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COP27: Öllobby mit Privatjet zum Greenwashingfestival

Mit der Klimakonferenz COP27 in Ägypten geben die Mächtigen vor, sich dem Klimaschutz anzunehmen. In Wirklichkeit sind sie Teil des Problems.

COP27: Öllobby mit Privatjet zum Greenwashingfestival
Tausende Demonstrant:innen nehmen am Marsch für Ihre Zukunft vor der COP27 in Brüssel, Belgien, am 23. Oktober 2022 teil. Foto: Alexandros Michailidis / shutterstock.com

Klimakonferenzen ähneln sich immer ein wenig: Viele große Reden werden gehalten, viele leere Versprechungen werden gemacht. Bei der letzten, der COP26, vor etwa einem Jahr in Glasgow, wurde ein Pakt verabschiedet, der uns – wenn er eingehalten wird – auf den Pfad einer durchschnittlichen Erwärmung von 2,4 Grad Celsius bringen würde. Die Vereinten Nationen versuchten nicht einmal mehr zu lügen. So zu tun, als sei das altbekannte 1,5-Grad-Ziel tatsächlich zu erreichen, sei unglaubwürdig.

In der Tat begleiten die COPs seit ihrer Einführung im Jahr 1995 einen immer stärkeren Anstieg der Treibhausgasemissionen und ihrer Konzentration in der Atmosphäre. Wie Andreas Malm in How to Blow Up a Pipeline (Wie man eine Pipeline sprengt) zusammenfasst:

„Seit [der COP1 1995 in Deutschland, Anm. d. Verf.] sind die gesamten jährlichen CO2-Emissionen weltweit um etwa 60 Prozent gestiegen. Im Jahr dieses Gipfels wurden durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe mehr als sechs Gigatonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre geschickt. 2018 waren es bereits zehn Gigatonnen. In den 25 Jahren nach der Abreise der Delegationen wurde mehr Kohlenstoff aus den unterirdischen Speichern freigesetzt als in den 75 Jahren vor ihrem Zusammentreffen. […] Im April 1995 – dem Monat, in dem COP1 endete – betrug die CO2-Konzentration in der Atmosphäre 363 ppm. Im April 2018 lag sie bei über 410 ppm“1 (eigene Übersetzung).

Es ist wenig überraschend, dass ein Zusammentreffen der größten Umweltverschmutzer:innen, kaum Aussicht auf Erfolg hat dabei, den Klimawandel zu stoppen. Mit 636 Vertreter:innen der fossilen Energien nehmen im Vergleich zum Vorjahr jetzt ganze 25 Prozent mehr Lobbyist:innen am UN-Gipfel teil. Das hat die NGO Global Witness herausgefunden.

Die NGO erklärt: „Selbst dann ist die Schätzung wahrscheinlich konservativ, da unsere Methodik darauf beruht, dass die Teilnehmer:innen ihre eigenen Verbindungen zu den Interessen der fossilen Industrie offenlegen, und viele Lobbyist:innen entscheiden sich möglicherweise dafür, diese Verbindung zu verbergen“. Eine Schätzung, die auch Lobbyist:innen aus anderen Sektoren der umweltschädlichen Industrie ausschließt.

Diese Feststellung ist keine Ausnahme. Die Präsenz von Industrievertreter:innen (zusätzlich zu den Staatsoberhäuptern) hat eine lange Tradition bei den COPs. So enthüllte ein hochrangiger Mitarbeiter des Ölkonzerns Shell 2018, dass sein Unternehmen die Pariser Abkommen beeinflusst und mitgeschrieben hatte.

Die Staatsoberhäupter sind per Privatjet in al-Sisis diktatorisches und repressives Ägypten eingereist. Und während sie von Plakaten der großen Sponsoren Coca Cola und Microsoft umgeben sind, sind die Umweltaktivist:innen, die an der Veranstaltung teilnehmen dürfen, handverlesen. Kann man von einer solchen Clique wirklich etwas erwarten, wenn es darum geht, Lösungen für die Waldbrände, die Hitzewellen und die Jahrhundertfluten zu finden?

Zwar tauchen von allen Seiten legitime Klagen über Unzulänglichkeiten und „klimapolitische Untätigkeit“ auf, doch die Anwesenheit von Großkapitalist:innen zeigt einmal mehr, dass die auf der COP27 versammelten Staaten nicht wirklich untätig sind: Sie haben das Lager der Profiteur:innen gewählt, zu deren Gunsten sie im Gegenteil sehr aktiv sind.

Dabei hat eine Oxfam-Studie gezeigt, dass jede:r der 2755 weltweiten Milliardär:innen für so viele CO2-Emissionen verantwortlich ist wie eine Millionen Menschen aus den ärmeren 90 Prozent der Weltbevölkerung. Die von 125 Milliardär:innen zusammen verantwortet Ausstoß an CO2 beträgt jährlich 393 Tonnen und damit so viel wie beispielsweise ganz Frankreich.

Mit ihnen eine Allianz zu schmieden, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass Staaten in diesem Kampf nicht auf unserer Seite stehen. So haben auch die Grünen es nicht versäumt, uns diese Tatsache schon im Vorhinein in Erinnerung zu rufen, als sie Windräder abrissen, um im Tagebau Garzweiler bei Lützerath weiter Kohle abbauen zu können

In den letzten Jahren haben sich insbesondere Schüler:innen erhoben, die zu Tausenden und manchmal zu Millionen auf die Straße gegangen sind, um ihre Sehnsucht nach einem Systemwechsel und nicht nach einem Klimawechsel zu demonstrieren. Eine der jungen Figuren, die aus diesen Mobilisierungen hervorgegangen sind, erhofft sich ihrerseits nicht mehr viel von der COP. Greta Thunberg sprach im letzten Jahr von einem „Greenwashing-Festival“. In diesem Jahr kritisiert sie den „Betrug“, den die Veranstaltung darstellt. Wie sie glauben immer mehr der „Klimageneration“ nicht mehr an diese großen internationalen Messen.

Das Misstrauen ist ein wichtiger und richtiger erster Schritt in die Richtung der Radikalisierung der Klimabewegung, die sich unbedingt erneuern muss. Würde sie sich mit den Arbeiter:innen verbünden, könnte sie den Kampf gegen die Bosse, die die Umwelt immer mehr verschmutzen, und gegen die Staaten, die sie unterstützen, auch gewinnen.

Fußnoten

1. Malm, Andreas (2021): How to Blow Up a Pipeline. London: Verso, S. 13f.

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