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10 Gründe, den großen Raffineriestreik bei Total in Frankreich zu unterstützen

2021 beginnt mit einem Kampf in der Total-Raffinerie in Grandpuits bei Paris. Die Arbeiter:innen streiken seit dem 4. Januar gegen die Vernichtung von 700 Arbeitsplätzen. Wir geben dir zehn Gründe, warum dieser wichtige Streik unsere Unterstützung verdient.

10 Gründe, den großen Raffineriestreik bei Total in Frankreich zu unterstützen
Quelle: Révolution Permanente.

​1. Das Greenwashing von Total entlarven

Total, ein Riese der Öl- und Gasindustrie, behauptet, die Tätigkeit der Raffinerie aus ökologischen Gründen einstellen zu wollen. Totals eigentliches Ziel ist es jedoch, die Produktion in Länder des Südens zu verlagern, in denen die Arbeits- und Umweltbestimmungen lockerer sind. Mit Ökologie hat das gar nichts zu tun. Hinter der Argumentation steht nur das Interesse, die Profite zu steigern, ohne Rücksicht auf die Arbeiter:innen oder die Umwelt. Erinnern wir uns daran, dass Total eines der umweltschädlichsten Unternehmen der Welt ist.

​2. Den Imperialismus dieses Unternehmens bekämpfen, das die Bevölkerung Afrikas ausbeutet und ihren Boden ausplündert

Total ist einer der führenden französischen multinationalen Konzerne, der große Gewinne aus der Ausbeutung von Land und Bodenschätzen in vielen Ländern Afrikas, des Nahen Ostens und Lateinamerikas erzielt. Die Aktivitäten der Total-Gruppe haben katastrophale Folgen für Mensch und Umwelt. Das jüngste Megaprojekt in Uganda, das die Förderung von 1,4 Milliarden Barrel Öl ermöglichen soll, wird eine ganze Region zerstören, ebenso wie ihr Wasser, ihr Land und die Ernten der lokalen Bevölkerung. Mit diesem Projekt werden fast 100.000 Menschen Opfer von Zwangsvertreibung. Hinter dem Ökologiediskurs der Bosse verbirgt sich in Wirklichkeit der tödliche Imperialismus der multinationalen Konzerne.

Quelle: Révolution Permanente.

​3. Der ökologische Wandel kann nicht den Händen von Total überlassen werden

Die Arbeiter:innen prangern das Greenwashing von Total an, aber auch die Gewerkschaft CGT Grandpuits erkennt die Bedeutung des Themas des ökologischen Wandels an. Aber unter der Bedingung, dass dieser Wandel nicht den großen multinationalen Konzernen überlassen wird. Denn diese benutzen den ökologischen Wandel als Vorwand für ihre Angriffe auf die Arbeiter:innen. Im Gegensatz zum Greenwashing von Total verbündet sich CGT Grandpuits mit Umweltorganisationen wie Greenpeace oder Les Amis de la Terre (Freunde der Erde) sowie mit anderen Organisationen, die im Kollektiv „Plus jamais ça“ (Nie wieder) zusammengeschlossen sind.

„Wir verpflichten uns heute: den Kampf der Ölarbeiter:innen von Grandpuits gegen den Entlassungsplan von Total und die Farce des „Null-Öl“-Umstellungsplan zu unterstützen, selbst wenn dies bedeutet, den Raffineriebetrieb noch einige Jahre aufrechtzuerhalten; das gesamte Know-how unserer Organisationen zu mobilisieren, um gemeinsam mit den Beschäftigten von Grandpuits, den Einwohner:innen von Seine-et-Marne und dem gesamten Wirtschaftsgefüge, das von den Ankündigungen von Total betroffen ist, einen echten, fairen und umweltfreundlichen Umstellungsplan ohne Arbeitsplatzverluste zu erarbeiten“, schrieben diese Organisationen in einem offenen Brief zur Unterstützung von Grandpuits.

