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Der Hightech-Sprengstoff des Professor Klapötke

An der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) forscht Professor Klapötke mit seinem Team an militärischen Sprengstoffen. Diese sind umweltfreundlicher – und noch tödlicher. Erster Teil unserer Reihe über Bombenforschung an der LMU. (Im Bild: Klapötke in der Mitte)

Der Hightech-Sprengstoff des Professor Klapötke

Professor Dr. Thomas Matthias Klapötke nennt seine Forschung am Lehrstuhl für anorganische Chemie „Science for Knowledge and Peace“. Geforscht wird seit 2004 insbesondere an „Energetic Materials“, also an modernen Sprengstoffen, im Auftrag von friedfertigen Einrichtungen wie der US-Armee. 2012 flossen nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks 470.000 Euro durch militärische Einrichtungen der USA.

Eine grüne Bombe?

Das wichtigste Forschungsergebnis war bisher ein Sprengstoff, der von der LMU unter dem Namen „TKX-50“ im Jahr 2011 bei der Bayerischen Patentallianz, einer Vermarktungsagentur für Hochschulen, patentiert wurde. Das Besondere an diesem Sprengstoff ist, dass er im Gegensatz zum meist verwendeten Explosivstoff RDX ohne Bleiazid und Bleistyphnat auskommt. Bei der Explosion wandeln sich diese Substanzen in Blei um, das schädlich für Bodentiere und Trinkwasser ist. Es ist zudem giftig für das menschliche Nervensystem und wirkt krebserregend. Insbesondere auf Truppenübungsplätzen stellt die Kontamination ein großes Problem da. Die Reinigung ist teuer und führt zu erhöhten Bleiwerten beim Personal. Der Sprengstoff von Thomas Klapötke ist damit umweltverträglicher. Das kann aber nicht über den Hauptzweck, den militärischen Gebrauch, hinwegtäuschen. Also eine Bombe, die umweltfreundlich töten soll. Das weiß auch Klapötke:

Wenn das Elektroauto langsam fährt, kauft es keiner – auch wenn es umweltfreundlicher ist. Genauso wenig interessiert die Rüstungsindustrie und das Militär ein umweltfreundlicher Sprengstoff, wenn er weniger leistungsstark ist als der marktübliche.“

Dafür hat das Team um Klapötke mit dem TKX-50, dem Dihydroxylammoniumsalz von 5,5′-Bistetrazol-1,1′-diol, einen wahren Hochleistungsexplosivstoff entwickelt. Das Journal of Materials Chemistry beschreibt, dass es im Vergleich zu herkömmlichen Sprengstoffen weit weniger stoßempfindlich und weniger toxisch ist, eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen hohe Temperaturen aufweist, als auch billiger und leichter aus industriell ersetzbaren Grundstoffen herzustellen ist. Dazu kommt die vielleicht wichtigste Eigenschaft: eine höhere Explosivität. Das TKX-50 ist ein Sekundärsprengstoff. Es eignet sich damit für Gewehr- und Pistolenmunition, Bomben wie auch im zivilen Bereich für Sprengarbeiten im Bergbau.

Der explosivste Stoff der Welt

Darüber hinaus forscht Klapötke auch an Primärexplosivstoffen, also Stoffen, die eine Zündung herbeiführen. Die zentrale Anforderung ist, dass sie zuverlässig eine Explosion erzeugen, die stark und schnell genug ist, um den Sekundärsprengstoff zur Detonation zu bringen. Das ACS Central Science, eine Fachzeitschrift für chemische Forschung, berichtet in einem Artikel mit dem Titel ‚The Record Breakers‘, dass Klapötkes Team an einigen hochexplosiven Chemikalien forscht. Eines davon ist 1-Diazidocarbamoyl-5-azidotetrazol (C2N14), das weitläufig als explosivster Stoff der Welt gilt – diese Kategorisierung bezieht sich auf die Empfindlichkeit: „Just the lightest touch makes it go boom.“ Für die Forscher*innen ist es tatsächlich zu gefährlich, um es ausführlich zu testen und somit auch für den militärischen Gebrauch ungeeignet. Die Anforderung ist ein Stoff, der die meiste Energie pro Gramm oder die schnellsten Schockwellen erzeugt. Dafür hat das Team an der LMU 1,5-Di(nitramino)tetrazol entwickelt, das eine geeignete Verteilung von Sauerstoffatomen beinhaltet, für eine optimale „boost performance“ bei der Explosion. Klapötkes Team hofft, dass damit kleinere und leichtere Waffen gebaut werden können, um zum Beispiel Drohnen zu bestücken, die damit präziser feuern können.

Klapötkes Forschung beinhaltet neben Primär- und Sekundärexplosivstoffen weitere Anwendungsmöglichkeiten wie militärische Pyrotechniken und Oxidatoren für Raketenantriebe. Der Umfang dieser Projekte zeigt, dass es nicht in erster Linie darum geht, eine umweltschonende Technologie zu entwickeln. Klapötke sieht sich in politischer Mission:

Deutschland hat die Bundeswehr und ist Nato-Mitglied. Es ist nur logisch, seine eigenen Streitkräfte und die der Bündnispartner, wo immer es geht, zu unterstützen.“

2 thoughts on “Der Hightech-Sprengstoff des Professor Klapötke

  1. Björn sagt:

    Die Ansicht von Prof. Klapötke halte ich für eine gesunde Einstellung zur Realität. Denn so viel steht fest, von der Ideologie: „Man stelle sich vor es gebe Krieg und keiner gehe hin.“ (A. Mitscherlich) können wir uns wohl aber übel auf lange Sicht hin verabschieden. In solchen Zeiten sollten sowohl die zivile Gefahrenabwehr als auch die Bundeswehr einschließlich ihrer Bündnispartner soweit bewaffnet sein, dass sie gegen etwaige Angriffe mehr bieten hat, als den netten Eindruck mit Klosteine auf Panzer zu werfen. Mag auch für den einen oder anderen die moderne Sprengstoffforschung von Prof. Klapötke kritisch betrachtet werden, so halte ich sie auch im Hinblick auf den zivilen Nutzen sowie ökologischer Aspekte für wichtig und auch gut. Sich dem Mainstream entgegenzustellen verdient meiner Meinung nach aus chemischer, philosophischer und juristischer Sicht großen Respekt und Unterstützung. Wenn man dabei auch noch ein paar Dollar für die weitere Forschung hinzuverdient, ist das doch ok.

  2. Martin sagt:

    Ich kann mich dem nur anschließen. Ich möchte in einem Land leben, das sich verteidigen kann. Diejenigen die gegen die Forschung von Prof. Klapötke demonstrieren sollten meiner Meinung nach an vorderster Front stehen wenn Deutschland in einen militärischen Konflikt gerät und diesen mit Blumen und Argumenten lösen. Ich ziehe meinen Hut vor allen Soldaten und finde sie sollten mit dem besten und gesundheitsverträglichstem Equipment ausgestattet werden. Wenn man in einem Land lebt, dass eine Verteidigungsarmee besitzt, dann ist es auch legitim für diese zu forschen. Letzten Endes entscheiden Politiker wofür die Forschungsergebnisse eingesetzt werden. Von daher sollte man nicht im Hörsaal sondern vor dem Bundesverteidigungsministerium demonstrieren…

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