Einheitsfront von unten, oder: Wie ich lernte, die Niederlage zu lieben
Wie können wir gewinnen? In Fortsetzung der Debatte mit der KP legen wir dar, warum die Gegenüberstellung zwischen Einheitsfront „von unten“ und „von oben“ in die Irre führt und welche Antworten Revolutionär:innen auf Rechtsruck, Militarisierung und beginnende Polarisierung nach links finden müssen.
Während die Gefahr neuer imperialistische Kriege wächst, das hässliche Antlitz des Imperialismus etwa im Genozid in Palästina und der jüngsten US-Invasion in Venezuela offen zutage tritt und kapitalistische Aufstiegsversprechen angesichts Jahren der Wirtschaftskrise und zunehmender Angriffen auf unsere Klasse an Glaubwürdigkeit verliert, beginnen neue Schichten, insbondere der Jugend, sich zu politisieren. Wir erleben eine wachsende Polarisierung, in der zum einen ein bedrohlicher Aufstieg der extremen Rechten in zahlreichen Ländern zu beobachten ist. Andererseits sehen wir aber auch Bewegungen nach links, die sich in einer Reihe von Jugendrevolten in der Peripherie, im imperialistischen Zentrum hauptsächlich in der Palästinasolidaritätsbewegung, Generalstreiks in einigen Ländern, großen antifaschistischen Mobilisierungen, aber auch der Renaissance dynamischer reformistischer Phänomene, wie der Partei Die Linke, ausdrücken. Es handelt sich um eine Situation der Weltunordnung, die unsere Genoss:innen Claudia Cinatti und Juan Chingo mit dem Konzept des Interregnums1 erfassen, „um eine Übergangszeit plötzlicher Umbrüche zu erklären, in der die alte geopolitische Landkarte keine Orientierung mehr bietet.“ Sie weisen allerdings darauf hin, dass die kapitalistischen Angriffe deshalb nicht aufhören: „Die Erschöpfung der globalen Hegemonie bedeutet nicht, dass der Neoliberalismus seine Funktionsfähigkeit verloren hat. Er setzt sich als kapitalistische Offensive fort, mit Angriffen auf die Lebensbedingungen der Arbeiter:innenklasse, Deregulierung, Steuersenkungen für Reiche, drastischen Kürzungen der öffentlichen Ausgaben und Privatisierungen. Dies ist das Programm sowohl der extremen Rechten, vertreten durch Trump und Milei, als auch der Varianten der bürgerlichen ‚Mitte‘, wie sie etwa der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz repräsentieren.“ Diese Übergangsphase enthält große Herausforderungen, Abwehrkämpfe zu führen, aber ebenso große Chancen für die Wiederbelebung der Perspektive der sozialistischen Revolution als einzigen wirklichen Ausweg aus den Krisen.
Wie kann es Kommunist:innen ausgehend von dieser Situation gelingen, aus ihrer derzeitigen relativen Isolierung herauszubrechen, die Kampfkraft der Arbeiter:innenklasse zu stärken und in diesem Prozess einen erfolgreichen Kampf mit dem Reformismus zu führen, um schließlich die Mehrheit der Arbeiter:innenklasse für die sozialistische Revolution zu gewinnen? Das bleibt eine entscheidende Frage.
Diskutiert wurde sie unter anderem in einer Diskussionsrunde zwischen unserem Genossen Tom Krüger, Jakob Schulze von der Kommunistischen Partei (KP, ehemals Kommunistische Organisation) und Freerk, einem Mitglied der Linkspartei Neukölln. Im Anschluss an die daraufhin von uns veröffentlichte Polemik „Einheitsfront oder ‚Einheitsfront von unten?‚“, hat Schulze nun seinerseits eine ausführliche Replik vorgelegt, in der er die Berufung der KP auf das Konzept der „Einheitsfront von Unten“ verteidigt. Im selben Zuge wirft er RIO/Klasse Gegen Klasse (neben anderen Gruppen) vor, den Reformismus zu verharmlosen, um opportunistische Bündnisse mit ihm eingehen zu können. An dieser Stelle wollen wir auf die zentralen Kritikpunkte, die die KP an uns richtet, eingehen und einige Elemente, die in unserem ersten Artikel unterbelichtet waren, weiterentwickeln. Wir wollen aufzeigen, warum sich unsere Vorschläge grundlegend von der Karikatur, die die KP von der „Einheitsfront von oben“ zeichnet, unterscheiden, und wir währenddessen den von ihr vertretenen Ansatz der Einheitsfront „von unten“ für eine gefährliche Sackgasse halten, die letztlich eine Einheitsfrontpolitik überhaupt unmöglich macht.
Schulze schreibt, wir würden die Fragestellung verfehlen, indem wir die KP dafür kritisieren, dem politischen Kampf mit dem Reformismus aus dem Weg zu gehen. Stattdessen laute die eigentliche Frage, ob man mit dem Reformismus ein Bündnis schließen sollte oder nicht.2 Auf unsere Kritik erwidert er: „Wer bitte plädiert dafür, die ‚Führung des Reformismus‘ zu ‚ignorieren‘? Die KP sicher nicht. Es reicht ein Blick in unseren veröffentlichten Programmentwurf, um zu sehen, welche Bedeutung wir dem Reformismus und insbesondere seiner Führung zu kommen lassen: Ein ganzes Kapitel unter dem Titel ‚Der Reformismus – eine tödliche Illusion‘ haben wir ihm gewidmet.“3 Die Feststellung, die KP weiche dem realen politischen Kampf mit dem Reformismus aus, sei also völlig falsch – sie erkläre in ihren Publikationen ja schließlich seinen reaktionären Charakter. Jede:r Leser:in mit einer Prise guten Willens sollte ersichtlich sein, dass wir der KP nicht vorgeworfen haben, sich zum Reformismus auszuschweigen. Wohl aber dass, wie wir es formuliert haben, „[d]ie Position der KP letztendlich darauf hinaus[läuft], von der Seitenlinie über die Linkspartei zu schimpfen, dabei aber in der Praxis dem politischen Kampf mit ihr auszuweichen und in eine passive Abwartehaltung gegenüber der Basis des Reformismus zu verfallen.“4 Durch den Verweis, in seinem provisorischen Programm ja die „tödliche Illusion“ des Reformismus erläutert zu haben, wird das keineswegs widerlegt.
Bündnis mit dem Reformismus?
Nun wollen wir der von Schulze zentral aufgeworfenen Frage „Soll man den Reformismus bekämpfen oder ein Bündnis mit ihm schließen?“ nicht aus dem Weg gehen. Wir halten sie aber für falsch gestellt, denn sie vermengt in Wahrheit zwei völlig unterschiedliche Fragestellungen. Zunächst: Sollten Revolutionär:innen ihre politische Unabhängigkeit aufgeben, ihr Programm und ihre Strategie an die bürgerliche Legalität anpassen, um mit reformistischen Organisationen fusionieren zu können oder reformistische Politik grundsätzlich zu stützen?
Diese Frage muss natürlich verneint werden, denn Reformismus und revolutionärer Marxismus verfolgen nicht einfach verschiedene Wege zum selben Ziel, sondern unterschiedliche, letztlich unvereinbare Ziele. Die Einheitsfronttaktik fußt auf der Unabhängigkeit der Revolutionär:innen – die für die völlige Unabhängigkeit der Arbeiter:innenklasse von Staat und Kapital eintreten, während der Reformismus für die Klassenkollaboration steht – von reformistischen und zentristischen, also zwischen reformistischen und revolutionären schwankenden, Strömungen. Wir bekräftigen, was Trotzki 1922 in „Betrachtungen zur Einheitsfront“ schrieb: „Diejenigen Mitglieder einer Kommunistischen Partei, die im Namen der ‚Einheit der Kräfte‘ oder im Namen der ‚Einheitsfront‘ eine Trennung von den Zentristen bedauern, beweisen hiermit, dass sie nicht einmal das kommunistische Alphabet kennen und dass sie nur durch Zufall in die Kommunistische Partei geraten sind.“5 Wenn wir auf die Notwendigkeit der Einheitsfronttaktik pochen, verbirgt sich dahinter kein verkapptes Streben nach einem dauerhaften politischen Bündnis mit dem Reformismus, nach prinzipienloser „Einheit“ um jeden Preis, wie es die KP unterstellt.
Nun enthält die Frage, so wie der Autor sie stellt, aber auch ein zweites Element: Sollten Revolutionär:innen es vermeiden, sich um Aktionseinheiten für die Verteidigung der elementaren Rechte und Lebensinteressen der Arbeiter:innen und Unterdrückten, für den Kampf gegen reaktionäre Kräfte, die reformistische Organisationen umfassen, zu bemühen? Die Bejahung dieser Frage ist die Grundlage der von der KP befürworteten „Einheitsfront von unten“.
Schulze entpolitisiert die Diskussion über die Einheitsfront, indem er sie auf eine formale Bündnisfrage, abstrahiert von Zielen und Methoden, reduziert. Die Frage, ob ein „Bündnis“ (worunter er jede Art der koordinierten Aktion zwischen revolutionären und reformistischen Kräften zu verstehen scheint) geschlossen werden sollte, sollte aber nicht kategorisch beantwortet werden. Dient das „Bündnis“ der Mobilisierung der Arbeiter:innen und Jugendlichen für die Durchsetzung ihrer Interessen oder dient es ihrer Demobilisierung, etwa durch Umlenkung von Bewegungen an die Wahlurne? Ermöglicht es die Sammlung von Kräften, durch die Einbeziehung breiterer Schichten und Entwicklung von Organen der Selbstorganisation für den Kampf, in denen revolutionäre Kräfte Übergangsforderungen6 aufwerfen und vor der Basis den politischen Kampf mit dem Reformismus austragen, oder handelt es sich um ein reines Überbaubündnis, in dem Apparatvertreter:innen diplomatische Beziehungen pflegen?
