Deutschland

#aufstehen: Eine Sammlungsbewegung, die spaltet

Seit Samstag wird heftig über #aufstehen diskutiert. Dabei soll es sich um eine Antwort auf die Schwäche des Reformismus und das Wachstum der AfD handeln. Doch statt für die Einheit aller Beschäftigten zu kämpfen, zementieren Wagenknecht und Lafontaine damit die Spaltung der Klasse.

#aufstehen: Eine Sammlungsbewegung, die spaltet

Am ver­gan­genen Sam­stag haben Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine #auf­ste­hen lanciert. Zunächst als Web­site, ab dem 4. Sep­tem­ber geht es auch offiziell los. Der Schritt war schon lange angekündigt und schon seit Monat­en disku­tiert der linke Teil der Repub­lik über Sinn und Unsinn der “neuen linken Samm­lungs­be­we­gung”.

Im Mai war unter dem Stich­wort #fair­land ein erster Entwurf für ein pro­gram­ma­tis­ches Man­i­fest bekan­nt gewor­den. Neben eini­gen sozialen Forderun­gen stach dort vor allem eine chau­vin­is­tis­che Ablehnung ein­er “Willkom­men­spoli­tik” gegenüber Geflüchteten her­vor, nach dem Mot­to: Um die Sozial­sys­teme zu schützen, dür­fen nicht alle Men­schen nach Deutsch­land hinein­ge­lassen wer­den.

Noch ist das endgültige Man­i­fest für #auf­ste­hen nicht veröf­fentlicht, und es gibt Speku­la­tio­nen, dass das Pro­gramm der Bewe­gung in diesem Aspekt ein wenig entschärft wer­den kön­nte. Jedoch vertreten Wagenknecht und Lafontaine diese Logik schon seit Län­gerem und sie ist der Kern dessen, was sie von dem rival­isieren­den Flügel in der Führung der Linkspartei tren­nt. Beson­ders kla­gen sie die ange­blich “post­mod­ern” gewen­dete Linke an, die sich mehr um Diskri­m­inierungs­fra­gen und Geflüchtete küm­mere als um die sozialen Prob­leme der Arbeiter*innen in diesem Land. Dage­gen schla­gen sie eine Rück­kehr zu diesem “linken Kerngeschäft” vor.

Das Offen­sichtliche zuerst: Mit dieser Argu­men­ta­tion akzep­tiert #auf­ste­hen die soziale Spal­tung, die der Kap­i­tal­is­mus der Arbeiter*innenklasse und den Massen in immer wieder neuen For­men aufer­legt, als unüber­wind­bar. Weil es nicht möglich sei, die Forderun­gen der Mehrheit der Klasse und die Forderun­gen von Geflüchteten gle­icher­maßen zu erfüllen – in einem der reich­sten Län­der der Erde! –, müsse die Zuwan­derung eben eingeschränkt wer­den. Mit dieser kru­den Vorstel­lung davon, wie Klassenkampf funk­tion­iert, wer­den die demokratis­chen – und sozialen! – Fra­gen der Geflüchteten und aller Migrant*innen in diesem Land ein­fach aus der Rech­nung aus­ges­part. Die Arbeiter*innenklasse in Deutsch­land hat nach dieser Vorstel­lung mit diesen Fra­gen nichts zu schaf­fen, denn stattdessen müsse es ja um eine ökonomis­che Besser­stel­lung der Verlierer*innen der Spar- und Pri­vatisierungspolitk der let­zten Jahrzehnte gehen.

