Hintergründe

Wohin geht die Weltwirtschaft?

ÖKONOMIE: Eine langfristige Erhol­ung der Weltwirtschaft ist nicht in Sicht. Stattdessen erwartet uns per­spek­tivisch eine Gle­ichzeit­igkeit von Stag­na­tion und Finanzblasen.

Wohin geht die Weltwirtschaft?

// ÖKONOMIE: Eine langfristige Erhol­ung der Weltwirtschaft ist nicht in Sicht. Stattdessen erwartet uns per­spek­tivisch eine Gle­ichzeit­igkeit von Stag­na­tion und Finanzblasen. //

Ste­hen wir vor einem neuen Wirtschafts­boom? Die bürg­er­lichen Wirtschafts­forschungsin­sti­tute und der Inter­na­tionale Währungs­fond (IWF) jeden­falls prog­nos­tizieren für die BRD eine Erhol­ung der Kon­junk­tur und kor­rigierten kür­zlich ihre Wach­s­tum­sprog­nosen nach oben, auf 2,1 bzw. 1,6 Prozent. Doch auch wenn schon ein neuer Boom aus­gerufen wird, läge das Wach­s­tum damit nur leicht über dem durch­schnit­tlichen Wach­s­tum der let­zten 15 Jahre vor der Krise. Während­dessen steigen die Aktienkurse in Frank­furt mit ras­an­tem Tem­po. Weltweit wird ein schwach­es Wach­s­tum erwartet, auch wenn der Auf­schwung in den USA rel­a­tiv stark ist und auch hier die Aktienkurse sich in einem Höhen­flug befind­en.

Grund zum Feiern ist das aber nicht: Denn anders als vielerorts erwartet, hat die Wirtschafts- und Finanzkrise keine neue Peri­ode von schnellem Wach­s­tum durch fal­l­ende Zinssätze und zer­störte Pro­duk­tion­ska­paz­itäten erzeugt. Stattdessen ist weltweit betra­chtet eine Sit­u­a­tion der rel­a­tiv­en Stag­na­tion erkennbar, mit niedri­gen Investi­tion­srat­en und defla­tionären Ten­den­zen, das heißt ein­er niedri­gen bis neg­a­tiv­en Infla­tion­srate. Die Zinssätze befind­en sich auf einem his­torischen Tief, unter anderem durch die Geld­poli­tik der US-amerikanis­chen Fed­er­al Reserve und der Europäis­chen Zen­tral­bank (EZB). Offizielles Ziel dieser Maß­nah­men ist unter anderem die Ankurbelung der Investi­tio­nen.

Säkulare Stagnation

Bürg­er­liche ÖkonomIn­nen wie Lar­ry Sum­mers oder Paul Krug­man vertreten deshalb die These der säku­laren (d.h. langfristi­gen) Stag­na­tion. Sie gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft langfristig zwis­chen Stag­na­tion und Finanzblasen schwankt. Der Mech­a­nis­mus, den sie aus­machen, beste­ht ein­er­seits darin, dass heutzu­tage nur noch Finanzblasen in der Lage seien, Zinssätze so weit zu senken, dass sich Investi­tio­nen lohnen. Ander­er­seits könne die Nach­frage nur noch durch Kon­sumkred­ite so hoch gehal­ten wer­den, dass Unternehmen ihre Pro­duk­te auch verkaufen kön­nen. Sie sprechen von einem Dual­is­mus von Finanzblasen und Stag­na­tion – bei­des wech­selt sich miteinan­der ab und bed­ingt sich gegen­seit­ig. Der Auf­schwung in Deutsch­land wäre nach dieser Inter­pre­ta­tion eng verknüpft mit dem Boom auf den Aktien­märk­ten.

ÖkonomIn­nen wie Sum­mers und Krug­man kön­nen die aktuellen ökonomis­chen Ten­den­zen zwar empirisch erken­nen, aber let­z­tendlich nicht erk­lären. Neben dem fehlen­den Ver­ständ­nis für die innere Logik, die diesen Ten­den­zen zu eigen ist, blenden sie beispiel­sweise auch völ­lig die Rolle aus, die die Kräftev­er­hält­nisse zwis­chen den Impe­ri­al­is­men für die wirtschaftliche Entwick­lung haben. Marx­istIn­nen müssen diese Beobach­tun­gen demge­genüber auf ihren mate­ri­al­is­tis­chen Kern zurück­führen.

Bei­des, die Ten­denz zur Stag­na­tion und die Ten­denz der Entste­hung von Finanzblasen, liegt in der Über­akku­mu­la­tion von Kap­i­tal seit den 70er Jahren begrün­det. Es kam zu ein­er Sit­u­a­tion, in der Kap­i­tal nicht mehr auf ein­er erweit­erten Stufe pro­duk­tiv investiert wer­den kon­nte. Dieses Prob­lem löste das Kap­i­tal tem­porär durch die neolib­erale Offen­sive, die eine Aus­dehnung der Kap­i­ta­lakku­mu­la­tion auf Chi­na und Osteu­ropa ermöglichte, irgend­wann aber auch an eine Gren­ze stoßen musste.

Eine ähn­liche Rolle spielte die Dereg­ulierung von Finanzmärk­ten und die Lib­er­al­isierung von Kap­i­tal­strö­men, die zu einem Wach­s­tum des fik­tiv­en Kap­i­tals, in Form von Aktien oder Anlei­hen, führten. Es han­delt sich dabei im Grunde um Ansprüche auf zukün­ftige Prof­ite. Wenn das fik­tive Kap­i­tal wächst, ohne dass dabei die grundle­gen­den Prob­leme der Über­akku­mu­la­tion gelöst wer­den, steigt let­z­tendlich aber nur der Preis der Aktien oder Anlei­hen, nicht der gesellschaftlich pro­duzierte Wert, auf den diese einen Anspruch erheben. Das ist ein Zus­tand, der nicht auf Dauer aufrecht zu erhal­ten ist.

Das Wach­s­tum des fik­tiv­en Kap­i­tals führt zu ein­er Finanzblase, die irgend­wann platzen muss. Da die struk­turellen Prob­leme der Über­akku­mu­la­tion aber fortbeste­hen, fol­gt auf das Platzen der Blase wieder die näch­ste. Anze­ichen dafür, dass dies heute der Fall ist, ist der ras­ante Anstieg der Aktienkurse.

Keynesianismus oder Revolution

Angesichts dieser Sit­u­a­tion wer­den die Stim­men immer lauter, die (neo-)keynesianische Lösun­gen vorschla­gen und teil­weise von Linken dafür gefeiert wer­den, wie im Falle des griechis­chen Finanzmin­is­ters Yanis Varo­ufakis. Sie schla­gen vor, Investi­tio­nen des Staates anzukurbeln, um mehr Nach­frage und Arbeit­splätze zu schaf­fen. Dabei sind sie nicht in der Lage, das Prob­lem der Über­akku­mu­la­tion grundle­gend zu lösen, son­dern schaf­fen es nur, die Krise weit­er hin­auszuzögern.

Sie beweisen sich damit wieder ein­mal als die besten Vertei­di­gerIn­nen des Kap­i­tal­is­mus, der an seine eige­nen Gren­zen stößt und nur noch durch mas­sive Zer­störung pro­duk­tiv­er Kapaz­itäten beispiel­sweise durch einen Krieg wieder in der Lage wäre, Akku­mu­la­tion zu ermöglichen. Lösun­gen, die let­z­tendlich darauf abzie­len den Kap­i­tal­is­mus am Leben zu erhal­ten, kön­nen nicht pro­gres­siv sein.

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