Brot und Rosen

„The Future is Female“ ist kein progressiver Leitspruch

„The Future Is Female“ ist ein korporativer Leitspruch. Er löscht queere, trans und andere nicht-binäre Identitäten komplett aus, und impliziert das Auslöschen von Männern, und dies ist nicht feministisch.

Der Slogan tauchte im letzten Jahr wieder auf, und wurde im Licht des weltweiten „Women`s March“ von Tausenden stolz aufgenommen. Ursprünglich populär wurde er in den 1970ern als ein T-Shirt-Design für Labyris Books, dem ersten Buchgeschäft für Frauen in New York City. Die Idee dahinter war einfach: Bekämpft das Patriarchat! Nieder mit der Frauenfeindlichkeit! Beides klingt an sich großartig; historisch gesehen wurden Frauen auf ökonomischer, sozialer, sexueller und intellektueller Ebene durchgehend von Männern unterdrückt. Doch obwohl die Intention hinter dem Slogan eine gut gemeinte ist, der Spruch an und für sich ist antifeministisch.

Feminismus lehnt alle Arten von Sexismus und struktureller Dominanz ab; Feminismus ist anti-imperialistisch – kurz gefasst, er ist eine Verpflichtung an den Egalitarismus. Der Begriff „weiblich“ wird nicht nur genutzt, um das biologische Geschlecht einer Person zu beschreiben, sondern auch als Art und Weise, die Gender-Identität und Orientierung einer Person zu bezeichnen. Ein Problem von „The Future Is Female“ ist, dass es die Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht und Gender-Identität unterbindet. Auf dieser Grundlage können Mitglieder der „pro-life“-Bewegung, oder Menschen, die homophobe Einstellungen vertreten, den Slogan ohne jeglichen Widerspruch zu ihren politischen Ansichten befürworten.

Der Leitspruch berücksichtigt niemanden, der sich außerhalb der „männlich – weiblich“-Binarität identifiziert. Diese Binarität als invariant zur menschlichen Natur zu statuieren stellt ein Problem dar: Menschen, die sich als queer, trans oder nicht-binär identifizieren, sind in dieser sogenannten „Zukunft“ nicht vorgesehen.

Die Verdinglichung von männlich und weiblich ist heteronormativ und stützt das Patriarchat. Die Unfähigkeit, außerhalb von männlich und weiblich zu denken, schränkt unsere progressiven politischen Ansichten ein. Die Verpflichtung der Linken an den Egalitarismus muss queere, trans und non-binäre Identitäten unterstützen. Die Zukunft sollte nicht nur weiblich sein, sie sollte ebenfalls queer sein, trans, nicht-binär, und auch männlich. Genauso wichtig ist es, dass unsere Zukunft antikapitalistisch ist.

Das Patriarchat zu bekämpfen reicht nicht. Seine Zerstörung wird nur erfolgreich sein, wenn sie verbunden ist mit dem Kampf gegen den Kapitalismus. Mit anderen Worten, die Ablehnung des Patriarchats mit gleichzeitiger Verfechtung einer kapitalistischen Gesellschaft wird der Mehrheit der Frauen nicht helfen, und trans-, queeren und non-binären Menschen erst recht nicht.

„The Future Is Female“ adaptiert eine kapitalistische Sichtweise auf mehrere Wege. Zunächst einmal beschwört der Slogan die Vorstellung eines Wettbewerbes zwischen Männern und Frauen herauf. Der Spruch impliziert ein Comeback für Frauen: Sie werden die Macht aus den Händen der Männer entreißen, und diese Macht benutzen, um sich selbst als die Prominenz der Zukunft zu behaupten.

Und wie können Frauen sich selbst diese Zukunft zu Eigen machen? Einfach reinhängen – „Just Lean In!“ Korporative Feminist*innen sind solche, die sich als Feminist*innen bezeichnen, und sich dennoch am Kapitalismus beteiligen, der ironischerweise Sexismus durch Wettbewerb unter Arbeiter*innen fördert. Diese Art von Feminismus ist mehr daran interessiert, sich mit Männern zu messen, als daran, die Arbeiter*innenklasse vom Kapitalismus zu befreien.

Persönlichkeiten wie Sheryl Sandberg, Hillary Clinton und Ivanka Trump stehen an der vordersten Front des korporativen Feminismus. Für diese Frauen kann die Befreiung des weiblichen Geschlechts nur durch Frauen zustande kommen, die völlig im Kapitalismus aufgehen, durch das Wettstreiten mit Männern um die hochbezahlten Top-Berufe und mehr Macht. Um dies zu erreichen, müssen Geschäftsfrauen und Frauen in der Politik nach außen hin das Image einer weichen, behütenden Pflegerin aufrechterhalten, während sie sich, innerlich tough, brutal und unbarmherzig, zur Spitze durchkämpfen.

Hillary Clintons Wall-Street gestützter Feminismus ist keine Hilfe für Frauen der Arbeiter*innenklasse. Ihre abtreibungsbefürwortende Position geht einher mit der Anforderung, dass ebenjene „selten“ vorkommen sollen – und dabei ist Clinton durch die Unterstützung des Gesetzes zur Sozialreform von 1996 verantwortlich dafür, dass Eltern in armen Verhältnissen die finanzielle Unterstützung genommen wird, die sie für ihre Kinder brauchen. Als Direktorin von Wal-Mart tat Clinton nichts gegen die Diskriminierung weiblicher Angestellter durch den Konzern, stattdessen wurde Wal-Mart kürzlich sogar von der Clinton Foundation für seine Bemühungen um die Stärkung von Mädchen und Frauen gelobt.