​4. Ein Kampf um Arbeitsplätze, Arbeitsbedingungen und das lokale Wirtschaftsgefüge

Das Management von Total behauptet, dass es keine Entlassungen geben wird, obwohl das Unternehmen 500 Leiharbeiter:innen auf die Straße wirft und die meisten Zeit- und Leiharbeitsverträge nicht verlängert werden. Gegen diese Lüge unterstützen wir die Arbeiter:innen, die die Entlassung eines großen Teils ihrer Kolleg:innen ablehnen. Unter den 200 Arbeiter:innen von Total, deren Arbeitsplätze gestrichen werden, sollen diejenigen, die nicht versetzt werden wollen, „diszipliniert“ werden, d.h. sie werden sich trotz ihrer Ausbildung ohne Aufgaben, ohne etwas zu tun wiederfinden. Bis sie gehen, demoralisiert und gebrochen.

Es ist auch eine lokale Katastrophe, die auf die Region zukommt. Der Wegfall dieser 700 Arbeitsplätze wird sich auf das lokale Wirtschaftsgefüge auswirken und zum Verschwinden von indirekten, fabrikbezogenen Arbeitsplätzen führen: Bäckereien, Lebensmittelläden, Restaurants, Bars, Cafés. Außerdem war die Präsenz der Raffinerie Grandpuits eine der wenigen Möglichkeiten in der gesamten Region, eine stabile Beschäftigung mit einem Gehalt oberhalb des staatlichen Mindestlohns (SMIC) zu finden. Hinter dem Mythos der Umwandlung der Raffinerie ohne soziale Folgen verbirgt sich ein echter Bridgestone-Fall [eine weitere Fabrik, die schließen soll und hunderte Arbeitsplätze vernichtet, A.d.Ü.].

​5. Jedes Jahr schüttet Total Milliardengewinne an seine Aktionär:innen aus – jetzt gibt es angeblich kein Geld

Total ist ein globaler Branchenriese, ein fittes Unternehmen, das Milliardengewinne macht. Als Drittplazierter im französischen Aktienindex CAC 40 ist Total eines der mächtigsten französischen Unternehmen und schüttet jedes Jahr Milliarden von Euro an seine Aktionär:innen aus. Wie Adrien Cornet von CGT Grandpuits feststellte: „Total steckt sich im Jahr 2020 sieben Milliarden Euro Dividenden in die eigene Tasche, erhält Milliarden Euro an staatlichen Beihilfen und will uns glauben machen, dass sie arm sind, während die Gehälter der Führungskräfte des Unternehmens steigen.“

„200 direkte Stellenstreichungen in Grandpuits, 500 bei den Subunternehmen, 694 in den sozialen Einrichtungen durch einen Frühverrentungsplan. Diese Arbeitsplatzverluste haben nichts mit dem ökologischen Wandel zu tun. Sie sind nur eine Reduzierung der Lohnsumme, um den kurzfristigen Profit zu optimieren, anstatt an das Wohl der Arbeiter:innen zu denken“.

Quelle: Révolution Permanente.

​6. Eine Umweltkatastrophe verhindern

Total profitiert von der Umwandlung des Geländes, um Arbeitsplätze zu vernichten. Die Strategie des Konzerns ist nicht im Sinne der Umweltsicherheit. Der Plan von Total zielt auch darauf ab, sicherheitsrelevante Arbeitsplätze auf dem Werksgelände zu beseitigen: „Selbst im Bereich der Sicherheit ist das Management auf Gewinnmaximierung aus. Sie wollen nur einen Feuerwehrmann im Einsatz haben, während in anderen Fabriken dieser Art mindestens drei erforderlich sind. Es ist diese Art von Politik, die neue Fälle wie bei Lubrizol hervorbringen kann“, erklärt CGT Grandpuits mit Bezug auf die Industriekatastrophe in Rouen im vergangenen Jahr, als in der Chemiefabrik ein Feuer ausbrach, das giftige Dämpfe erzeugte.

