Geschichte und Kultur

Die Rebell*innen von Star Wars: Antifaschistische Partisan*innen oder rechte Todesschwadronen?

Am ersten Wochenende nahm der Film über eine halbe Milliarde US-Dollar ein: "Star Wars: Das Erwachen der Macht" feierte den mit Abstand erfolgreichsten Filmstart der Geschichte. Oberflächlich betrachtet geht es hier um die Rebellion gegen Unterdrückung. Aber was für ein Programm vertreten die Rebell*innen von Luke Skywalker?

Die Rebell*innen von Star Wars: Antifaschistische Partisan*innen oder rechte Todesschwadronen?

Die Bilder sprechen eine deut­liche Sprache: Auf der einen Seite ste­hen end­lose Rei­hen von iden­tis­chen weißen Sol­dat­en (Soldat*innen?), die einem allmächti­gen Führer gehorchen – wie ein feuchter Traum von Albert Speer im Weltall. Auf der anderen Seite kämpft ein bunt zusam­mengewür­fel­ter Haufen von Rebell*innen, aus allen möglichen Spezies zusam­menge­set­zt, die lediglich ihrem Drang nach Frei­heit fol­gen.

Bei Star Wars scheinen die Rollen klar verteilt zu sein: Wie Tom-Dar­iusch Allah­yari auf Linkswende schreibt:

Die Rebell*innen sehen mehr als je zuvor wie antifaschis­tis­che Partisan*innen aus. Auf der anderen Seite klingt der Begriff „Stormtroop­er“ auf­fäl­lig nach der „Sturmabteilung“ der Nazis, abgekürzt SA.

Im siebten Film wird diese Ästhetik auf die Spitze getrieben: “Der Erste Orden” sieht so aus, als wäre er ger­ade vom Nürn­berg­er Parteitag der NSDAP gekom­men.

Und doch müssen wir genauer analysieren, wer die Rebell*innen wirk­lich sind.

Ver­schiedene revi­sion­is­tis­che The­o­rien kur­sieren durchs Netz. Com­fort­ablySmug ver­gle­icht Luke Sky­walk­er als Bomben leg­en­der Reli­gion­ss­chüler mit einem Ter­ror­is­ten des Islamis­chen Staates. Jonathan Last behauptet in der recht­skon­ser­v­a­tiv­en US-Zeitschrift Week­ly Stan­dard, das Imperi­um sei eine “gutar­tige Dik­tatur”, wie die von Pinochet in Chile – bei­de blutrün­sti­gen Regime unter­stützt er im Namen sein­er neolib­eralen Vorstel­lung von “Frei­heit”.

Doch in bish­er sieben Fil­men hören wir kein einziges Wort über das Pro­gramm der Rebel­lion. Sie kämpfen gegen das Imperi­um – aber wofür? Das Imperi­um sieht wie ein Polizeis­taat aus. Aber die alte Repub­lik set­zte die gle­ichen Repres­sivkräfte ein, und es gibt kein Anze­ichen, dass sie früher weniger selb­s­ther­rlich agierten. Wollen die Rebell*innen also ein­fach ein Imperi­um ohne Imper­a­tor?

Zur sozialen Basis der Rebell*innen gehören:

  • eine Erb­monarchin, die per Geburt­srecht einen ganzen Plan­eten beherrscht;
  • ein Ban­dit, der vom Dro­gen­schmuggel und vom Han­del mit anderen ille­galen Gütern lebt;
  • der “Ver­wal­ter” ein­er pri­vat­en Stadt in den Wolken (in wessen Besitz?);
  • ein “Bauern­sohn”, der intel­li­gente Wesen kauft und zum Arbeit­en zwingt – sie müssen ihn sog­ar “Meis­ter” nen­nen! –, also genauer gesagt der Besitzer ein­er Sklav*innenplantage.

Der Auf­s­tand soll den Jedi-Orden, der tausend Gen­er­a­tio­nen lang die Galax­ie beherrschte, an seinen richti­gen Platz zurück­be­fördern. Doch wie wir in den Episo­den 1–3 sehen kon­nten, herrschte dieser religiöse Mil­itäror­den ohne jegliche demokratis­che Kon­trolle – die Ritter*innen kom­mandierten die Trup­pen der Repub­lik, unter­standen aber kein­er­lei Kon­trolle durch Par­la­ment oder Regierung. Dabei beriefen sie sich auf ihre genetis­che Über­legen­heit. Die alte Repub­lik ist also ein­er Theokratie im Sinne der Mönchs-Dik­tatur des Dalai Lama in Tibet sehr ähn­lich.

Eine demokratis­che Auf­s­tands­be­we­gung sieht anders aus. Kein einziges Mal ver­suchen die Rebell*innen, die Bevölkerung zum massen­haften Wider­stand aufzuwiegeln. Stattdessen ziehen sie sich auf entle­gene Plan­eten zurück und hort­en schwere Waf­fen. Und wer finanziert über­haupt ihre Schiffe, die kein biss­chen klein­er als die Ster­nen­z­er­stör­er des Imperi­ums sind? Wie Sam Kriss auf Jacobin notiert:

Wir hören, dass die Rebel­lenal­lianz wach­sende Unter­stützung inner­halb des Impe­ri­alen Sen­ats genießt. Impe­ri­ale Sen­ate mögen in der Regel keine anständi­gen Revolutionär*innen.

Kriss schlussfol­gert: Eine Rebel­lion mit ein­er solchen sozialen Basis wirke “nicht wie Freiheitskämpfer*innen, son­dern wie Con­tras, rechte Todess­chwadro­nen”.

“Gut” und “Böse” sind in dieser Galax­is nicht so ein­deutig, wie die Kostümdesigner*innen mit hellen und dun­klen Stof­fen sug­gerieren wollen. Nein, diese Filme basieren so stark auf einem reak­tionären Welt­bild, dass selb­st die Trib­ute von Panem im Ver­gle­ich wie ein bolschewis­tis­ch­er Pro­pa­gandafilm wirkt.

Unab­hängig von den aris­tokratis­chen Frak­tio­nen des Imperi­ums und der Rebell*innen muss eine Alter­na­tive aufge­baut wer­den, die für die Rechte der arbei­t­en­den Men­schen ein­tritt. Denn auch wenn wir über die poli­tis­che Ökonomie der Galax­is so gut wie nichts gefahren, lässt die große Bedeu­tung des Geldes darauf schließen, dass wir es trotz der fort­geschrit­te­nen Tech­nolo­gie mit ein­er kap­i­tal­is­tis­chen Wirtschaft zu tun haben.

Und das bedeutet wiederum, dass die große Mehrheit der Men­schen lohn­ab­hängig sein muss – wer hätte son­st die Todessterne gebaut? Diese galak­tis­chen Arbeiter*innen dür­fen nicht den falschen Ver­sprechen elitär­er “Rebell*innen” glauben, dür­fen nicht auf die Kraft von aris­tokratis­chen Ritter*innen hof­fen, son­dern müssen auf ihre eigene Macht set­zen.

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