Frauen und LGBTI*

Auf zum Frauen*streik 2019: Fünf Überlegungen

Die sechs Millionen Frauen im Spanischen Staat, die dieses Jahr gestreikt haben, und die Zehntausenden in 30 anderen Ländern zeigen nun auch den Frauen in Deutschland den Weg: Um den Streik für den 8. März 2019 vorzubereiten, treffen sich Feministinnen und Gewerkschafterinnen aus ganz Deutschland dieses Wochenende in Göttingen. Fünf Überlegungen, wie so ein Streik erfolgreich werden kann.

Auf zum Frauen*streik 2019: Fünf Überlegungen

Die Frauen­be­we­gung weltweit hat ein neues-altes Mit­tel für sich ent­deckt: „Frauen*streik!“ ist die fem­i­nis­tis­che Losung der Stunde. Mit ihr bewegt sich die Frauen­be­we­gung in Rich­tung der Mil­lio­nen von Frauen, die im Kap­i­tal­is­mus aus­ge­beutet und unter­drückt wer­den. Noch nie war die Arbeiter*innenklasse weltweit so weib­lich wie heute – höch­ste Zeit also, die Rolle und die Kämpfe der Arbei­t­erin­nen ins Zen­trum zu rück­en und die Tren­nung zwis­chen Fem­i­nis­mus und Arbeiter*innenbewegung zu über­winden.

In den let­zten Jahren haben Mil­lio­nen Frauen auf der ganzen Welt gezeigt, dass ihr Slo­gan “Wenn wir streiken, ste­ht die Welt still” tat­säch­lich zutrifft. Sie haben damit den Fem­i­nis­mus nicht nur in ihren Län­dern auf die Agen­da geset­zt, son­dern auch Fem­i­nistin­nen über­all inspiri­ert. Und so soll nun auch in Deutsch­land der Frauen*streik am 8. März 2019 vor­bere­it­et wer­den. Dazu tre­f­fen sich an diesem Woch­enende Frauen aus ganz Deutsch­land in Göt­tin­gen.
Hier fünf Gedanken, die uns bei den Diskus­sio­nen und Aktio­nen der kom­menden Monate weit­er­helfen kön­nten:

1. Unbezahlte Hausarbeit individuell neu verhandeln reicht nicht aus!

Auch wenn die Zahl der Frauen, die sich auss­chließlich um den Haushalt küm­mern, in den ver­gan­genen 50 Jahren drama­tisch ver­ringert hat, sind es immer noch Frauen, die den Haupt­teil dieser Arbeit ver­richt­en – vom Putzen, Kinder erziehen, kochen, einkaufen bis hin zur Pla­nung des All­t­ags und der Pflege von Alten und Kranken. Eine der wichtig­sten Erken­nt­nisse der Frauen­be­we­gung war es, diese Tätigkeit­en als das zu erken­nen, was sie sind: Arbeit. Und so soll auch die unbezahlte Hausar­beit bestreikt wer­den.

Es ist von einiger Sym­bol­kraft, diese Arbeit zu bestreiken und darauf hinzuweisen, dass ohne diese vie­len unbezahlten Stun­den nicht viel funk­tion­ieren würde. Denn diese Arbeit ist es, die jeden Tag aufs neue die Arbeit­skraft der Aus­ge­beuteten wieder­her­stellt und die kom­mende Gen­er­a­tio­nen von Arbeiter*innen garantiert. Allerd­ings gibt es dabei ein Prob­lem: Es richtet sich let­ztlich nicht gegen die, die von der Arbeit prof­i­tieren. Denn auch wenn es natür­lich erst ein­mal so aussieht, als wären Män­ner die Haupt­prof­i­teure, sind es let­ztlich die Kapitalist*innen, die niedrigere Löhne zahlen und län­gere Arbeitsstun­den von ihren Beschäftigten ver­lan­gen kön­nen – gehen sie doch ein­fach davon aus, dass es schon Frauen gibt, die die Bedi­gun­gen hier­für unbezahlt sich­er­stellen.

