Unsere Klasse

5 Jahre Kampf bei #Wombats – 5 große Lehren: Hostels denen, die drin arbeiten!

Erst der Kampf für einen Tarifvertrag, dann gegen Outsourcing und Sexismus des Managements und schließlich für die Übernahme des Betriebs durch die Arbeiter*innen selbst. Mit viel Mut und Kraft ging ein Kampf zu Ende. Aber wie die Kolleg*innen sagen: „Jedes Ende ist auch ein Anfang“. Was können wir vom mutigen Kampf im Wombat’s Hostel lernen?

5 Jahre Kampf bei #Wombats – 5 große Lehren: Hostels denen, die drin arbeiten!

Die Wombat’s Hos­tels sind eine Unternehmenskette mit Her­ber­gen in zahlre­ichen Städten, unter anderem in Budapest, Lon­don, München und seit Kurzem auch noch in Venedig. Die anhal­tende Expan­sion macht es schon deut­lich: Das Geschäft mit den Unterkün­ften in den großen Touris­musstädten der EU boomt. Die Eigen­tümer der Kette kon­nten bere­its 2018 mit ihren Taschen voller Geld in Rente gehen, während viele ältere Kolleg*innen in ihren Hos­tels die Arbeit machen und sich davon selb­st kaum eine Woh­nung leis­ten kön­nen.

Jahre­lang haben die Beschäftigten des Wombat’s Hos­tels in Berlin für Niedriglöhne gear­beit­et. Als sie sich dage­gen gewehrt haben, wur­den sie mit Out­sourc­ing bedro­ht und sex­is­tisch belästigt. Am Ende haben die Eigen­tümer es geschafft, den Stan­dort gegen den Willen der Beschäftigten zu schließen. Jedoch haben die Organ­isierung und der Kampf der Kolleg*innen viele Spuren und Lehren für kämpferische Belegschaften in Berlin und die Arbeiter*innenklasse ins­ge­samt hin­ter­lassen.

1. Es ist möglich sich zu organisieren und zu streiken – auch in prekären Sektoren.

Die Grün­dung des Berlin­er Hos­tels fiel in eine Zeit, in der die Leben­shal­tungskosten und vor allem die Mieten in Berlin stark anstiegen. Der Belegschaft wur­den aber sehr geringe Löhne gezahlt, die mit der Zeit kaum anstiegen. Jahre­lang haben die Arbeiter*innen immer wieder Gehalt­ser­höhun­gen gefordert, jedoch blieben die Löhne weit­er unter neun Euro pro Stunde.

Unter den Angestell­ten fan­den sich schnell einige, die einen Betrieb­srat grün­den woll­ten. Im Stamm­sitz in Wien war zwei mal eine Grün­dung ver­sucht wor­den, die die Chefs aber ver­hin­dern kon­nten. Die Kolleg*innen in Berlin ließen sich jedoch nicht ein­schüchtern und grün­de­ten noch 2015 den ersten Betrieb­srat, den es in einem Hos­tel in Deutsch­land je gab.

Durch Erfolge des Betrieb­srats gegen Missstände im Betrieb — wie unbezahlten Über­stun­den — wurde der ganzen Belegschaft klar, dass man sich durch eine kämpferische Organ­isierung im Betrieb wehren kann. Der Geschäft­sleitung war das ein Dorn im Auge. Sie reagierte mit Wahlanfech­tung, Ver­leum­dun­gen, Ein­schüchterun­gen, Dro­hun­gen sowie ille­galen Abmah­nun­gen und Kündi­gungss­chreiben auf die Betrieb­srat­sar­beit.

Nach der Grün­dung des Betrieb­srats forderten die Beschäftigten einen Tar­ifver­trag. Viele hiel­ten bis zu dem Zeit­punkt die Hos­tels als „unor­gan­isier­bar“, da viele nur in Teilzeit arbeit­en.

Jedoch zeigen der Organ­isierungs­grad, der im Wombat’s in Berlin nach kurz­er Zeit 75% erre­ichte, und die späteren erfol­gre­ichen Streiks das genaue Gegen­teil, genau wie die Kämpfe der aus­ge­lagerten Kranken­haustöchter in Berlin. Die prekären Sek­toren kämpfen und organ­isieren sich seit Jahren in eigen­er Ini­tia­tive und führen ihre Kämpfe in ein­er Weise, die oft­mals die Gew­erkschafts­führun­gen über­raschen. Sie zwin­gen die kon­ser­v­a­tiv­en Appa­rate dank ein­er kämpferischen Organ­isierung in der Basis, den Kampf aufzunehmen.

