Hintergründe

Doppelpunkt für Barrierefreiheit: Warum wir das Gendersternchen nicht mehr benutzen

Seit einiger Zeit ist der Doppelpunkt als Genderzeichen aufgetaucht. Was steckt dahinter und warum machen wir das?

Doppelpunkt für Barrierefreiheit: Warum wir das Gendersternchen nicht mehr benutzen
Bildquelle: KGK

Viele Benutzer:innen verwenden einen Screenreader, also eine Assistenzsoftware, die einen Text vorliest und einem so hilft, wenn man den Text nicht sehen kann. Vor allem Blinde benutzen diese Software. Screenreader lesen die meisten Sonderzeichen mit ihrem Namen vor, während der Doppelpunkt einfach mit einer Pause vorgelesen wird. Also “Arbeiter Unterstrich Innen” vs “Arbeiter Innen”.

Die Variante mit dem Doppelpunkt ist also deutlich angenehmer anzuhören. Inhaltlich gibt es keinen Unterschied zwischen Gendersternchen, Unterstrich und Doppelpunkt: In allen drei Varianten geht es um “Menschen aller Geschlechter” (auch im Gegensatz zum Binnen-I, das normalerweise nur Männer und Frauen mit einschließt.)

Wir haben Leser:innen aus den unterschiedlichsten Situationen und mit den unterschiedlichsten Bedingungen, und immerhin ist ein guter Teil der Arbeiter:innenklasse von Behinderungen und chronischen Krankheiten betroffen!

Wir versuchen stetig unsere Arbeit zu professionalisieren. Aktuell arbeiten wir deshalb an einigen Verbesserungen, und versuchen unsere Seite barrierefreier zu machen. Bis alles umgesetzt ist, dauert es noch etwas, aber das Gender-Zeichen zu ändern geht schnell, deswegen machen wir das auch jetzt schon. Das Archiv mit über 5.000 Artikeln wird selbstverständlich auch folgen.

In diesem Sinne: Viel Spaß, Freude, Anregungen und politische Weiterentwicklung mit unseren Artikeln, liebe Leser:innen!

2 thoughts on “Doppelpunkt für Barrierefreiheit: Warum wir das Gendersternchen nicht mehr benutzen

  1. PN sagt:

    Hey,
    Erst einmal möchte ich sagen, dass ich nicht weiß, ob Screen Reader mittlerweile mit dem Sternchen besser umgehen können, das wäre natürlich wichtig.
    Abgesehen davon ist es soweit ich weiß so, dass das Gendersternchen von Seiten der LGBTQ+ community klare Vorzüge bietet. Grob zusammengefasst ist es inklusiver (als Stern mit Zacken weist es auf ein Spektrum hin, wohingegen nach dem Doppelpunkt theoretisch eine Aufzählung folgen müsste, es kommt aber nur die feminine Form) und ist aus aktivistischer Sicht auch notwendig. Der Doppelpunkt wird von nicht-lesebehinderten Menschen (ist das eine korrekte Bezeichnung im deutschen?) einfacher gelesen und damit überlesen. Um langfristig eine inklusivere Sprache zu ermöglichen, muss aggressiv destruktiv gegendert werden, soll heißen, Leser*innen müssen sich, zumindest wenn damit erstmals konfrontiert, gestört und unterbrochen fühlen.

    Das nur als Denkanstoß, ich gehe davon aus, dass ihr euch damit auseinandergesetzt habt.

    1. Anja Bethaven sagt:

      Hi PN,

      danke für deinen Kommentar!
      Ja, wir haben im Vorfeld hin- und herüberlegt. Es gibt auch Menschen, die Screenreader benutzen und das Sternchen bevorzugen, man kann auch Steuerzeichen individuell umstellen und so Sachen.

      Umgekehrt gibt es auch aus anderen Behinderten-Communities große Probleme mit dem Sternchen (z.B. unter Autist:innen, von denen viele den Doppelpunkt stark bevorzugen).

      Letztendlich sind wir dann aber zu dem Entschluss gekommen, dass die Vorteile des : überwiegen. Insgesamt werden wir vermutlich nur eine Möglichkeit zu gendern finden, die niemanden ausschließt, indem wir es schaffen und insgesamt weniger auf Gender konzentriert auszudrücken – dann fallen die Genderzeichen weg :)

      Bis wir eine bessere Lösung gefunden haben, bleibt es also erstmal dabei.

      Viele Grüße
      Anja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.