Zementierung statt Überwindung der Fragmentierung der Klasse

Doch diese plat­te und reak­tionäre Logik verken­nt nicht nur völ­lig die Ursachen der sozialen Mis­ere, die sie zu bekämpfen vorgibt, son­dern negiert auch, dass die Arbeiter*innenklasse schon jet­zt mul­ti­eth­nisch zusam­menge­set­zt ist und demokratis­che Fra­gen deshalb in ihrem ure­igen­sten Inter­esse sind.
Das Akku­mu­la­tion­s­mod­ell des deutschen Kap­i­tals basiert spätestens seit den 90er Jahren und vor allem seit der Agen­da 2010 auf ein­er erzwun­genen Dual­isierung der Arbeiter*innenklasse. Das heißt, ein mas­siv­er Niedriglohnsek­tor wurde geschaf­fen, der die Klasse in zwei Teile ges­pal­ten hat: ein rel­a­tiv gut bezahlter, qual­i­fiziert­er Sek­tor, der meist viele Über­stun­den arbeit­et; und ein schlecht bezahlter, auf Mini­jobs, Teilzeit und Ket­ten­be­fris­tun­gen angewiesen­er Sek­tor, der kaum über die Run­den kommt.
Inner­halb dieses schlecht bezahlten Sek­tors sind Migrant*innen über­repräsen­tiert. Schlechte Arbeits­be­din­gun­gen und gesellschaftlich­er und staatlich­er Ras­sis­mus gehen hier Hand in Hand. Und Geflüchtete, die völ­lig ille­gal­isiert wer­den oder zumin­d­est in noch schlechteren Bedin­gun­gen in den Arbeits­markt inte­gri­ert wer­den, dienen als weit­er­er Hebel zur Absenkung des Lohn­niveaus und der Arbeits­be­din­gun­gen.

Zwar kri­tisiert #auf­ste­hen die Auswirkun­gen der Agen­da 2010 – auf der Kam­pag­nen-Seite prangern Slo­gans wie “Kein Kind sollte in Armut aufwach­sen” und “Flaschen sam­meln darf keine Lösung sein”. Doch ihr Vorschlag ignori­ert den Fakt, dass eben die die hun­dert­tausenden Geflüchteten und vor allem die Mil­lio­nen von Migrant*innen, die schon lange in Deutsch­land leben, zu großen Teilen einen über­aus­ge­beuteten Sek­tor der Arbeiter*innenklasse bilden. Es han­delt sich nicht um eine “moralis­che” Frage, um die sich die Linke laut Wagenknecht und Co. heute mehr als um soziale Fra­gen küm­mere. Im Gegen­teil ist die Über­win­dung dieser Spal­tung ein ele­mentares materielles Prob­lem.
Wagenknecht und Co. zemen­tieren diese Spal­tung der Klasse, statt sie zu über­winden. Denn Migrant*innen, die am meis­ten aus­ge­beuteten Sek­toren der Klasse, wer­den von ihnen nicht als Ver­bün­dete oder gar als Sub­jek­te des Kampfes gese­hen, son­dern als Prob­lem, dem man sich entledi­gen müsse, um für einen anderen Teil der Klasse ein paar Brotkru­men mehr her­auszuschla­gen.

Dabei müsste genau das Gegen­teil der Fall sein: Anstelle mit der Abschot­tung der Gren­zen das Prob­lem zum Teil zu exter­nal­isieren und zur Ille­gal­isierung der schon hier im Land befind­lichen Men­schen beizu­tra­gen, müsste die Devise der gemein­same Kampf von Geflüchteten und Ein­heimis­chen, von Arbeiter*innen mit und ohne deutschen Pass, von prekären und gut bezahlten Arbeiter*innen sein. Und zwar auf dop­pelte Weise: Die prekären, aus­ge­gren­zten, unter­drück­ten Sek­toren müssen die gemein­same Front mit der Mehrheit suchen. Und vor allem müssen die kampfkräfti­gen Teile der Klasse sich die Forderun­gen der Geflüchteten und aller unter­ge­ord­neter Sek­toren zu eigen machen und für eine gemein­same Lösung ein­treten.

Eine irreführende Kritik

#auf­ste­hen wird beson­ders von Teilen der Linkspartei schon zu Beginn scharf kri­tisiert. Neben der reak­tionären Migra­tionspoli­tik und der sozialdemokratis­chen Beschränk­theit des Pro­gramms ist vor allem die angestrebte Organ­i­sa­tions­form im Fokus der Ablehnung. Beson­ders wird bemän­gelt, dass das Pro­jekt nicht organ­isch aus den Bewe­gun­gen der let­zten Monate – wie zulet­zt in Bay­ern sowohl gegen das PAG als auch mit der massen­haften #aus­ge­het­zt-Demon­stra­tion, oder wie die Massendemon­stra­tio­nen gegen die AfD in Berlin – ent­standen ist, son­dern einem Dis­put in der Führung der Linkspartei entspringt, den Wagenknecht und Lafontaine auf ihre Weise lösen wollen. Dabei beziehen sie sich vor allem auf La France Insoumise, die “One-Man-Show” von Jean-Luc Mélen­chon. Andere ziehen die Par­al­lele zu Jere­my Cor­byn und Momen­tum – eine Quelle offen­sichtlich­er Inspi­ra­tion, wie auf der Kam­pag­nen-Seite sicht­bar ist – oder Podemos im Spanis­chen Staat. #auf­ste­hen soll diese “Erfol­gsrezepte” der Erneuerung des Reformis­mus auf Deutsch­land über­tra­gen.

