Frauen und LGBTI*

Gegen Feminizide und die sexistische Gewalt der Klimakrise: Flashmob und Großdemonstration

33.000 Menschen bei der Klimastreik-Demo in München, 60.000 in Berlin – und über 100 Teilnehmende bei anti-patriarchalem Flashmob in Solidarität mit den Aufständen in Chile und überall auf der Welt und in Unterstützung aller Frauen und Queers, die immer deutlicher eine Führungsrolle im weltweiten Klassenkampf einnehmen. Brot und Rosen Berlin und München beteiligte sich an den Mobilisierungen.

Gegen Feminizide und die sexistische Gewalt der Klimakrise: Flashmob und Großdemonstration

Titel­bild: Anai Paz

Heute haben über 100 Frauen und Queers in Sol­i­dar­ität mit dem anhal­tenden Auf­stän­den in Chile und auf der ganzen Welt eine Per­for­mance durchge­führt, welche die Mit­täter­schaft des Staates bei jedem einzel­nen Fem­i­nizid anprangert. “Der Verge­waltiger bist du”, schrien heute tausende Frauen und Queers weltweit, nach­dem das Kollek­tiv LasTe­sis aus San­ti­a­go de Chile zu inter­na­tioanlen Flash­mobs aufgerufen hat­te. In Berlin beteiligten auch wir von Brot und Rosen uns bei der Aktion vor dem Bran­den­burg­er Tor und vor der US-Botschaft — ersteres ein Sym­bol des deutschen Staates und sein­er impe­ri­al­is­tis­chen Macht, und let­zteres die höch­ste Repräsen­tanz des US-Impe­ri­al­is­mus in Deutsch­land. Viele Frauen und Queers, die kein Spanisch sprechen, lern­ten genau­so begeis­tert den Lied­text wie viele Lat­inxs der Dias­po­ra. Dabei wurde nicht nur das ein­studierte Lied auf Spanisch gesun­gen, son­dern auch inter­na­tion­al­is­tis­che Parolen gerufen: von Bolivien, über Ecuador, Brasilien und Haiti wurde sich mit den Auf­stän­den in Kur­dis­tan, dem Sudan, im Libanon, dem Irak und dem Iran sol­i­darisiert.

Fotos: Anai Paz

Die Aktion in Berlin sah sich auch als Teil der inter­na­tionalen Mobil­isierung anlässlich des Glob­al Cli­mate Strike, an dem sich allein in Berlin 60.000 Men­schen beteiligten. An der Demon­stra­tion und den vorheri­gen Aktio­nen beteiligten wir uns eben­falls.

Erstochen, weil sie sich trennen wollte: Maria-Lena

Wie die Berlin­er Zeitung gestern berichtete, lautet der Name des jüng­sten Opfers patri­ar­chaler Gewalt in Berlin Maria-Lena. Die 28-jährige Slaw­istin und Wis­senschaftliche Mitar­bei­t­erin der Uni­ver­sität Kiel ver­suchte sich von ihrem gle­ichal­tri­gen Part­ner zu tren­nen. Er erstach sie daraufhin bru­tal und ver­suchte sich das Leben zu nehmen. Die Polizei nahm ihren Mörder fest und trans­portierte ihn ins Kranken­haus. Die Berlin­er Staat­san­waltschaft wertet den Mord an Maria-Lena jedoch als Totschlag und nicht als Mord. Hierzu erk­lärt die Berlin­er Zeitung:

“For­maljuris­tisch wird aus ein­er Tötung ein Mord, wenn dem Täter etwa Mord­lust, Habgi­er, Heimtücke, Grausamkeit oder son­stige niedere Beweg­gründe nachgewiesen wer­den kön­nen. Let­ztere liegen laut Geset­zbuch dann vor, wenn das Motiv der Tötung ’nach all­ge­mein­er sit­tlich­er Würdi­gung auf tief­ster Stufe’ ste­ht und deshalb ‘beson­ders ver­acht­enswert’ ist. Wenn ein Mann eine Frau wegen ein­er Tren­nung tötet, sei ein nieder­er Beweg­grund als Mord­merk­mal aber anzuzweifeln, entsch­ied der Bun­des­gericht­shof im Jahr 2008. Zumin­d­est dann, wenn ‘die Tren­nung von dem Tatopfer aus­ge­ht und der Angeklagte durch die Tat sich dessen beraubt, was er eigentlich nicht ver­lieren will’.”

