Hintergründe

Der Iran in Unruhe und die Aufgaben der Revolutionär*innen

Im Konflikt zwischen dem Imperialismus und dem iranischen Regime kann nur eine revolutionäre Politik einen Ausweg für die Massen bieten. Ein Gastbeitrag von Suphi Toprak.

Der Iran in Unruhe und die Aufgaben der Revolutionär*innen

Die Studieren­den an der Uni­ver­sität in Teheran haben am 13. Mai gegen die neuen Hijab­vorschriften und Kon­trollen am Ein­gang der Uni­ver­sität protestiert. Dabei sind sie nicht ste­henge­blieben. Der poli­tis­che Charak­ter dieses Protestes schließt die Forderun­gen der aktuellen sozialen Bewe­gun­gen wie „Brot, Arbeit, Frei­heit“ und die Freilas­sung der am 1. Mai ver­hafteten Aktivist*innen ein. Es gibt eine drama­tis­che Ver­schlechterung der Ernährungssi­t­u­a­tion, die Men­schen ste­hen inzwis­chen lange Schlange, um Fleisch zu staatlichen Preisen zu kaufen. Der iranis­che Ölmin­is­ter Bijan Nam­dar Zan­ganeh sagte hierzu, die derzeit­i­gen Sank­tio­nen der USA gegen den Iran seien schw­er­wiegen­der als der achtjährige Krieg mit dem Irak. Zan­ganeh fügte hinzu: “Wir sind der Mann des Wider­stands.“ Das zeigt, dass das iranis­che Regime in die Defen­sive gedrängt ist. Es ver­liert seinen Ein­fluss in der Bevölkerung, weil die ele­men­tarsten Bedürfnisse der Men­schen nicht mehr befriedigt wer­den kön­nen. Die objek­tive Ver­schlechterung der Wirtschaft­slage kul­miniert in den Streiks und Aktio­nen auf den Straßen. Die Staats­bürokratie und die iranis­che Bour­geoisie befind­en sich seit langer Zeit in “Uneinigkeit über die Rolle Irans in der Region”, was durch die Sank­tio­nen ver­tieft wird. Das Regime ver­sucht die Lage durch die Angst­macherei unter Kon­trolle zu hal­ten. Der Anführer der Arbeiter*innen der Zuck­er­fab­rik Haft-Tapeh, Ismael Bakhshi, ist weit­er­hin in Haft. Wenn auch die Protes­tak­tio­nen in den let­zten Wochen und Monat­en noch keinen gle­ichzeit­i­gen lan­desweit­en Charak­ter angenom­men haben, wie es im Jahr 2009 der Fall war, hat die jet­zige Bewe­gung dur­chaus bere­its einen fortschrit­tlicheren Charak­ter angenom­men, weil die Organ­isierung der Gesellschaft und des Wider­stands durch Arbeiter*innenräte (Sow­jets) bere­its ein The­ma ist und diese Idee von den Arbeiter*innen von Haft Tapeh und Fulad vor­angetrieben wer­den. Auch die LKW- und Busfahrer*innen, sowie Lehrer*innen waren im Streik und auf den Straßen. So fordern die Arbeiter*innen von Haft-Tapeh die Ver­staatlichung der Fab­rik unter Selb­stver­wal­tung. Der soziale Protest drück­te sich allein im Jan­u­ar in 100 Städten des Iran durch etliche Aktio­nen und Streiks aus. Im Zuge der Rev­o­lu­tion hat­te es von 1976 bis 1981 beset­zte Fab­riken unter Arbeiter*innenkontrolle gegeben. Zeitweise kam es hier­durch in kur­dis­chen Städten zu Dop­pel­macht­si­t­u­a­tio­nen. Als solche beze­ich­nen wir solche Über­gangssi­t­u­a­tio­nen, in denen die Arbeiter*innenklasse in der Offen­sive ist und bei­de Klassen die Herrschaft für sich beanspruchen. Diesen Zus­tand kon­nte das Regime damals erst durch den irakischen Angriff, unter­stützt von den impe­ri­al­is­tis­chen Mächt­en, been­den. Das iranis­che Regime kon­nte den linken Wider­stand auf zwei Weisen paralysieren und bekämpfen: Ein Teil der reformistis­chen und stal­in­is­tis­chen Linken ging auf die Seite des Regimes über, weil sie es als anti­im­pe­ri­al­is­tisch ver­standen. Den anderen Teil hat es physisch ver­nichtet, wie durch die Hin­rich­tung Tausender Revolutionär*innen in den Gefäng­nis­sen im Jahr 1988.

