Frauen und LGBTI*

Argentinische Feministin Andrea D’Atri füllt Veranstaltungssäle in ganz Europa

Seit mehreren Wochen tourt die argentinische Feministin Andrea D'Atri durch Europa. In Rom, München, Madrid, Barcelona, Bordeaux und Toulouse füllte sie Veranstaltungssäle, über 1000 Menschen haben inzwischen an ihren Vorträgen teilgenommen. Am 23. Februar spricht sie in Berlin.

Argentinische Feministin Andrea D'Atri füllt Veranstaltungssäle in ganz Europa

Diese Res­o­nanz hat­te sie selb­st nicht erwartet: Auf ihrer Vor­tragsreise durch Europa füllte sie ein ums andere Mal große Hörsäle und Ver­anstal­tungsräume. Nach­dem schon der Auf­takt ihrer Tour von ein­er uner­wartet großen Ver­anstal­tung in München mit 120 Men­schen geprägt war, wur­den die Ver­anstal­tun­gen nur noch größer. Über 400 Men­schen nah­men ins­ge­samt in Madrid und Barcelona an Vorträ­gen und Aktiv­itäten teil, und im Klassenkampf-bewegten Frankre­ich platzten die Säle mit jew­eils 200 Per­so­n­en in Bor­deaux und Toulouse förm­lich aus allen Näht­en. Am 23. Feb­ru­ar spricht sie zum Abschluss ihrer Reise in Berlin, am Vor­abend noch in Paris.

Woher kommt das große Inter­esse an den Diskus­sio­nen mit der erfahre­nen Fem­i­nistin und Sozial­istin aus Argen­tinien?

Ein­er­seits ist es Aus­druck der erstark­enden Frauen­be­we­gung weltweit, mit immer mehr Frauen in ganz Europa, die von dem Vor­bild der argen­tinis­chen #Niu­na­menos-Bewe­gung und dem Kampf für legale, sichere und kosten­freie Abtrei­bung ler­nen wollen, die ver­gan­ge­nes Jahr Mil­lio­nen auf die Straße bracht­en.

Zum Zweit­en zeigt sich, dass die Notwendigkeit des Wieder­auf­baus der Verbindung zwis­chen Frauen­be­we­gung und Arbeiter*innenbewegung, von der Andrea D’A­tri in ihrem Buch “Brot und Rosen. Geschlecht und Klasse im Kap­i­tal­is­mus” schreibt, nach Jahrzehn­ten der Tren­nung wieder stärk­er ins Bewusst­sein rückt. Nicht umson­st standen die Frauen­mo­bil­isierun­gen der let­zten zwei Jahre unter dem Mot­to “Inter­na­tionaler Frauen­streik”.

Und nicht zulet­zt ist das Inter­esse an Andreas Vor­tragsreise auch ein Aus­druck der wach­senden Polar­isierung in Europa, die sich in organ­is­chen Krisen wie in Frankre­ich, Ital­ien und dem Spanis­chen Staat, und in einem Auf­schwung des Klassenkampfes, vor allem in Bezug auf die Sit­u­a­tion in Frankre­ich, aus­drückt. Vor dem Hin­ter­grund stößt die Debat­te über die Strate­gie, die wir brauchen, um zu gewin­nen, auf immer größere Res­o­nanz.

Andrea D’A­tri ste­ht – stel­lvertre­tend für die inter­na­tionale sozial­is­tis­che Frauenor­gan­i­sa­tion Pan y Rosas (“Brot und Rosen”) – für einen Fem­i­nis­mus, der sich die strate­gis­che Auf­gabe des Auf­baus ein­er Hege­monie der Arbeiter*innenklasse über die Frauen­be­we­gung und alle unter­drück­ten Sek­toren, sowie dem Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionär-sozial­is­tis­chen Partei vorn­immt, um den patri­ar­chalen Kap­i­tal­is­mus ein für alle Mal zu begraben. Dafür gilt es, die Allianz zwis­chen Frauen­be­we­gung und Arbeiter*innenbewegung – mit den Arbei­t­erin­nen an der Spitze bei­der Bewe­gun­gen – neu zu schmieden.