Doch wenn kri­tisiert wird, dass #auf­ste­hen nicht wie Podemos aus ein­er schon exis­ten­ten Bewe­gung ent­standen sei, ist das aus zwei Grün­den höchst irreführend. Zum Einen geht das auf eine falsche Analyse der Entste­hung von Podemos zurück. Denn Podemos ist nicht das organ­is­che Resul­tat der massen­haften 15M-Bewe­gung im Spanis­chen Staat 2011, son­dern das Resul­tat ihrer Nieder­lage. Weil die 15M-Bewe­gung es nicht geschafft hat, die Krise des Regimes zuzus­pitzen und die Monar­chie zu stürzen, ent­stand Podemos als Auf­fang­beck­en für Aktivist*innen, als die Bewe­gung sich schon im Nieder­gang befand.

Zum Anderen verken­nt diese Kri­tik den Charak­ter von Podemos. Seit sein­er Entste­hung hat sich Podemos immer weit­er nach rechts bewegt. Ange­treten als Aus­druck des Wider­stands gegen das spanis­che Regime, hat das Pro­jekt den Protest in der Folge in regimekon­forme Bah­nen gelenkt. Zuerst hat Podemos Kom­mu­nal­regierun­gen in den wichtig­sten Städten über­nom­men, heute unter­stützt Podemos sog­ar die Min­der­heit­sregierung der sozialdemokratis­chen PSOE. Zuvor hat­ten sie sich gegen die massen­hafte kata­lanis­che Unab­hängigkeits­be­we­gung gestellt.
Die Frage ist also nicht nur, ob es sich um eine Bewe­gung oder ein Pro­jekt mit mehr oder weniger starkem Per­so­n­enkult han­delt. Das Prob­lem ist kom­plex­er: Was für eine strate­gis­che Aus­rich­tung bietet #auf­ste­hen an?

Eine unverhohlene Unterstützung für den deutschen Imperialismus

Neben der Akzep­tanz ein­er mörderischen Gren­zpoli­tik – denn die Begren­zung von Zuwan­derung bedeutet notwendi­ger­weise die Aufrüs­tung an den Gren­zen, bedeutet per­sön­lich­es Leid, gewalt­same Abschiebung, Tod – ste­hen Wagenknecht und Co. auch für eine Unter­stützung der Hege­moniebe­stre­bun­gen des deutschen Impe­ri­al­is­mus.

Denn woher kom­men denn die Prof­ite des deutschen Kap­i­tals, die jahrzehn­te­lang eine einiger­maßen soziale Über­schusspoli­tik in Form des “Wohlfahrtsstaats” ermöglicht hat, den #auf­ste­hen zurück­holen will? Der Löwenan­teil kommt aus dem Export­sek­tor, der zum Einen eine Poli­tik der Aus­beu­tung ander­er Län­der in transna­tionalen Wertschöp­fungs­ket­ten durchge­set­zt hat, und zum Anderen deren Märk­te mit Pro­duk­ten “Made in Ger­many” über­schwemmt. Ohne die Über­aus­beu­tung ander­er Län­der wären die Extraprof­ite des deutschen Kap­i­tals, mit dem die sozialen Refor­men finanziert wur­den, nicht möglich gewe­sen. Und es war ger­ade die dro­hende Prof­itkrise des deutschen Kap­i­tals, die die rot-grüne Regierung zur Durch­set­zung der Agen­da 2010 drängte, dem härtesten Angriff auf die Arbeiter*innenklasse in Deutsch­land nach der Wiedervere­ini­gung.

