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Auf Coronavirus „gut vorbereitet“? Wir brauchen mehr Personal!

Seit Anfang dieses Jahres hält das Coronavirus die Welt auf Trab. Am Dienstag kam es zu einer ersten Infektion in Deutschland und Medien und Politik überschlagen sich. Wie können wir uns schützen?

Auf Coronavirus

Schon 2002 beutelte ein Virus der Corona-Familie (“Schweres akutes respiratorisches Symptom” , oder meistens einfach kurz “SARS” / SARS-CoV) über 30 Länder und führte zu fast 800 bestätigten Todesfällen. Ende 2019 trat dann ein neues Virus der Familie auf, nach dem Jahr seiner Entdeckung 2019n-CoV benannt.

Während das Virus Ende 2019 nur in Festland-China auftrat, sind bis heute Fälle in 22 Ländern bekannt, hiervon über 8.000 in offizieller medizinischer Betreuung, die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher. Zur Zeit gesundeten etwa genauso viele Kranke von dem Virus, wie an ihm starben. Vor 3 Tagen erreichte das Virus Bayern, 4 bestätigte Krankheitsfälle, 90 Menschen unter Quarantäne. Die Gefahr, dass die derzeitig lokal begrenzten Ausbrüche zu einer Pandemie, also einer weltumspannenden Epidemie wachsen, steht im Raum; heute traf sich die WHO, um über diese sich darüber zu beraten.

Jens Spahn hingegen sieht Deutschland für den Fall der Ausbreitung der Pandemie auf das Land „gut vorbereitet“. Man müsse sich keine Sorgen machen. Doch wie sieht diese Versicherung aus, wenn man im Gegensatz zu Jens Spahn tatsächlich in einem deutschen Krankenhaus arbeitet? Wo der Alltag von Personalmangel und Einsparungen an allen Ecken und Enden bestimmt wird?

Diverse offizielle Quellen betonen zur Prävention die Wichtigkeit von Hygienemaßnahmen und einer zeitnahen medizinischen Versorgung (in Zuge derer die Patient*innen auch isoliert werden, um weitere Infektionen zu vermeiden). Viren wie das Corona-Virus können nicht mit Antibiotika bekämpft werden, und zumindest für das 2019-nCoV gibt es keine bekannte Impfung. Das bedeutet, dass die Krankheit nur durch ein stabiles Versorgungssystem behandelt und eingedämmt werden kann. Mit wirkungsvollen Mittel die Symptome zu lindern, Infrastruktur und Personal, um auf lebensbedrohliche Komplikationen zu reagieren, guten hygienischen Bedingungen in den Krankenhäusern, usw.

Dies führt nicht nur dazu, dass sich in Ländern außerhalb der imperialistischen Zentren, wie eben beispielsweise China oder diverse afrikanische Staaten während der Ebola-Epidemie 2014/15, die Krankheiten stärker ausbreiten und auch die Letalität höher ist, also mehr Menschen an ihr sterben. Es führt auch dazu, dass auch in Ländern wie Deutschland mit den Einsparungen im Gesundheitssystem die Fähigkeit des medizinischen Versorgungssystems, erfolgreich auf Epidemien zu reagieren und die Folgen so gering wie möglich zu halten, sinkt.

Weltweit sind die kapitalistischen Regierungen nicht in der Lage, mit der Pandemie umzugehen, weil sie am öffentlichen Dienst gespart haben, was die Länder der Peripherie noch stärker trifft. Doch auch in Deutschland wird das Gesundheitssystem in Deutschland seit 1992 – mit Abschaffung der Kostendeckung – Stück für Stück zerstört, wenn wir nichts dagegen unternehmen.

Wie soll so ein Gesundheitssystem zusätzlich mit einer Pandemie umgehen? Ob Grippeviren, Coronavirus oder der ganz normale Alltag: Öffentliche Gesundheit bedeutet mehr Personal! Dafür müssen die großen Konzerne zur Kasse gebeten werden. Das geht mit einer Besteuerung auf Gewinne von Konzernen. Und mit der Verstaatlichung von Krankenhäusern, Pharma-Unternehmen und allen Konzernen, die mit der Gesundheit Profite machen, unter Kontrolle der Beschäftigten.

Über akut

Wir sind eine Gruppe junger Beschäftigter an Münchener Krankenhäusern. Die Arbeitsbedingungen und die Versorgungsmöglichkeiten im Gesundheitssystem werden immer schlechter, der Profitwahnsinn wird immer extremer – die Politik hat keine Antworten, Initiativen zur Verbesserung scheitern. Deshalb organisieren wir uns selbst, als direkt Betroffene. Denn wir haben gemeinsam mehr Kraft als wir denken. Wir arbeiten jeden Tag in diesem System, wir wissen, wo die Probleme genau liegen – deshalb können auch wir sie am besten selbst bekämpfen.

Weiterlesen: AKUT München: Junge Krankenhaus-Beschäftigte organisieren sich selbst

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