All diese Fragen scheinen für die KP keine Rolle zu spielen: dass Aktionseinheiten der Herstellung „[der] größtmögliche[n] Schlagkraft der Arbeiterbewegung in ihrem täglichen Kampf gegen die Bourgeoisie“ – wie sie in ihrem Programmentwurf durchaus richtigerweise ein Ziel der Einheitsfronttaktik benennt – dienen, wird in ihrer Logik unmöglich, sobald Führungen reformistischer Organisationen an diesen beteiligt sind, denn „immer wieder [habe] sich gezeigt, dass die Kooperation mit solchen Kräften im Widerspruch zur konsequenten Bekämpfung dieser Kräfte steht und es zudem erschwert, die Arbeiterklasse zur Selbstaktivität zu bewegen.“7 Als Argument für die These, dass die Bemühung um Aktionseinheiten mit den Führungen des Reformismus die Ausweitung und Koordinierung von Kämpfen an der Basis nicht fördere, sondern im Gegenteil blockiere,8 führt sie die Konventionen linker Bündnispolitik in Deutschland an. Es sei „weit über KgK hinaus eine fast unwidersprochene Praxis in der kommunistischen Bewegung in Deutschland, regelmäßig Bündnisse ‚von oben‘ zu schmieden: Gegen die AfD, gegen Mietenwucher, gegen Krankenhausschließungen und gegen vieles mehr. Auch wenn alle diese Kämpfe an sich ihre unbedingte Berechtigung haben, fehlen Erfolge dieser Bündnisse ‚von oben‘ auf ganzer Linie. Nicht nur das, regelmäßig werden Bewegungen durch verschiedene Kräfte, allen voran durch parlamentarische Parteien wie die SPD, die Grünen und die Partei die Linke (PdL), mit Versprechungen abgespeist, die nie erfüllt werden und dadurch die Bewegung in völlig ungefährliche Bahnen lenken.“9
Diese innerhalb der Linken in Deutschland weit verbreitete Form der Bündnispolitik, von der KP als „Einheitsfront von oben“ bezeichnet, ist in der Tat kritikwürdig. Häufig handelt es sich hierbei um bloße Überbauphänomene, die nur bereits organisierte Linke zusammenbringen, hauptsächlich in Absprachen zwischen Apparaten bestehen und die Selbsttätigkeit von Arbeiter:innen und Jugendlichen nicht voranbringen. Ebenso sind diese häufig von einem Pazifismus untereinander geprägt, der politischen Auseinandersetzungen auf Grundlage der Einigung auf einen Minimalkonsens nicht führt, geschweige denn politische Differenzen in lebendigen Diskussionen vor der Basis der verschiedenen beteiligten Organisationen, wie Unorganisierten, die sich dem Kampf anschließen wollen, austrägt.
Doch welche Schlussfolgerungen ziehen wir aus der Kritik an dieser Art der Politik? Wir denken, dass es gerade notwendig ist, die beteiligten Organisationen – auch reformistische – herauszufordern, ihre Basis zu mobilisieren und sich der Auseinandersetzung vor der Basis zu stellen und dass es die Aufgabe von Kommunist:innen ist, in Arbeitskämpfen, an Universitäten, wie auch in den immer wieder aufkommenden Aktionsbündnissen entschlossen mit eigenem Profil zu intervenieren und auf eine Demokratisierung, Ausweitung und Verknüpfung mit der Entwicklung von Organen der Selbstorganisation hinzuarbeiten. Für die KP hingegen ist es anscheinend nur akzeptabel, sich an Aktionsorganen zu beteiligen, wenn Funktionär:innen des Reformismus herausgehalten werden. Dabei mag sie noch so häufig beteuern, dass sie Arbeiter:innen, die noch nicht zu revolutionären Schlussfolgerungen gelangt sind, nicht „verhöhnen, verachten und bevormunden“ will und „nicht zur Voraussetzung [macht], dass alle anderen Mitkämpfer den Sturz des Kapitalismus selbst als Notwendigkeit begreifen“10. Doch ihr Vorschlag, Strukturen, die reformistische Organisationen umfassen, zu boykottieren, muss notwendigerweise in eine Selbstisolierung münden, die die eigene Praxis weitgehend auf randständige Strukturen begrenzt und die Möglichkeit von gemeinsamen Erfahrungen mit nicht revolutionär organisierten Arbeiter:innen und Jugendlichen beschränkt.
Schulze geht in seinen Ausführungen zur Konzeption der ‚Einheitsfront von unten‘ der recht offenkundigen Tatsache aus dem Weg, dass die Mobilisierungskraft reformistischer Organisationen in der gegenwärtigen Situation ungemein höher ist als die kommunistischer Gruppen, auch wenn letztere erklären, nicht-kommunistische Arbeiter:innen und Jugendliche nicht ausschließen zu wollen. Beispielhaft können wir dafür die „Zusammen für Gaza“-Demonstration des letzten Sommers heranziehen, die – neben der zu diesem Zeitpunkt hohen internationalen Dynamik der Palästinabewegung – auch deshalb zur mit Abstand größten palästinasolidarischen Aktion in Deutschland wurde, weil die Führung der Linkspartei sich unter dem Druck von Teilen ihrer Basis gezwungen sah, zu mobilisieren.
„Von unten“ oder „von oben“?
Der grundlegende Fehler der KP besteht in der Aufspaltung der Einheitsfronttaktik in einerseits die Taktik der Einheitsfront „von unten“, andererseits die Taktik der Einheitsfront „von oben“. Damit reproduziert sie die fatalen Irrwege der Kommunistischen Internationale (KomIntern) in der „dritten Periode“11. Deren Orientierung in dieser Phase bedeutete nicht, wie die KP behauptet12, eine Weiterentwicklung (auf die Verteidigung der Dritten Periode durch die KP werden wir später ausführlich zu sprechen kommen), sondern einen Rückfall hinter den Stand, der zu Beginn des Jahrzehnts mit den Diskussionen um den III. und IV. Weltkongress und den vorausgehenden Erfahrungen erreicht worden war. Trotzki erklärte im bereits zitierten Text, warum die Frage, ob die „Einheitsfront nur für die Arbeitermassen oder auch für die opportunistischen Führer [gilt]“, ein Missverständnis ausdrückt:
Selbstverständlich wäre es am besten, wenn wir einfach die Arbeitermassen um unsere Fahne oder um unsere praktischen Tageslosungen ohne die reformistischen politischen bzw. Gewerkschaftlichen Organisationen versammeln könnten. In diesem Falle würde aber das Problem der Einheitsfront in seiner gegenwärtigen Gestalt überhaupt nicht bestehen.
Das Problem entsteht eben dadurch, dass bestimmte, sehr bedeutende Teile der Arbeiterklasse den reformistischen Organisationen angehören oder sie unterstützen. Ihre bisherige Erfahrung reicht noch nicht zum Austritt aus den reformistischen Organisationen und zum Anschluss an unsere aus.13
Das Problem, auf das die Einheitsfronttaktik eine Antwort formuliert, besteht darin, dass bedeutende Teile der Arbeiter:innenklasse politisch vom Reformismus angeführt werden. Dabei ist entscheidend, dass sich diese Führungsrolle nicht nur ideologisch, sondern in Bezug auf praktische Handlungen, auf die Bereitschaft, in den Kampf zu treten und die Art, die Kämpfe zu führen, ausdrückt. Die Logik der „Einheitsfront von unten“ erkennt lediglich an, dass reformistisch geprägte Arbeiter:innen Illusionen in den Charakter des kapitalistischen Staates, die ihre Führung vermittelt, teilen. Dem wird dadurch begegnet, zu beteuern, Kommunist:innen seien auch dann bereit, mit ihnen zusammenzuarbeiten, wenn sie nicht alle ihre Positionen teilen. Allerdings wird vorausgesetzt, dass die Bereitschaft reformistisch geführter Arbeiter:innen, sich an Aktionseinheiten zu beteiligen, bestenfalls völlig unabhängig von und im Zweifel gegen die Positionen ihrer reformistischen Führungen bestünde. Damit trennt sie Bewusstsein und Erfahrung und verkennt geradewegs, was politische Führung überhaupt bedeutet.
Die Einheitsfront ist kein Bündnis aus politischer Sympathie mit den reformistischen Führungen, sondern eine taktische Notwendigkeit, um den gemeinsamen Kampf mit der Masse der Arbeiter:innen, insbesondere in strategisch wichtigen Sektoren14, wo der Reformismus besonders einflussreich ist, zu ermöglichen. Auch wenn die Kräfteverhältnisse die Einbeziehung der Führungen in Einheitsfronten nicht sofort hergeben, sollte die politische Orientierung von Kommunist:innen darauf ausgelegt sein, die Führungen der reformistischen Parteien und Gewerkschaften gemeinsam mit ihrer Basis zur Teilnahme aufzurufen. Haben wir es mit einer Situation zu tun, in der nur eine Minderheit in reformistischen Parteien bereit ist, sich der Einheitsfront anzuschließen, setzen wir uns dafür ein, dass sie innerhalb ihrer Parteien für die Teilnahme kämpft. Wenn die Bildung von Einheitsfronten – die untrennbar mit der Entwicklung von Kampforganen, die die Selbsttätigkeit der Basis umfassen, verbunden ist – gelingt, ermöglicht das Kommunist:innen, in konkreten Auseinandersetzungen darum zu streiten, wie, wofür und wie lange gekämpft wird, und ihren Einfluss zu erweitern. Es ermöglicht, die reformistischen Funktionär:innen dazu zu bringen, vor den Augen der Massen Stellung zu beziehen und so die Grenzen ihrer Politik aufzuzeigen. Wenn die reformistischen Führungen die Einheitsfront ablehnen, können Kommunist:innen so aufzeigen, dass es nicht ihre eigene Sektiererei, wie die Reformist:innen behaupten mögen, sondern der mangelnde Kampfeswille der Reformist:innen ist, der das Bedürfnis der Arbeiter:innen nach Einheit in der Aktion untergräbt, und ebenfalls ihre Position verbessern.
