Erneuter Überfall auf Linke in Neukölln

01.01.2016, Lesezeit 2 Min.
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In der Silvesternacht gab es einen gewaltsamen Überfall auf Linke in Berlin-Neukölln. Attacken auf linke Räume und Personen häufen sich in dem Viertel im letzten Monat. Dieses Mal kam der Angriff aber nicht aus Nazistrukturen, sondern von der maoistischen Gruppe “Jugendwiderstand”.

Kurz nach Mitternacht stießen etwa ein Dutzend Mitglieder und Freund*innen der „Revolutionären Internationalistischen Organisation“ (RIO) in einer Seitenstraße in der Nähe des S-Bahnhofs Neukölln auf den Jahreswechsel an, als sie von einer Gruppe männlicher Mitglieder des Jugendwiderstand angegriffen wurden. Darunter befand sich unter anderem der Rapper Taktikka. Mehrere Mitglieder von RIO wurden mit Schlägen ins Gesicht und in den Magen attackiert, einer erlitt dadurch eine blutige Verletzung im Gesicht. Lilly Freytag, Aktivistin bei RIO, beschreibt die Situation:

„Wir ließen Raketen steigen und tauschten uns über Vorsätze für das neue Jahr aus. Einige Mitglieder des Jugendwiderstand liefen an uns vorbei und erkannten uns. Dabei fielen schon sexistische Sprüche wie ‚Trotzkistenfotze‘. Nachdem sie sich entfernt hatten, kamen kurze Zeit später etwa zehn von ihnen, teils vermummt, zurück. Sie beschimpften uns als ‚Hurensöhne‘, riefen ‚Das ist unser Viertel‘ und fingen an, auf uns einzuschlagen. Einige Nachbar*innen, jahrzehntelange proletarische Neuköllner*innen, kamen uns zur Hilfe und fragten, ob es sich um einen Naziüberfall handelte.“

Rassistische Schmierereien, Brandanschläge auf linke Lokale und Angriffe auf Aktivist*innen und Migrant*innen werden auch in Neukölln und Kreuzberg immer häufiger. Immer wieder besetzen massive Polizeiaufgebote den Kiez, wie bei Zwangsräumungen und Demonstrationen. Wladek Flakin, ebenfalls Mitglied von RIO und freier Journalist, meint: „Sie sprechen von ‚ihrem Viertel‘, obwohl sie auch erst vor ein paar Jahren aus dem Berliner Speckgürtel hierher gezogen sind. Anstatt es nun gegen Naziattacken und Polizeirepression zu verteidigen, sieht der Jugendwiderstand die Gegner*innen offenbar in anderen linken Aktivist*innen und ‚zugezogenen Hipstern‘. Von rechtsextremen Übergriffen ist das kaum zu unterscheiden.“ 

Die Revolutionäre Internationalistische Organisation verurteilt diesen Angriff aufs Schärfste und ruft alle linken und gewerkschaftlichen Organisationen, Kiezinitiativen und Einzelaktivist*innen dazu auf, sich zu solidarisieren und sich vom Jugendwiderstand zu distanzieren. „Gruppen, deren Politik darin besteht, in Zeiten wachsender rechter Gewalt und staatlicher Aufrüstung andere Linke physisch anzugreifen, können nicht als Linke oder gar Kommunist*innen bezeichnet werden“, so Flakin.

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