Ab Sep­tem­ber 2017 trat­en die Wombat’s‑Beschäftigten für einen Tar­ifver­trag in den Aus­stand. Das Man­age­ment reagierte mit Eskala­tion: Neue Arbeitsverträge wur­den nur noch befris­tet abgeschlossen, Streikbrecher*innen wur­den einge­set­zt, Gew­erkschaftsmit­glieder wur­den gemobbt, beka­men plöt­zlich ungerecht­fer­tigte Abmah­nun­gen und Lohnkürzun­gen, sol­i­darische Unterstützer*innen sowie der NGG-Funk­tionär beka­men Hausver­bote, wieder wurde eini­gen der Aktivst*innen unberechtigt – und let­ztlich erfol­g­los – gekündigt.

Doch der Streik wirk­te. Im Feb­ru­ar 2018 musste die Geschäft­sleitung die Tar­ifver­hand­lun­gen aufnehmen. Selb­st in der NGG zielte man nur auf einen Haus­tar­ifver­trag, der an den branchenüblichen Ver­trag für Hotels angelehnt wer­den sollte. Doch die Wombat’s‑Belegschaft set­zte durch, dass gle­ich der Flächen­tar­ifver­trag für ihren Betrieb über­nom­men wer­den musste.

Doch die Geschäft­sleitung weigerte sich, nach dem Abschluss der Ver­hand­lun­gen die let­zte noch fehlende Unter­schrift zu set­zen. Die befris­teten Verträge von Gew­erkschaftsmit­gliedern wur­den nicht mehr ver­längert. Zudem wurde angekündigt, die gesamte Reini­gung per Out­sourc­ing in ein Sub­un­ternehmen auszu­lagern. Das Man­age­ment ver­suchte also die bekan­nte Tak­tik der Kap­i­tal­seite zu nutzen: auf Zeit zu spie­len. Ein gutes Beispiel, warum wir unsere Streiks bis zur let­zten Unter­schrift weit­er­führen müssen und dem Man­age­ment kein Wort glauben dür­fen.

Erneut trat­en die Arbeiter*innen in den Streik. Wieder gegen Streikbrecher*innen und weit­ere Schika­nen. Sie blieben stand­haft. Im August 2018 kon­nte der erste Tar­ifver­trag in einem Hos­tel in Deutsch­land erstreikt wer­den.

2. Outsourcing ist politisch und so ist unser Kampf dagegen.

Mit dem Abschluss des Tar­ifver­trags war jedoch das Out­sourc­ing der Reini­gung noch nicht vom Tisch. Durch Out­sourc­ing ver­suchte das Man­age­ment nicht nur, den Tar­ifver­trag zu umge­hen, son­dern auch die Belegschaft zu spal­ten. Out­sourc­ing ist eng mit sex­is­tis­ch­er und ras­sis­tis­ch­er Unter­drück­ung gebun­den. Oft­mals sind es Frauen und Migrant*innen, die in den aus­ge­lagerten Sek­toren arbeit­en, die auf­grund ihrer unter­drück­ten Stel­lung seit­ens der einzel­nen Kapitalist*innen leichter zu erpressen sind.

Gegen den Ratschlag der NGG-Bürokratie set­zten sich die Arbeiter*innen gemein­sam gegen die Abspal­tung ihres prekärsten Teils ein und organ­isierten Aktio­nen gegen das geplante Out­sourc­ing. Ab Ende 2018 drangen die Auseinan­der­set­zun­gen im Wombat’s Hos­tel an die Berlin­er Öffentlichkeit, inzwis­chen ist das The­ma stadt­bekan­nt gewor­den.

Die in Arbeit­skämpfen son­st zuver­läs­sig für die Unternehmens­seite schreibende Bild-Zeitung doku­men­tierte die belei­di­gen­den und sex­is­tis­chen Schmier­ereien, die in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2019 vor dem Hos­tel gegen den Betrieb­srat gerichtet wor­den waren – eine Mitar­bei­t­erin hat­te einen der Geschäft­sleit­er in der Nacht beim Sprayen gese­hen.