Diese Erfahrung erweist sich poli­tisch dann als lehrre­ich, wenn die Massen wieder begin­nen zu kämpfen. Die ganze Bewe­gung im Iran struk­turi­ert sich heute durch die Forderun­gen nach Brot, Arbeit und Frei­heit. Die Forderun­gen nach poli­tis­ch­er Par­tizipa­tion, Frauen­recht­en und inner­er Demokratisierung, die die Massen im Jahr 2009 auf­stell­ten, sind nicht erfüllt wor­den. Denn die reformistis­che Führung dieser Bewe­gung war selb­st von den radikalisierten Massen erschrock­en, zog sich zurück und nahm eine pas­sive und abwartende Rolle ein.

Da die führen­den Sek­toren dieser Kämpfe die Arbeiter*innenräte als die Form ihrer Organ­isierung ver­wen­den, ist es notwendig, dass wir uns das Ver­hält­nis zwis­chen Partei, Rat und Klasse anschauen, um die Auf­gaben von Revolutionär*innen heute zu bes­tim­men. Jene beste­hen nicht darin, abstrak­te Fra­gen wie den Kom­mu­nis­mus und die Rev­o­lu­tion zu disku­tieren, was einen sek­tiererischen Charak­ter besäße, son­dern auf die drin­gend­sten Fra­gen der Arbeiter*innenklasse und der Unter­drück­ten poli­tis­che und organ­isatorische Antworten zu geben. Wer heute über rev­o­lu­tionäre Per­spek­tiv­en für den Iran disku­tieren will, muss die Frage nach dem jet­zi­gen Bewusst­sein der Klasse, ihrer Organ­isierung in Räten und dem Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Partei stellen. Warum? Die pro­gram­ma­tis­che Frage – was wir als Revolutionär*innen erobern wollen – ist untrennbar ver­bun­den mit der strate­gis­chen Frage – wie wir es erobern wollen. Nach Trotz­ki umfasst die rev­o­lu­tionäre Strate­gie „ein kom­biniertes Sys­tem von Hand­lun­gen, die in ihrer Ver­bun­den­heit, Fol­gerichtigkeit und in ihrer Steigerung, das Pro­le­tari­at zur Eroberung der Macht führen müssen“.

Wenn wir uns jet­zt an Lenin wen­den, erfahren wir, dass es das Wesentliche ist zu ler­nen, die Arbeits­ge­bi­ete und Ein­rich­tun­gen zu erobern, durch welche die Bour­geoisie ihren Ein­fluss auf die Massen ausübt wie das Par­la­ment, die Gew­erkschaften, die Uni­ver­sitäten usw. Die rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tion kann nicht auf die (kon­spir­a­tive) Arbeit inner­halb der existieren­den Gew­erkschaften verzicht­en, um für antibürokratis­che Gew­erkschaften zu kämpfen. Nach Lenin ist sog­ar ein bewaffneter Auf­s­tand nur eine tak­tis­che Frage. Wichtig und zen­tral ist nicht nur die Frage nach dem bewaffnetem Auf­s­tand, son­dern die Massen­pro­pa­gan­da, um dafür die sozial-psy­chol­o­gis­che Voraus­set­zung zu schaf­fen. Das Bewusst­sein der Masse entwick­elt sich durch die Pro­pa­gan­da und eigene Erfahrun­gen im Klassenkampf. Die Kräftev­er­hält­nisse, die für die Offen­sive der Machter­grei­fung notwendig sind, wer­den durch die Erfahrun­gen der Massen und den Ein­fluss der rev­o­lu­tionären Partei in ihrer Agi­ta­tion und Pro­pa­gan­da geschaf­fen. Unter Partei ist eine Kader­partei zu ver­ste­hen, die die Avant­garde (Vorhut) organ­isiert, um die gesamte Arbeiter*innenklasse anzuführen. Ihre Auf­gabe aktuell ist es, Ein­rich­tun­gen zu erobern und Bas­tio­nen aufzubauen, um ihre Poli­tik präsen­tieren zu kön­nen, um per­spek­tivisch die poli­tis­che Macht zu übernehmen. Die Ungle­ichzeit­igkeit­en der Rhyth­men zwis­chen den Metropolen Irans wie Teheran, Tebriz und Isfa­han usw. und den Städten der Aktio­nen und Streiks im Jan­u­ar kann darauf zurück­ge­führt wer­den, dass die Agi­ta­tion für einen Gen­er­al­streiks und der Fokus auf die zen­tralen Sek­toren der Arbeiter*innen im Iran, wie die Öl-Arbeiter*innen, effek­tiv nicht vor­bere­it­et waren. Die alleinige Aktion an der Uni­ver­sität Teheran bestäti­gen dies noch ein­mal. Diese Ungle­ichzeit­igkeit führt dazu, dass die Kraft aus den Aktio­nen und Streiks ver­dampft, ohne die gewün­schte Wirkung zu erzie­len. Deshalb ist eine Loko­mo­tive, eine rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tion, nötig, um den Dampf dafür einzuset­zen, das gesamte Land in Bewe­gung zu set­zen.