Sheryl Sandbergs „Lean In“ Botschaft ignoriert behinderte Frauen völlig. Sandberg argumentiert, dass Frauen in ihrem eigenen Leben individuelle Veränderungen vornehmen sollten, die es ihnen ermöglichen, die Karriereleiter zu erklimmen. Was sie dabei außer Acht lässt, ist, dass sobald diese Frauen tatsächlich oben auf der Karriereleiter stehen, ihre Geschäftspolitik es den Frauen am Boden der Leiter schwerer macht. Daran ist nichts feministisches. Tatsächlich kommt „Lean in“ eher der Botschaft gleich: „Häng dich rein wenn du eine mittelständische Frau mit sozialem Kapital bist, die sich aggressiv an die Spitze der geschäftlichen Nahrungskette durchkämpfen kann, wo du dann Reichtum erlangen kannst, indem du alle anderen ausbeutest!“ Wenn du arm bist, oder Teil der Arbeiter*innenklasse, häng dich raus.

Ivanka Trump kümmert sich um „Frauen-Probleme“. Ihr bald erscheinendes Buch, „Women Who Work“ (Frauen, die arbeiten), wird viel von dem korporativen feministischen Jargon wiedergeben, den Sandberg verwendet. Sie ist eine starke Befürworterin des korporativen Feminismus und prägt den Hashtag #WomenWhoWork als Teil ihrer Markenkampagne, um weibliches Unternehmertum voran zu treiben. Ivanka ist nach Washington, DC gezogen, wo sie versprach, für Frauen zu kämpfen, während sie ihren Vater Donald Trump im Weißen Haus unterstützt. Ironischerweise haben Donald Trump und sein Team gerade erst abtreibungsbezogene Regelungen umgekehrt, indem sie ausländische Non-Profit-Organisationen vor eine schonungslose Wahl stellen: Hört auf, Abtreibungen anzubieten und hört auf, Informationen jeglicher Art bezüglich Abtreibungen anzubieten, oder ihr verliert die finanzielle Unterstützung der Vereinigten Staaten, dem weltweit größten Geldgeber für Dienstleistungen im Bereich Familienplanung.

Korporativer Feminismus befürwortet eine weibliche Zukunft. „The Future Is Female“ unterstützt den Lean-In Feminismus, der es versäumt, die Realitäten der Klassengesellschaft anzugehen, vor allem die Beziehung zwischen Bossen und Arbeitenden. Im korporativen Feminismus feiert das Patriarchat seine Dominanz als weiblich.

Dieser Artikel wurde zuerst auf „Left Voice“ veröffentlicht. Sam Miller ist Gastautorin für „Left Voice“ und kürzliche Absolventin der Columbia University. Momentan arbeitet sie als Lehrerin in Manhattan.

Dieser Artikel wurde von Jenny Neufeld für Klasse Gegen Klasse übersetzt. Wenn du auch Artikel unserer Schwesterseiten übersetzen möchtest, wende Dich an die Redaktion, per Mail oder auf Facebook.

3 thoughts on “„The Future is Female“ ist kein progressiver Leitspruch

  1. B. Bernstein sagt:

    „Die Zukunft sollte nicht nur weiblich sein, sie sollte ebenfalls queer sein, trans, nicht-binär, und auch männlich.“

    Na und?: „the future is female“ bedeutet
    NICHT „die Zukunft ist NUR weiblich“!

    Also – was soll jetzt correct sein:
    Die Zukunft ist …? … feministisch? … genderistisch? … beliebig???

  2. Jörn sagt:

    Ich finde den Slogan etwas zu provokant. Egal wie es zu interpretieren ist. Wenn jemand in den USA sagen würde „Die Zukunft ist weiß“, man würde es zu Recht rassistisch finden. Dabei wäre die Aussage noch nicht mal falsch. Schließlich sind Afroamerikaner im Schnitt schlechter in der Schule, werden öfters kriminell, studieren seltener, engagieren sind politisch weniger und gründen viel seltener Unternehmen. Die Aussage wäre also nicht falsch.
    Man schließt mit „die Zukunft ist weiblich/weiß/whatever“ aber andere aus und das ist rassistisch oder sexistisch. Basta!

  3. David sagt:

    Habe ich letztens noch kopfschüttelnd auf die Nachricht reagiert, dass die komplette Gleichstellung der Geschlechter (was Quer, Trans, Inter etc noch nicht einmal einschließt) erst in rund 300 Jahren erreicht werden könne, so muss ich dem bei näherer Betrachtung leider fast schon zustimmen. Denn was die Debatte über den Slogan offensichtlich macht, ist, dass eine ganzheitlich humanistische Vision eben nur in kleinen Schritten erreicht werden kann und die Kämpfe nacheinander gekämpft werden müssen. Natürlich sollte die Zukunft nicht explizit rein weiblich sein. Für den Moment gilt es doch aber erst einmal die Feminismusbewegung innerhalb eines maroden kapitalistischen Systems voranzubringen, sich also der Altlasten, die das seit spätestens der 1950er Jahre aktuelle Frauenbild in der Gesellschaft ist, zu entledigen, um von da aus eine Ebene weiter zu kommen. Gesellschaftliche Veränderung wird und kann nicht in einem Rutsch geschehen, so gerne ich das selbst auch hätte. Insofern ist „The future is female“ ein zumindest aktuell durchaus noch brauchbarer Slogan mMn.

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