Wenn wir nur eine gerechtere Aufteilung inner­halb der Kle­in­fam­i­lie ver­lan­gen, kon­fron­tieren wir richtiger­weise Män­ner, die es sich bequem in der sex­is­tis­chen Arbeit­steilung ein­gerichtet haben. Doch wir lassen die Hauptgewinner*innen – die Bosse und mit ihnen die Sys­teme, die Frauen immer wieder in die Hausar­beits­falle treten lassen – ein­fach davon kom­men. Außer­dem ver­fes­ti­gen wir so weit­er die Kle­in­fam­i­lie, die ger­ade für Frauen oft ein Ort der Gewalt ist, und lassen die Bedürfnisse von allein­erziehen­den Müt­tern außen vor. (Denn anders als oft angenom­men, find­et weitaus mehr Gewalt in Part­ner­schaften statt, als durch den unbekan­nten Verge­waltiger im Park oder im Club.)

Deshalb muss im Zen­trum unseres Kampfes ein Pro­gramm von Forderun­gen an den Staat und an die Kapitalist*innen ste­hen. Wir wollen freie, kosten­lose Kindertagesstät­ten rund um die Uhr, in der Nähe von unseren Arbeit­splätzen, auch für sehr kleine Kinder. Die Erzieher*innen in diesen Kindertagesstät­ten und in der Kranken- und Altenpflege sollen gute Löhne und gute Arbeits­be­din­gun­gen haben. Wir wollen gute und kosten­lose öffentliche Kan­ti­nen. Wir wollen alle weniger Stun­den arbeit­en müssen, bei vollem Lohnaus­gle­ich.

2. Lohnarbeit bestreiken – gemeinsam mit allen Geschlechtern als eine geeinte Klasse!

Fraue­nun­ter­drück­ung entste­ht nicht ein­fach spon­tan in der Fam­i­lie durch Män­ner und ist auch keine ver­al­tete Ide­olo­gie, die wir mit besser­er Bil­dung über­winden. Im Gegen­teil ist sie eine zen­trale Stütze des Kap­i­tal­is­mus. Die Besitzer*innen der Pro­duk­tion­s­mit­tel prof­i­tieren von der machtvollen Spal­tung der Arbeiter*innenklasse in ver­schiedene Geschlechter und von der bil­li­gen und kosten­losen Arbeit von Frauen.

Um ihnen wirk­lich etwas ent­ge­genset­zen zu kön­nen, ist es deshalb wichtig, direkt in den Prozess der Ver­w­er­tung des Kap­i­tals einzu­greifen, also in den Prozess, der Grund­lage der Prof­ite und der Macht der Bosse ist. Dafür müssen die Betriebe bestreikt wer­den – und zwar nicht alleine von den Frauen, son­dern von Men­schen aller Geschlechter. So über­winden wir die Spal­tung, die nur den Bossen nützt. Alle Arbeiter*innen müssen per­spek­tivisch gemein­sam für die Befreiung der Frauen kämpfen.

Natür­lich gibt es Kol­le­gen, Mitschüler, Kom­mili­to­nen, die sex­is­tisch denken und han­deln. Welche bessere Art gibt es, ihnen zu zeigen, dass sie im Unrecht sind, als an einem gemein­samen Tag des Kampfes, an dem sie sehen, wie Frauen sich für ihre Rechte ein­set­zen – und an dem sie außer­dem sehen, was alles möglich ist, wenn wir gemein­sam kämpfen?

3. Streikkomitees in Unis, Schulen und Betrieben aufbauen!

Um einen Massen­streik zu organ­isieren, der von wirk­lich vie­len Men­schen getra­gen wird, reicht es nicht aus, dazu aufzu­rufen. Damit wer­den nur die Men­schen erre­icht, die sich eh schon mobil­isieren – und wenn sie dann alleine in den Aus­stand treten, sind sie schnell von Repres­sion betrof­fen, oder sie trauen sich erst gar nicht. Ein Streik wird erst dann wirk­lich effek­tiv, wenn der Betrieb an so vie­len Orten wie möglich tat­säch­lich lah­mgelegt wird. Deshalb ist es notwendig, sich in den Betrieben selb­st zu organ­isieren, eben­so wie in den Unis oder den Schulen. In Komi­tees an den jew­eili­gen Orten kön­nen die Kolleg*innen vom Streik überzeugt wer­den und gemein­same Aktio­nen geplant wer­den.