Wie wir an ander­er Stelle geschrieben haben:

Sex­is­tis­che und ras­sis­tis­che Spal­tun­gen wer­den so gesellschaftlich weit­er zemen­tiert, indem ein­er­seits die schlechteren Arbeits­be­din­gun­gen für Migrant*innen und Frauen nicht ange­tastet wer­den, und ander­er­seits kein gemein­samer Kampf aller Arbeiter*innen möglich gemacht wird.

Zum anderen wer­den oft ger­ade genau die Arbeit­en aus­ge­lagert, in die Frauen hineinge­drängt wer­den, weil sie den Auf­gaben ähneln, die sie auch unbezahlt im Haushalt erledi­gen. […] Weil diese Arbeit als „im Prinzip unbezahlt“ ver­standen wird, ist es leichter, sie nur schlecht zu ent­lohnen – und ander­srum bleibt durch diese Abw­er­tung die Vorstel­lung beste­hen, dass Frauen dies „von Natur aus“ unent­geltlich erledi­gen.

Gegen Out­sourc­ing, sex­is­tis­che und ras­sis­tis­che Spal­tun­gen müssen wir als eine Ein­heit agieren. Genau­so wie die Wombat’s‑Belegschaft sich kollek­tiv gegen das Out­sourc­ing der Reiniger*innen und gegen sex­is­tis­che Angriffe des Man­age­ments gewehrt hat, müssen wir als gesamte Klasse der Arbeiter*innen unsere Ein­heit im Kampf gegen Unter­drück­ung und Aus­beu­tung her­stellen.

Das heißt, dass wir erstens unsere Stel­lun­gen in allen Betrieben im Sinne ein­er Bühne nutzen müssen, um keinen reinen ökonomis­chen, son­dern einen poli­tis­chen Kampf gegen Sex­is­mus und Ras­sis­mus und alle anderen Angriffe gegen unsere Klasse zu führen. Und zweit­ens müssen wir dafür kämpfen, dass unsere Gew­erkschaften die Forderun­gen der unter­drück­testen Teile unser­er Klasse aufnehmen; wie die Stre­ichung der Abtrei­bungspara­grafen oder Staatsbürger*innenrechte für alle, die in Deutsch­land leben. Nur so kön­nen wir unsere Ein­heit als Arbeiter*innenklasse gegen die Angriffe der Bosse und der Regierung her­stellen und die Tren­nun­gen zwis­chen der Frauen­be­we­gung, anti-ras­sis­tis­chen Bewe­gung und Arbeiter*innenbewegung über­winden.

In diesem Sinne skan­dal­isierte die Betrieb­srätin Ruth die sex­is­tis­che Angriffe und Out­sourc­ing eben­falls auf der Kundge­bung des Frauen*streiks am 8. März, an der sich auch die aus­ge­lagerten Kranken­haus­beschäftigten beteiligten. In ihrer Rede klagte sie die Belei­di­gun­gen, Sex­u­al­isierung des Arbeit­splatzes seit­ens des Man­age­ments und sex­is­tis­che Schmier­ereien auf der Straße an. Tausende Frauen, die am 8. März für Forderun­gen wie gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit auf die Straße gegan­gen sind, sol­i­darisierten sich mit dem Kampf der Wombat’s‑Beschäftigten.

Der Zusam­men­halt und kreative Aktio­nen der Belegschaft, die Sol­i­dar­ität ander­er kämpferisch­er Betriebe und der anhal­tende Druck durch die neg­a­tive Presse zwan­gen die Geschäfts­führung, das Out­sourc­ing immer weit­er hin­auszuzögern. Let­z­tendlich wur­den die Reinigerin­nen nach einem hal­ben Jahr zum 1. Mai 2019 aus­gegliedert.

3. Die Gewerkschaften müssen den Kampf für Enteignungen und Arbeiter*innenkontrolle aufnehmen.

Zu diesem Zeit­punkt war bere­its die Schließung des Hos­tels Ende August angekündigt wor­den. In sein­er Hil­flosigkeit blieb der Geschäft­sleitung nur noch eine Strate­gie der ver­bran­nten Erde: Sie ver­nichtete die rund 50 Arbeit­splätze des Berlin­er Stan­dorts. Dass die Gründe rein poli­tisch sind, stellte sie in ihrem Begrün­dungss­chreiben zweifels­frei selb­st klar:

Das Berlin­er Hos­tel ist zwar wirtschaftlich erfol­gre­ich, aber auf diese Art und Weise wollen wir nicht arbeit­en.

