Brot und Rosen

Für einen revolutionären Pride-Month!

Pride ist zurück, mit allen seinen Regenbogenkapitalist:innen und Spaltungen. Doch Pride gehört uns, und wir wollen einen revolutionären Pride und eine vollständige queere Befreiung!

Für einen revolutionären Pride-Month!
Shutterstock/ lazyllama

Zur Normalität zurückgekehrt sind wir noch nicht, doch dieses Jahr verspricht der “Pride-Month” (dt. “Monat des Stolzes”, ein Monat, um queere und sexuelle Vielfalt zu feiern und an die vergangenen Kämpfe zu erinnern) wieder größer gefeiert zu werden. Zahlreiche Veranstaltungen, Demos und Paraden, on- und offline sind angekündigt, während 2020 in vielen Städten der Pride Month ausfiel.

Wir freuen uns drauf und darüber und wollen unsere Zeitung Klasse Gegen Klasse nutzen, um mit euch über queere Befreiung zu diskutieren und einen Kampf zu führen, den wir gewinnen können!

Befreiung heißt nicht, dass Kapitalist:innen uns gut finden!

Wir kennen sie alle, die regenbogenfarbigen Wägen von Microsoft, Allianz und etlichen größeren Konzernen, mit freundlich winkenden Arbeiter:innen in regenbogenfarbenen Jacken mit Firmenlogo, die signalisieren: Ja, wir tun was für die queere Befreiung!

Und das, obwohl auch diese Firmen ausbeuten, von der Diskriminierung queerer Menschen profitieren und ihr “Aktivismus” oft nur auf regenbogenfarben Merch oder Auftritte auf dem CSD beschränkt ist.

Das nennt man Regenbogenkapitalismus, oder manchmal auch Rosa Kapitalismus. Konzerne geben vor, queere Bewegungen zu unterstützen und sponsern oft auch queere Veranstaltungen. Gleichzeitig stellen sie sich gegen die disruptiven und transformativen Teile und Forderungen der Bewegung. Und so kommt mit den Kapitalist:innen der Druck, möglichst heteronormativ und “normal” zu sein und zu scheinen. Diskussionen gegen den sichtbaren Auftritt von Kink (seit jeher ein Element queerer Subkultur!), polyamoren Beziehungen, “schrille” Performances, … sind die Folge.

Wir werden niemals befreit werden, wenn wir versuchen, uns den ständig ändernden Vorschriften dieses kaputten Systems anzupassen.

Wir brauchen und wollen keine Kapitalist:innen auf der Pride!

Befreiung heißt, dass Corona nicht unsere Fortschritte zerstört!

Über ein Jahr Corona-Einschränkungen und das damit verbundene Zurückdrängen in die private Sphäre und möglichst funktionierende Kleinfamilien (vor allem auch durch das Versagen des Staates, die Mehrarbeit wie Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen irgendwie sinnvoll abzufangen!) ist nicht spurlos an uns vorübergegangen. Viele von uns leisten Sorgearbeit, mussten wieder zu ihren Eltern ziehen, in Beziehungen bleiben, die nicht gut für sie sind.

Auch der anhaltende Rechtsruck und die Angriffe auf unsere Selbstbestimmung wie die Ablehnung der Abschaffung des “Transsexuellengesetzes” durch die Parteien der Bundesregierung machen uns zu schaffen.

Umso wichtiger, dass wir dieses Jahr lauter und präsenter denn je sind und für eine Perspektive einer echten und vollständigen Befreiung kämpfen!

Befreiung heißt, dass wir alle frei sind – auf der ganzen Welt und nicht nur in den imperialistischen Zentren!

Und auch viele Botschaften von imperialistischen Staaten und Staaten die in Kriege verwickelt sind, sind auf den CSDs vertreten: das US-Konsulat, die israelische Botschaft und viele andere. Und auch Konzerne, die wie Daimler Waffen an queerfeindliche Regimen lieferte, hüllen sich in Regenbögen und nehmen Plätze in Pride-Paraden ein. Und hier schließt sich auch der Kreis zum Regenbogenkapitalismus.

Unsere Befreiung kann nur weltweit durchgesetzt werden. “Humanitäre” Kriegsmissionen, wie von den Grünen vorgeschlagen, werden nicht helfen, im Gegenteil. Krieg tötet und traumatisiert die queeren Menschen in Afghanistan, dem Irak und so vielen anderen Ländern, denen von imperialistischen Zentren aus “Demokratie” und “Fortschritt” näher gebracht werden sollen. Und auch eine bedingungslose Unterstützung Israels rettet nicht die queeren Palästinenser:innen, die in den Trümmern sterben.

Also: Lasst uns die Vertreter:innen des Imperialismus von der Pride jagen, die Botschaften, die Polizei und die Bundeswehr. Und lasst uns international für die queere Befreiung kämpfen!

Befreiung heißt, für die Revolution zu kämpfen!

Wir wissen, dass Kapitalismus und queere Unterdrückung untrennbar miteinander verbunden sind. Wir wissen auch, dass wir alleine es nicht schaffen können, ihn zu überwinden. Wir wissen, dass viele Forderungen von Arbeiter:innen in ihrem Kämpfen für uns genauso relevant wären, wie der Kampf um die Abschaffung des DRG-Systems nach dem medizinische Behandlungen nach festen Fallpauschalen abgerechnet werden – einer der Gründe für die unzureichende medizinische Behandlung von trans Menschen! Auch sind viele von uns selbst Arbeiter:innen.

Als Marxist:innen wissen wir, dass die Arbeiter:innenklasse im Zentrum einer Revolution stehen muss, und dass wir eine revolutionäre Partei aufbauen müssen, um dafür zu sorgen, dass Aufstände nicht einfach umgelenkt und deradikalisiert werden.

In diesem Sinne werden wir diesen Monate einige Beiträge veröffentlichen, die den Weg, den wir zur queeren Befreiung vorschlagen, erklären, ebenso wie andere Aspekte queerer Befreiung und queeren Lebens.

Wir freuen uns, mit euch zusammen zu diskutieren, Erfahrungen zu machen und natürlich auch zu kämpfen! Lassen wir uns nicht einlullen, sondern zurückkehren zu den radikalen Wurzeln von Pride und weit darüber hinaus! Für eine umfassende queere Befreiung!

Wie ihr euch beteiligen könnt:

Als Korrespondent:in: Ihr seid auf queeren Veranstaltungen, Paraden, Podien? Online oder offline? Schickt uns euer Material – Fotos, Videos, Interviews, Berichte, alles ist willkommen! (Nur dran denken, bevor ihr einzelne Personen oder kleinere Gruppen, in denen man die Gesichter gut erkennen kann, fotografiert oder filmt, fragt um Erlaubnis!)

Als Autor:in: Du hast Ideen zu queeren Themen, die du veröffentlichen willst? Du möchtest einen Beitrag schreiben über aktuelle oder historische Ereignisse? Über politische Diskussionen, wichtige Erfahrungen? Oder eine Rezension zu einem Buch, Musik oder einem Film? Gerne unterstützen wir dich auch dabei, deine Entwürfe fertigzustellen.

Als Übersetzer:in: Auch unsere internationalen Sektionen haben viel zum Thema Pride und Queere Befreiung zu sagen. Wir freuen uns, wenn ihr uns helft, es auch einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Besonders dringend bräuchten wir jemensch, der Portugiesisch übersetzen kann, aber auch Spanisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch und natürlich Englisch können wir gut gebrauchen :)

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