Die Eroberung bes­timmter Gebi­ete, um den Ein­fluss des Bürg­er­tums über die Arbeiter*innenklasse zu schwächen, ist zen­tral für die Eroberung der poli­tis­chen Macht – die Rev­o­lu­tion, in der die alten Machthaber*innen und die Bour­geoisie mit Gewalt ent­fer­nt wer­den. Eroberte Stel­lun­gen sind nach ihrem poli­tis­chen Charak­ter inter­es­sant und nicht nach ihrem fetis­chisieren­den Charak­ter der Größe, des Ein­flusses usw.

Nehmen wir nun Trotzkis Beschrei­bung für die Def­i­n­i­tion poli­tis­ch­er Sit­u­a­tio­nen:

Im Prozess der Geschichte begeg­net man sta­bilen, voll­ständig unrev­o­lu­tionären Sit­u­a­tio­nen. Man begeg­net auch aus­ge­sprochen rev­o­lu­tionären Sit­u­a­tio­nen. Es gibt auch kon­ter­rev­o­lu­tionäre Sit­u­a­tio­nen (das soll man nicht vergessen!). Was aber in unser­er Epoche, der Epoche des faulen­den Kap­i­tal­is­mus ganz beson­ders vorherrscht, das sind mit­tlere und Über­gangssi­t­u­a­tio­nen: zwis­chen nichtrev­o­lu­tionären und vor­rev­o­lu­tionären, zwis­chen vor­rev­o­lu­tionären und rev­o­lu­tionären oder … kon­ter­rev­o­lu­tionären Sit­u­a­tio­nen. Ger­ade diese Über­gangszustände sind von auss­chlaggeben­der Bedeu­tung vom Stand­punkt der poli­tis­chen Strate­gie.

Die objek­tive Ver­schär­fung der Bedin­gun­gen des All­t­ags im Iran und die Schaf­fung ein­er poli­tis­chen Führung, die ein sub­jek­tiv­er Fak­tor ist und die entschei­dende Rolle spie­len wird, müssen ana­lytisch getren­nt wer­den. Die Entwick­lung let­zter­er ist zen­tral, um von der jet­zi­gen Phase mit ihren zahlre­ichen vor­rev­o­lu­tionären Ele­menten in eine rev­o­lu­tionäre Phase überzuge­hen.

Durch die Senkung der Ölpreise gerät der Iran in eine tiefe wirtschaftliche Krise, ähn­lich wie auch Venezuela. Die Wirtschaft ist nicht anzukurbeln, die Proteste hören seit Jahren nicht auf, die Jugend und vor allem die Frauen sind aktiv unzufrieden, das kur­dis­che Volk und die Arbeiter*innen führen eine offene Kon­fronta­tion mit dem Regime. Es ist deshalb eine vor­rev­o­lu­tionäre Phase, weil das Regime in ein­er tiefen Krise steckt und die Avant­garde begin­nt, eigene Mit­tel wie Streiks und tem­poräre Fab­rikkon­trollen anzuwen­den, ohne jedoch das Leben in den wichtig­sten Städten des Lan­des lah­mzule­gen. Die Kämpfe und Pro­pa­gan­da um die Idee der Sow­jets gehören zu ein­er rev­o­lu­tionären Phase. In Ansätzen begeg­nen sie uns jedoch bere­its jet­zt inner­halb der Avant­garde, teils aus dem Bewusst­sein der his­torischen Ver­gan­gen­heit, teils aus der jet­zi­gen Spon­tan­ität.

