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Brutaler Mord? Polizist in Fulda erschießt Geflüchteten mit zwölf Schüssen!

Im osthessischen Fulda hat am vergangenen Freitagmorgen ein Polizist einen Geflüchteten, der aus Wut einen Stein gegen eine Scheibe geworfen hatte, auf der Flucht erschossen. Er schoss insgesamt zwölf Mal. Zum Fluchtzeitpunkt war der Geflüchtete unbewaffnet.

Brutaler Mord? Polizist in Fulda erschießt Geflüchteten mit zwölf Schüssen!

In ein­er ersten Stel­lung­nahme am Woch­enende hat die Polizei behauptet, es wäre notwendig gewe­sen ihn zu erschießen, weil er bewaffnet gewe­sen sei. Der Vor­sitzende des Aus­län­der­beirats Abdulk­er­im Demir zeich­net auf Grund von Zeu­ge­naus­sagen ein anderes Bild. Nicht nur, dass der „junge Mann psy­chis­che Prob­leme hat­te und am Herz-Jesu-Kranken­haus in Behand­lung war“, er war wohl auch unbe­waffnet: „Wir heißen das Ver­hal­ten des jun­gen Mannes keineswegs für gut, doch war er nicht bewaffnet. Als er vor der Polizei weg­ger­an­nt ist, wurde er erschossen. Dieses aggres­sive Ver­hal­ten der Polizei war gän­zlich falsch.“

„Der schießende Polizist muss inhaftiert werden“

Weit­er fordert die afghanis­che Gemein­schaft, dass „der schießende Polizist […] inhaftiert wer­den“ müsse. Sie wollen Gerechtigkeit und sind sich auch bewusst, „wenn dieser Fall nicht aufgek­lärt wird, dann wird die Polizei das näch­ste Mal den näch­sten Mann erschießen“.

Auch der Obduk­tions­bericht zeich­net ein Bild, das eher ein­er Hin­rich­tung gle­icht: „Vier­mal wurde der Angreifer (sic!) getrof­fen, ein­mal in den recht­en Ober­schenkel, dreimal im Tho­rax-Bere­ich (Anm. des Autors: Brustko­rb).“ Zwei der Schüsse seien tödlich gewe­sen. „Wie viele von den ins­ge­samt zwölf Schüssen Warn­schüsse gewe­sen sind, ste­ht bish­er noch nicht fest.“

Dass die Polizei in Ful­da einen Geflüchteten erschossen hat, der vor ihnen weg­ger­an­nt ist, ist keines­falls als Betrieb­sun­fall abzu­tun. Wenn es allein darum gegan­gen wäre, eine aggres­sive Per­son zu stop­pen, hätte der Polizist auch das Pfef­fer­spray ein­set­zen kön­nen, dass er bei sich trug. Stattdessen holte er den Mann auf der Flucht ein und schoss dann von vorn auf ihn.

In den USA wer­den jedes Jahr über tausend Men­schen von den Cops erschossen. Von den Opfern ist nicht nur ein Großteil unbe­waffnet, es find­en sich prozen­tu­al auch über­durch­schnit­tlich viele Nicht-Weiße darunter. Die Polizei spiegelt auch hier in Deutsch­land den ras­sis­tis­chen Charak­ter des Staates wieder, der nach dem Prinzip “Teile und Herrsche” nicht nur Ras­sis­mus, son­dern auch andere Diskri­m­inierungs­for­men wie Sex­is­mus oder Homo­pho­bie ver­bre­it­et und duldet.

Nicht zulet­zt muss auch in Frage gestellt wer­den, warum der Geflüchtete “psy­chis­che Prob­leme” hat­te, wie berichtet wird. Erst zer­stören impe­ri­al­is­tis­che Staat­en die Lebens­grund­lage der Men­schen in ihren Heimatlän­dern, dann zwin­gen sie sie zu extrem gefährlichen Fluchtrouten. Hier in Deutsch­land wer­den sie dann in Lagern interniert und häu­fig mit ihren Trau­ma­ta vol­lkom­men alleine gelassen. Schlussendlich wer­den sie abgek­nallt, wenn sie an ihrer Verzwei­flung durch­drehen. Das ganze hat Sys­tem.

