Antirassismus

Hafenarbeiter*innen aus USA und Kanada im Streik: Black Lives Matter!

Insgesamt 35 Häfen entlang der kanadischen und US-amerikanischen Westküste werden am 19. Juni aus Protest gegen die Polizeigewalt und den staatlichen Rassismus für einen Tag bestreikt. Die Hafenarbeiter*innen schließen sich den Black Lives Matter-Protesten an.

Hafenarbeiter*innen aus USA und Kanada im Streik: Black Lives Matter!

 

In diesem Jahr findet der 19. Juni, der Befreiungstag der afroamerikanischen Bevölkerung aus der Sklaverei, inmitten historischer Mobilisierungen gegen den Rassismus statt. Die Revolte in Minneapolis hat all die rassistischen Grundlagen, worauf sich die USA stützen, enthüllt. Die Hafenarbeiter*innen senden eine wichtige Botschaft an die Revolte.

Die Gewerkschaft ILWU – International Longshore- and Warehouse Union hatte bereits am 9. Juni in den Häfen die Arbeit für 8 Minuten und 45 Sekunden eingestellt, um gegen den rassistischen Polizeimord an George Floyd zu protestieren. Labournet.de berichtet, dass die ILWU eine reiche Tradition an antirassistischen und internationalistischen Solidaritätsaktionen besitzt: „Sie war eine der ersten amerikanischen Gewerkschaften, die in den 1930er Jahren die Trennung von Arbeitergängen aufhob, und in den 1940er Jahren agitierte sie öffentlich gegen die Internierung japanischer Amerikaner. Während der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren führte die ILWU Organisierungsinitiativen an und führte sogar Martin Luther King als Ehrenmitglied der Gewerkschaft ein, nachdem er 1967 vor Mitgliedern der Local 10 in San Francisco gesprochen hatte. In den letzten Jahren hat die Gewerkschaft mit ähnlichen Arbeitsunterbrechungen gegen die Kriege im Irak und in Afghanistan protestiert und sich geweigert, Container von einem in israelischem Besitz befindlichen Schiff zu entladen, um gegen die Tötung von Palästinensern durch die IDF zu protestieren. Um ihr Engagement gegen Rassismus aufrechtzuerhalten, schloss die Arbeitergewerkschaft im Jahr 2010 auch Häfen wegen des Polizistenmordes an Oscar Grant.“

In den USA schließen heute 38.000 Hafenarbeiter*innen von Seattle bis San Diego – die gesamte Westküste mit 29 Häfen – in Solidarität mit den Black Lives Matter-Protesten. Eine solche Arbeitsniederlegung, die die gesamte Küste der USA und Kanada umfasst, gab es bisher nicht. Die internationale Vereinigung der Hafen- und Lagerarbeiter*innen organisierte zuletzt im Mai 2008 aus Protest gegen die Invasion Iraks eine ganztägige Arbeitsniederlegung.

In Seattle demonstriert die ILWU unter dem Motto „Lasst uns diesen Tag von Feier der Emanzipation der Sklaven in einen Aktionstag gegen die moderne Sklaverei verwandeln!“

Was passiert, wenn die Arbeiter*innenbewegung die Bühne betritt

Mit dem Aufruf „Endet den systemischen Rassismus, Stoppt die Polizeigewalt und stoppt die Privatisierung des Hafens in Oakland“ hat die ILWU zum heutigen Tag mobilisiert. Der Bezug auf die Privatisierung des Hafens in Oakland hat eine Schlüsselfunktion, um aufzuzeigen, wie das Verhältnis zwischen Rassismus und Kapitalismus aussieht: So ist die Privatisierung von Howard Terminal im Hafen von Oakland im Gange, wo stattdessen ein Baseballstadion gebaut werden soll. Außerdem sollen Eigentumswohnungen gebaut werden, weshalb die Gentrifizierung eine große Bedrohung ist. Hinter diesem Projekt steht John Fisher, der Eigentümer der Oakland Athletics und des größten US-Amerikanischen Bekleidungseinzelhändlers GAP Inc. Mit diesem Projekt wird die arme und vor allem afroamerikanische Bevölkerung zur Vertreibung verurteilt.

Der demokratischen Revolte folgt nun ein Hafenstreik, der allerdings bewusst nur auf einen Tag eingeschränkt wurde: Die Kraft ist gigantisch, weil es die gesamte Westküste betrifft und schweren Einfluss auf die gesamte Ökonomie nehmen würde. Die Ausrichtung, dass die Hafenarbeiter*innen sich zu Regierungsangelegenheiten äußern, ist absolut korrekt. Die Hafenarbeiter*innen aus Genua stellten sich inmitten der humanitären Krise um die Geflüchtetenfrage und den Stellvertreterkrieg in Jemen auf die Seite der Unterdrückten. Erst haben sie sich geweigert, saudische Schiffe mit Militärgütern für die Invasion Jemens zu beladen. Im Anschluss dazu haben sie die Botschaft gesendet, die Geflüchteten vom Rettungsschiff Sea Watch 3 empfangen zu wollen.

Im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Aufstand – der das verrottete, rassistische Herz des US-Kapitalismus bloßgelegt hat – hat die heutige Arbeitsniederlegung das Potential, den Beginn einer entscheidenden Phase in diesem historischen Moment zu markieren. Einer Phase, die den Kampf gegen gewaltsamen Polizeiterror und systemischen Rassismus auf den Straßen mit der strategischen Macht der Arbeiter in der Arbeiterbewegung verbinden könnte. Lenin beschreibt diese Zeiten so: „Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert; und Wochen, in denen Jahrzehnte passieren“. Allein dieser einzige Aktionstag wird die US-Unternehmen und den Staat, der ihre Gewinne verteidigt, Milliarden Dollar kosten. Stellen Sie sich vor, was passieren könnte, wenn Hafenarbeiter*innen, Transportarbeiter*innen und andere Schlüsselsektoren von Küste zu Küste die Arbeit niederlegen und sich den Hunderttausenden von jungen Menschen anschließen würden, die auf den Straßen protestieren. Ein solches Bündnis würde dieses System der Ausbeutung, das vom Leben der Schwarzen auf der ganzen Welt profitiert, dort treffen, wo es am meisten schmerzt.

Damit diese Bewegung weitergehen kann, sind weitere Aktionen wie diese – ein Kampf gegen die Polizei und den Staat und gegen die korrupte Gewerkschaftsbürokratie, die die Polizeigewerkschaften schützt – lebensnotwendig. Die ILWU-Mitglieder Trent Willis und Keith Shanklin schrieben an den Präsidenten der ILWU: „Es ist dringend notwendig, dass die Gewerkschaften auf den rassistischen Aufschwung reagieren. Tatsächlich geht es hier um Leben und Tod.

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