Die derzeit­ige Auf­gabe von Revolutionär*innen im Iran ist es, die rev­o­lu­tionäre The­o­rie zu aktu­al­isieren, indem die Intel­li­genz und die Jugend auf die wichtig­sten Fra­gen der derzeit­i­gen Sit­u­a­tion aufmerk­sam gemacht wer­den und die Avant­garde der Jugend, der Frauen und der Arbeiter*innenklasse zu vere­ini­gen. Die Arbeiter*innenklasse lässt sich durch ihre Stel­lung in der Pro­duk­tion und der Schaf­fung des Mehrw­erts bes­tim­men. Sie zu vere­ini­gen bedeutet, die ökonomis­chen Kämpfe – wie für mehr Lohn und Verbesserung der Arbeits­be­din­gun­gen – mit den poli­tis­chen Kämpfen wie etwa gegen Krieg, nationale Unter­drück­ung und Sex­is­mus zusam­men­zuführen. Hier­bei kommt den Kämpfen um die Selb­stver­wal­tung der Betriebe eine zen­trale Rolle zu. Eine Fab­rik unter Arbeiter*innenkontrolle wirft die Frage nach ein­er Neuord­nung der Wirtschaft und Poli­tik im Dien­ste der Arbeiter*innen auf und bere­it­et die kämpfend­en Sek­toren auf höhere Phasen des Kampfes vor – sie sind „Kriegss­chulen“ für Revolutionär*innen. Die Auf­gabe von Revolutionär*innen ist es hier­bei, diese Kämpfe mit denen der Unter­drück­ten zu verbinden und diesen das Poten­zial ein­er Bewe­gung unter Führung der Arbeiter*innenklasse aufzuzeigen. In Argen­tinien spielte die Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbeiter*innen (PTS) eine zen­trale Rolle in der Selb­stver­wal­tung der Keramik­fab­rik Zanon und der Druck­erei RR Don­nel­ley. An bei­den Orten wur­den durch jahre­lange Arbeit die Kämpfe der Beschäftigten mit denen der Frauen, der Jugendlichen, der unter­drück­ten Natio­nen und ander­er Arbeiter*innen ver­bun­den. So kon­nten die Kämpfe um die Vertei­di­gung der Selb­stver­wal­tung schließlich auf viel Unter­stützung seit­ens der Bevölkerung zählen und sich in hege­mo­ni­ale Kämpfe der Klasse und Unter­drück­ten ver­wan­deln.

Zen­tral für den Erfolg solch­er Kämpfe ist eine rev­o­lu­tionäre Organ­i­sa­tion, die die Avant­garde auf solche Her­aus­forderun­gen vor­bere­it­et. Da im Iran keine ver­all­ge­mein­erte rev­o­lu­tionäre Sit­u­a­tion existiert und die arbei­t­ende Bevölkerung – auf­grund ihrer fehlen­den Leitung und eige­nen Erfahrung – noch nicht zur eige­nen Machtüber­nahme bere­it ist, beste­ht ein demokratis­ches Bewusst­sein und der legit­ime Wun­sch nach der Erfül­lung von demokratis­chen Recht­en. Die Auf­gabe beste­ht darin, die demokratis­chen Auf­gaben wahrzunehmen und sie so zu lösen, dass ihre Lösung einen Über­gang zu sozial­is­tis­chen Gesellschaft bildet. Dieser Über­gang bedeutet, mit rev­o­lu­tionär­er Poli­tik das Klassen­be­wusst­sein der Massen zu erhören, indem dem Bürg­er­tum Stel­lun­gen entris­sen wer­den. Daher ist das Konzept der iranis­chen Reformist*innen zum Scheit­ern verurteilt, weil sie lediglich durch Straßen­demon­stra­tio­nen, legal­is­tisch, das Regime zu ändern ver­suchen und einen Kom­pro­miss­es mit den jet­zi­gen Machthaber*innen sucht. Verge­sellschaften bedeutet, die Betriebe, Banken und Fab­riken unter der Kon­trolle der Arbeiter*innen zu ver­staatlichen und in den Dienst der gesamten Gesellschaft zu stellen.