Ein wichtiges Beispiel für die Anwendung der Einheitsfronttaktik bietet der offene Brief, den das Zentralkomitee der KPD am 8. Januar 1921 veröffentlichte und der unter anderem von Lenin außerordentlich gelobt15 wurde. Der Brief richtete sich an alle Organisationen der Arbeiter:innenklasse, darunter den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, die Reste der USPD16 und die SPD. Die KPD schlug gemeinsame Aktionen für die Umsetzung einer Reihe an Tages- und Übergangsforderungen, die auf die Probleme der Arbeiter:innenklasse und Massen antworteten, vor. Dazu gehörten höheren Renten für kriegsversehrte Veteranen, Beseitigung der Arbeitslosigkeit, Einführung der Kontrolle durch Fabrikkomitees über alle Vorräte an Lebensmitteln, Rohstoffen und Brennstoffen, Wiederaufnahme des Betriebs aller geschlossenen Unternehmen, sofortige Entwaffnung und Auflösung aller rechten Milizen und die Errichtung von Arbeiter:innenselbstverteidigung.17
Die Initiative stützte sich auf einen Beschluss einer parteiübergreifenden Generalversammlung der Stuttgarter Metallarbeiter:innen (der Vorsitzende der lokalen Metallergewerkschaft war KPD-Mitglied), der die Gewerkschaftsverbände aufforderte, einen Kampfplan für die Umsetzung ähnlicher Forderungen aufzustellen und dafür in allen Betrieben Arbeiter:innenversammlungen zu organisieren.18 Die von der KPD gewählte Taktik antwortete auf eine Situation, in der das Bedürfnis nach gemeinsamer Aktion für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und die Bekämpfung der Reaktion in den Reihen der Arbeiter:innenklasse hoch war, große Teile zugleich aber noch nicht bereit waren, unabhängig von der mehrheitlich reformistischen Führung der Gewerkschaften in Aktion zu treten. Dabei signalisierte die KPD ihre Bereitschaft zu partiellen Abkommen mit den Führungen des Reformismus, wodurch sie ihre Position gegenüber deren Basis stärkte, ohne ihre politische Unabhängigkeit aufzugeben. Indem sie für die Einheitsfront Übergangsforderungen wie die Gründung von Fabrikkomitees vorschlug, die eine Brücke zwischen den drängendsten Tagesfragen und dem Ziel des Sturz des kapitalistischen Systems schlagen und die Selbstorganisation der Arbeiter:innen fördern, um das Kräfteverhältnis zwischen Proletariat und Bourgeoisie zu verschieben, zielte sie zugleich darauf ab, den Übergang aus der Defensive in die Offensive vorzubereiten. Auch wenn die reformistischen Führungen das Angebot der KPD nicht annahmen, verlief die Initiative nach der Einschätzung von Clara Zetkin im Sommer 1922 „[n]icht ohne Erfolg, bis die Märzaktion[19] die beginnende Sammlung proletarischer Massen unterbrach.“20
Die KP suggeriert, die Bemühung um eine Einheitsfront mit Einbeziehung der Führung reformistischer Parteien ergebe automatisch ein Kräfteverhältnis „von oben“, in dem die Massen ausgeschlossen werden und der Reformismus aufgrund seiner größeren objektiven Stärke immer dominieren wird, was letztlich zur Integration in den kapitalistischen Staat führen würde. Die Behauptung, eine Einheitsfront, die die politischen Führungen der reformistischen Arbeiter:innen einschließt, würde nur „von oben“ geführt werden können, ist aber eine Finte. Dass Aktionseinheiten, die reformistische Führungen umfassen, zur Anpassung an den Reformismus führen, ist keinesfalls ein Naturgesetz, sondern hängt davon ab, ob Revolutionär:innen in ihnen eine korrekte Politik verfolgen. Währenddessen isoliert die von der KP vertretene Linie bereits von vornherein die Revolutionär:innen von der Basis des Reformismus, verbaut also auch die Möglichkeit realer „Einheitsfronten von unten“. Die Frage lautet nicht „Einheitsfront von unten oder von oben?“, sondern: „Einheitsfront oder keine Einheitsfront?“
Was ist der Reformismus?
Die Ablehnung der Einheitsfront seitens der KP hängt zusammen mit der falschen Charakterisierung reformistischer Parteien als bürgerliche Parteien. Schulze fragt: „Wonach bestimmen wir den Klasseninhalt einer Partei?“ und gibt als Antwort: „Würden wir ihn nach der Herkunft ihrer Mitgliedschaft bestimmen, dann wäre die SPD vielleicht bis heute eine ‚Arbeiterpartei‘. Man sieht, wie nutzlos ein solches Herangehen wäre. Der Klasseninhalt einer Partei bestimmt sich dadurch, welche Interessen diese Partei objektiv, durch ihre Praxis verkörpert. Wir haben (…) dargelegt, dass der Klasseninhalt der PdL eindeutig die Klasseninteressen der Bourgeoisie widerspiegelt.“21
Die KP liegt falsch, wenn sie behauptet, dass etwa CDU und SPD/Linkspartei denselben Klassencharakter haben. Letztlich läuft es auf eine Verharmlosung der bürgerlichen Parteien und eine abstentionistische Haltung gegenüber dem Reformismus bei scharfer rhetorischer Verurteilung hinaus. In der von der KP (wie von ihren historischen Vorbildern) vorgenommenen sektiererischen Leugnung des Unterschiedes zwischen reformistischen und rein bürgerlichen Kräften zeigt sich auch der von Schulze vehement bestrittene22 Zusammenhang zwischen der „Einheitsfront von unten“ und der Volksfronttaktik, also der nach dem Ende der dritten Periode, das mit dem Sieg des deutschen Faschismus einsetzte, von der KomIntern verfolgten Linie der Bündnisse mit vermeintlich antifaschistischen Teilen der Bourgeoisie. Nachdem die Unterscheidung zwischen reformistischen Führungen der Arbeiter:innenklasse und Kräften des Bürgertums weggewischt wurde, erscheint – wenn die Selbstisolation der Kommunist:innen nicht mehr aufrechterhalten werden kann – das Zusammengehen mit sozialdemokratischen und bürgerlichen Kräften gleichermaßen logisch. Das eigentliche Ziel der Einheitsfront, die Maximierung der Schlagkraft der Arbeiter:innenklasse und die Sammlung von Kräften für die Vorbereitung der Offensive, wird in beiden Logiken praktisch verworfen.
Wie bestimmt man nun die Klassennatur der reformistischen Parteien? Eine Bestimmung, die die Klassenzugehörigkeit der Mitglieder als einziges Kriterium heranzieht, ist tatsächlich unzureichend, weil die Arbeiter:innenklasse im Vergleich vor 100 Jahren heute die Mehrheit der Gesellschaft ausmacht. Wir müssen neben der soziale Zusammensetzung (wobei es eine Rolle spielt, ob es sich um Lohnabhängige handelt, die sich als Teil der Arbeiter:innenbewegung organisieren, etwa als aktive Gewerkschafter:innen) nach ihrer materiellen Verankerung und ihrer objektiven Funktion im Klassenkampf fragen.
Reformismus bezeichnet zunächst eine politische Strategie, die auf „Verbesserungen“ innerhalb der kapitalistischen Ordnung zielt und von Parteien mit sehr unterschiedlicher sozialer Zusammensetzung vertreten werden kann – etwa von kleinbürgerlichen Formationen wie den frühen Grünen ebenso wie von Parteien mit proletarischer Verankerung. Bürgerliche Arbeiter:innenparteien sind als reformistisch zu charakterisieren: Sie haben ihren organischen Ursprung in der Arbeiter:innenbewegung und sind bis heute vor allem über Gewerkschaften, Betriebsstrukturen und die Arbeiter:innenaristokratie materiell verankert. Im Falle der deutschen Sozialpartnerschaft drückt sich das etwa durch Aufsichtsratsmandate aus, die eine zentrale Stütze sind. So verwaltet die Bürokratie nicht nur den Staat mit, sondern teilweise auch die Unternehmen. Die Bürokratie ist zudem in Sozialverwaltung und Arbeitsgerichtsbarkeit integriert. Ihre soziale Basis ist damit überwiegend proletarisch, allerdings nicht das gesamte Proletariat, sondern insbesondere jene Schichten, die durch stabile Beschäftigung, tarifliche Absicherung und relative Privilegien innerhalb der kapitalistischen Ordnung integriert sind. Gleichzeitig verfügen reformistische Parteien über eine kleinbürgerliche Führungsschicht, die politisch und institutionell in den kapitalistischen Staat eingebunden ist und dessen Verwaltung nicht infrage stellt, sondern anstrebt und durchführt.