Solche Komi­tees helfen nicht nur in der Vor­bere­itung des Streiks. Sie kön­nen auch darüber hin­aus Orte sein, an denen darüber disku­tiert wird, welche Prob­leme Frauen und andere Unter­drück­te an jedem einzel­nen Arbeits- oder Lern­platz haben. Gemein­sam kann ein Kampf­plan entwick­elt wer­den, wie gemein­sam dage­gen vorge­gan­gen wer­den kann. Aus diesen Komi­tees her­aus kön­nen Frauenkom­mis­sio­nen entste­hen, die in der Ver­gan­gen­heit in vie­len Län­dern wichtige Orte waren, wo sich Arbei­t­erin­nen gemein­sam gegen die Bosse organ­isieren und eine eige­nen Stimme erlan­gen.

4. Die Gewerkschaftsführungen herausfordern!

Damit ein Streik zum 8. März sich wirk­lich aus­bre­it­en kann, müssen aber auch die Gew­erkschaften ihre Mit­glieder mobil­isieren und auf die Straße rufen. Denn ein­er­seits schützt das vor Repres­sion und ander­er­seits kön­nen so nochmal mehr viel mehr Men­schen erre­icht wer­den.

Das wer­den die Führun­gen der Gew­erkschaften aber nicht von sel­ber tun. Deshalb müssen sie unter Druck geset­zt wer­den – von ihrer Basis in den Gremien der Gew­erkschaften selb­st und indem in den Streikkomi­tees Res­o­lu­tio­nen beschlossen wer­den, in denen die jew­eili­gen Gew­erkschaften aufge­fordert wer­den, sel­ber zum Streik aufzu­rufen. Eben­so muss das auf öffentlichen Ver­samm­lun­gen von fem­i­nis­tis­chen Grup­pen und anderen poli­tis­chen Grup­pen passieren.

5. Für eine internationalistische, klassenkämpferische Frauenbewegung, gegen jede Art der Unterdrückung und Ausbeutung!

Ein solch­er Streik am 8. März ist ein machtvoller Auf­takt für eine Frauen­be­we­gung, die auf die Macht der Arbeiter*innen als geeinte Klasse ver­traut.

So eine Frauen­be­we­gung muss anti­ras­sis­tisch sein und sich für die Rechte und Bedin­gun­gen von LGBT*-Menschen ein­set­zen, sie muss also gegen jede Form der Unter­drück­ung auftreten. Nicht nur, dass viele Frauen sel­ber von Ras­sis­mus, Homo- und Trans­pho­bie betrof­fen sind – son­dern auch, weil wir nur stärk­er wer­den kön­nen, wenn wir uns nicht spal­ten lassen. Sie muss klassenkämpferisch sein und die Strate­gie ver­fol­gen, unter Führung der Arbeiter*innenklasse den Kap­i­tal­is­mus zu stürzen. Sie muss inter­na­tion­al­is­tisch sein, denn der Sieg über den Kap­i­tal­is­mus kann nur weltweit erfol­gen.

Vor­bild dafür, dass Befreiung möglich ist, sind die Frauen, die am 8. März vor 100 Jahren in Peters­burg in den Aus­stand trat­en und demon­stri­erten. Sie stießen so die Rus­sis­che Rev­o­lu­tion an, welche die Sit­u­a­tion der Frauen auf einen Schlag verbesserte. Auch wenn der Stal­in­is­mus ihnen diese Errun­gen­schaften wieder nahm, sind sie ein inspiri­eren­des Beispiel dafür, dass unsere Befreiung möglich ist!

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