Die Räte sind hier­bei zen­tral. Sie sind die Herrschaft­sor­gane der Arbeiter*innenklasse. Diese entste­hen jedoch nicht auf einen Schlag und mit einem fest­ge­set­ztem Ziel, son­dern durch poli­tis­che Dynamiken: Es kön­nten Räte gegen das Mul­lah-Regime geschaf­fen wer­den, bevor sie den Kampf um eine Regierung der Arbeiter*innen aufnehmen. Die Voraus­set­zung für diesen Auf­bau ist gegeben, wenn diese Masse die Organ­i­sa­tion besitzt, die den Bedin­gun­gen der Rev­o­lu­tion, dem Auf­bruch der Massen, ihrem Drang nach Selb­ständigkeit, der Umgestal­tung ihrer gesamten Lebens­be­din­gun­gen usw. entspricht. Diese organ­isatorische Voraus­set­zung sind die Räte, welche sich entwick­eln müssen, die notwendi­ge Zeit haben müssen, um sich zu formieren, und um aktiv mil­itärisch einzu­greifen, um Erfahrun­gen zu sam­meln, und let­zten Endes die Macht zu übernehmen. Die Räte sind nicht an sich automa­tisch rev­o­lu­tionär, wie wir 1979 gese­hen haben, oder bei den Räten in Deutsch­land und Öster­re­ich 1918–19. Sie kön­nen sich, bei fehlen­der rev­o­lu­tionär­er Führung, in Organe der Vertei­di­gung der Bour­geoisie und Täuschung der Arbeiter*innenklasse ver­wan­deln.

„Das Mul­lah-Regime wird keine Räte zulassen“, ist immer wieder von ver­wirrten Köpfen zu hören. „Über die Zulas­sung entschei­det allein das Kräftev­er­hält­nis“, ist die Antwort darauf. Dieses muss zugun­sten des Pro­le­tari­ats ver­schoben wer­den. Solange die Arbeiter*innen ihre selb­st­ständi­ge Führung nicht auf­bauen, kön­nen die Kräftev­er­hält­nisse nicht bedeu­tend ver­schoben wer­den. Es ist die Auf­gabe der Räte im Iran, mit den Sol­dat­en in den Kaser­nen die Ver­schwis­terung voranzutreiben, weil die Arbeit­er zum Kanonen­fut­ter für das iranis­che Regimes in den aktuellen Kriegen und Auseinan­der­set­zun­gen in West- und Zen­tralasien wer­den, weil die afghanis­chen und pak­istanis­chen Sol­dat­en mit migrantis­chem Hin­ter­grund und ohne Staats­bürg­er­rechte im Dien­ste des Iran die kom­menden Auf­gaben nicht wer­den bewälti­gen kön­nen und noch mehr Men­schen unter Waf­fen­di­enst gestellt wer­den müssen. Da das Regime weiß, dass es die eigene Bevölkerung nicht für seine kriegerischen Ziele mobil­isieren kann, set­zt es die unter­sten Teile der eige­nen Gesellschaft, die migrantis­chen, unter Druck, damit sie im Aus­land kämpfen. Es ist also die Auf­gabe von Revolutionär*innen, die impe­ri­al­is­tis­che Aggres­sion abzulehnen, um das reak­tionäre Regime im Iran zu über­winden und zu ver­hin­dern, dass die Sol­dat­en als Kanonen­fut­ter in religiösem Gewand einge­set­zt wer­den.