Reaktionäre Statements von SPD, CDU und GdP

Nach Protesten äußerte sich der Lan­drat Bernd Woide (CDU) ras­sis­tisch und vertei­digte den feigen Täter: „Fakt ist, die Aggres­sion ging von dem getöteten Flüchtling aus“, und weit­er: „Für die Trauer um den jun­gen Mann muss man nicht die Flagge Afghanistans bei sich tra­gen, die in diesem Zusam­men­hang ger­adezu sig­nal­isiert, sein Tod habe etwas mit sein­er Nation­al­ität zu tun.“ Damit legit­imiert der CDU-Poli­tik­er nicht nur die feige Tat mit zwölf Schüssen, er ver­sucht auch zu ver­wis­chen, dass die Tat ras­sis­tisch war und schiebt dem Opfer die Schuld in die Schuhe. Solche State­ments sind nichts Neues: Auch im Fall Oury Jal­loh hat der Staat behauptet, das ver­bran­nte und gefes­selte Opfer hätte sich selb­st angezün­det. Hier ver­schweigt die CDU gezielt, dass der Mann nicht nur vor dem Polizis­ten flüchtete, son­dern auch unbe­waffnet war. Von ein­er Not­si­t­u­a­tion der Polizei auszuge­hen, ist eine Ver­drehung der Tat­sachen.

Auch die SPD-Frau Sabine Waschke recht­fer­tige die Schüsse: „Ich habe großes Ver­ständ­nis dafür, dass Polizeibeamte in solchen Sit­u­a­tio­nen unter erhe­blichem Stress ste­hen. Gefahr für Leib und Leben, ob das eigene oder das von betrof­fe­nen Bürg­ern, kommt bei solchen Ein­sätzen schnell vor.“ Das einzig Pos­i­tive am State­ment der SPD-Poli­tik­erin ist die Beto­nung die Richtigkeit ein­er Unter­suchung, auch wenn sie diese dem Staat über­lassen will, der schon beim NSU seine Unfähigkeit bewiesen hat, die Ver­wick­lun­gen von Polizei und Faschis­mus zu unter­suchen und aufzuk­lären. Wahrschein­lich, weil er kein Inter­esse daran hat.

Die Gew­erkschaft der Polizei (GdP) geht laut Osthessen­news von einem recht­mäßi­gen dien­stlichen Han­deln der Beamt*innen aus. Sie sind also der Mei­n­ung, dass ras­sis­tis­che Morde durch Bullen ganz nor­male Rou­tine seien. Wie men­schen­feindlich diese State­ments sind, muss man an der Stelle auch nicht weit­er aus­führen.

Gemeinsam gegen Rassismus und Polizeibrutalität

Der ver­sproch­enen Aufk­lärung darf man keinen Glauben schenken. Die deutsche Jus­tiz hat schon oft genug bewiesen, dass sie nicht wil­lens sind, ras­sis­tis­che Morde aufzuk­lären. Ange­hörige der Opfer des NSU-Prozess­es haben ein eigenes Tri­bunal gegen die recht­en Terrorist*innen gegrün­det, weil sie im NSU-Ver­fahren keine Stimme beka­men und Beate Zschäpe eine Bühne geboten wurde. Deshalb braucht es eine umfassende Mobil­isierung der Gew­erkschaften und der Linken, eine eigene Aufk­lärungskam­pagne und die Forderung nach dem Recht auf ein unab­hängiges Tri­bunal gegen den Mörder. Der wütende Protest muss auf die Straßen Ful­das getra­gen wer­den und der Täter seines Han­dels gemäß bestraft wer­den.

One thought on “Brutaler Mord? Polizist in Fulda erschießt Geflüchteten mit zwölf Schüssen!

  1. Laurent. Knoll sagt:

    Also mit zwei oder drei Schüssen kamp­fun­fähig schiessen wäre der “nor­male Betrieb” aber bei einem unbe­waffneten und nur ver­meintlichen Täter dessen Schuld nicht ein­deutig nach­weis­bar ist kann man von vorsät­zlichem Mord sprechen.

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