Der Reformismus artikuliert daher vor allem die Interessen jener Teile der Arbeiter:innenklasse, die im Rahmen der bestehenden Ordnung mehr Absicherungen haben oder zumindest nicht unmittelbar von ihr ausgeschlossen sind. So fungiert er als Vermittlungsinstanz zwischen Arbeiter:innenklasse und bürgerlichem Staat. Der Reformismus ist ein Hindernis angesichts seiner historisch-gesetzmäßigen Funktion im Klassenkampf. Der Reformismus (inklusive der Gewerkschaftsbürokratie) ist nicht nur in der Vermittlerposition (Sozialpartnerschaft), sondern er kommandiert auch. Die Gewerkschaftsbürokratie unterdrückt beispielsweise die Streikdemokratie, indem sie Entscheidungen an Apparate bindet und sehr hohe Hürden für unbefristete Streiks aufstellt. Die politischen Parteien des Reformismus an der Regierung sind für Polizeigewalt, Abschiebungen und Angriffe auf Lebensstandards der Massen verantwortlich.
Entscheidend ist dabei, dass es einen qualitativen Unterschied macht, ob eine Partei ausschließlich auf einer proletarischen Basis und in gewerkschaftlichen Strukturen verankert ist oder ob sie darüber hinaus systematisch Mittelschichten, Unternehmer:innen oder Manager:innen integriert. Denn mit der sozialen Erweiterung der Basis verschiebt sich auch ihre Klassenfunktion.
Es ist ein Indiz, dass die Führungspersonen reformistischer Parteien sehr oft Gewerkschaftsbürokrat:innen sind, hingegen bei bürgerliche Parteien eher Kleinbürger:innen und Bourgeoise diese Posten besetzen. Die SPD hat bis heute starke Verbindungen zu Gewerkschaften und hält die DGB-Führung in ihrer Hand. Beispielsweise sind Christiane Benner (Vorsitzende von IG Metall mit rund 2,1 Millionen Mitgliedern), Frank Werneke (Vorsitzender von ver.di mit 1,9 Millionen Mitgliedern) und Yasmin Fahimi (Vorsitzende des DGB) SPD-Mitglieder.
Die Linkspartei ist in bestimmten Sektoren der Arbeiter:innenklasse, im städtischen akademischen Kleinbürger:innentum, unter Studierenden und Azubis verankert. Politisch ist sie auf die Verwaltung des bürgerlichen Staates aus. Im Vergleich zur SPD, die immer noch in den Industriezentren den höchsten Organisationsgrad hat, ist die Linkspartei eher im öffentlichen Dienst und prekären Sektoren verortet. Sie hat in den letzten zehn Jahren besonders durch die Krankenhausbewegung, Organizing und Lehrer:innenstreiks ihre Basis und Stellungen in der Arbeiter:innenbewegung gestärkt. Die Eintrittswelle in die Linkspartei (über 60.000 neue Mitglieder, überwiegend Jugendliche) ist unter anderem ein Anzeichen für eine linke Polarisierung hierzulande. Der Parteivorstand ist staatstragend und verbreitet die Theorie der Faschisierung mittels Intellektuellen, um Rot-Rot-Grün als „antifaschistische Volksfront“ eine Legitimation zu verleihen.
Die reformistischen Parteien und die Gewerkschaftsbürokratie führen aktuell aus ihrer Stellung heraus die meisten Arbeitskämpfe an und rechtfertigen sich mit der Erhaltung des Status Quo gegen Verschlechterungen. Als Beispiele lassen sich die wiederkehrenden faulen Kompromisse bei Tarifabschlüssen anführen, aber auch die Entscheidung der Linkspartei, sich bei der Abstimmung zum Rentengesetz im Bundestag enthalten zu haben, was sie damit begründete, dadurch einen Angriff, der die Lage der Rentner:innen weiter verschlechtert hätte, abzuwehren.
Dadurch unterscheidet sie sich aber doch von bürgerlichen Parteien wie Union und AfD, die ihre Legitimität nicht aus der Verankerung in den Apparaten der Arbeiter:innenbewegung schöpfen und Gewerkschaften – trotz zahmer, sozialpartnerschaftlicher Ausrichtung – tendenziell als Feind begreifen und fordern, deren Rechte weiter einzuschränken. Sie führen den Klassenkampf gegen die Arbeiter:innenbewegung an. Warum hat dann die SPD mit der Agenda 2010 einen Generalangriff durchgeführt? Bürgerliche Arbeiter:innenparteien können Angriffe durchführen, zu denen bürgerlichen Parteien alleine nicht imstande wären, weil sie über Vermittlungs- und Disziplinierungsfähigkeit innerhalb der Arbeiter:innenklasse verfügen.
Schulze schreibt: „Der Kampf der Kommunisten innerhalb der Gewerkschaften ist unabdingbar, auch im Sinne der Einheitsfronttaktik.“23 Dem ist zuzustimmen, da Gewerkschaften als Massenorganisationen der Arbeiter:innenklasse, die Arbeiter:innen unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit zusammenbringen, den Ort ökonomischer Abwehrkämpfe darstellen. Wie ist diese Haltung aber mit der Ablehnung von Aktionseinheiten mit reformistischen Führungen zu vereinbaren, wo doch auch die KP anerkennt, dass „die Gewerkschaften heute durchweg unter sozialdemokratischer Hegemonie stehen“24?
Diesem Widerspruch begegnet sie durch den Verweis, dass es sich bei den DGB-Gliederungen dennoch um Einheitsgewerkschaften handele und die „politischen Parteien […] in den betrieblichen und gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen meist nur indirekt eine Rolle“25 spielen würden. Die klare Unterscheidung „zwischen politischen Parteien und Organisationen wie der PdL, RIO oder KP – und Massenorganisationen der Arbeiterklasse wie die DGB- und andere Gewerkschaften“26 lässt sich angesichts der überaus engen Verschmelzung zwischen den Apparaten der Gewerkschaften und reformistischen Parteien aber nicht immer absolut aufrechterhalten. Die enge personelle, institutionelle und strategische Verbindung zwischen den Führungen der DGB-Gewerkschaften und der reformistischen Parteien wirkt sich unmittelbar auf die Führung, Begrenzung und Disziplinierung von Arbeitskämpfen aus. Die klare Trennung zwischen Partei und Gewerkschaft kann daher nicht abstrakt behauptet werden, sondern muss an der konkreten Praxis festgestellt werden.
Die Praxis des Reformismus besteht in einer Aufspaltung von gewerkschaftlicher und politischer Sphäre: Arbeiter:innen werden in den Gewerkschaften punktuell für die Aushandlung tariflicher Fragen mobilisiert, in denen der Apparat Forderungen festlegt, die sich ausschließlich an die „Tarifpartner“ richten, während die politische Fragen an Berufspolitiker:innen, Parlamente und andere staatliche Institutionen delegiert werden. Doch die Gewerkschaftsbürokratie muss auch als politischer Akteur begriffen werden, denn diese Trennung stellt zugleich eine Einheit dar: Sie verhindert, dass Arbeiter:innen als politische Subjekte tätig werden, die sich gegen die Angriffe der Regierung und der Rechten der Mittel des Klassenkampfes bedienen und sorgt dafür, dass der Klassenkampf so gelähmt bleibt, während sie die Hegemonie der reformistischen Führungen über die Arbeiter:innenbewegung zementiert. Die Gewerkschaftsbürokratie bildet den organisierten Ausdruck an der Spitze der Arbeiter:innenaristokratie. Sie ist das zentrale strategische Problem für die Arbeiter:innenklasse, da sie sie wie eine Polizei in den eigenen Reihen daran hindert, ihre Kämpfe zu Ende zu führen, zu verallgemeinern und sich als politisches Subjekt zu konstituieren.
Die Aufgabe von Kommunist:innen in Gewerkschaften besteht nicht allein darin, in Tarifauseinandersetzung besonders konsequent vorzugehen, sondern darauf hinzuarbeiten, die von den reformistisch geführten Apparaten durchgesetzte Trennung zwischen ökonomischen und politischen Fragen zu durchbrechen. Mit ihrem Verständnis der Einheitsfronttaktik reproduziert die KP aber gerade diese Spaltung. Es ist zentral, sich dafür einzusetzen, dass die Gewerkschaften den Kampf gegen die Kürzungen und hart erkämpfte Rechte wie den Acht-Stunden-Tag, aber auch gegen die damit verbundene Militarisierung und die rassistischen Angriffe auf die prekärsten Teile unserer Klasse, die letztlich der gesamten Klasse schaden, aufnehmen. Ein Element davon besteht auch darin, den Reformismus herauszufordern, ihre Stellungen in den Gewerkschaften zu politisieren. Wenn etwa die Linkspartei sich gegen die Wehrpflicht ausspricht, muss sie gefragt werden, warum sie sich nicht in der GEW oder in ver.di, wo sie eine Basis hat, dafür einsetzt, die Rücknahme des Wehrdienstgesetzes in die Tarifrunde der Länder aufzunehmen und die TV-L-Streiks mit den Aktionen der Schüler:innen zu verbinden.
Die Bolschewiki als Pioniere der Einheitsfronttaktik
Schulze kritisiert unseren Artikel dafür „nicht aus[zuführen], auf welche positiven Erfahrungen der Geschichte der Komintern oder der trotzkistischen Internationalen wir uns in unseren „Vorstellungen beziehen.“27 Tatsächlich bietet die Politik der Bolschewiki in der Revolution von 1917 ein frühes Beispiel für eine erfolgreiche Anwendung der Einheitsfronttaktik. Die überaus lehrreichen Erfahrungen, die zwischen März und November gemacht wurden, bildeten eine wichtige Grundlage für die spätere Theoretisierung der Taktik. Die Bolschewiki verstanden, dass es nicht reichte, die Arbeiter:innen und Werktätigen über die „tödliche Illusion“ des Reformismus aufzuklären, sondern dass die Illusionen in die opportunistische Führungen durch die reale Erfahrung im Kampf überwunden werden mussten, was die Herstellung von befristeten Aktionseinheiten mit und Aufrufe an diese Führungen einschließen kann.