Zwis­chen der Dik­tatur des Pro­le­tari­ats und heute ste­hen die Auf­gaben, die wir lösen müssen, um die nöti­gen Kräfte für eine rev­o­lu­tionäre Umwälzung zu schaf­fen. Daher müssen sich die wichtig­sten Auf­gaben der näch­sten Zeit her­auskristallisieren: der Abzug der iranis­chen Trup­pen aus dem Irak und Syrien, das Recht auf Selb­st­bes­tim­mung der ver­schiede­nen Nation­al­itäten im Staats­ge­bi­et, die Verkürzung der Arbeit­szeit bei vollem Lohnaus­gle­ich, die Verteilung der Arbeitsstun­den auf Arbei­t­ende und Arbeit­slose, gle­ich­er Lohn für die gle­iche Arbeit, die Enteig­nung der schließen­den Fab­riken und der Schlüs­selin­dus­trien unter ein­er tat­säch­lichen demokratis­chen Kon­trolle der Arbeiter*innenklasse, sowie die Abschaf­fung der frauen­feindliche Geset­ze und die Gle­ich­stel­lung der Geschlechter. All dies sind Forderun­gen, die rev­o­lu­tionäre Kräfte in dieser Sit­u­a­tion auf­stellen und für die sie kämpfen soll­ten. Eine solche Poli­tik wird es der kom­mu­nis­tis­chen Avant­garde ermöglichen, die Verbindun­gen zu den Gewerkschafter*innen und den unor­gan­isierten städtis­chen Massen wieder­herzustellen und sich auf den neuen rev­o­lu­tionären Auf­schwung vorzu­bere­it­en. Da jedoch der Großteil der Bevölkerung erst ein­mal für dieses Pro­gramm gewon­nen wer­den muss, ist die Forderung nach ein­er sou­verä­nen Kon­sti­tu­ieren­den Ver­samm­lung ein möglich­er Weg. Die Massen kön­nen durch ihre Erfahrun­gen mit den Gren­zen der bürg­er­lichen Demokratie erken­nen, dass es die pro­le­tarischen und nicht die bürg­er­lichen Kräfte sind, die ihre Inter­essen vertei­di­gen. His­torisch wurde die Kon­sti­tu­ierende Ver­samm­lung im Iran dafür genutzt, einen bürg­er­lichen Ausweg aus der Krise einzuleit­en, wie es 1925 und 1979 der Fall war. Es zeigte sich damals deut­lich, dass keine Arbeiter*innenpartei existierte, die ver­mochte, die Macht zu übernehmen.

Eine Kon­sti­tu­ierende Ver­samm­lung, wie sie Revolutionär*innen vorschla­gen, soll mit Recht­en und Voraus­set­zun­gen bes­timmt wer­den, beispiel­sweise dass die Nation­al­itäten wie Kurd*innen, Beluch*innen, Araber*innen usw. als eigene Nation mit Selb­st­bes­tim­mungsrecht behan­delt wer­den. Jede*r Delegierte*r dieser Kon­sti­tu­ieren­den Ver­samm­lung darf jed­erzeit von der Basis abgewählt wer­den und darf nicht mehr ver­di­enen als ein*e Facharbeiter*in. Die bona­partis­tis­chen Rechte des Regimes müssen auf die Kon­sti­tu­ierende Ver­samm­lung über­tra­gen wer­den, Jus­tiz und Ver­wal­tung sollen von ihr gewählt wer­den. Der Kampf für eine Freie und Sou­veräne Ver­fas­sungs­gebende Ver­samm­lung ist ein Schlüs­se­lele­ment eines radikaldemokratis­chen Pro­gramms, um die Arbeiter*innenklasse und die städtis­chen Kleinbürger*innen, die Bäuer*innen usw. zu vere­inen.

Die Avant­garde, die diese Auf­gaben zu übernehmen beab­sichtigt, ist verpflichtet, sich inter­na­tion­al auszu­bilden und sich inter­na­tionale Erfahrun­gen zu eigen zu machen. Derzeit gibt es wertvolle Erfahrun­gen der inter­na­tionalen Strö­mung FT-CI (Trotzk­istis­che Frak­tion für die Vierte Inter­na­tionale) in vie­len Län­dern, vor allem in Argen­tinien, wo sie als Teil der Front der Linken und der Arbeiter*innen (FIT) zehn­tausende Arbeiter*innen mobil­isiert und maßge­blich an der Selb­stver­wal­tung der zwei Fab­riken Zanon und Don­nel­ley mitwirkt und mit ihrem Man­i­fest für eine Bewe­gung für eine Inter­na­tionale der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion (MIRSCI) an einem gemein­samen Weg inter­essiert ist.

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