Nach Beginn der aktuellen Weltwirtschaft­skrise kon­nte die deutsche Wirtschaft ihre Macht noch aus­bauen – indem sie eine aggres­sive Aus­ter­ität­spoli­tik inner­halb der EU durch­set­zte, die beson­ders die griechis­che Arbeiter*innenklasse in die Mis­ere stürzte.

Doch die Zeit­en ändern sich, und die Regierungskrisen der let­zten Monate weisen darauf hin, dass die deutsche Bour­geoisie uneinig in der Lösung der bevorste­hen­den Auf­gaben ist. Wie soll sie sich gegenüber den USA posi­tion­ieren, gegenüber Chi­na und Rus­s­land? Kann es weit­er­hin eine mul­ti­lat­erale Dom­i­nanz über die EU geben oder muss Deutsch­land auch gegenüber den eng­sten Ver­bün­de­ten wie Frankre­ich aggres­siv­er wer­den?
Die Antwort auf diese Fra­gen wird notge­drun­gen eine Ver­schär­fung der sozialen Spal­tung in Deutsch­land mit sich brin­gen. Die strate­gis­che Frage, die die gesellschaftliche Linke deshalb lösen muss, ist, wie soziale Kämpfe gegen den – nach innen und außen – immer aggres­siv­eren deutschen Impe­ri­al­is­mus geführt wer­den kön­nen.

Hier liegt das zen­trale Prob­lem des Pro­jek­ts von Wagenknecht und Co.. Nicht nur, dass die sozialen Forderun­gen besten­falls sozialdemokratisch sind und eine – unmögliche – Rück­kehr zum Reformis­mus Ende der 60er Jahre sug­gerieren. Nicht nur, dass #auf­ste­hen nicht organ­isch auf­baut auf den Bewe­gun­gen der let­zten Monate und Jahre, son­dern ein von oben aus­gerufenes Pro­jekt ist, welch­es erst noch eine “Bewe­gung” wer­den will. Nicht nur, dass aus #auf­ste­hen – trotz allem “außer­par­la­men­tarischen” Anspruch – wie La France Insoumise ein auf Einzelper­so­n­en zugeschnit­ten­er Wahlvere­in wer­den wird. All diese Ele­mente müssen scharf kri­tisiert wer­den. Doch am schlimm­sten ist, dass #auf­ste­hen sich an das Pro­jekt eines Sek­tors des deutschen Kap­i­tals anhängt – die Rück­kehr zu nationaler Abschot­tung, ver­bun­den mit einem Pakt mit Rus­s­land gegen die USA.

Denn damit schüren sie nicht nur die Illu­sion, dass der deutsche Staat – der das Kap­i­tal­in­ter­esse mit harten Angrif­f­en gegen die Arbeiter*innenklasse im In- und Aus­land durchge­set­zt hat – ein Ver­bün­de­ter bei der Lösung sozialer Prob­leme sein kann. Sie verkaufen die Inter­essen der Arbeiter*innen an das nation­al­is­tis­che Pro­jekt eines Teils des deutschen Kap­i­tals.

Eine strategische Frage

Trotz aller Kri­tik kon­nte #auf­ste­hen schon einige promi­nente Unterstützer*innen sam­meln. Darunter sind auch einige Fig­uren aus Linkspartei, SPD und sog­ar den Grü­nen. Am besten drückt sich die Unter­stützung für das Pro­jekt wohl in dem offe­nen Brief von Sevim Dagde­len (Linkspartei), Mar­co Bülow (SPD) und Antje Vollmer (Grüne) aus, der par­al­lel zum Launch der #auf­ste­hen-Web­site im Spiegel erschien.

Sie argu­men­tieren die Notwendigkeit, #auf­ste­hen aufzubauen, mit der Zer­split­terung und Schwäche der deutschen Linken. Ins­beson­dere schreiben sie:

