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2017 war das Jahr von Trump – wird 2018 das Jahr von Marx?

2017 war ein Scheissjahr – das wird man wohl sagen dürfen. Aber was kann uns Karl Marx über Donald Trump lehren? Wladek Flakin und Bastian Schmidt hielten diese Neujahrsansprache vor einigen Genoss*innen.

2017 war das Jahr von Trump – wird 2018 das Jahr von Marx?

2017 war ein Scheiß­jahr – das wird man wohl sagen dür­fen. Das Jahr wird in Verbindung mit einem Namen in die Geschichte einge­hen: Don­ald John Trump.

Am 20. Jan­u­ar 2017 hat­te der orange Clown seine Amt­se­in­führung als 45. US-Präsi­dent. Trump ste­ht für zunehmende Kriegs­dro­hun­gen, für staatlichen Ras­sis­mus, für sex­is­tis­che Über­griffe, für mutwillige Umweltzer­störung und für maßlose Speku­la­tio­nen an den Börsen.

Die ganze Welt muss jeden Tag, beina­he jede Stunde auf die Umtriebe dieses recht­en Nar­ren acht­en. So ist die men­schliche Gesellschaft im 21. Jahrhun­dert organ­isiert.

Man kön­nte verzweifeln. Ich fand ein biss­chen Trost in Worten von Karl Marx. Denn der Trump­is­mus ist kein neues Phänomen. Er ist ein ganz nor­males, fast regelmäßiges Pro­dukt der bürg­er­lichen Gesellschaft. Karl Marx hat vor 160 Jahren die fol­gen­den Zeilen über Napoleon Bona­parte geschrieben, die wie die Faust aufs Auge zu Trump passen:

Von den wider­sprechen­den Forderun­gen dieser Sit­u­a­tion gejagt, zugle­ich wie ein Taschen­spiel­er in der Notwendigkeit, durch beständi­ge Über­raschung die Augen des Pub­likums auf sich als den Ersatz­mann Napoleons gerichtet zu hal­ten, also jeden Tag einen Staatsstre­ich en minia­ture zu ver­richt­en, bringt Bona­parte die ganze bürg­er­liche Wirtschaft in Wirrwarr, tastet alles an, was der Rev­o­lu­tion von 1848 unan­tast­bar schien, macht die einen rev­o­lu­tion­s­geduldig, die andern rev­o­lu­tion­slustig und erzeugt die Anar­chie selb­st im Namen der Ord­nung, während er zugle­ich der ganzen Staats­mas­chine den Heili­gen­schein abstreift, sie pro­faniert, sie zugle­ich ekel­haft und lächer­lich macht.

Marx war eben nicht verzweifelt. Nein, er sah den när­rischen recht­en Bona­partismus von Bona­parte als Teil eines offe­nen, wenn auch anfänglichen rev­o­lu­tionären Prozess­es.

Und das lässt sich bei Trump genau­so beobacht­en. Gle­ich am Tag nach sein­er Amt­se­in­führung kam es zu den größten Protesten in der Geschichte der USA, mit drei Mil­lio­nen Men­schen beim Women’s March. Als Folge dessen haben Mil­lio­nen Frauen ange­fan­gen, sich gegen sex­u­al­isierte Gewalt und All­t­ags­sex­is­mus zu wehren, unter dem Hash­tag #metoo. Genau­so kam es zu neuen Bewe­gun­gen gegen ras­sis­tis­che Polizeige­walt und gegen die Kli­makatas­tro­phe.

Unter Trump ver­schär­fen sich die Wider­sprüche des Kap­i­tal­is­mus. Aber gle­ichzeit­ig begin­nen unzäh­lige Mil­lio­nen Men­schen, für ihre Inter­essen zu kämpfen. Trump ist kein Aus­druck der Stärke der Recht­en – er ist Aus­druck ihrer Schwäche.

Nochmal Marx dazu:  

die Rev­o­lu­tion ist gründlich. Sie ist noch auf der Reise durch das Fege­feuer begrif­f­en. Sie voll­bringt ihr Geschäft mit Meth­ode. Bis zum 2. Dezem­ber 1851 hat­te sie die eine Hälfte ihrer Vor­bere­itung absolviert, sie absolviert jet­zt die andre. Sie vol­len­dete erst die par­la­men­tarische Gewalt, um sie stürzen zu kön­nen. Jet­zt, wo sie dies erre­icht, vol­len­det sie die Exeku­tivge­walt, reduziert sie auf ihren rein­sten Aus­druck, isoliert sie, stellt sie sich als einzi­gen Vor­wurf gegenüber, um alle ihre Kräfte der Zer­störung gegen sie zu konzen­tri­eren. Und wenn sie diese zweite Hälfte ihrer Vorar­beit voll­bracht hat, wird Europa von seinem Sitze auf­sprin­gen und jubeln: Brav gewühlt, alter Maulwurf!

Und kön­nen wir in diesem Moment die Rev­o­lu­tion am Hor­i­zont sehen? Nein, natür­lich nicht.

Doch an den schwäch­sten Gliedern des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems wird deut­lich, dass die momen­tane Sta­bil­ität nicht lange anhal­ten kann.

In diesen Momenten eröffnet sich eine vor­rev­o­lu­tionäre Sit­u­a­tion im Iran. Die armen Massen gehen auf die Straße, und auch die Studieren­den und die organ­isierten Arbeiter*innen betreten die Bühne Im Gegen­satz zu 2009 haben sie keine Illu­sio­nen in die soge­nan­nten Reformer. Sie fordern: Nieder mit der Dik­tatur! Ste­ht eine neue iranis­che Rev­o­lu­tion bevor?

Auch den Blick nach Argen­tinien richt­en, lässt Hoff­nung schöpfen. Dort gibt es eine massen­hafte Protest­be­we­gung, wie es sie seit den rev­o­lu­tionären Tagen von 2001 nicht mehr gab. Arbei­t­ende Men­schen mit ihren eige­nen Kampfmit­teln ver­hin­dern Angriffe auf ihre Renten. Und das in einem Land mit ein­er ver­hält­nis­mäßig starken rev­o­lu­tionären Linken mit Ein­fluss in den Betrieben.

Selb­st hier in Berlin sehen wir, wie am 1. Jan­u­ar um 0:00 Uhr die Kolleg*innen vom Botanis­chen Garten ihre Forderun­gen durch­set­zen kon­nten. Nach einem achtjähri­gen Kampf haben sie die Wiedere­ingliederung der Tochter­fir­ma erzwun­gen. Ab jet­zt gilt: Ein Betrieb, eine Belegschaft! Und: Gle­iche Löhne für gle­iche Arbeit. Nun wird der Kampf an vie­len weit­eren Töc­ter­fir­men fort­ge­set­zt.

Lass uns mit rev­o­lu­tionären Selb­st­be­wusst­sein auf das Jahr 2018 schauen. Ja, unsere Klasse ist noch in der Defen­sive. Aber unsere Klasse ist auch größer als je zuvor. Louis Bona­parte (Napoleon III.) war, his­torich betra­chtet, nur ein kleines reak­tionäres Vor­spiel für die Paris­er Kom­mune, die erste sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion der Welt. Trump wird bald die Bühne räu­men müssen.

Und wir wer­den den rev­o­lu­tionären Sozial­is­mus wieder großar­tig machen!

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