksichtigt, im 21. Jahrhundert nicht sehr nützlich sein kann.

 

Fußnoten

1. Siehe Anhang: Hegemonie und “Diktatur des Proletariats”.

2. Thomas, Peter, The Gramscian Moment, S. 226.

3. “O Momento Gramsciano: entrevista com Peter Thomas”, Esquerda Diário, 17.06.2015, abrufbar unter http://www.esquerdadiario.com.br/O-Momento-Gramsciano.

4 Diese Perspektive wird nicht nur von Thomas vertreten, sondern repräsentiert einen „Zeitgeist“ in weiten Teilen der internationalen Linken. In die gleiche Richtung argumentiert zum Beispiel auch der junge Herausgeber der US-amerikanischen Zeitschrift Jacobin, Bhaskar Sunkara: „Wir sind sehr interessiert an den Erfahrungen der Kommunistischen Partei Italiens und anderer Massenparteien in Europa und an den Theoretikern des Eurokommunismus, etwas, das uns von vielen Trotzkisten unterscheidet. Für uns waren auch die Radikalen der Zweiten Internationale sehr wichtig, jedenfalls bevor die SPD 1914 für Kriegskredite stimmte. So lesen wir Lenin, aber auch Kautskys Der Weg zur Macht. Insgesamt kommen wir aus verschiedenen Traditionen der Linken, aber man kann sagen, dass es eine gewisse Konvergenz zwischen denen, die aus dem postmaoistischen und posttrotzkistischen Milieu kommen, und denen, die aus Traditionen der sozialdemokratischen Linken kommen, gegeben hat.“ (Sunkara, Bhaskar, „Neue Massen, neue Medien“, New Left Review Nr. 90, Januar-Februar 2014, S. 38. Eigene Übersetzung).

5 “Historical Materialism at Sixteen: An Interview with Peter D. Thomas”, Jacobin 10.05.2014, abrufbar unter https://www.jacobinmag.com/2014/05/historical-materialism-at-sixteen/. Eigene Übersetzung.

6 Trotzki, Leo, “Eine kriechende Revolution”, abrufbar unter https://sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/trotzki/trotzki-kommunistische-taktik/leo-trotzki-eine-kriechende-revolution.

7 Trotzki zog im Falle der USA in den 1930er-Jahren sogar die Möglichkeit in Betracht, eine Arbeiter*innenpartei voranzutreiben, selbst wenn sie unter reformistischer Führung stünde. Jedoch ging es ihm hierbei wie im Falle der anderen Taktiken, die wir analysierten, darum, dass die Kommunist*innen in ihr mit dem Ziel intervenierten, durch die Entwicklung einer revolutionären Fraktion innerhalb der Partei ein antikapitalistisches Übergangsprogramm für eine Arbeiter- und Bauernregierung gegen die Bürokratie zu erkämpfen. Ähnlich war der Vorschlag der Dritten Internationale an die britischen Kommunist*innen in den 1920er Jahren, sie sollen in die Labour-Partei eintreten.

8 Siehe http://blogs.publico.es/otrasmiradas/4480/buscando-la-centralidad-aparecio-el-conflicto/ Eigene Übersetzung.

9 Vgl. Albamonte, Emilio und Matías Maiello: “An den Grenzen der Bürgerlichen Restauration”, Klasse Gegen Klasse, 15.10.2011, abrufbar unter https://www.klassegegenklasse.org/an-den-grenzen-der-burgerlichen-restauration/.

10 August Bebel war neben Wilhelm Liebknecht einer der Mitgründer der SPD. Später wurde er bis zu seinem Tod im Jahre 1913 ihr wichtigster Anführer.