Der Haupt­grund, warum es eine solche Samm­lungs­be­we­gung geben muss, ist die Krise des gesamten Parteien­sys­tems am Ende ein­er Ära, die 1989/90 begann und sich jet­zt ihrem Ende zuneigt. Es war fak­tisch eine Epoche ohne wirkungsmächtige Gegenkonzepte gegen die unge­brem­ste, ungerechte und aggres­sive Neuord­nung der Welt unter der Ägide der neolib­eralen und neokon­ser­v­a­tiv­en Oli­garchen in West und Ost. Diese haben im Schwung ihres Auf­stiegs durch die Meth­ode der glob­alen Dereg­ulierung und Pri­vatisierung enorme innen­poli­tis­che Desta­bil­isierun­gen und außen­poli­tis­ches Chaos, Kriege und Massen­mi­gra­tion pro­duziert. Was dabei als Naturge­setz der Glob­al­isierung dargestellt wurde, war reine Macht- und Inter­essen­poli­tik. Die Gewin­ner dieses Prozess­es ste­hen heute eben­so fest wie die Mil­lio­nen Ver­lier­er, die kein beliebiges Glücks- und Frei­heitsver­sprechen mehr täuschen kann.

So weit, so richtig. Doch danach wird ihre Argu­men­ta­tion hanebüchen. Anstatt zu kri­tisieren, dass die reformistis­chen Pro­jek­te nicht in der Lage waren, offen­sive pro­gram­ma­tis­che Antworten auf das Voran­schre­it­en des Nelib­er­al­is­mus zu find­en – Parteien, die zum Teil diese Poli­tik sog­ar selb­st durchge­führt haben, wie SPD und Grüne in der Schröder-Fis­ch­er-Regierung, oder auch die Linkspartei in diversen Lan­desregierun­gen –, konzen­tri­ert sich ihr Vorschlag auf die “Über­win­dung von Sek­tier­ertum und ide­ol­o­gis­chen Grabenkämpfen”, gegen “mögliche Selb­stüber­schätzung und [die] Ten­denz zu alter Rechthaberei”, und gipfelt im Aufruf: “Raus aus den Wagen­bur­gen der Parteien”.
#auf­ste­hen wird so zum Selb­stzweck: eine Ver­net­zung, um aus der Iso­la­tion her­auszukom­men. Doch mit welch­er Poli­tik? Anscheinend ste­hen sie gegen das “Weit­er so” des Reformis­mus. Aber wohin soll es stattdessen gehen?

Was #auf­ste­hen anzu­bi­eten hat, ist im Kern nur die andere Seite der falschen Medaille. Die reformistis­chen Parteien, die ihr Heil in der Stärkung des deutschen Impe­ri­al­is­mus oder in der Utopie ein­er “sozialen Wende” der EU suchen, sind in der Sack­gasse. Doch der Vorschlag eines linken “Sou­veränis­mus”, ein­er linken Vari­ante nation­al­staatlich­er Abschot­tung unter dem Vor­wand der Erneuerung der Sozial­sys­teme, führt nur in eine andere Sack­gasse.
Die Linke ist tat­säch­lich zer­split­tert, doch eine linksna­tion­al­is­tis­che Samm­lungs­be­we­gung kann dieses Prob­lem nur in ein­er reak­tionären Weise lösen. Denn der Ursprung der gesellschaftlichen Schwäche der Linken liegt darin, dass der Reformis­mus keine Antworten auf die tiefe Krise des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems bieten kann. Um die Prof­i­trat­en wieder zu steigern, wer­den mas­sive Angriffe auch im Herzen des Impe­ri­al­is­mus notwendig sein. Deshalb muss es darum gehen, eine Antwort der Arbeiter*innen auf diese Angriffe zu organ­isieren.

Für eine Bewegung gegen das Kapital, die Regierung und den deutschen Imperialismus

Eine solche Antwort kann angesichts der europäis­chen und weltweit­en Krise des Kap­i­tal­is­mus nur inter­na­tion­al­is­tisch sein. Sie muss den gemein­samen Kampf aller Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten, damit die Kapitalist*innen die Krise zahlen, in den Mit­telpunkt stellen.
In Deutsch­land ist die Voraus­set­zung für eine solche Antwort die Über­win­dung der Frag­men­tierung der Arbeiter*innenklasse. #auf­ste­hen bietet nur eine Zemen­tierung der Spal­tung der Klasse an. Stattdessen muss es für uns um eine gemein­same Front von Fes­tangestell­ten und Befris­teten, von Kernsek­toren und out­ge­sourcten Sek­toren, von Arbeiter*innen mit und ohne deutschen Pass, für alle sozialen und demokratis­chen Forderun­gen der großen Masse der Bevölkerung gehen.

