Nach Millionen Toten: Dick Cheney gestorben
Nachdem er Millionen Tote verantwortete, ist der Architekt des Irakkriegs am 4. November gestorben – zur Freude aller Antiimperialist:innen und Menschen aus arabischen Staaten.
Dick Cheney ist tot – und viele dürften sich zurecht darüber freuen. Seine Regentschaft als Vizepräsident der USA war vor allem verbunden mit einem der schlimmsten Kriege des 20. Jahrhunderts: Die Invasion und der Krieg im Irak. Cheney war zwar nur der Vizepräsident, aber in den 2000er Jahren hatte er nahezu mehr Macht als George W. Bush selbst und dirigierte diesen Krieg, der schätzungsweise fast einer Millionen Menschen das Leben gekostet hat – durch Ermordung, durch Folter und durch die fatalen Folgen des Kriegs.
Irakkrieg
Cheney war der wichtigste Mann hinter der Invasion des Irak im Jahr 2003. Er war der Erste, der behauptete, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen – was sich später, wie wir heute alle wissen, als falsch herausstellte. Interne Berichte zeigen sogar, dass Cheney gezielt Geheimdienstinformationen manipulierte, um den Irakkrieg zu rechtfertigen.
Das Ergebnis dieser Invasion und des anschließenden Krieges waren fatal: Die gesamte Region ist bis heute destabilisiert und ständig in militärische Konflikte verwickelt. Und der Irakkrieg hatte zur direkten Folge, dass sich die ISIS, eine fundamentalistisch-dschihadistische Miliz, die in der gesamten Region für weitere Konflikte und etliche Massaker sorgte wie dem Angriff im kurdischen Kobanê oder den mehreren Angriffen in Syrien.
Folter und „War on Terror“
Der 11. September 2001 war nicht nur ein fataler Angriff auf die Zwillingstürme in New York City, sondern auch der Beginn des sogenannten „War on Terror“, maßgeblich durch Cheney in die Wege geleitet und durch andere imperialistische Staaten wie Deutschland und der Militärvereinigung NATO mitgetragen. Dieser „War on Terror“ war einerseits eine militärische Kampagne gegen den Großteil der existierenden arabischen Staaten und ihrer gesamten Region wie der oben beschriebene Irakkrieg, andererseits auch die Brutstätte der wohl grässlichsten Ausgeburt von Dick Cheneys Politik: Die Erschaffung und Architektur der US-Folterpolitik.
Nachdem das Foltergefängnis Guantánamo Bay 2002 gegründet wurde, durfte Cheney seine Folterfantasien staatlich legitimiert in die Tat umsetzen. Besonders bekannt war Waterboarding, wo Gefolterten ein Stoffstück über den Kopf gezogen wird und Wasser auf das Gesicht der Person geschüttet wird. Was sich auf den ersten Blick harmlos anhört, sorgt bei den Gefolterten für das Gefühl, dass sie ertrinken – mindestens neun Menschen sind an dieser Foltermethode tatsächlich gestorben. Cheney war nicht nur Verehrer der Guantánamo Bay, sondern auch Befürworter von CIA-Gefängnissen: Geheimgefängnisse, die offiziell nicht existieren, inoffiziell aber in anderen Ländern erbaut und für die US-Folterpolitik genutzt wurden. Das bekannteste Beispiel ist das Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak, wo Video- und Bildmaterial von den grausamen Foltermethoden der US Army an die Öffentlichkeit gekommen sind.
Um zu unterstreichen, wie menschenverachtend Cheney war und wie sehr er seine Foltergefängnisse geliebt hat, hier sein bekanntestes Zitat dazu:
„I’d do it again in a minute.“ [Ich würde es jederzeit wiedertun].
Halliburton-Skandal
Cheney hat nicht nur fast eine Millionen Menschen auf dem Gewissen, sondern auch noch reichlich Kohle gescheffelt an diesem Krieg. Vor seiner Zeit als Vizepräsident war Cheney CEO von Halliburton, einem Energie-Großkonzern mit engen Verbindungen zur Ölindustrie. Dieser Konzern hat fast 40 Milliarden Dollar mit dem Irakkrieg gemacht. Halliburton erhielt während des Kriegs zahlreiche Milliardenaufträge von der US-Regierung, die ohne Ausschreibung vergeben wurden – ermöglicht durch die korrupten Beziehungen von Vizepräsident Dick Cheney zu den nachfolgenden CEOs von Halliburton. Diese Aufträge dienten unter anderem der Energieversorgung und weiteren Dienstleistungen für die US-Truppen und Foltergefängnisse, die im Irakkrieg eingesetzt waren. Ein Teil der Kriegsprofite Halliburtons floss direkt in die Taschen von Dick Cheney selbst.
Der Tod von Dick Cheney ist ein Tag zum Feiern für alle Menschenrechtsaktivist:innen, Antiimperialist:innen und Menschen aus arabischen Staaten. Die Einzigen, die seinen Tod betrauern, sind selbst kriegstreibende, genozidleugnende Kapitalist:innen und Politiker:innen, denen Millionen Tote weniger wichtig sind als ein wahrliches Scheusal der Menschheitsgeschichte. Dazu gehört auch Kamala Harris, Ex-Vizepräsidentin von Joe Biden, die ihre Trauer kundtut auf Twitter:
Ich bin traurig über den Tod des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney. Vizepräsident Cheney war ein engagierter Staatsdiener, vom Kongress bis hin zu zahlreichen Führungspositionen in mehreren Regierungen. Sein Tod bedeutet den Verlust einer Persönlichkeit, die mit großem Engagement einen Großteil ihres Lebens dem Land gewidmet hat, das sie liebte.
Wir trauern keinen Kapitalist:innen hinterher, auch wenn wir wissen, dass der Tod von einzelnen ihrer Klasse niemanden von uns befreien wird. Aber Platz für Genugtuung, für Freude und für eine gute Portion Humor ist uns allen vergönnt. Nieder mit allen Imperialist:innen und Kapitalist:innen dieser Welt!