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Fußballmafia UEFA: Mit eurer Queerfeindlichkeit könnt ihr nach Hause fahr’n!

Der DFB hatte anlässlich des Pride-Month geplant, zum Länderspiel zwischen Deutschland und Ungarn die Allianz-Arena in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Dieses Vorhaben wurde nun von der UEFA untersagt.

Fußballmafia UEFA: Mit eurer Queerfeindlichkeit könnt ihr nach Hause fahr'n!
Foto: anahtiris / shutterstock.com

Die UEFA sei „aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die UEFA diese Anfrage ablehnen“. So begründete der europäische Fußballverband die Entscheidung. Die Aussage, dass die UEFA beziehungsweise Fußball unpolitisch seien, ist schlichtweg gelogen. Jedes große Länderturnier wird von Staaten und deren Regierungen als Bühne genutzt: Sei es, um sich bei Stadionbesuchen und Bildern mit Spielern als bürger:innennah zu inszenieren oder das Singen von Nationalhymnen und der Aufschrei, der folgt, wenn diese nicht mitgesungen werden. Oder auch die Deals, die in Hinterzimmern beschlossen werden, wenn es mal wieder um den Austragungsort des nächsten Turniers geht. Auch das Untersagen der DFB-Anfrage ist ein politisches Statement – und zwar eins für Homophobie und reaktionäre Politik. Das Paktieren der UEFA mit der menschenverachtenden Regierung Ungarns zeigt uns, wie weit der Weg zu einem freien Sport ist, der alle Menschen willkommen heißt.

Es ist klar, dass es sich bei dem Beleuchten der Allianz-Arena und bei der Regenbogenbinde Manuel Neuers um rein symbolpolitische Aktionen handelt, die nicht für sich alleine stehen und keinerlei Verbesserung für die Lebensrealität von queeren Menschen herbeirufen können. Umso erschreckender ist es, dass selbst solche Akte bei der UEFA nicht gerne gesehen sind. Zu groß ist die Angst davor, Ungarn als Partner für diese EM zu verlieren, denn schließlich liegt die Stadionauslastung dort bei 100 Prozent. Außerdem wäre es ja fast schon eine Herkules-Aufgabe, mehr als eine symbolpolitsche Aktion zu unterstützen – der Fokus liegt also auf der pseudo-antirassistischen “Respect” Kampagne.

Gerade gegen Ungarn – ein Land, das erst kürzlich ein Gesetz implementierte, welches es Kindern und Jugendlichen unmöglich macht, sich über Sexualitäten zu informieren, die von der Heteronormativität abweichen – wären die Regenbogen-Farben ein gutes Zeichen gewesen.

Trotz alldem sollte man den DFB wegen dieses Versuchs, sein Image aufzubessern, nicht über den grünen Klee loben. Das Thema Vielfalt spielt beim DFB kaum eine Rolle. So bekommen beispielsweise Personen, die sich als divers verstehen und weder als Mann noch als Frau zugehörig fühlen, in 20 von 21 deutschen Spielverbänden keine Spielberechtigung. Die Taktik des DFB, um dieses Problem anzugehen, war übrigens die Einführung von Unisex-Toiletten.

Einige Bundesliga-Clubs wollen nun ihre Solidarität mit queeren Menschen zeigen, indem sie ihre Stadien mit Regenbogen-Farben schmücken und bestrahlen wollen. Jedoch sollte auch der DFB sich über das Verbot hinwegsetzen und die mögliche Strafe riskieren – die finanziellen Mittel, um diese zu begleichen, wären durchaus vorhanden.

Diese Symbolpolitik lädt nun allerhand reaktionäre Personen, Konzerne und TV-Sender dazu ein, sich als Freund:innen der queeren Szene zu porträtieren. Wenn selbst ein Markus Söder oder der TV-Sender Pro7 sich mit dem DFB und der Regenbogen-Farben Kampagne solidarisieren, wird erschreckend deutlich, wie skrupellos der Pride-Month für ein gutes Image und die Erschließung neuer Märkte ausgeschlachtet wird.

Dass Fußball ein großes Problem mit Homophobie, Rassismus und sonstigem reaktionären Gedankengut hat, ist längst bekannt. Die Tatsache, dass sich mit Thomas Hitzlsperger 2014 zum ersten Mal ein ehemaliger Bundesliga-Profi als homosexuell geoutet hat, spricht Bände. Ebenso die Aussage Philipp Lahms Anfang diesen Jahres, dass sich schwule Fußball-Profis nicht outen sollen, weil nicht genug Akzeptanz da sei, ist ein Armutszeugnis.

Es kann kein queerfreundliches Klima im Sport herrschen, wenn sich die Verbände weigern, dafür einzustehen. Homophobie im Fußball muss bekämpft werden und das nicht nur im Profibereich. Die Erziehung zu einem queerfreundlichen Sport muss bereits in der Jugend passieren und gleichzeitig auch Platz in den Fangruppen finden. Es kann nicht sein, dass rechte Ultra-Gruppen von Vereinen wie Dynamo Dresden, Hansa Rostock und Energie Cottbus quasi ungeschoren davon kommen, wenn sie ihr menschenfeindliches Gedankengut verbreiten. Dass es auch anders geht, beweisen uns Vereine wie etwa St. Pauli oder Babelsberg 03 schon seit Jahren. Doch auch abseits von diesen Beispielen finden sich in vielen Clubs linke Fangruppen zusammen – leider werden diese jedoch von rechten und bürgerlich-konservativen Fans überschattet.

Dieser ganze Skandal gibt uns schon einmal einen Vorgeschmack auf die WM in Katar. Es ist bereits jetzt bekannt, dass unzählige Arbeiter:innen bei den Vorbereitungen für die WM ihr Leben verloren haben. Das Emirat ist bekannt dafür, menschenfeindliche Politik zu Betreiben und wenn man bedenkt, dass die nationale Fluggesellschaft des Staates, Qatar Airways, bereits jetzt immense Summen an Sponsorings – unter anderem für diese EM – bereitstellt und damit Vereine, Turniere und Verbände auf ihre Anti-LGBTQIA+-Linie bringt, kann man sich bereits denken, wie das wohl bei der WM nächstes Jahr ablaufen wird.

Es ist nicht akzeptabel, wenn stets darauf hingewiesen wird, dass Sport grundsätzlich unpolitisch sei – denn das stimmt nicht: Intoleranz tolerieren ist politisch. Die politische Einflussnahme, die man als riesiger Verband hat, nicht anzuerkennen, ist politisch. Es gilt, die reaktionären Kräfte im Fußball und anderen Sportarten zu bekämpfen. Sei es auf dem Platz, in der Fanszene oder in den Vorständen. Es muss Konsequenzen für menschenverachtendes Verhalten geben. Für einen freien Sport für alle und gegen leere Worthülsen und symbolpolitische Kampagnen!

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