Nach dem Sturz des Zaren konnten sich die Menschewiki und Sozialrevolutionäre zunächst auf eine Mehrheit in den Arbeiter:innen- und Soldatenräten und der Bauernschaft stützen und beteiligten sich gleichzeitig mit liberalen und konstitutionell-monarchistischen Kräften des Bürgertums an der provisorischen Regierung. Aus der anfänglichen Minderheitenposition heraus riefen die Bolschewiki diese reformistischen und kleinbürgerlichen Führungen der Massenbewegung dazu auf, den Kampf gegen die sich mit wachsender Unterstützung der Bourgeoisie formierende Konterrevolution gemeinsam aufzunehmen und mit den bürgerlichen Minister:innen und den imperialistischen Entente-Mächten zu brechen. Sie würden den Eintritt in eine solche Regierung ablehnen, sicherten aber zu, diese nicht militärisch zu Fall zu bringen, sondern in den Räten (und anderen Organen der Arbeiter:innenbewegung, wie den Fabrikkomitees) friedlich um die Mehrheit zu kämpfen. Ebenfalls forderten sie beharrlich die Einberufung der konstituierenden Versammlung. Die Bolschewiki glaubten nicht an eine demokratische Zwischenetappe vom Kapitalismus zum Sozialismus, weder unter Führung von Menschewiki und Sozialrevolutionären, noch durch eine verfassunggebende Versammlung. Doch würde eine der gestellten Forderungen erfüllt, so hätte dies die Bedingungen der Arbeiter:innenklasse, um die Macht zu kämpfen, deutlich verbessert. Sollten sie nicht umgesetzt werden, konnten die Bolschewiki ihren Einfluss erweitern, indem sie vor den Augen der Massen die Beschränktheit der versöhnlerischen Führungen praktisch aufzeigten.
Eine insbesondere im Kontext der Diskussion über die Einheitsfront lehrreiche Etappe der russischen Revolution bietet die Abwehr des Kornilow-Putsches im August 1917. Der konterrevolutionäre Oberbefehlshaber der Armee Lawr Georgijewitsch Kornilow, der einige Monate lang mit dem Vorsitzenden der provisorischen Regierung Kerenski kooperiert hatte, um den ersten Weltkrieg weiterzuführen, marschierte mit Unterstützung breiter Teile der Bourgeoisie, der zaristischen Offizierskaste und imperialistischer Mächte auf Petrograd, um die Räte zu zerschlagen und eine Militärdiktatur zu errichten.
Die Bolschewiki waren zu diesem Zeitpunkt in einer schwierigen Situation, durch die Ereignisse der Julitage weiterhin geschwächt.28 Sie zögerten nicht, öffentlich ihre Bereitschaft zu erklären, gemeinsam mit allen Kräften, die Einfluss in der Arbeiter:innenbewegung hatten, den Putsch zu bekämpfen, ohne ihre politische Unabhängigkeit aufzugeben. So beteiligten sie sich gemeinsam mit Repräsentant:innen der menschewistisch und sozialrevolutionär geführten Sowjets sowie der von ihnen kontrollierten Gewerkschaften und Milizen an dem Komitee für die Verteidigung gegen die Konterrevolution, das zur Abwehr des Putsches gegründet worden war. Lenin erklärte: „Wir werden kämpfen, wir kämpfen gegen Kornilow ebenso wie die Truppen Kerenskis, aber wir unterstützen Kerenski nicht, sondern entlarven seine Schwäche“29.
Die Bolschewiki stellten sich an Spitze der praktische Organisierung der Verteidigung: Sie mobilisierten die Roten Garden30, organisierten Eisenbahner:innen, um Truppentransporte Kornilows zu sabotieren, und führten Agitation unter den Soldaten der konterrevolutionären Truppen durch. Dies geschah in einer Aktionseinheit mit den opportunistischen Führungen – nicht, weil die Bolschewiki Illusionen in diese Führungen gehabt hätten, sondern weil diese realen Einfluss auf entscheidende Teile der Massen hatten und weil die Abwehr der Konterrevolution eine maximale Zusammenfassung der Kräfte der Arbeiter:innenklasse erforderte. Durch die Organisierung und Mobilisierung der Arbeiter:innen und Teile der Soldatenschaft wurde der Putsch erfolgreich niedergeschlagen. Diese embryonale Form der Einheitsfronttaktik führte dabei keineswegs zur Anpassung der Bolschewiki an die reformistischen und kleinbürgerlichen Kräfte, sondern trug im Gegenteil dazu bei, deren Unzulänglichkeiten vor den Augen der Massen aufzudecken. Während die Menschewiki und Sozialrevolutionäre gezwungen waren, im Angesicht der unmittelbaren Gefahr auf die Initiative und Entschlossenheit der Bolschewiki zurückzugreifen, entfaltete sich zugleich ihr Bankrott: Ihre fortgesetzte Bindung an die Bourgeoisie und ihre Verantwortung für die Entwaffnung führten zur Unfähigkeit, die Revolution konsequent zu verteidigen. Gleichzeitig wuchs der Einfluss der Bolschewiki sprunghaft. Innerhalb weniger Wochen errangen sie Mehrheiten in den wichtigsten Sowjets der Arbeiter:innen und Soldaten und konnten auch ihre Unterstützung unter den armen Bäuer:innen vergrößern. Die Einheitsfront in der Abwehr der Konterrevolution war ein zentrales Moment, um die Unterstützung der Massen zu gewinnen und den Übergang von der Defensive zur Offensive vorzubereiten, der schließlich im Oktoberaufstand mündete.
Verklärung der Niederlage
Welche Beispiele zieht die KP für erfolgreiche Anwendungen der „Einheitsfront von unten“ heran? Ohne die Erfahrung näher auszuführen und zu bilanzieren, benennt Schulze31 den Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) von 1932.32 Wir wollen darauf eingehen, um die Fehler der KPD aufzuzeigen, von denen der Autor nicht spricht. Der BVG‑Streik ist ein Paradebeispiel dafür, wie die KPD unter Thälmann die Arbeiter:innenklasse gegen die Sozialdemokratie statt gegen den Faschismus einsetzte und der SPD-Führung in die Hände spielte, um ihre Basis von der KPD fernzuhalten.
Der Streik begann am 3. November 1932, wenige Tage vor der Reichstagswahl am 6. November. Ausgangspunkt war eine Notverordnung der Reichsregierung unter Franz von Papen, die Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst erlaubte – ein Versuch, die akute Wirtschaftskrise weiter auf dem Rücken der Arbeiter:innen auszutragen. Die BVG hatte ursprünglich Lohnsenkungen von erheblichen 14 bis 23 Pfennig pro Stunde angekündigt. Die sozialdemokratisch geführten Gewerkschaften hatten im Vorfeld des Streiks einem Schlichtungsergebnis zugestimmt, das eine – wenn auch auf zwei Pfenning reduzierte – Lohnsenkung vorsah.33 Die KPD und ihre Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO) griffen die Unzufriedenheit in der Belegschaft auf und stellten sich an die Spitze des Streiks. Mit „Keinen Pfennig Lohnraub bei der BVG!“ setzte sie eine Urabstimmung durch.
Die Belegschaft der BVG umfasste rund 22.000 Beschäftigte. In ihr organisierten sich verschiedene politische Strömungen: etwa 1.200 gehörten der RGO an, etwa 6.000 dem sozialdemokratisch dominierten Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), und etwa 1.200 waren Mitglieder der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO). Die Mehrheit der Arbeiter:innen war jedoch nicht organisiert. Bei der Urabstimmung stimmten von 22.000 Beschäftigten 15.000 für den Streik, 4.000 dagegen. Am 2. November nahmen etwa 84–85 Prozent der Belegschaft an der Abstimmung teil, und davon votierten etwa 79 Prozent für den Streik – gemessen an der Gesamtbelegschaft erreichte die Zustimmung jedoch nicht die formale Dreiviertelmehrheit. Nichtsdestotrotz setzte die KPD durch, dass noch am selben Abend eine zentrale Streikleitung gewählt wurde, in der die RGO eine dominierende Stellung hatte.
Die Streikpolitik der KPD hatte zur Folge, dass es in der Streikleitung Mitglieder der NSBO gab. In Streikkomitees wurden Nazis geduldet beziehungsweise zugelassen, so sie denn gewählt wurden.34 Die NSBO war eine reale Kraft in Teilen der Belegschaft. Dennoch verweist diese Konstellation auf ein politisches Problem: Die KPD verhielt sich gegenüber faschistischen Einflüsse innerhalb der Arbeiter:innenklasse opportunistisch. Zwar übte die KPD eine Selbstkritik, dass der „prinzipielle Kampf gegen den Faschismus während des Streiks nur mangelhaft geführt wurde“35. Doch diese entstand aus einer sektiererischen Haltung. Die Hauptstoßrichtung der KPD richtete sich weiterhin gegen die Sozialdemokratie, während der Faschismus als eigenständige Bedrohung unterschätzt wurde.
Politisch blieb der Arbeitskampf isoliert. Die SPD‑Führung und die Gewerkschaftsbürokratie verurteilten den Streik und riefen zur Rückkehr zur Arbeit auf. Die Reichsregierung erklärte den Streik für illegal und setzte die Polizei ein, die in mehreren Fällen auf die Streikenden schoss. Vier Menschen wurden getötet, über 500 verhaftet.