Zwei bish­erige High­lights der Reise in diesem Sinne waren das Arbei­t­erin­nen­tr­e­f­fen in Barcelona, bei dem 100 Arbei­t­erin­nen und Jugendliche disku­tierten, wie diese Per­spek­tive für konkrete aktuelle Kämpfe nutzbar gemacht wer­den kann, und die Ver­anstal­tung in Bor­deaux, welche die Verbindung zwis­chen der aktuellen Gilets Jaunes-Bewe­gung – dem wichtig­sten Klassenkampf­phänomen der let­zten Jahre in Europa – und der Frauen­be­we­gung the­ma­tisierte. Zum Abschluss der Ver­anstal­tung tauschte Andrea D’A­tri mit Aktivistin­nen aus Bor­deaux ein grünes Hal­stuch – Sym­bol der argen­tinis­chen Bewe­gung für das Recht auf Abtrei­bung – und eine gelbe Warn­weste – Erken­nungsze­ichen der Bewe­gung in Frankre­ich – als bewe­gende Geste des fem­i­nis­tis­chen und pro­le­tarischen Inter­na­tion­al­is­mus.


Die Debat­ten, die Andrea D’A­tri bei ihren Vorträ­gen aufwarf, tre­f­fen ins Herz des Prob­lems, welche Strate­gie zum Sieg über Patri­ar­chat und Kap­i­tal­is­mus notwendig ist. In Madrid fragte sie: “Wer­den wir dafür kämpfen, dass es mehr weib­liche Bosse gibt, oder wer­den wir die kap­i­tal­is­tis­che Aus­beu­tung been­den?” In Barcelona schlug sie vor, die inter­na­tionale fem­i­nis­tis­che Bewe­gung im Kon­text der Krise der kap­i­tal­is­tis­chen Hege­monie zu betra­cht­en, und wies darauf hin: “Die Bedin­gun­gen für die Verbindung der Frauen­be­we­gung mit dem Klassenkampf sind bess­er als je zuvor” – schließlich sind Frauen heute die Mehrheit der lohn­ab­hängi­gen Klasse. Zugle­ich zeigte sie auch dort ein Zeichen inter­na­tionaler Sol­i­dar­ität, indem sie die erneuten Angriffe des Spanis­chen Staats auf die kata­lanis­che Unab­hängigkeits­be­we­gung scharf kri­tisierte und die Frei­heit aller poli­tis­chen Gefan­genen forderte.

Zudem betonte sie die Notwendigkeit ein­er rev­o­lu­tionären Per­spek­tive, die die poli­tis­che Unab­hängigkeit der Arbeiter*innenklasse gegenüber allen Vari­anten der Bour­geoisie als ein zen­trales Prinzip hat, und kri­tisierte die radikale Linke dafür, “heute nicht die Notwendigkeit zu sehen, die fem­i­nis­tis­che Bewe­gung mit der Kraft der Arbeiter*innenklasse zu vere­inen, um ein Pro­gramm des rev­o­lu­tionären Wan­dels durchzuset­zen”. Demge­genüber nahm sie Bezug auf die US-amerikanis­che Sozial­istin Louise Knee­land, die den berühmten Satz sagte: “Wer Sozial­istin ist und keine Fem­i­nistin, der fehlt es an Bre­ite. Aber wer Fem­i­nistin ist und keine Sozial­istin, der fehlt es an Strate­gie.”

In ihren Vorträ­gen schlussfol­gerte sie: “Für die Entste­hung ein­er neuen Gesellschaft ist es notwendig, gegen jede Art von Unter­drück­ung und gegen die kap­i­tal­is­tis­che Aus­beu­tung zu kämpfen, indem der Kampf der Frauen­be­we­gung mit dem Kampf der Arbeiter*innenklasse ver­bun­den wird”.

Schließlich han­delt es sich, wie Andrea in Bor­deaux erneut betonte, bei ein­er Gesellschaft, “die befre­it ist von allen For­men der Aus­beu­tung und Unter­drück­ung (…), nicht um einen Wun­sch, son­dern um eine drin­gende Notwendigkeit, damit das Leben lebenswert wird.”

Am 23. Feb­ru­ar wird Andrea ihr Buch “Brot und Rosen. Geschlecht und Klasse im Kap­i­tal­is­mus” auch in Berlin vorstellen. Wir laden alle Inter­essierten ein, die Gele­gen­heit zu nutzen, um die Frage zu disku­tieren, welche Strate­gien der Befreiung notwendig sind, um genau dieses lebenswerte Leben zu erkämpfen.

Geschlecht und Klasse: Strate­gien der Befreiung
SAMSTAG | 23. FEBRUAR | 19 UHR
BUCHVORSTELLUNG UND DISKUSSION

mit
Andrea D’A­tri, argen­tinis­che Fem­i­nistin und Autorin
Lil­ly Schön, Über­set­zerin des Buch­es
Narges Nas­si­mi, Grün­derin von Brot und Rosen Deutsch­land
und Aktivistin­nen aus Betrieben

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