Die Beschäftigten in den Kernin­dus­trien wer­den seit den 90ern durch Schließun­gen und Massent­las­sun­gen vom deutschen Kap­i­tal ange­grif­f­en, unter­stützt vom deutschen Staat. Diese Angriffe wur­den nicht zulet­zt durch den sozialen Kom­pro­miss zwis­chen Gew­erkschafts­führun­gen und Kap­i­tal und Staat möglich gemacht. Dieser Kom­pro­miss, den Wagenknecht und Co. nicht in Frage stellen, hat let­ztlich erst zu Befris­tun­gen, Schließun­gen, Pri­vatisierun­gen usw. geführt, unter denen die Beschäftigten heute lei­den. Eine soziale Bewe­gung kann deshalb nicht mit, son­dern nur gegen diesen Staat und das Kap­i­tal aufge­baut wer­den.
Deshalb kämpfen wir gegen jegliche Schließun­gen und für den Erhalt aller Arbeit­splätze in den Schlüs­selin­dus­trien. Dafür brauchen wir eine gew­erkschaftliche Organ­isierung an der Basis, die diese Kämpfe auch gegen den Willen der Bürokratie führen und ausweit­en muss, mit einem Pro­gramm der Ver­staatlichung aller Schlüs­selin­dus­trien unter Kon­trolle der Beschäftigten. Nur so kön­nen wir gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit und gle­iche Bedin­gun­gen am Arbeit­splatz für alle erkämpfen und die Spal­tung der Klasse über­winden.

Wir brauchen ein Pro­gramm, das die Vergellschaf­tung aller Pro­duk­tion­s­mit­tel bein­hal­tet und eine Brücke bis zum Sozial­is­mus baut. Dieser Über­gang kann nur durch eine bewusste Anstren­gung der Klasse erre­icht wer­den. Für den Auf­bau klassenkämpferisch­er Basis­struk­turen in Gew­erkschaften und Arbeiter*innenkomitees in Betrieben, die aktiv um die Führung in den Gew­erkschaften kämpfen. Lasst uns dafür auf­ste­hen, nicht für die falsche Alter­na­tive von Wagenknecht und Lafontaine, und nicht für die Weit­er­ver­wal­tung der kap­i­tal­is­tis­chen Mis­ere durch die reformistis­chen Appa­rate.

Ja, wir brauchen eine linke Samm­lungs­be­we­gung – gegen die Inter­essen des Kap­i­tals, gegen die Regierung und den deutschen Impe­ri­al­is­mus.

4 thoughts on “#aufstehen: Eine Sammlungsbewegung, die spaltet

  1. Luca sagt:

    Dieser Text war eine Qual für mich.

    Die ein­fachen Men­schen sollen ange­blich mit ins Boot geholt wer­den und dann wer­den Texte ver­fasst, für die auch Men­schen mit mit­tlerer bis höher­er Bil­dung Wörter im Duden nach­schla­gen müssen. Diese — ist es Arro­ganz, Dummheit oder nur Blind­heit? — fällt mir lei­der sehr oft in linken Diskus­sio­nen auf…

    Anson­sten ein paar inter­es­sante Ansätze.

    Mir erscheint der erwäh­nte Per­so­n­enkult auch gegeben, aber so wenig ich mit Wagenknecht anfan­gen kann: genau das erscheint ein Mit­tel, Men­schen zu bewe­gen, sie zusam­men zu brin­gen und dazu, etwas bewe­gen zu wollen. Men­schen wollen sich iden­ti­fizieren und das tun sie nicht mit Parolen son­dern mit Men­schen.

    Und ger­ade so schön in einem anderen Kom­men­tar gelesen:“Dass in Öffentlichkeit mehr über die Sam­mel­be­we­gung als über Flüchtlinge und AfD disku­tiert wird, halte ich schon für ein Erfolg.”