11 Lenin, W.I., Der Reformismus in der russischen Sozialdemokratie, in: Werke, Bd. 17., S. 219.

12 Ebd.

13 In “Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus” (1919), synthetisierte Lenin, wie sich der Bolschewismus entwickelte: „Einerseits ist der Bolschewismus im Jahre 1903 auf der festen Grundlage der marxistischen Theorie entstanden. Daß aber diese – und nur diese – revolutionäre Theorie richtig ist, haben nicht nur die internationalen Erfahrungen des ganzen 19. Jahrhunderts, sondern insbesondere auch die Erfahrungen mit den Irrungen und Wirrungen, mit den Fehlern und Enttäuschungen des revolutionären Denkens in Rußland bewiesen. Im Laufe ungefähr eines halben Jahrhunderts, etwa von den vierziger und bis zu den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, suchte das fortschrittliche Denken in Rußland, unter dem Joch des unerhört barbarischen und reaktionären Zarismus, begierig nach der richtigen revolutionären Theorie und verfolgte mit erstaunlichem Eifer und Bedacht jedes „letzte Wort“ Europas und Amerikas auf diesem Gebiet. Den Marxismus als die einzig richtige revolutionäre Theorie hat sich Rußland wahrhaft in Leiden errungen, durch ein halbes Jahrhundert unerhörter Qualen und Opfer, beispiellosen revolutionären Heldentums, unglaublicher Energie und hingebungsvollen Suchens, Lernens, praktischen Erprobens, der Enttäuschungen, des Überprüfens, des Vergleichens mit den Erfahrungen Europas. Dank dem vom Zarismus aufgezwungenen Emigrantenleben verfügte das revolutionäre Rußland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über eine solche Fülle von internationalen Verbindungen, aber eine so vortreffliche Kenntnis aller Formen und Theorien der revolutionären Bewegung der Welt wie kein anderes Land auf dem Erdball. Anderseits hatte der Bolschewismus, der auf dieser granitnen theoretischen Grundlage entstanden war, eine fünfzehnjährige (1903-1917) praktische Geschichte hinter sich, die an Reichtum der Erfahrung nicht ihresgleichen kennt. Denn kein anderes Land hatte in diesen 15 Jahren auch nur annähernd soviel durchgemacht an revolutionärer Erfahrung, an rapidem und mannigfaltigem Wechsel der verschiedenen Formen der Bewegung: der legalen und illegalen, der friedlichen und stürmischen, der unterirdischen und offenen, der Zirkelarbeit und der Massenarbeit, der parlamentarischen und der terroristischen Form der Bewegung. In keinem anderen Lande war in einem so kurzen Zeitraum ein solcher Reichtum an Formen, Schattierungen und Methoden des Kampfes aller Klassen der modernen Gesellschaft konzentriert gewesen, und zwar eines Kampfes, der infolge der Rückständigkeit des Landes und des schweren Jochs des Zarismus besonders schnell heranreifte und sich besonders begierig und erfolgreich das entsprechende „letzte Wort“ der amerikanischen und europäischen politischen Erfahrungen zu eigen machte.“

14 siehe Fußnote 32 in Teil II: „In diesem Sinn müssen ganze ‚politische‘ Parteien und andere Organisationen wirtschaftlicher oder anderer Art als Organismen politischer Polizei mit Untersuchungs- und Vorbeugungscharakter angesehen werden.“ [Gramsci, Antonio, “Der Cäsarismus”, in: Gefängnishefte, H13, §27, Band 7, Berlin: Argument, 1996, S. 1592-1595, hier: S. 1594.].

15 Vgl. Dal Maso, Juan und Rosso, Fernando, “Trotsky, Gramsci y el Estado en ‘Occidente’”. Eine deutsche Übersetzung liegt nicht vor.

16 Gramsci, Antonio, “Brief an das Zentralkomitee der KPdSU(B)”, abrufbar unter https://www.marxists.org/deutsch/archiv/gramsci/1926/10/brief.htm.

17 Vgl. Albamonte, Emilio, Maiello, Matías, “Trotsky y Gramsci: debates de estrategia sobre la revolución en ‘occidente’”, a.a.O.