Gegen die Schließung erhoben die Beschäftigten die Forderung nach ein­er Enteig­nung des Betriebs durch den Berlin­er Sen­at und den Weit­er­be­trieb des Hos­tels durch die Beschäftigten. Mit dieser Forderung stell­ten die Kolleg*innen die Macht­frage inner­halb des Betriebs. Gehörte das Hos­tel den Beschäftigten, die seit Jahren darin arbeit­eten und es über­haupt möglich macht­en, dass der Betrieb weit­er­läuft, oder gehörte es den Eigen­tümern, die ihre Taschen voll­macht­en ohne sel­ber zu arbeit­en, nur weil sie auf dem Papi­er die pri­vat­en Eigen­tum­srechte besaßen.

In etlichen Auseinan­der­set­zun­gen in anderen Län­dern (Zanon und Mady­graf in Argen­tinien; Kilkiser Kranken­haus in Griechen­land usw.), aber auch in Deutsch­land (Strike Bike etc.) haben wir ähn­liche Kämpfe gese­hen, wenn die Kapitalist*innen die Pro­duk­tion ein­stellen woll­ten und die Arbeiter*innen die Kon­trolle über den Betrieb über­nah­men.

Angesichts der aktuellen Kam­pagne für die Enteig­nung pri­vater Immo­bilienkonz­erne wie Deutsche Wohnen bekam die Forderung nach der Enteig­nung des Hos­tels einen beson­deren Charak­ter, sodass sich die Möglichkeit eröffnete, die medi­ale Öffentlichkeit für die Enteig­nungs­frage zu nutzen und die Kämpfe zu verbinden.

Durch die erneute Berichter­stat­tung wur­den Politiker*innen auf den Betrieb aufmerk­sam. Der Betrieb­srat hielt am 11. Mai eine Rede auf dem Lan­desparteitag der Linken. Abge­ord­nete der Berlin­er Links­frak­tion besucht­en Kundge­bun­gen vor dem Wombat’s und drück­ten ihre Sol­i­dar­ität aus, was durch die dadurch erzeugte Öffentlichkeit für eine so kleine Belegschaft wie Wombat’s einen Erfolg darstellte.

Die Sol­i­dar­ität seit­ens der Linksparteiführung blieb let­z­tendlich lei­der nur ver­bal. Sie hät­ten sowohl die Enteig­nung des Wombat’s Hos­tels, als auch von Deutsche Wohnen und Co. gle­ichzeit­ig als Bedin­gung für die Weit­er­führung der Koali­tion stellen und mas­siv für die Kundge­bun­gen vor dem Wombat’s Hos­tel mobil­isieren kön­nen.

Auch seit­ens der Gew­erkschafts­führung der NGG beka­men die Kolleg*innen für ihre Forderung nach ein­er Enteig­nung nicht die volle Unter­stützung, und sie weigerte sich, gegen die Schließung zu Streiks aufzu­rufen. Doch sollte nicht der Erhalt der Arbeit­splätze eine der Haup­tauf­gaben unser­er Gew­erkschaften sein? Da sahen wir wieder wie die Gew­erkschafts­bürok­tratie ver­suchte, den Kampf inner­halb des soge­nan­nten „ökonomis­chen“ Rah­mens zu hal­ten. Der Sozialplan, der am Ende auf­grund des öffentlichen Drucks ver­han­delt und abgeschlossen wurde, hat die Belegschaft teil­weise zufriedengestellt. Jedoch beton­ten sie in allen Kundge­bun­gen immer wieder, dass sie am lieb­sten dort in ihrem Betrieb weit­er­ar­beit­en wür­den.

Da es in der kom­menden wirtschaftlichen Kon­junk­tur immer wahrschein­lich­er wird, dass es zu Masse­nent­las­sun­gen und Betrieb­ss­chließun­gen kommt, müssen wir dafür kämpfen, dass die Forderung nach Enteig­nun­gen und Kon­trolle der Arbeiter*innen über ihren Betrieb von unseren Gew­erkschaften aufgenom­men wird.