Der Voluntarismus, das ultralinke Abenteurertum, die Fehleinschätzungen zu taktischen Aufgaben, die Unterschätzung der faschistischen Bedrohung36 und noch weitere Elemente gehören zur Bilanz des Verhaltens der KPD beim BVG-Streik. Der Streik kam in einer Phase zustande, als es bereits die „Antifaschistische Aktion“ gab.37 Die KPD war 1932 in der Minderheit der Arbeiter:innenbewegung, ihr elektorales Wachstum überschattete dieses Verhältnis. Ende 1932 zählte die KPD 360.000 Mitglieder, die SPD im Januar 1933 eine Millionen. Die Verbände des ADGB zählten Ende 1932 etwa 4 Millionen, die RGO ungefähr 250.000. Nur elf Prozent der Mitgliedschaft der KPD arbeiteten noch in Betrieben.38 Der höchste Anteil an KPD-Mitgliedern bestand aus Arbeitslosen mit über 30 Prozent.
Der Autor schreibt in Berufung auf Thälmann: „Um die Rechtsentwicklung, den Faschismus und den Krieg zu bekämpfen, müssen wir zuvorderst die Hegemonie in der organisierten Industriearbeiterklasse erlangen, weil hier die Macht der Arbeiterklasse am größten ist – und genau deshalb sind es bis heute die Teile der Arbeiterklasse, die unter der Kontrolle der Sozialdemokratie stehen.“ Hier wirft er ein wichtiges Problem auf, doch die Orientierung an der „Einheitsfront von unten“ verbaut geradewegs den Weg zu dessen Lösung. Die „strategische Orientierung des Hauptstoßes gegen die Sozialdemokratie“39 und die damit verbundene Beschimpfung der SPD als „Sozialfaschisten“ sowie der Boykott des ADGB zugunsten der RGO-Gewerkschaften ab 1929 erleichterten es den sozialdemokratischen Führungen enorm, die KPD als Spalter und „rotlackierte Faschisten“ darzustellen und bedeutende Teile ihrer Basis in der Industriearbeiter:innenschaft zu überzeugen, ihr keine Beachtung zu schenken.
Aufgrund unserer scharfen Kritik an der Orientierung der KPD bezichtigt Schulze uns der Verbreitung „bürgerliche[r] Propaganda, die uns weismachen will, dass eigentlich die Kommunisten schuld am Faschismus waren“40. Abseits von jeder Totalitarismustheorie, die Faschismus und Kommunismus gleichsetzt, würdigen wir den Heroismus der Mitglieder und Anhänger:innen der KPD, die im Kampf gegen die Nazis an der Spitze standen und größte Opfer gebracht haben. Gerade deshalb halten wir es für unabdingbar, die fatalen Fehler der Führungen der Arbeiter:innenklasse, allen voran der SPD, aber eben auch der KPD zu betrachten und aus ihnen zu lernen.
Die Spaltung der Arbeiter:innenbewegung war im Sinne des Faschismus. Die SPD warf der KPD vor, jede Zusammenarbeit für einen „Aufstand“ zu instrumentalisieren. Natürlich ging die verbürgerlichte SPD-Führung davon aus, schlimmstenfalls (nach einer Machteroberung der Nazis) Anpassungen vorzunehmen, um ihr Überleben zu sichern. Aber konnte der Faschismus das zulassen? Trotzki bestritt es damals, als er am 13. September 1932 feststellte:
Selbst wenn die sozialdemokratischen Führer nicht auf Pakte mit der Bourgeoisie verzichten wollen, verzichtet doch die faschistische Bourgeoisie auf das Paktieren mit der Sozialdemokratie. Diese Tatsache aber kann für das Schicksal der Sozialdemokratie entscheidend werden. Beim Übergang der Macht von Papen auf Hitler wird die Bourgeoisie die Sozialdemokratie in keiner Weise schonen können. Der Bürgerkrieg hat seine Gesetze. Die Herrschaft des faschistischen Terrors kann nur die Abschaffung der Sozialdemokratie bedeuten. Mussolini hat genau so angefangen, um die revolutionären Arbeiter ungehindert niederschlagen zu können. Jedenfalls ist dem ‚Sozialfaschisten‘ seine Haut teuer. Die kommunistische Einheitsfrontpolitik muss gegenwärtig ausgehen von der Sorge der Sozialdemokratie um die eigene Haut. Das ist die realistischste und in ihren Folgen zugleich revolutionärste Politik.41
Um ihre Unnachgiebigkeit zu demonstrieren, hat die damalige KPD-Führung den Hauptfeind in den Reihen der Arbeiter:innenbewegung entdeckt, während die Nazis exponentiell gewachsen sind – auch in Betrieben. In der Tat war die KPD-Führung weder taktisch flexibel noch strategisch unnachgiebig. Die entscheidende Schwäche der KPD-Streikpolitik von 1932 bestand nicht darin, dass sie kämpferische Initiativen „von unten“ entwickelte, sondern darin, dass sie diese Kämpfe politisch so strukturierte, dass die politisch relevante Differenz zwischen Sozialdemokratie und Faschismus für die sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter:innen unsichtbar blieb und damit die Möglichkeit einer realen Einheitsfront gegen den heraufziehenden faschistischen Machtantritt untergraben wurde.
Auch wenn die KPD nach der Machtübernahme von Hitler am 30. Januar 1933 zum politischen Massenstreik aufgerufen hat, nutzte der Schwenk in letzter Sekunde nichts. Er kam zu spät: Nach Jahren einer Politik, die die Sozialdemokratie als Hauptfeind behandelt und systematisch die Bildung einer Einheitsfront verhindert hatte, fehlten sowohl das Vertrauen als auch die organisatorischen Voraussetzungen, um SPD und ADGB für einen gemeinsamen Kampf zu gewinnen. Unter den Bedingungen rasch einsetzender Repression blieb der Aufruf isoliert und konnte den Machtantritt Hitlers nicht mehr aufhalten.
Ein besonders eindrückliches Beispiel für das Scheitern der Politik der SPD, dem Faschismus durch Anpassung begegnen zu können, ist der 1. Mai 1933. Die Führung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes begrüßte die Entscheidung des NS-Regimes, den 1. Mai erstmals zum gesetzlichen Feiertag zu erklären, und rief die Arbeiter:innen zur Teilnahme an den offiziellen Kundgebungen auf. Diese Loyalitätsbekundung war getragen von der Hoffnung, die gewerkschaftlichen Organisationen unter den neuen politischen Bedingungen erhalten zu können. Bereits einen Tag später, am 2. Mai 1933, zerschlug das NS-Regime diese Illusion brutal: Die Gewerkschaftshäuser wurden besetzt, das Vermögen beschlagnahmt, Funktionär:innen verhaftet und zahlreiche Gewerkschafter:innen in Konzentrationslager verschleppt. Mit einem Schlag wurde die organisierte Arbeiter:innenbewegung ausgeschaltet und durch die Deutsche Arbeitsfront ersetzt.
Wenn die KP die Politik der Dritten Periode insgesamt positiv bilanziert42 und jegliche Verantwortung der KPD-Führung für die Niederlage leugnet, suggeriert sie damit, dass der Sieg des Hitlerfaschismus letztlich unvermeidbar war, als handle es sich um eine Naturgewalt. Ein solcher Objektivismus, der den Einfluss des bewussten politischen Kampfes und des strategischen Kalküls herunterspielt und damit die Wiederholung von der Geschichte bestrafter Fehler rechtfertigt, kann ein Projekt der Wiederbelebung der revolutionär-kommunistischen Perspektive nur lähmen und in die Irre führen.
Einheitsfront im Kampf
Die Auseinandersetzung um die Einheitsfront ist kein bloßer Historikerstreit, sondern sie soll dazu dienen, eine politische Anleitung in der Gegenwart herzustellen.
Die aktuelle Situation in Deutschland ist durch widersprüchliche Tendenzen geprägt. Einerseits erleben wir eine autoritäre Zuspitzung: massive Aufrüstung, Militarisierung, verschärfte Repression gegen palästinensische Solidaritätsbewegungen, Rassismus gegen Migrat:innen und Geflüchtete, Angriffe auf demokratische Rechte und weitreichende Kürzungsprogramme in Bildung, Gesundheit und sozialer Infrastruktur. Andererseits finden unter diesen Umständen Politisierungsprozesse statt – insbesondere unter Jugendlichen –, die sich in Schulstreiks gegen die Wehrpflicht, in antifaschistischen Mobilisierungen wie in Gießen und in der Palästinasolidarität ausdrücken.
In dieser Lage ist die Einheitsfronttaktik eine Schlüsselfrage. Ihre Anwendung heute bedeutet vor allem, sich bewusst an jene Organisationen zu wenden, die tatsächlich Einfluss auf Teile der Arbeiter:innenklasse und der Jugend haben. Dazu gehören – bei allen politischen Differenzen – insbesondere die Linkspartei, die den stärksten organisatorischen Ausdruck der Linksentwicklung in Teilen der Jugend bildet, und die von ihr mitgeprägten Gewerkschaftsstrukturen. Die mit der Eintrittswelle „erneuerte“ Linkspartei ist dabei nicht homogen: Während Parteivorstand, Funktionärsapparat und Bundestagsfraktion eine tiefere Integration in die Verwaltung des kapitalistischen Staates anstreben, wird diese Ausrichtung von Teilen der jugendlichen Basis, insbesondere anhand der Haltung zum Imperialismus, infragegestellt. Es ist notwendig, sich in diesen Auseinandersetzungen, die für den Aufbau einer revolutionären Kraft bedeutsam werden können, klar zu positionieren und Kämpfe, die von links gegen die Parteiführung geführt werden, zu fördern und zuzuspitzen, anstatt sich von diesen Prozessen abzukapseln, wie die KP vorschlägt. Ebenso muss das Ziel einer Einheitsfronttaktik sein, die Einbeziehung von bisher unorganisierten Schichten, die sich anhand von Fragen wie dem Kampf gegen die AfD politisieren, in Organe der Selbstorganisation zu fördern und mit ihnen auf der Grundlage gemeinsamer Erfahrungen in Diskussionen darüber zu treten, wie der Kampf gegen die aufsteigende Reaktion erfolgreich geführt werden kann.
