Deutschland

Rund eine Million Menschen verlieren in den kommenden Monaten ihre Jobs

Eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht davon aus, dass im Jahresdurchschnitt zusätzlich 520.000 Menschen arbeitslos sein werden – in den kommenden Monaten verlieren sogar eine Million Menschen ihren Job.

Rund eine Million Menschen verlieren in den kommenden Monaten ihre Jobs

Foto: Tim Reckmann

Die Corona-Krise führt auf der ganzen Welt zu einer wirtschaftlichen Krise, die direkt an die Arbeiter*innen weitergegeben wird. Sichtbar wird dies in den Arbeitslosenzahlen, die überall in die Höhe schnellen. Auch in Deutschland ist dies der Fall.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit – geht in einer am Freitag veröffentlichten Prognose davon aus, dass die Arbeitslosigkeit durch Corona im Jahresdurchschnitt um 520.000 Menschen im Vergleich zum Vorjahr zunehmen wird. In den kommenden Monaten sollen sogar rund eine Million Menschen ihre Jobs verlieren.

Im März 2020 (Stichtag 12. März) – vor der Corona-Krise – lag die Zahl der Arbeitslosen bei 2,3 Millionen. Ende kommender Woche werden neue Zahlen für April veröffentlicht. Diese werden einen ersten Einblick darüber geben, wie sich die Zahlen tatsächlich entwickeln. Die Prognose des IAB beruht allerdings auf Annahmen und Berechnungen für das gesamte Jahr 2020. Das Institut geht dabei von der „schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte“ aus und erwartet, dass das reale Bruttoninlandsprodukt um 8,4 Prozent schrumpft.

Besonders betroffen sind laut der Prognose Menschen in kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen, „Einfacharbeitsplätzen“ und Minijobs. Letztere gerade auch deshalb, weil sie besonders in Dienstleistungsbranchen vorkommen, die stark von der Corona-Krise getroffen sind. Auch Menschen in Zeitarbeit werden eher arbeitslos, da sie in den Betrieben eingesetzt werden, um Schwankungen kostengünstig für die Bosse auszugleichen. Die Krise trifft also gerade Menschen in den Bereichen, die in den letzten Jahren durch die Agenda 2010 und die Aushöhlung von Arbeitsrechten in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gedrängt wurden.

Nicht erfasst sind natürlich diejenigen ganz ohne offizielle Beschäftigungsverhältnisse beispielsweise in Privathaushalten oder auch in der Gastronomie – die Berichte, die uns unter dem #CoronaRealität erreicht haben, legen die Vermutung nahe, dass gerade sie die ersten waren, die in die Arbeitslosigkeit stürzten.

Dazu kommen die schätzungsweise vier Millionen Arbeiter*innen, die laut einer Befragung der Hans-Böckler-Stiftung in der ersten Aprilhälfte in Kurzarbeit waren.

Dabei basiert die Voraussage des IAB auf einem Szenario, in dem bis zur Jahresmitte die Produktion wieder hochgefahren wird und die Öffnung bis zum Jahresende stattfindet – ein Szenario, an dem die Bundesregierung derzeit fleißig arbeitet, um die Profite der Kapitalist*innen zu stabilisieren. Dabei ist offen, ob dies zu einer zweiten Welle der Infektionen führen wird, die einen zweiten Shutdown notwendig macht – dies würde gewiss die Arbeitslosenzahlen deutlich in die Höhe treiben.

Die Zahlen zeigen deutlich: Der deutsche Staat und die Bosse wollen, dass die Krise von den Arbeiter*innen bezahlt werden. Aber es gibt auch Widerstand: Die Arbeiter*innen von Voith in Sonthofen beschlossen, ihre Arbeitsplätze zu verteidigen und bestreiken nun ihr Werk. Sie sagen „Voith kann gehen, wir bleiben hier!“ Sie zeichnen damit die Antwort vor, die wir auf die Entlassungen, die kommen werden, geben sollten: Wir müssen für ein Verbot von Entlassungen kämpfen. Unternehmen, die entlassen, müssen ohne Entschädigung unter Arbeiter*innenkontrolle verstaatlicht werden. Denn nur so können wir garantieren, dass nicht wir es sind, die diese Krise bezahlen.

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