4. Politische Streiks sind notwendig.

In einem Inter­view mit KlasseGegenKlasse.org meint Raphael, Betrieb­srat bei Wom­bats,

dass es den Gew­erkschaften nicht möglich ist, poli­tis­che Streiks durchzuführen, Betrieb­sräte keine Mitbes­tim­mungsrechte bei Betrieb­sübergän­gen haben, das schwächt die Posi­tion der abhängig Beschäftigten in den Betrieben immens.

Wie Raphael meint, ist die Lage, in der die Beschäftigten sich gegen poli­tis­che Angriffe nicht wehren kön­nen, eine sehr schwache Posi­tion. Und die Gew­erkschafts­führun­gen sagen tat­säch­lich, dass es ihnen nicht möglich sei, einen poli­tis­chen Streik durchzuführen, da ein solch­er Streik von Gericht­en ver­boten wer­den würde. Diese Hal­tung sehen wir sowohl im Falle von Ent­las­sun­gen, Out­sourc­ing, mehr Per­son­al etc., als auch bei poli­tis­chen Forderun­gen wie der Stre­ichung der Abtrei­bungspara­grafen.

Ein poli­tis­ch­er Streik sei dann gegeben, wenn für Forderun­gen gestreikt werde, die nicht in einem Tar­ifver­trag geregelt wer­den und/oder die Forderun­gen sich nicht an den Tar­ifver­hand­lungspart­ner, son­dern an eine staatliche Instanz richt­en. Dazu kön­nen wir zuerst sagen, dass diese rechtliche Def­i­n­i­tion des poli­tis­chen Streiks und die starke Tren­nung zwis­chen den ökonomis­chen und poli­tis­chen im Sinne der Kämpfe der Arbeiter*innenklasse nicht richtig ist, da diese in jedem Kampf miteinan­der ein­her gehen, sich ergänzen und dessen Charak­ter bes­tim­men.

 

Wenn wir uns jedoch den geschichtlichen Ver­lauf diese Debat­te anse­hen, merken wir zwei wichtige Punk­te: Erstens, dass in der Ver­gan­gen­heit die Gew­erkschafts­führun­gen selb­st „poli­tis­che“ Streiks durchge­führt haben, wie die IG-Met­all-Streiks für die Vertei­di­gung der Mitbes­tim­mung in der Mon­tanin­dus­trie, der Kampf um die Ein­führung der Lohn­fortzahlung im Krankheits­fall 1956/57 oder die Streiks in Hes­sen gegen die Not­stands­ge­set­ze im Jahr 1968. Zweit­ens, dass es eine Frage der Kräftev­er­hält­nisse ist, ob die Kapitalist*innen damit erfol­gre­ich sein wer­den, Streiks zu ille­gal­isieren und was für einen Ein­fluss diese Ille­gal­isierung hat. Selb­st im Falle, dass die Gerichte unsere Streiks ver­bi­eten und gegen die Gew­erkschaften vorge­hen, kann es keinen sin­nvollen Grund geben, diese Entschei­dung ein­fach zu akzep­tieren und als Organ­i­sa­tio­nen der Lohn­ab­hängi­gen, die Mil­lio­nen von Arbeiter*innen umfassen, ein­fach kampf­los hinzunehmen.

Die Frage, die wir uns als Gewerkschaftler*innen stellen müssen, ist, ob es im Inter­esse der Arbeiter*innen ist, Streiks gegen Out­sourc­ing, Ent­las­sun­gen, aber auch für demokratis­che Rechte oder Klim­agerechtigkeit zu organ­isieren. Falls unsere Antwort ja ist, müssen wir über die Bedin­gun­gen disku­tieren, um dies tat­säch­lich durchzuset­zen.

Sowohl im Kampf gegen Out­sourc­ing oder Schließun­gen, als auch für demokratis­che Rechte der unter­drück­ten Arbeiter*innen, liegt unser materielle Inter­esse in der Organ­isierung von Streiks. Um diese tat­säch­lich durchzuset­zen, müssen wir uns in den Betrieben, aber auch in Gew­erkschaften organ­isieren, um weit­ere Kolleg*innen für die Per­spek­tive des poli­tis­chen Streiks zu gewin­nen, kon­ser­v­a­tive Gew­erkschafts­führun­gen unter Druck zu set­zen und diese Organ­isierung zu ein­er poli­tis­chen klassenkämpferischen Frak­tion zu entwick­eln, die sich über den einzel­nen Betrieben hin­aus aus­dehnen lässt.