Indem aber die KP die Beteiligung an Aktionseinheiten faktisch an die Abwesenheit von Führungen reformistischer Arbeiter:innenparteien knüpft, verengt sie das Feld möglicher Interventionen stark. Das Resultat ist ein praktischer Abstentionismus: Exemplarisch dafür steht ihre Haltung zu den Blockaden gegen die Neugründung der AfD-Jugend in Gießen. Die KP entschied sich, die Mobilisierung zu boykottieren. Jonathan Fischer charakterisierte die Proteste in Gießen in einem Artikel der KP als „systemtreu“, weil sie sich nicht gegen das kapitalistische System richten würden: „Der Rechtsruck ist real, aber wird nicht in besonders breiten Bündnissen mit der Sozialdemokratie oder anderen Stützen des Kapitalismus aufgehalten. ‚Breite Bündnisse‘ meint in diesem Fall nicht Massenproteste ‚von unten‘, sondern Proteste auf der Basis eines minimalen inhaltlichen Konsenses, der Opportunismus fördert und die Ursachen von Faschismus verschleiert. Kampf gegen Faschismus bedeutet Kampf gegen den Kapitalismus und damit auch gegen alle Parteien, die diesen stützen.“43
Tatsächlich wird der Antifaschismus in diesem Rahmen häufig entpolitisiert und an die Wahlurnen umgelenkt. Gleichzeitig wächst die Zustimmung zur AfD auch unter Gewerkschaftsmitgliedern und in Betrieben. Das verweist auf die Grenzen eines liberalen Antifaschismus, der die sozialen und mit der Aufrüstung des deutschen Imperialismus verbundenen Ursachen des Rechtsrucks unangetastet lässt. Doch statt in eine konkrete Auseinandersetzung einzugreifen, um sie politisch zuzuspitzen und die Grenzen des Reformismus vor der Basis sichtbar zu machen, blieb die KP außen vor – mit dem Ergebnis einer Schwächung der Gegenwehr und einer vertanen Gelegenheit. Dabei spielt die Arbeiter:innenklasse gerade in den aktuellen Protesten gegen Rechts eine zunehmend sichtbare Rolle. Gewerkschaften mobilisierten nach Gießen mit eigenen Bussen, Betriebsgruppen beteiligten sich an Demonstrationen. Antifaschistische Aktionen werden für viele Jugendliche zu ersten prägenden politischen Erfahrungen. Die KP verkennt, dass die Beteiligung von Jugendlichen, Arbeiter:innen und Gewerkschaftsgruppen an Aktionen, die sich hauptsächlich gegen die AfD, die die Speerspitze der Reaktion darstellt, richten, nicht automatisch „systemstabilisierend“ sein muss. Ihr Ansatz läuft darauf hinaus, diese Dynamiken dem Reformismus zu überlassen und dadurch die Umlenkung des Antifaschismus in systemstabilsierende Bahnen tatsächlich zu erleichtern.
Ein absehbares Beispiel dafür sind die Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt 2026. Schon jetzt ist klar, dass sich dort sehr unterschiedliche politische Strategien überlagern werden: Berufspolitiker:innen, NGOs, reformistische Parteien, Antifa-Strukturen, Gewerkschaftsgliederungen, antikapitalistische Organisationen und unorganisierte Jugendliche. Soll man sich raushalten oder intervenieren und um die Ausrichtung kämpfen? Wir würden etwa lokale Vorbereitungskomitees vorschlagen, die nicht nur logistische Fragen klären, sondern auch einen Rahmen für politische Diskussionen schaffen; gewerkschaftlich organisierte Betriebsversammlungen, die über Beteiligung und Forderungen entscheiden; schulische und studentische Aktionskomitees, die Erfurt mit Themen wie dem Kampf gegen Militarisierung, Kürzungen und Repression verbinden.
Der Schulstreik gegen die Wehrpflicht, an dem sich Zehntausende beteiligten, machte sichtbar, dass sich eine neue Generation politisiert, ohne dass ihre politische Richtung endgültig festgelegt wäre. Ob daraus eine neue antimilitaristische Jugendbewegung entsteht oder eine kurze Mobilisierungswelle verpufft, hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, diese Kämpfe zu koordinieren und in einen breiteren sozialen Zusammenhang zu stellen. Der nächste Streik wird am 5. März stattfinden.
Bei Protesten gegen Rechts, Schulstreiks oder Demonstrationen gegen Kürzungen ist entscheidend, ob aus ihnen handlungsfähige demokratische Organe für die dauerhafte Organisierung und Koordinierung der Kämpfe hervorgehen. Ansonsten bleiben die Forderungen an Apparate, Berufspolitiker:innen oder NGOs delegiert. Umgekehrt wäre es aber auch ein Fehler, zu fordern, dass reformistische Organisationen aus solchen Organen herausgehalten werden, denn das würde ihre Reichweite und Legitimität schwächen und dem politischen Kampf ausweichen. An diesem Punkt wird deutlich, warum Einheitsfrontpolitik untrennbar mit der Frage der Selbstorganisation verbunden ist. Wir schlagen den Aufbau von Aktionskomitees in den Betrieben, Gewerkschaften, an den Universitäten und Schulen vor, in denen die Frage der Führung konkret gestellt wird. Damit Arbeiter:innen, Studierende und Schüler:innen realen Einfluss auf die Politik ihrer Gewerkschaften und Bewegungen gewinnen können, müssen sie Strukturen aufbauen, die über Stellvertretung hinausgehen: Streikkomitees, Betriebskomitees, Vollversammlungen sowie übersektorale Koordinierungsinstanzen. In solchen Organen werden Forderungen kollektiv entwickelt und an Führungen mit dem imperativen Mandat herangetragen. Wer die Einheitsfront als Mittel im Kampf versteht, erkennt, dass es nicht um ein (Wahl-)Bündnis als Selbstzweck oder das Zusammenkommen von Propaganda-Organisationen geht, sondern um die konkrete Fähigkeit, gemeinsame Aktionen gegen Angriffe auf Löhne, Rechte und demokratische Freiheiten zu organisieren.
Die kommenden Kämpfe unserer Klasse – ob gegen Aufrüstung und Wehrpflicht, gegen Kürzungen und Stellenabbau oder gegen den bedrohlichen Vormarsch der extremen Rechten – werden in der lebendigen Auseinandersetzung, in dem Ringen verschiedener politische Kräfte um die richtigen Kampfmethoden und das richtige Programm entschieden. Der Ansatz der „Einheitsfront von unten“ wird praktisch zu einer Kapitulation vor diesen Aufgaben führen, während er sich in Verbalradikalismus einrichtet. Um in die Politisierungsprozesse einzugreifen, die Kämpfe zuzuspitzen und in ihnen auf die für den Sieg unabdingbare Einheit der Arbeiter:innenklasse und Unterdrückten gegen die Bourgeoisie und die Reaktion hinzuarbeiten, ist die Einheitsfronttaktik unerlässlich.
Fußnoten
- 1. Ein Zwischenstadium oder eine Übergangsphase, in der eine Ordnung oder Hegemonialmacht fehlt. Bestehende Machtverhältnisse sind ins Wanken geraten. Diese Unsicherheit führt zur Zunahme von Rivalitäten und Militarismus, ähnlich wie in der Vorkriegszeit vor dem Ersten Weltkrieg. Vgl. Claudia Cinatti, Die Koordinaten einer neuen Etappe der internationalen Situation, Klasse Gegen Klasse, 22.04.2025, https://www.klassegegenklasse.org/die-koordinaten-einer-neuen-etappe-der-internationalen-situation/ [08.01.2025].
- 2. Vgl. Jakob Schulze: Klasse Gegen Klasse oder ‚Klasse Gegen Klasse‘?“, in: Klassenkampf & Wissenschaft, Theoretisches Organ der Kommunistischen Partei, #2/2025, 24. November 2025, S. 7-40., hier S. 7.
- 3. Ebd.
- 4. Tom Krüger, Luis Linden: Einheitsfront oder „Einheitsfront von unten?“, Klasse Gegen Klasse, 29.05.2025, https://www.klassegegenklasse.org/einheitsfront-oder-einheitsfront-von-unten/, [07.01.2025].
- 5. Leo Trotzki: Betrachtungen über die Einheitsfront, 1922, https://sozialistischeklassiker2punkt0.de/sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/trotzki/trotzki-kommunistische-taktik/leo-trotzki-betrachtungen-ueber-die-einheitsfront.html [02.01.2025]
-
6.
Wir beziehen uns hierbei auf Trotzkis Definition: „Man muß der Masse im Verlauf ihres täglichen Kampfes helfen, die Brücke zu finden zwischen ihren aktuellen Forderungen und dem Programm der sozialistischen Revolution. Diese Brücke muß in einem System von Übergangsforderungen bestehen, die ausgehen von den augenblicklichen Voraussetzungen und dem heutigen Bewußtsein breiter Schichten der Arbeiterklasse und unabänderlich zu ein und demselben Schluß führen: der Eroberung der Macht durch das Proletariat.“ Leo Trotzki: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der Vierten Internationale. Das Übergangsprogramm, 1938, https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg1.htm [02.01.2025].