Das Eigen­tums­denken von tox­is­chen, patri­ar­chalen Beziehungsvorstel­lun­gen kann soweit gehen, dass Men­schen — und hier über­pro­por­tion­al viele Män­ner — bere­it sind, die Men­schen die sie ange­blich “lieben”, zu töten, damit diese, wenn nicht mit ihnen, niemals wieder mit irgendwem anderes eine Liebes­beziehung führen dür­fen. Diese Logik ist zutief­st sex­is­tisch und entspringt ein­er frauen­ver­ach­t­en­den Gesellschaft, in der Eigen­tumsver­hält­nisse alles bes­tim­men. Denn hier geht es nicht nur um den Täter als Einzeltäter — das gesamte juris­tis­che Sys­tem erken­nt Eifer­sucht und Sex­is­mus über­haupt nicht als “niederen Beweg­grund” an. Dies unter­stre­icht die Bru­tal­ität der insti­tu­tionellen Gewalt gegen Frauen und Queers. Der bürg­er­liche Staat, der vorgibt, Frauen und Queers zu schützen, ist let­ztlich mit für diese Tat­en ver­ant­wortlich, weil er die struk­turellen Bedin­gun­gen der Gewalt aufrecht erhält.

Um Fem­i­nizide nicht weit­er in der Anonymität zu ver­han­deln, nah­men wir heute bei dem Flash­mob auch mit einem Schild teil, auf dem wir auf den Mord an Maria-Lena aufmerk­sam macht­en. 123 Frauen wur­den let­ztes Jahr in Deutsch­land von ihrem Part­ner oder Ex-Part­ner ermordet. Für 2019 zählen wir bere­its min­destens 106 ermordete Frauen.

Klimastreik ist ein feministisches Thema!

Schon seit mor­gens waren wir auf der Straße beim Glob­al Cli­mate Strike von Fri­days for Future. 60.000 Men­schen beteiligten sich allein in Berlin an der Demon­stra­tion, nach ein­er Woche inten­siv­er Mobil­isierung und Diskus­sion an allen Berlin­er Hochschulen, an denen sich auch Arbeiter*innen beteiligten, z.b. vom Botanis­chen Garten der FU Berlin. Die Kli­makrise ist für uns auch eine Form der Gewalt, die Frauen und Queers heute schon mit beson­der­er Härte trifft: Die Fol­gen der Kli­makatas­tro­phe — wie lange Dür­repe­ri­o­den, das Steigen des Meer­esspiegel, Über­schwem­mungen und Wasser­man­gel — gefährden über­pro­por­tion­al die Gesund­heit und Lebens­be­din­gun­gen von Frauen und Mäd­chen im Glob­alen Süden und in den Periph­e­rien der impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern. Ver­ant­wortlich dafür ist die kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion­sweise, die den Prof­it der Bosse über unsere Leben stellt.

Deshalb demon­stri­erten wir von Brot und Rosen gemein­sam mit Studieren­den der Hochschul­gruppe organize:strike und Arbeiter*innen der Basis­gew­erkschafts­gruppe ver.di aktiv für eine antikap­i­tal­is­tis­che Lösung der Kli­makrise. Wir lehnen das Klima­paket der Bun­desregierung ab, welch­es keine Lösun­gen ver­spricht. Denn der deutsche Impe­ri­al­is­mus und seine Unternehmen treiben auf der ganzen Welt maßge­blich die Umweltzer­störung voran. Dage­gen set­zen wir die Notwendigkeit, dass wir uns an den Orten, an denen wir arbeit­en und/oder studieren bzw. eine Aus­bil­dung machen, organ­isieren, wie wir es in der ver­gan­genen Woche an den Uni­ver­sitäten getan haben – indem wir Hörsäle beset­zten, Teach Ins abhiel­ten und Vol­lver­samm­lun­gen organ­isierten. Gemein­sam mit den Arbeiter*innen von ver.di aktiv fordern wir von den Gew­erkschafts­führun­gen des DGB, endlich zum poli­tis­chen Streik aufzu­rufen.

Auch in München beteiligte sich Brot und Rosen an der Vol­lver­samm­lung der Studieren­den der Lud­wig-Max­i­m­il­ians-Uni­ver­sität München im Rah­men des Kli­mas­treiks, wo 250 Men­schen zusam­men kamen. Hier­bei wurde unter­strichen, dass die Klimabe­we­gung fem­i­nis­tisch und anti­ras­sis­tisch sein muss, und dass von Fri­days for Future an der Uni­ver­sität auch die struk­turellen Auss­chlüsse von Men­schen im Asyl­prozess, sowie von aufen­thalts­gesicherten Migrant*innen the­ma­tisiert wer­den muss, um eine inter­na­tion­al­is­tis­che Bewe­gung wirk­lich zu ermöglichen.

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