Die aktuellen Debat­ten über den poli­tis­chen Streik um den Kli­mas­treik am 20.9. und die Gewerkschaftler*innen, die von ihren Gew­erkschafts­führun­gen einen offiziellen Streikaufruf fordern, zeigen, dass die reak­tionären Recht­sauf­fas­sun­gen immer mehr her­aus­ge­fordert wer­den und ein Teil der Gew­erkschafts­ba­sis ihre poli­tis­chen Inter­essen mit eige­nen Mit­teln, durch Streiks, erkämpfen will.

5. Wir müssen all unsere partiellen Arbeitskämpfe zu Kämpfen der gesamten Klasse machen.

Inner­halb nur eines Jahres kämpften die Beschäftigten des Wombat’s Hos­tels gemein­sam mit den Beschäftigten der Char­ité Facil­i­ty Man­age­ment (CFM), des Char­ité Phys­io­ther­a­pie- und Präven­tion­szen­trums (CPPZ), der Vivantes Ser­vice Gesellschaft (VSG), der BVG und ver­schiede­nen Tochter­fir­men der BVG für deren Arbeits­be­din­gun­gen und wur­den umgekehrt von deren Belegschaften auf den Kundge­bun­gen unter­stützt.

Auch Taxifahrer*innen, Beschäftigte des Botanis­chen Gartens, des Anne-Frank-Zen­trums, der Berlin­er Bäder­be­triebe, von Inte­gral e.V. und anderen sol­i­darisierten sich vor Ort mit den Kämpfen der Hostelarbeiter*innen. Inter­na­tion­al gab es Sol­i­dar­itäts­bekun­dun­gen unter anderem von Las Kellys.

Die kämpferischen Berlin­er Belegschaften sind durch ihre über­be­triebliche Ver­net­zung und Struk­turen wie die Kam­pag­nenini­tia­tive gegen Out­sourc­ing und Befris­tun­gen und den Gew­erkschaftlichen Aktion­sauss­chuss in let­zten Jahren immer weit­er zusam­mengekom­men und haben ihre Kämpfe miteinan­der ver­bun­den.

Die let­zte Demon­stra­tion an dem Tag der Schließung des Hos­tels wurde eben­falls in diesem Sinne organ­isiert: Sie lief vom Char­ité-Gebäude bis zum Wombat’s Hos­tel unter dem Mot­to „jedes Ende ist auch ein Anfang“, in Bezug­nahme auf den kom­menden Tar­ifkampf und mögliche Streiks bei der CFM. Dies macht deut­lich, dass der Kampf und diese Ein­heit der Arbeiter*innen Berlins weit­erge­ht.

Nicht nur in Arbeit­skämpfen sind unter­schiedliche Belegschaften Seite an Seite, son­dern auch in den wichtig­sten gesamt­ge­sellschaftlichen Mobil­isierun­gen wie der Frauen*streik am 8. März oder den Mobil­isierun­gen für die Klim­agerechtigkeit am 20. Sep­tem­ber.

Und genau darum geht es, dass wir als Arbeiter*innen sehen, dass unsere Kämpfe und Forderun­gen nicht im einzel­nen Betrieb aufhören, son­dern dort erst anfan­gen. Indem wir merken, dass wir unsere Inter­essen gegenüber den Inter­essen der Kapitalist*innen nur gemein­sam durch­set­zen kön­nen und gemein­same Streiks einen poli­tis­chen Charak­ter brauchen.

Indem wir fest­stellen, dass wir zur immer weit­eren Aus­beu­tung unser­er Arbeit­skraft verurteilt sind, wenn wir den Kap­i­tal­is­mus und Lohn­sklaverei nicht über­winden. Dass wir unsere Ein­heit als gesamte Klasse her­stellen und eine rev­o­lu­tionäre Kraft auf­bauen müssen, um der kap­i­tal­is­tis­chen Aus­beu­tung und Unter­drück­ung tat­säch­lich ein Ende zu bere­it­en.

One thought on “5 Jahre Kampf bei #Wombats – 5 große Lehren: Hostels denen, die drin arbeiten!

  1. Pete sagt:

    Bess­er kann es nicht for­muliert wer­den!

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