Frauen und LGBTI*

Köln Reloaded: Frauenmord in Freiburg

Der Mord an der Studentin Maria in Freiburg, vermutlich durch einen jugendlichen Geflüchteten, löst eine rassistisch aufgeladene Debatte über Gewalt an Frauen aus.

Köln Reloaded: Frauenmord in Freiburg

Deutsch­land hat seine zweite „Sil­vester in Köln“-Debat­te. Schau­platz ist dieses Mal Freiburg und es geht um den Mord an der 19-jähri­gen Stu­dentin Maria im Okto­ber. Als ver­mut­lich­er Täter wurde nun let­zte Woche ein 17-jähriger unbe­gleit­eter Geflüchteter iden­ti­fiziert. Die Region­alzeitun­gen und andere Medi­en bericht­en. Die Rechte regt sich darüber auf, dass der Fall in der ARD nicht erwäh­nt wurde und erzwingt damit eine Berichter­stat­tung – in der neben der AfD auch die „Gew­erkschaft“ der Polizei mit recht­en Parolen zu Wort kommt.

Der Stern titelt „Freiburg und das Ende der Idylle“. Dabei wis­sen die meis­ten Frauen, Nicht-Weißen und LGBTI*, dass hin­ter dieser Idylle immer schon Gewalt ver­bor­gen war. Wenn wir die Zahlen von ver­gan­genen Jahr hochrech­nen, wur­den in diesem Jahr schon schätzungsweise 123 Frauen getötet, oft von ihrem Part­ner, einem Fam­i­lien­mit­glied oder ihrem Bekan­nten. Gewalt an Frauen ist ein­deutig keine Frage der Herkun­ft, son­dern immer eine Frage der Mach­tausübung über weib­liche Kör­p­er. Eine Umfrage, die kür­zlich veröf­fentlicht wurde, zeigt, dass jede*r vierte Deutsche Verge­wal­ti­gun­gen unter bes­timmten Umstän­den gerecht­fer­tigt find­et. Und eine Insti­tu­tion, in der sys­tem­a­tisch sex­uelle Gewalt verübt wird, ist die katholis­che Kirche, was der Flügel der religiösen Fanatiker*innen in der AfD wohl nie zugeben würde.

Ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf alle

Es ste­ht außer Frage, dass jed­er Frauen­mord zu viel ist. Wir müssen jeden einzel­nen Fall als einen Angriff auf uns alle begreifen. Das heißt auch, dass wir nie weniger über Gewalt reden müssen, son­dern immer mehr: Jede einzelne Frauen­mord muss zu einem riesi­gen Auf­schrei führen, der die Medi­en, die ARD und die Straße erre­icht.

Dieser Kampf ist immer auch ein Kampf gegen den Ras­sis­mus, gegen die AfD, die Gewalt an Frauen unter­stützt – sei es, indem sie geflüchtete Frauen bru­tal abschieben oder an den Gren­zen Europas vere­len­den lassen will. Oder weil sie Frauen dazu zwin­gen will, Kinder auszu­tra­gen, die sie nicht wollen, und ihrem Ehe­mann gegenüber gehor­sam zu sein.

Und der deutsche Staat ist alles andere als eine Hil­fe für Frauen. Auch er hat das Blut von Frauen in den Hän­den, von abgeschobe­nen, bom­bardierten Frauen und von Frauen, die in ein­er gewalt­täti­gen Part­ner­schaft verbleiben, weil der Staat sie mit Hartz IV und Mini­jobs in die Abhängigkeit gezwun­gen hat.

Streiken gegen Gewalt

Ein Blick auf andere Län­der zeigt, wie wir es schaf­fen, nicht ein­fach nur wütend und verzweifelt über die Gewalt und ihre ras­sis­tis­che Instru­men­tal­isierung zu sein, son­dern wie wir auch kämpfen: Demon­stra­tio­nen gegen Gewalt sind in den let­zten Jahren häu­figer und größer gewor­den.

Die Frauen in Polen haben gegen die Ver­schär­fung des Abtrei­bungsrechts gestreikt, welch­es immer auch kör­per­liche Gewalt und Tod für Frauen bedeutet. Auch wenn ihr Kampf weit­erge­ht, haben sie es schon geschafft, dass der Geset­zen­twurf zurück­ge­zo­gen wurde. Die Frauen­be­we­gung in Argen­tinien hat auch gestreikt und damit ein mas­sives Zeichen gegen Gewalt an Frauen und LGBTI* geset­zt. Und für den 8. März wird zum Streik gegen Gewalt aufgerufen – nicht nur in Lateinameri­ka, son­dern auch in Ital­ien.

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