- 7. ZK der KP: Programmentwurf der Kommunistischen Partei, in: Klassenkampf & Wissenschaft, Theoretisches Organ der Kommunistischen Partei, #1/2024, 6. November 2024, S. 10-78, hier S. 63.
- 8. Laut dem Autor bestünde unser Verständnis darin, „dass die Einheitsfront ‚von oben‘ als Voraussetzung, als Instrument der Herstellung der Einheitsfront ‚von unten‘ gedacht wird. Die wirkliche Organisierung der Arbeitermassen ‚von unten‘ verkomm[e] so zu einer Unmöglichkeit.“ Schulze: Klasse gegen Klasse, S. 14.
-
9.
Ebd.
- 10. Ebd., S. 10.
-
11.
Die sogenannte Dritte Periode dauerte etwa von 1928 bis zum Sieg der NSDAP in Deutschland an und war von der Definition der Sozialdemokratie als linker Flügel des Faschismus geprägt, der zuerst besiegt werden müsse, um den rechten Flügel zu besiegen zu können, demnach Hauptfeind sei. Hieraus folgte dann die Ablehnung der Einheitsfront gegen den Faschismus und der Aufbau „roter“ Gewerkschaften, die nicht unter dem Einfluss des angeblichen linken Flügel des Faschismus standen.
- 12. Der Autor lobt die Beschlüsse des V. und VI. Weltkongresses als vermeintliche Präzisierung der Einheitsfronttaktik, vgl. Schulze: Klasse gegen Klasse, S. 13
- 13. Trotzki: Betrachtungen
- 14. Vgl. Matias Maello: Strategische Positionen und Klassenkampf, Klasse Gegen Klasse, 19.11.2022, [07.01.2025].
-
15.
Dazu schrieb er in Vorbereitung auf den dritten Weltkongress an Sinowjew: „Die Taktik des ‚Offenen Briefes‘ hat überall als verbindlich zu gelten. Das muß man direkt, klar und deutlich sagen, denn Schwankungen bezüglich des ‚Offenen Briefes‘ sind äußerst schädlich und äußerst schändlich und äußerst stark verbreitet. Dessen muß man sich bewußt sein. Alle, die nicht verstanden haben, daß diese Taktik des „Offenen Briefes“ obligatorisch ist, sind spätestens einen Monat nach dem III. Kongreß der Kommunistischen Internationale aus der Kommunistischen Internationale auszuschließen.“ W.I. Lenin: Bemerkungen zu den Entwürfen der Thesen über die Taktik für den III. Kongress der Kommunistischen Internationale, Brief an G. J. Sinowjew, in: Ders.: Werke, Ergänzungsband 1917-1923, Dietz Verlag, Berlin 1971, S.326–331, hier S. 328f.
- 16. Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) war 1917 als Abspaltung von Kriegsgegner:innen, darunter Revolutionär:innen wie Liebknecht und Luxemburg, aber auch Reformist:innen wie Karl Kautsky und Eduard Bernstein, von der SPD entstanden. Auf dem Parteitag in Halle im Oktober 1920 beschloss eine Mehrheit der Delegierten, sich der KPD/KomIntern anzuschließen, die verbliebenen Mitglieder traten in den folgenden Jahren mehrheitlich wieder in die SPD ein.
- 17. Vgl. Daniel Gaido: Paul Levi and the Origins of the United-Front Policy in the Communist International, in: Historical Materialism 25.1, Brill Publishers, London 2017, S. 131–174, hier S. 151f., eigene Übersetzung.
- 18. Ebd.
- 19. Bei den Märzkämpfen handelte es sich um einen verfrühten Aufstandsversuch der KPD und KAPD in Mitteldeutschland 1921. Die Kämpfe blieben isoliert, fußten nicht auf der Unterstützung der Mehrheit der Arbeiter:innenklasse und konnten brutal niedergeschlagen werden. Infolgedessen verlor die VKPD über die Hälfte ihrer Mitgliedschaft.
- 20. Clara Zetkin: Wir Kommunistinnen und die proletarische Einheitsfront, Mai 1922, https://www.sozialistischeklassiker2punkt0.de/sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/zetkin/zetkin-kommunistische-taktik/clara-zetkin-wir-kommunistinnen-und-die-proletarische-einheitsfront.html [02.01.2025].
-
21.
Schulze: Klasse gegen Klasse, S. 34.
- 22. Er schreibt „zum Zusammenhang von Einheitsfront und Volksfront, ‚Ultimatismus‘ und Opportunismus. Anders als KgK behauptet, besteht hier keine Kontinuität, sondern ein Bruch in der Strategie der Komintern“. Ebd., S. 25.
- 23. Ebd., S. 29.
-
24.
Ebd., S. 29f.
- 25. Ebd., S. 30.
- 26. Ebd., S. 29.
- 27. Ebd., S. 30
-
28.
Nach den relativ spontanen Aufständen von Petrograder Arbeiter:innen und Soldaten gegen die provisorische Regierung im Juli wurden die Bolschewiki scharf verfolgt, Trotzki und weitere Anführer:innen wurden verhaftet, während Lenin nach Finnland floh.
-
29.
Lenin: An das Zentralkomitee der SDAPR, 30. August (12. September) 1917, in: Ders.: Werke, Bd. 25, Dietz Verlag Berlin, 1974, S.292-296. hier: S.295. Hervorhebung im Original.
- 30. Arbeiter:innenmilizen, die zu Beginn der Revolution gegründet worden waren und den Bolschewiki nahestanden.
-
31.
Vgl. Schulze: Klasse gegen Klasse, S. 24.
- 32. er BVG-Streik vom 3.-7. November 1932 fand unmittelbar vor den Wahlen statt, wenige Monate nach dem sogenannten Preußenschlag vom Juli 1932, mit dem Reichskanzler Franz von Papen die sozialdemokratisch geführte preußische Landesregierung per Notverordnung absetzte. Der Streik der Berliner Verkehrsbetriebe ist ausgelöst durch geplante Lohnkürzungen im Zuge dessen.
-
33.
Der BVG-Streik: Es geht um zwei Pfennig und das Schicksal der Republik, SPD,
https://www.spd.de/160-jahre/1932-bvg-streik, [06.01.2025]. - 34. Zur Beteiligung äußerte sich Hitler gegenüber Hindenburg: „Wenn ich meine Leute von der Beteiligung abgehalten hätte, hätte der Streik doch stattgefunden, aber ich hätte meine Anhänger in der Arbeiterschaft verloren.“ Horst Bednareck: Die Mär von der rot-braunen Front. Der BVG-Streik vor 70 Jahren, in: Neues Deutschland, 16.11.2002, https://www.nd-aktuell.de/artikel/26619.die-maer-von-der-rot-braunen-einheitsfront.html, [08.01.2025].
- 35. Resolution der Bezirksleitung der KPD Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark zum Bericht über den Verkehrsarbeiterstreik, infolge Verbots der „Roten Fahne“ als Flugschrift gedruckt im November 1932, in: Walter Ulbricht, Über Gewerkschaften Bd. 1, Berlin 1953, S. 392.
- 36. Wilhelm Pieck soll noch Anfang 1933 zu einem langjährigen Freund und Mitarbeiter gesagt haben: „Wenn die Nazis an die Macht kommen, so haben sie in zwei Monaten abgewirtschaftet, und dann kommen wir dran!“. Babette L. Gross: Die Volksfrontpolitik in den dreißiger Jahren, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B43/62, BPB, 24. Oktober 1962, S. 525.
-
37.
Thälmann rief im Mai 1932 zur Gründung der Antifaschistischen Aktion auf. Für eine Auseinandersetzung damit empfehlen wir den Artikel Woher kommt die Antifa? von Nathaniel Flakin: https://www.klassegegenklasse.org/woher-kommt-die-antifa/.
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38.
„Höchstens 11 Prozent ihrer Mitglieder standen in den Betrieben und wahrscheinlich befanden sich von den 360 000 Mitgliedern, die die Partei damals zählte, noch weniger als 11 Prozent im Produktionsprozess.“ Wilhelm Pieck: Zur Geschichte der KPD. Schulungsvortrag, Dezember 1943, in: Ders., Gesammelte Reden und Schriften, Berlin 1972, Bd. 5, S. 404.
- 39. Ernst Thälmann: Zu unserer Strategie und Taktik im Kampf gegen den Faschismus, 1932, nach: Schulze: Klasse gegen Klasse, S. 21.
- 40. Schulze: Klasse gegen Klasse, S. 22.
- 41. Leo Trotzki, Der einzige Weg, September 1932, in: Wie wird der Faschismus geschlagen? Textsammlung zu Faschismus und Einheitsfronttaktik, 2. Auflage 2024, Manifest Verlag, Berlin, S. 118.
- 42. Er schreibt: „Es wäre richtig, anzuerkennen, dass die KPD im Kern eine Linie vertrat, die tatsächlich geeignet war, die Mehrheit der Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus zu versammeln. Ebenso wie es richtig ist, anzuerkennen, dass dabei aber auch Fehler gemacht wurden. Die Führung der KPD war sich dieser Fehler […] bewusst, und versuchte, sie zu korrigieren.“ Schulze: Klasse gegen Klasse, S. 22.
- 43. Jonathan Fischer: Antifaschismus gegen das kapitalistische System anstatt systemtreuer Proteste, Kommunistische Partei, 28.11.2025, [08.01.2025].