Geschichte und Kultur

Fünf weitere Lesetipps zur deutschen Revolution – Biografien und Memoiren

Gestern begann das Jubiläumsjahr der Novemberrevolution von 1918. Die Literatur zu dieser "vergessenen Revolution" ist eher dürftig. Aber aus Biografien und Memoiren der Protagonist*innen können wir viel lernen.

Fünf weitere Lesetipps zur deutschen Revolution – Biografien und Memoiren

Siehe auch: Fünf Lesetipps zur deutschen Rev­o­lu­tion.

Ralf Hof­frogge:
Richard Müller. Der Mann hin­ter der Novem­ber­rev­o­lu­tion.

Was ist eigentlich aus Richard Müller? Als Chef der “Rev­o­lu­tionären Obleute” hat er maßge­blich den Auf­s­tand vom 9. Novem­ber 1918 organ­isiert. Als Vor­sitzen­der des Vol­lzugsrats der Arbeit­er- und Sol­daten­räte wurde er sog­ar zu ein­er Art Staat­sober­haupt der entste­hen­den Rätere­pub­lik. In den Jahren nach der Nieder­lage schrieb er auch eine dreibändi­ge Geschichte der Rev­o­lu­tion. Trotz­dem war lange Zeit über­haupt nicht bekan­nt, was Müller nach seinem Bruch mit dem Kom­mu­nis­mus Mitte der 1920er Jahre tat. Der junge His­torik­er Ralf Hof­frogge erzählt seine gesamte Geschichte.

Edi­tion: 2008 bei Dietz erschienen.

Paul Frölich:
Rosa Lux­em­burg. Gedanke und Tat.

Paul Frölich wurde zum jüng­sten und linkesten Mit­glied in die Zen­trale der neu gegrün­de­ten KPD gewählt, zusam­men mit Rosa Lux­em­burg. Nach ihrer Ermor­dung wurde Frölich zum Ver­wal­ter ihres Nach­lass­es. Er veröf­fentlichte zahlre­iche Bände mit Lux­em­burgs Auf­sätzen. Die Stalinist*innen haben Frölich Ende der 1920er Jahre aus der KPD getrieben. Vor den Nazis floh er nach Frankre­ich, wo er die defin­i­tive Biogra­phie Rosa Lux­em­burgs schrieb – durch­drun­gen vom tiefen Ver­ständ­nis ihrer The­o­rien und ihrer Lei­den­schaft, wie es nur ein enger Mitkämpfer haben kon­nte. (Auch sehr zum empfehlen: Frölichs erst vor kurzem veröf­fentlichte Auto­bi­ogra­phie “Im radikalen Lager”.)

Edi­tion: 1939 im franzö­sis­chen Exil erschienen. Zahlre­iche neue Aufla­gen in vie­len ver­schiede­nen Sprachen.

Kate Evans:
Red Rosa

Über Rosa Lux­em­burg sind zahlre­iche Biogra­phien ver­fasst wor­den. Die britis­che Zeich­ner­in fand den­noch einen neuen Zugang: Ein Graph­ic Nov­el über das Leben der jüdisch-pol­nisch-deutschen Rev­o­lu­tionärin. Lux­em­burg lebte “wie eine Kerze, die an bei­den Enden bren­nt”, und auf den Zeich­nun­gen sieht man die kleine Frau nicht nur als unver­gle­ich­bares Genie der pro­le­tarischen Rev­o­lu­tion, son­dern auch als Men­sch.

Edi­tion: 2015 auf Englisch | eine spanis­chsprachige Aus­gabe wurde 2017 von unseren argen­tinis­chen Genoss*innen her­aus­gegeben | eine deutsche Edi­tion fehlt noch.

Rosa Lev­iné-Mey­er:
Lev­iné: Leben und Tod eines Rev­o­lu­tionärs, Erin­nerun­gen. 

UND

Im inneren Kreis: Erin­nerun­gen ein­er Kom­mu­nistin in Deutsch­land 1920–1930.

Rosa Lev­iné-Mey­er verkör­pert schon in ihrem Nach­na­men einen wichti­gen Teil der Geschichte der rev­o­lu­tionären KPD. Die in Rus­s­land geborene Rosa Broi­do war einst Ehe­frau des rus­sisch-deutschen Rev­o­lu­tionärs Eugen Lev­iné, der die zweite bay­erische Rätere­pub­lik leit­ete. Noch heute ist dieser berühmt für seinen Mut: “Wir Kommunist*innen sind nur Tote auf Urlaub.” Nach sein­er Ermor­dung schrieb sie eine sehr per­sön­liche Biografie. Später heiratete sie den KPD-Vor­sitzen­den Ernst Mey­er und bekam dadurch ihren Dop­pel­na­men. Im britis­chen Exil schrieb Lev­iné-Mey­er auch ihre eige­nen Erin­nerun­gen auf. Bei­de Bände geben einen ungewöhn­lichen Ein­blick in das Leben an der Spitze der rev­o­lu­tionären Bewe­gung.

Edi­tion Lev­iné: 1973 auf Englisch | deutsche Über­set­zung 1972.

Edi­tion Erin­nerun­gen: 1977 auf Englisch | deutsche Über­set­zung 1979.

Karl Ret­zlaw:
Spar­takus – Auf­stieg und Nieder­gang. Erin­nerun­gen eines Parteiar­beit­ers.

Ret­zlaw, ein ein­fach­er Arbeit­er aus Berlin, wurde in jun­gen Jahren in der Oppo­si­tion gegen den Ersten Weltkrieg aktiv. Schnell entwick­elte er sich zu einem Experten für kon­spir­v­a­tive Tätigkeit­en und schützte die KPD-Führung vor den Angrif­f­en der Reak­tion. Ret­zlaw war an vie­len Bren­npunk­ten der rev­o­lu­tionären Bewe­gung in Deutsch­land aktiv, sowohl in der Rätere­pub­lik in München wie beim Auf­s­tand in Ham­burg. Er leit­ete den geheimen Appa­rat der KPD, war aber kein bloßer Tech­niker, son­dern entwick­elte sich auch zu einem Kri­tik­er des Stal­in­is­mus. Nach seinem Bruch mit der KPD war Ret­zlaw in der trotzk­istis­chen Bewe­gung aktiv. Seine aus­führlichen Erin­nerun­gen deck­en mehrere Gen­er­a­tio­nen der rev­o­lu­tionären Arbeiter*innenbewegung ab, aber beson­ders 1918–23 sind die Episo­den inter­es­sant.

Edi­tion: 1971 erschienen und anti­quar­isch erhältlich.

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