18 Für diese Definition gehen wir von Trotzkis Konzept des “degenerierten Arbeiterstaats” aus, mit dem er den Charakter der UdSSR definierte. Während es ein unabhängiges bürokratisches Regime gab, das die Sowjets eliminiert hatte, eine Diktatur der Bürokratie, blieben jedoch enorme Errungenschaften der Revolution bestehen, wie das staatliche Eigentum an den Produktionsmitteln, die (wenn auch bürokratische) Planung der Wirtschaft und das Fehlen der Bourgeoisie (oder einer neuen sozialen Klasse) als Herrscherin (obwohl eine bürokratische Kaste an die Macht gekommen war). Aus diesen Elementen zog Trotzki zwei programmatische Schlussfolgerungen: die Verteidigung der UdSSR gegen den Imperialismus und die Notwendigkeit des sowjetischen Proletariats, die Bürokratie durch eine politische Revolution zu stürzen. Vgl Trotzki, Leo: Verteidigung des Marxismus. Essen: Arbeiterpresse Verlag.

19 Historical Materialism at Sixteen: An Interview with Peter D. Thomas”, Jacobin 10.05.2014. Eigene Übersetzung

20 “In ihrer vermittelnden und regulierenden Funktion, ihrer Sorge um die Erhaltung der sozialen Rangstufen und der Ausnutzung des Staatsapparates zu Privatzwecken ähnelt die Sowjetbürokratie jeder anderen Bürokratie, besonders der faschistischen. Aber es gibt auch enorme Unterschiede. Unter keinem anderen Regime außer dem der UdSSR hat die Bürokratie einen solchen Grad der Unabhängigkeit von der herrschenden Klasse erlangt. In der bürgerlichen Gesellschaft vertritt die Bürokratie die Interessen der besitzenden und gebildeten Klasse, die über unzählige Mittel verfügt, ihre Verwaltung zu kontrollieren. Die Sowjetbürokratie jedoch schwang sich über eine Klasse auf, die eben erst aus Elend und Dunkel befreit und keine Traditionen im Herrschen und Kommandieren besitzt. Während die Faschisten, nachdem sie die Futterkrippe erreichten, mit der Großbourgeoisie gemeinsame Interessen-, Freundschafts-, Ehebande usw. knüpften, macht sich die Bürokratie der UdSSR die bürgerlichen Sitten zu eigen, ohne eine nationale Bourgeoisie neben sich zu haben. In diesem Sinne muss man zugeben, dass sie etwas mehr ist als eine Bürokratie.” (Trotzki, Leo: Verratene Revolution.)

21 Albamonte, Emilio, Maiello, Matías, “An den Grenzen der bürgerlichen Restauration”, a.a.O.

22 “Historical Materialism at Sixteen: An Interview with Peter D. Thomas”, a.a.O.

23 Thomas, Peter, The Gramscian Moment, a.a.O., S. 231, eigene Übersetzung.

24 Vgl. Castillo, Christian und Maiello, Matías, “Prólogo: Lecciones para reactualizar la perspectiva comunista en el siglo XXI”, in Trotsky, León, La Revolución Traicionada, Buenos Aires: Ediciones IPS, 2014.

25 Bucharin, Nicolai, “Acerca de la teoría de la revolución permanente”, en El Gran Debate (1924-1926), Madrid: Siglo XXI, 1976, S. 126, eigene Übersetzung.

26 Trotzki, Leo: Thesen über die Organisierung der Industrie, abrufbar unter https://sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/trotzki/1923/leo-trotzki-thesen-ueber-die-organisierung-der-industrie.

27 Gramsci, Antonio, „Beobachtungen über einige Aspekte der Struktur der politischen Parteien in den Zeiten organischer Krise“, in: Gefängnishefte, H13, §23, Band 7, Berlin: Argument, S. 1577-1587, hier: S. 1586.

28 Gramsci, Antonio, „Einige theoretische und praktische Aspekte des ‚Ökonomismus‘“, in: Gefängnishefte, H13, §18, Band 7, Berlin: Argument, 1996, S. 1565-1573, hier: S. 1567.

29 Vgl. Dal Maso, Juan, “Realpolitik y hegemonía: a propósito de una lectura de Peter D. Thomas sobre la NEP”, abrufbar unter http://losgalosdeasterix.blogspot.com.ar/2014/06/realpolitik-y-hegemonia-proposito-de.html.

30 Cohen, Stephen F., Bujarin y la revolución bolchevique, Madrid: Siglo XXI, 1976, S. 347-348.

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