Deutschland

G20-Fahndung: In der Dunkelheit des Denunziantenstaates

Durch die Förderung des Denunziantentums versucht der Staat die Deutungshoheit über G20 zu erringen. Der Hass der Massen soll sich nicht gegen die Obrigkeit richten, sondern gegen diejenigen, die es wagen, sich zu erheben.

G20-Fahndung: In der Dunkelheit des Denunziantenstaates

Du kön­ntest mor­gen als näch­stes dran sein. An einem trüben Dezem­bertag die Titel­seite der „Bild“-Zeitung zieren, am Pranger der merkelschen Repub­lik, und mil­lio­nen­fach den verächtlichen Blick der­er auf dich ziehen, die von der Poli­tik der G20 genau­so mies behan­delt wer­den wie du. Die vie­len Geschwis­ter dein­er Klasse, Arbeiter*innen und Angestellte, die dich dafür has­sen sollen, dein Schick­sal nicht mit Gle­ich­mut ent­ge­gen­zunehmen. Dein Ver­brechen: Dich gegen die Herrschen­den gestellt zu haben, es tat­säch­lich gewagt zu haben, ihnen und ihren wildge­wor­de­nen Schläger­bullen auf den Straßen Ham­burgs die Stirn geboten zu haben.

Du woll­test demon­stri­eren, dass du kein wehrlos­es Opfer bist. Dass du dich nicht von mächti­gen Men­schen auf hohen Posten herum­schub­sen lassen willst, die sich anmaßen, über dein Leben wie einen Spiel­ball zu ver­fü­gen. Skru­pel­lose Entscheider*innen, die am Cham­pag­n­er-Ban­kett die Zer­störung deines Arbeit­splatzes und den von Tausenden von Kolleg*innen eben­so beschließen kön­nen wie die näch­sten Drohnen-Angriffe in Syrien oder Afghanistan.

Das ist die Welt, in der wir leben. Eine Welt, in der viele dein­er Klassenkamerad*innen, Kommiliton*innen und Arbeitskolleg*innen sagen wer­den, dass du es schon ver­di­ent haben wirst, am Pranger zu ste­hen. Deine Nachbar*innen mit ihren mick­ri­gen Renten, die es gar nicht abwarten kön­nen, dich bei den Bullen zu verpfeifen. Es ist der Staat des Denunziant*innentums. Bonzen, Bild und Bullen schla­gen mit ihrer per­fi­den Maschiner­ie tiefe Löch­er in das Bewusst­sein der Massen. Es geht ihnen nicht nur darum, ein paar dutzend rebel­lis­che Jugendliche einzuk­nas­ten. Sie wollen die poten­tielle Wider­ständigkeit ein­er ganzen Gesellschaft ein­lullen, um weit­er ihre Par­ty feiern zu kön­nen.

Die Fah­n­dungsaufrufe von Polizei und Springer-Presse machen mehr als 80 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land zu poten­tiellen Spitzeln. Jede Gren­züber­schre­itung kann und soll an die Herrschen­den ver­rat­en wer­den. Du bist keine selb­st­ständig han­del­nde Per­son. Du bist nur noch „Krawall-Bar­bie“. Ein Püp­pchen, das mith­il­fe der Denun­zi­a­tion und sex­is­tis­chen Objek­ti­fizierung wieder unter Kon­trolle gebracht wird.

Die Polizei nutzt die Denun­zi­a­tion vor allem, um ihre Deu­tung­shoheit über G20 zu sich­ern. Den Kampf gegen den 18-jähri­gen Fabio hat der Repres­sion­sap­pa­rat ver­loren. Sie hat­ten ihm in alle Kör­peröff­nun­gen gegrif­f­en, ihm Erziehungsmän­gel attestiert und ihn monate­lang ohne Beweise einges­per­rt. Nun ist er frei, doch wie in Rage ent­fes­selt die Polizei eine Repres­sion­swelle nach der anderen. Jet­zt also die Foto­fah­n­dung.

Es ist ein Staat, der auf Demor­al­isierung set­zt. Ein Staat, der in die Psy­cholo­gie jedes*r Einzel­nen von uns ein­dringt und uns ein­bläut, uns gegen­seit­ig zu mis­strauen, miteinan­der zu konkur­ri­eren und uns sein­er Obrigkeit zu fügen. Ein Staat, der sagt, wir sollen diejeni­gen ver­acht­en, die gegen sein Unrecht auf­begehren. Aber es ist auch ein Staat, der weiß, dass er all seine Gewalt und seinen Zynis­mus auf­bi­eten wer­den muss, um die Psy­cholo­gie der Massen so gefügig zu hal­ten. Es wird ihm nicht immer gelin­gen. Wir wer­den Möglichkeit­en find­en, als han­del­nde Sub­jek­te aufzutreten und die Ein­schüchterun­gen von Springer und Bullerei abzuschüt­teln. Um es mit Fabio zu sagen, den dieser Staat nicht brechen kon­nte:

Wahrschein­lich glauben diese Herrschaften, dass die Repres­sion unseren Durst nach Frei­heit aufhal­ten wird. Unseren Willen, eine bessere Welt zu erschaf­fen. Nun gut, diese Herrschaften täuschen sich. Sie liegen falsch, das beweist auch die Geschichte.

2 thoughts on “G20-Fahndung: In der Dunkelheit des Denunziantenstaates

  1. Bernd Flügel sagt:

    Ja wir müssen es zugeben,wir
    sind wieder zurück in der Zeit von 1933
    Sie machen Jagd auf die, die sich den Herrschen­den ent­ge­gen stellen. Schauprozesse
    Im Namen des deutschen Volkes(am Volks­gericht­shof) ganz nach dem Vor­bild * Roland Freisler…

  2. Jonaa sagt:

    Es wird nicht ein­fach nach Demon­stran­ten gefah­n­det die sich “gegen die Herrschen­den gestellt” haben. Krim­inelle hab Geschäfte geplün­dert und Klein­wa­gen angezün­det. Es ist Lächer­lich jet­zt in die Opfer­rolle zu schlüpfen. Schade so unre­flek­tiert mit der Sit­u­a­tion umzuge­hen.

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