​7. Ein selbstorganisierter Streik

Auch wenn die Gewerkschaften eine wichtige Rolle im Kampf spielen, sind es die Arbeiter:innen in der Fabrik selbst, die die Kontrolle im Kampf übernehmen müssen. Bereits am 17. Dezember hatten sich die Ölarbeiter:innen spontan geweigert, die Anlagen zu entgasen und traten in den Streik. Am Montag, den 4. Januar, waren es die Arbeiter:innen dieser Nacht- und Frühschichten, die in einer Vollversammlung beschlossen, einen unbefristet verlängerbaren Streik mit kollektiv diskutierten Forderungen zu beginnen. Von nun an sind es die Vollversammlungen, die die nächsten Schritte definieren werden, um die wirkliche Kontrolle der Arbeiter:innen über ihren eigenen Kampf zu gewährleisten.

​8. Ein Streik, der ein Stützpfeiler eines gemeinsamen Gegenangriffs auf die Entlassungswelle sein kann

Wieder einmal werden die Arbeiter:innen die großen Opfer der durch die Pandemie beschleunigten Krise sein. Die kommende Gesundheits- und Wirtschaftskrise wird den Bossen den Weg für Entlassungen und andere Angriffe auf die Arbeitsbedingungen freimachen, wie man es bereits in der Luftfahrt- und Automobilindustrie beobachten kann. Dennoch sind die Kämpfe gegen diese Entlassungen immer noch selten. Alle Kämpfe, die es schon gibt, müssen unterstützt werden, wobei die Illusion der Sozialpartnerschaft zurückgewiesen werden muss und der Aufbau von besseren Kräfteverhältnissen im Kampf angestrebt werden sollte.

In diesem Sinne könnte der Kampf von Grandpuits ein Beispiel für die nächste Periode der offensiven Strategie gegen die Angriffe der Bosse sein. Ein inspirierendes Beispiel für alle, die nicht resignieren wollen, und eines, das Hand in Hand gehen muss mit der gemeinsamen Koordination der Sektoren, die gegen Entlassungen und Arbeitsplatzvernichtung kämpfen. Sie werden am 23. Januar gemeinsam auf die Straße gehen, um dem Aufruf der Arbeiter:innen von TUI France zu folgen.

Quelle: Révolution Permanente.

​9. Die Arbeiter:innen von Grandpuits haben an allen Kämpfen teilgenommen

Die Arbeiter:innen von Grandpuits haben sich an allen großen Mobilisierungen der letzten Zeit gegen die neoliberalen Gesetzesentwürfe beteiligt, die die Prekarisierung aller Arbeiter:innen und Jugendlichen vorantreiben wollten. Sie waren Symbole des Kampfes gegen die Rentenreform von Sarkozy im Jahr 2010, und die Avantgarde des Kampfes gegen die Rentenreform von Macron und seiner Regierung.

Sie haben beschlossen, in den Streik zu treten, egal wie lange es dauern sollte, und sich gemeinsam mit anderen Sektoren zu mobilisieren, mit den Eisenbahn- und Straßenbahnfahrer:innen an der Spitze. Wir müssen sie im Kampf gegen die Entlassungen unterstützen.

​10. Um sie zu unterstützen, so einfach ist das!

Sie brauchen uns jetzt, lasst uns ihnen unsere volle Unterstützung geben, um Total zu Fall zu bringen! Helfen ist einfach. Man kann sich der Streikpostenkette an der Raffinerie von Grandpuits anschließen, etwas zu essen mitbringen, oder kommen und über ihren Kampf diskutieren. Man kann in die Streikkasse einzahlen, die es den Arbeiter:innen ermöglicht, dem Ölgiganten Total so lange wie möglich zu widerstehen. Man kann Informationen über den Streik verbreiten und teilen, indem man der Seite der Ölarbeiter:innen im Kampf folgt und Artikel von Révolution Permanente und Informationen über den Streik teilt.

Dieser Artikel erschien auf Französisch bei Révolution Permanente und auf Spanisch bei La Izquierda Diario.

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