  2. Hanns Graaf sagt:

    Eure Kri­tikpunk­te sind weit­ge­hend richtig, doch Eure tak­tis­chen Schlüsse sind falsch. Wenn eine “Bewe­gung” zu Beginn (oder vor dem eigentlichen eigentlichen Beginn)schon 60.000 Intere­sentIn­nen hat,dann müsste eine linke Gruppe wie Ihr darüber reden, wie man in diese Bewe­gung inter­ve­niert, um dort anti-kap­i­tal­ist­siche Posi­tio­nen zu stärken. Ihr kri­tisiert nur und weist keine Per­spek­tive. #auf­ste­hen erin­nert in Vielem an die WASG. Auch dort hat das Gros der “radikalen Linken” nur kri­tisiert, anstatt sich einzun­mis­chen. Ergeb­nis? Die Stärkung der reformistis­chen PDS. Der “Vorteil” jed­er Bewe­gung ist, dass sie “offen­er” ist als eine Partei, d.h. man kann deren Aus­rich­tung bess­er bee­in­flussen. Das soll­tet ihr tun, anstatt nur zu “meck­ern”. Wie wärs mit ein­er rev­o­lu­tionären oder klassenkämpferischen Frak­tion in #auf­ste­hen?!

  3. Der bunte Harlekin sagt:

    Der Artikel gibt grund­sät­zlich eine real­is­tis­che Ein­schätzung über Absicht und Möglichkeit­en der Bewe­gung wieder. Zuvörder­st sind die Beweg­gründe der promi­nen­ten Ans­tifter dieser Bewe­gung zu hin­ter­fra­gen. Den genan­nten Pro­tag­o­nis­ten und ihren Absicht­en ist mit aller­größtem Miß­trauen zu begeg­nen, weil sie dafür bekan­nt sind zu allem fähig zu sein sofern es sich ums eigene Fortkom­men han­delt. Die so genan­nten Volksparteien — denen sie alle­samt entstam­men — steck­en in ein­er tiefen Krise und ste­hen ob ihres Nieder­gangs am eige­nen Abgrund. Da kommt eine beru­fliche Per­spek­tive fürs überzäh­lige Spitzen­per­son­al dur­chaus gele­gen. Pro­gram­ma­tisch hat wed­er diese Bewe­gung noch deren Spitzen­per­son­al sub­stanziell neues zu bieten — außer alten Rezepten aus der Mot­tenkiste der Kap­i­tal­is­muszäh­mung deren Min­desthalt­barkeits­da­tum seit mehr als 100 Jahren abge­laufen ist. Drin­gend erforder­lich ist stattdessen eine schlagkräftige sozial­is­tis­che Partei um die Inter­essen der Arbeit­erk­lasse zu vertreten. Aus dem bürg­er­lichen Poli­tik­be­trieb — darin ist diese Bewe­gung ide­ol­o­gisch einge­mauert — sind keine frucht­baren Ideen mehr erwart­bar. Für Sozial­is­ten und Kom­mu­nis­ten wird der Beitritt in diese Bewe­gung keinen Nutzen haben kön­nen. Wie wäre es son­st erk­lär­bar, daß in der Linkspartei wed­er eine kom­mu­nis­tis­che Plat­tform noch ein marx­is­tis­ches Forum irgen­deinen erkennbaren pro­gram­ma­tis­chen Ein­fluß auf deren Poli­tik haben. Wer nicht bere­it ist die Axt an die Wurzel des Kap­i­tal­is­mus zu leg­en kann sich ideengeschichtlich nur im Kreis drehen. Einen Pud­ding kann man nicht an die Wand nageln.

  4. Andrea Trautmann sagt:

    Was für ein Blödsinn !
    Auf­ste­hen will den deutschen Impe­ri­al­is­mus unter­stützen! Genau das Gegen­teil ist der Fall. Was ihr hier der Samm­lungs­be­we­gung unter­stellt, ist genau die Poli­tik, die vor allem die ange­bliche Arbeit­er­partei SPD und auf jeden Fall auch die Linke durch ihr Still­hal­ten seit Jahrzehn­ten unter­stützen! Der Artikel ist eine böse Schmährede. Ihr soll­tet euch schä­men. Statt den Willen der Bürg­er aufzu­greifen und die Zusam­me­nar­beit zu suchen, het­zt ihr nur böse drauf los und ver­dreht die Tat­sachen. Das alles nur, weil ihr mit ein­er so hoch intel­li­gen­ten Frau wie Sahra Wagenknecht nicht mithal­ten kön­nt. Ihr habt ein­fach Angst vor ihr oder seid nei­disch. Das ist wirk­lich lächer­lich !

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